Schichten, Kammern, Klappen und Herzphasen sind KernprĂŒfungsstoff.
Das Herz im Ăberblick
Stell dir das Herz wie eine Doppelpumpe in einem Haus mit 4 RÀumen vor: 2 Vorhöfe oben (Wartezimmer) und 2 Kammern unten (die krÀftigen PumprÀume). Die rechte HaushÀlfte pumpt "verbrauchtes" Blut zur Lunge, die linke pumpt "frisches" Blut in den Körper.
Lage: Mediastinum (Mittelfellraum zwischen den Lungen), leicht nach links versetzt. Gewicht: ca. 250â300 g â etwa so schwer wie eine MĂ€nnerfaust und etwa so groĂ. Nicht 800 g (hĂ€ufiger PrĂŒfungsfehler!). Das Herz besteht aus 2 Vorhöfen (Atrien) + 2 Kammern (Ventrikel).
Das Herz ist so groĂ wie deine eigene Faust â und liegt auch ungefĂ€hr dort, wo du eine Faust auf die Brustmitte legen wĂŒrdest (leicht nach links). Diese "Faustregel" hilft dir, dir Lage und GröĂe gleichzeitig zu merken.
Mitralklappe = Bikuspidalklappe (2 Segel), Trikuspidalklappe (3 Segel). EselsbrĂŒcke: Die Mitralklappe sieht aus wie eine BischofsmĂŒtze (lat. mitra = MĂŒtze) â die hat zwei Spitzen, also 2 Segel. Die Trikuspidalklappe hat "tri" = drei Segel. Und: die Klappe mit 2 Segeln (Mitral) liegt links, weil "Mi" wie "links" ... naja, am besten merkt man: LINKS = MITRAL = 2 Segel.
Schau dir die Pfeile in der Grafik genau an: In den Lungenvenen (orange) flieĂt das Blut ZUM Herzen hin und ist sauerstoffreich â das ist die wichtigste Ausnahme, die in der PrĂŒfung gern gefragt wird! Und die Lungenarterie (lila) fĂŒhrt sauerstoffarmes Blut VOM Herzen weg. Bei allen anderen GefĂ€Ăen gilt: Arterie = rot/sauerstoffreich, Vene = blau/sauerstoffarm.
Die 3 Herzschichten
Schicht
Bezeichnung
Funktion
Endokard
Herzinnenhaut
Glatte Innenauskleidung; bildet die Herzklappen (aus Endothel)
Die Segelklappen werden durch Chordae tendineae (SehnenfĂ€den) gehalten, die an Papillarmuskeln im Kammerinneren befestigt sind. Dies verhindert, dass die Segel bei der Systole in den Vorhof zurĂŒckschlagen (Prolaps). Bei Herzinfarkt kann ein Papillarmuskel einreiĂen â akute Mitralinsuffizienz â Notfall!
Segelklappen: Trikuspidal + Mitral. Taschenklappen: Pulmonal + Aorta. Mitralklappe trennt LINKEN Vorhof von linker Kammer â nicht rechts! HĂ€ufige PrĂŒfungsfalle.
Herzskelett
Das fibröse Herzskelett (anulus fibrosus) ist ein Bindegewebsring, der die Vorhöfe elektrisch von den Kammern trennt. Die Erregung kann nur ĂŒber das His-BĂŒndel ĂŒbertreten. Das Herzskelett bildet die Basis, an der Herzklappen und Herzmuskulatur befestigt sind. Es besteht nicht aus Knochen, sondern aus Bindegewebe â im Alter kann es verkalken.
Die 4 Herzphasen
Phase
Klappenstatus
Was passiert?
Anspannungsphase (isovolumisch)
Alle 4 Klappen geschlossen!
Kammerdruck steigt, Volumen unverÀndert
Austreibungsphase (Systole)
Taschenklappen offen · Segelklappen zu
Blut flieĂt in Aorta + Pulmonalis
Entspannungsphase (isovolumisch)
Alle 4 Klappen geschlossen
Druck fÀllt, Volumen unverÀndert
FĂŒllungsphase (Diastole)
Segelklappen offen · Taschenklappen zu
Kammern fĂŒllen sich
Anspannungsphase: ALLE 4 Klappen geschlossen â klingt falsch, ist aber korrekt und kommt garantiert in der PrĂŒfung! Herzminutenvolumen: ~70 ml Ă 70/min â 5 L/min in Ruhe.
Welche Aussage zur Anspannungsphase des Herzens ist korrekt?
A
Segelklappen offen, Taschenklappen geschlossen
B
Alle 4 Herzklappen sind geschlossen
C
Taschenklappen offen, Segelklappen geschlossen
D
Die Mitralklappe öffnet als erste Klappe
In der Anspannungsphase (isovolumische Kontraktion) sind ALLE 4 Klappen geschlossen. Der Kammerdruck steigt an, bis er den Aorten-/Pulmonaldruck ĂŒbersteigt und dann erst die Taschenklappen öffnen. PrĂŒfungsfavorit!
Kapitel 2 · Blutweg
Der Weg des Blutes
Den Blutweg vollstĂ€ndig mit Sauerstoffgehalt aller GefĂ€Ăe kennen â wird garantiert abgefragt!
Arterien = vom Herzen weg. Venen = zum Herzen hin â unabhĂ€ngig vom Sauerstoffgehalt! Die A. pulmonalis fĂŒhrt sauerstoffarmes Blut, ist aber eine Arterie.
4 Lungenvenen â Linker Vorhof â Kreislauf beginnt neu
Sauerstoffgehalt der wichtigsten GefĂ€Ăe
GefĂ€Ă
Oâ-Gehalt
Warum?
Aorta + alle Körperarterien
reich
Verlassen linke Kammer
A. coronaria (HerzkranzgefĂ€Ăe)
reich
Entspringen Aorta ascendens kurz nach Aortenklappe
Venae pulmonales (Lungenvenen)
reich
EINZIGE Venen des Körpers mit Oâ-reichem Blut!
V. cava superior + inferior
arm
MĂŒnden in rechten Vorhof
Truncus pulmonalis, A. pulmonalis
arm
Verlassen rechte Kammer â Lunge
Vena portae (Pfortader)
arm
Venöses Blut aus Darm/Milz â aber nĂ€hrstoffreich!
Koronararterien und Pfortader
Koronararterien: entspringen direkt aus der Aorta ascendens kurz nach der Aortenklappe. Sie sind Endarterien â keine wirksamen Anastomosen â Infarktnekrose ab ~20 min.
Pfortadersystem: V. mesenterica superior + V. mesenterica inferior + V. lienalis â V. portae â Leber â V. hepaticae â V. cava inferior.
V. hepatica (Lebervene) ist der AUSFLUSS der Leber â V. cava inferior. Sie mĂŒndet NICHT in die Pfortader!
In welchem GefÀà flieĂt sauerstoffreiches Blut?
A
Arteria pulmonalis
B
Vena cava superior
C
Vena pulmonalis (Lungenvene)
D
Vena portae
Lungenvenen sind die einzigen Venen des Körpers mit sauerstoffreichem Blut â sie bringen oxygeniertes Blut vom linken Vorhof. A. pulmonalis, V. cava und V. portae fĂŒhren alle sauerstoffarmes Blut.
Thrombus aus tiefer Unterschenkelvene â Lungenembolie. Welches GefÀà liegt NICHT auf dem Weg?
A
V. femoralis
B
V. cava inferior
C
Vena portae
D
Rechte Herzkammer
Weg: V. tibialis â V. poplitea â V. femoralis â V. iliaca â V. cava inferior â rechter Vorhof â rechte Kammer â Truncus pulmonalis â A. pulmonalis (dort Obstruktion = Lungenembolie). Die Pfortader liegt auf diesem Weg nicht.
Kapitel 3 · Erregungsleitung
Das Erregungsleitungssystem
Reihenfolge der 5 Stationen auswendig â kommt garantiert in der PrĂŒfung!
Kammerflimmern = Kreislaufstillstand â sofort CPR + Notarzt! Defibrillation ist Ă€rztliche MaĂnahme. HP darf nicht selbst defibrillieren.
Reanimation (CPR) â HP-Grenze und Grundlagen
Schritt
MaĂnahme
HP-Grenze?
1. Bewusstsein prĂŒfen
Ansprechen, Schulter anfassen
HP darf
2. Notruf
112 alarmieren, Defibrillator holen lassen
HP muss!
3. Atemwegskontrolle
Ăberstrecken des Kopfes, Atemkontrolle 10 s
HP darf
4. Herzdruckmassage
30 Kompressionen, Tiefe 5â6 cm, Frequenz 100â120/min, Druckpunkt: untere SternumhĂ€lfte
HP darf + muss!
5. Beatmung
2 AtemhĂŒbe nach 30 Kompressionen (30:2)
HP darf
6. AED/Defibrillation
Laiendefibrillator (AED) â HP darf anwenden!
HP darf AED!
HP-Grenze Reanimation: Herzdruckmassage und Beatmung DARF der HP durchfĂŒhren und muss es sogar bei Kreislaufstillstand! Automatischer Defibrillator (AED) darf der HP anwenden. Manuelle Defibrillation (Paddles durch Arzt) und Intubation sind Ă€rztliche MaĂnahmen.
Herzschrittmacher und implantierter Defibrillator
Herzschrittmacher (PM)
Elektrischer Impulsgenerator â stimuliert Herz wenn Eigenfrequenz zu niedrig
B ist korrekt. Sinusknoten (primĂ€r) â AV-Knoten (Verzögerung 0,1 s) â His-BĂŒndel (einzige Vorhof-Kammer-Verbindung) â Tawara-Schenkel â Purkinje-Fasern. Purkinje-Fasern kommen immer zuletzt!
Kapitel 4 · Herzklappen & Auskultation
Herzklappen & HerzgerÀusche
Systolikum vs. Diastolikum â eines der hĂ€ufigsten PrĂŒfungsthemen ĂŒberhaupt. Hier erklĂ€ren wir es von Grund auf.
Erst die Basis: Was sind Systole und Diastole?
Bevor wir ĂŒber GerĂ€usche reden, musst du die zwei Herzphasen wirklich verstehen. Das Herz macht stĂ€ndig zwei Dinge im Wechsel:
SYSTOLE = Anspannung
Die Kammern ziehen sich zusammen und pressen Blut hinaus â in Aorta und Lungenarterie.
Vergleich: Du drĂŒckst eine volle Wasserflasche fest zusammen, das Wasser spritzt heraus.
WĂ€hrend dieser Phase sind die Taschenklappen (Aorta/Pulmonal) OFFEN, damit Blut raus kann.
Die Segelklappen sind ZU, damit kein Blut zurĂŒck in die Vorhöfe schwappt.
DIASTOLE = Erschlaffung
Die Kammern entspannen sich und saugen/fĂŒllen sich mit neuem Blut aus den Vorhöfen.
Vergleich: Du lĂ€sst die zusammengedrĂŒckte Flasche los, sie dehnt sich aus und saugt Wasser/Luft an.
Jetzt sind die Segelklappen (Mitral/Trikuspidal) OFFEN, Blut flieĂt von den Vorhöfen in die Kammern.
Die Taschenklappen sind ZU, damit kein Blut aus der Aorta zurĂŒckflieĂt.
Systole = "Sie pressen" (beide mit S) â das Herz presst Blut raus. Diastole = "Die fĂŒllt" â das Herz fĂŒllt sich. Oder ganz einfach: SyStole = Schieben (raus), Diastole = Dehnen (fĂŒllen).
Eine Herzklappe ist wie ein Einbahn-Ventil oder eine selbstschlieĂende TĂŒr: Sie lĂ€sst Blut nur in EINE Richtung durch. Geht etwas schief, gibt es nur zwei Möglichkeiten â die TĂŒr klemmt (= Stenose, zu eng) oder die TĂŒr schlieĂt nicht richtig (= Insuffizienz, undicht). Mehr Möglichkeiten gibt es nicht!
Stenose vs. Insuffizienz â der SchlĂŒssel zum VerstĂ€ndnis
STENOSE = zu eng
Die Klappe öffnet sich nicht weit genug. Das Blut muss sich durch eine zu enge Ăffnung quetschen.
Vergleich: Ein Gartenschlauch, auf den du mit dem Daumen drĂŒckst â es zischt, weil das Wasser durch eine Engstelle gepresst wird.
Das GerĂ€usch entsteht, WĂHREND die Klappe eigentlich offen sein sollte.
INSUFFIZIENZ = undicht
Die Klappe schlieĂt nicht richtig. Blut flieĂt durch das Leck zurĂŒck (Pendelblut).
Vergleich: Eine TĂŒr, die nicht ganz zugeht â es zieht durch den Spalt.
Das GerĂ€usch entsteht, WĂHREND die Klappe eigentlich geschlossen sein sollte.
Die 2 Herztöne
1. Herzton (S1)
Schluss der Segelklappen (Mitral + Trikuspidal) zu Systolenbeginn
Tiefer, lĂ€nger â Anspannungston ("Lup")
2. Herzton (S2)
Schluss der Taschenklappen (Aorta + Pulmonal) am Systolenende
Höher, kĂŒrzer ("Dup")
2. Herzton ist kĂŒrzer und höher als der 1. (nicht umgekehrt!). Physiologische Spaltung des 2. Herztons bei tiefer Inspiration = normal. Funktionelle HerzgerĂ€usche: immer systolisch, keine Fortleitung, kein Herzfehler.
Warum macht welcher Fehler welches GerÀusch? (Die Logik dahinter)
Du musst das nicht stur auswendig lernen â mit dem VerstĂ€ndnis von eben kannst du es dir herleiten. Frag dich immer zwei Dinge: 1) Wann ist diese Klappe normalerweise offen/zu? 2) Stenose oder Insuffizienz?
Aortenstenose: Die Aortenklappe ist in der Systole offen (Blut wird rausgepresst). Ist sie zu eng, zischt es WĂHREND der Systole â Systolikum. (Schlauch mit Daumen drauf, wĂ€hrend gepumpt wird.)
Aorteninsuffizienz: In der Diastole sollte die Aortenklappe dicht sein. Ist sie undicht, flieĂt Blut aus der Aorta zurĂŒck in die Kammer â GerĂ€usch in der Diastole â Diastolikum.
Mitralstenose: Die Mitralklappe ist in der Diastole offen (Kammer fĂŒllt sich). Ist sie zu eng, quetscht sich das Blut diastolisch durch â Diastolikum.
Mitralinsuffizienz: In der Systole sollte die Mitralklappe dicht sein. Ist sie undicht, presst die Kammer Blut zurĂŒck in den Vorhof â GerĂ€usch in der Systole â Systolikum.
Die ganz schnelle EselsbrĂŒcke: AMEN = Aortenstenose + Mitralinsuffizienz machen ein Systolikum. Die jeweils anderen Fehler (Aorteninsuffizienz + Mitralstenose) machen ein Diastolikum. Noch einfacher gemerkt: Stenose und Insuffizienz DERSELBEN Klappe machen IMMER verschiedene GerĂ€usche â sie sind sozusagen Gegenspieler.
Generalregel zum Herleiten: Klappe der Systole (= Aorta/Pulmonal) + Stenose â Systolikum. Dieselbe Klappe + Insuffizienz â Diastolikum. Bei den Segelklappen (Mitral/Trikuspidal) ist es genau umgekehrt, weil sie in der Diastole offen sind.
Auskultationspunkte
A
Aortenklappe
2. ICR rechts parasternal
P
Pulmonalklappe
2. ICR links parasternal
E
Erb'scher Punkt
3./4. ICR links parasternal
T
Trikuspidalklappe
4./5. ICR links parasternal
M
Mitralklappe
5. ICR links MCL
3. und 4. Herzton â Galopprhythmus
Ton
Entstehung
Bedeutung
3. Herzton (S3)
Rasches Einströmen von Blut in die Kammer in der frĂŒhen Diastole
Bei Kindern/Jugendlichen normal. Bei Erwachsenen >40 J: Zeichen einer Herzinsuffizienz (ĂberfĂŒllung der Kammer)!
4. Herzton (S4)
Vorhofkontraktion gegen steife/hypertrophe Kammer in der spÀten Diastole
Immer pathologisch! Zeichen einer Linksherzhypertrophie (Hypertonie, Aortenstenose)
3. Herzton = bei Erwachsenen pathologisch â Herzinsuffizienz. 4. Herzton = immer pathologisch â hypertrophe/steife Kammer. Zusammen mit 1. und 2. Herzton entsteht ein Galopprhythmus (wie ein galoppierendes Pferd). PrĂŒfungswissen!
HerzspitzenstoĂ: im 5. ICR links in der Medioklavikularlinie. "3. ICR Axillarlinie" oder "4. ICR" = falsch!
Aortenstenose vs. Aorteninsuffizienz
Aortenstenose
Systolikum â 2. ICR rechts parasternal
Fortleitung in die Karotiden!
Kleine Amplitude · Pulsus parvus et tardus
Trias: Angina · Synkopen · Herzinsuffizienz
Plötzlicher Herztod möglich!
Aorteninsuffizienz
Diastolikum (+ Systolikum durch Volumenbelastung)
GroĂe Amplitude: Wasserhammer-Puls
RR z.B. 160/40 mmHg (hohe Amplitude)
Periphere Ădeme erst in SpĂ€tstadium
Diastolisches HerzgerĂ€usch â welche zwei Diagnosen passen?
Aortenbogen-AbgĂ€nge, Bauchaorta, Beinpulse und GefĂ€Ăwandaufbau.
Aorta und ihre AbgÀnge
Abschnitt
Wichtige AbgÀnge
Aorta ascendens
A. coronaria dextra + sinistra â direkt nach der Aortenklappe
Aortenbogen
1. Truncus brachiocephalicus â A. carotis comm. dextra + A. subclavia dextra 2. A. carotis communis sinistra 3. A. subclavia sinistra
Brustaorta
Intercostalarterien
Bauchaorta
Truncus coeliacus (Leber, Magen, Milz) · A. mesenterica superior (DĂŒnndarm + 2/3 Dickdarm) · A. mesenterica inferior · A. renalis (Nieren)
Bifurkation (~L4)
A. iliaca communis dextra + sinistra â Beine
Aus dem Aortenbogen entspringen genau 3 GefĂ€Ăe â nicht 2! Nierenarterien entspringen aus der Bauchaorta, NICHT dem Aortenbogen. Truncus coeliacus versorgt Oberbauchorgane (Leber, Magen, Milz) â nicht den Darm.
Beinpulse â Tastpunkte
A. femoralis
Leistenregion · wichtigster proximaler Tastpunkt
A. poplitea
Kniekehle · bei pAVK frĂŒh abgeschwĂ€cht
A. tibialis posterior
Innen vor Achillessehne · bei ~90% Gesunder tastbar
Arterie vs. Vene merken: "Arterien transportieren AktivAb vom Herzen" â beide mit A. Venen fĂŒhren Blut VOR (zum) Herzen. Und: ArterienwĂ€nde sind dick und elastisch (sie mĂŒssen den hohen Pumpdruck aushalten), VenenwĂ€nde sind dĂŒnn und schlaff (Niederdrucksystem). Vergleich: Arterie = dicker Feuerwehrschlauch unter Druck, Vene = schlaffer Gartenschlauch.
Venen = KapazitĂ€tsgefĂ€Ăe: ~2/3 der Gesamtblutmenge. Arterien = WiderstandsgefĂ€Ăe. Arterien haben keine Klappen. Venenklappen werden aus dem Endothel der Intima gebildet.
Windkesselfunktion der Aorta einfach erklĂ€rt: Die elastische Aortenwand dehnt sich bei jedem Herzschlag wie ein Luftballon und gibt die gespeicherte Energie dann gleichmĂ€Ăig wieder ab. Dadurch flieĂt das Blut auch zwischen zwei HerzschlĂ€gen kontinuierlich weiter â wie bei einer alten Feuerwehrpumpe mit Luftkessel, die aus dem ruckartigen Pumpen einen gleichmĂ€Ăigen Wasserstrahl macht. Daher der Name "Windkessel".
Was entspringt DIREKT aus dem Aortenbogen?
A
A. renalis und A. mesenterica superior
B
Truncus brachiocephalicus, A. carotis communis sinistra, A. subclavia sinistra
C
Koronararterien und Truncus coeliacus
D
Truncus coeliacus, A. renalis und A. mesenterica superior
Aus dem Aortenbogen entspringen genau 3 GefĂ€Ăe: Truncus brachiocephalicus, A. carotis communis sinistra, A. subclavia sinistra. Koronararterien entspringen aus der Aorta ascendens, Truncus coeliacus und Nierenarterien aus der Bauchaorta.
Kapitel 6 · Venöses System
Venen & Pfortadersystem
Welche Venen fĂŒhren wohin, was mĂŒndet in die Pfortader, venöser RĂŒckfluss.
Obere und untere Hohlvene
V. cava superior
Kopf, Arme, Brust
V. jugularis + V. brachialis/axillaris â V. brachiocephalica â V. cava sup.
V. cava inferior
Bauch, Becken, Beine
V. hepatica + V. renalis + V. iliaca communis â V. cava inf.
Pfortadersystem
In die V. portae hepatis mĂŒnden: V. mesenterica superior + V. mesenterica inferior + V. lienalis. Bringt nĂ€hrstoffreiches (sauerstoffarmes) Blut zur Leber. Ausfluss: V. hepaticae â V. cava inferior.
V. hepatica (Lebervene) ist der AUSFLUSS der Leber â V. cava inferior. Sie mĂŒndet NICHT in die Pfortader!
Beinvenensystem
Tiefes Venensystem
V. tibialis â V. poplitea â V. femoralis â V. iliaca â V. cava inf. TrĂ€gt ~90% des venösen Blutes ab.
OberflÀchliches System
V. saphena magna (innen) + V. saphena parva (auĂen). HĂ€ufig von Varikose betroffen.
Vv. perforantes
Verbindung zwischen den Systemen. Physiologisch: Blutfluss von auĂen nach innen (â tief).
Venöser RĂŒckfluss â 5 Mechanismen
Venenklappen: verhindern RĂŒckfluss durch Schwerkraft
Muskelpumpe: Wadenmuskelkontraktion beim Gehen drĂŒckt Blut herzwĂ€rts (deshalb heiĂt die Wade "zweites Herz"!). Vergleich: wie eine Zahnpastatube, die von unten ausgedrĂŒckt wird â die Venenklappen verhindern, dass es zurĂŒcklĂ€uft.
Arterienpuls: benachbarte Arterien drĂŒcken pulsierend auf Venen
Atemsog: Inspiratorischer Unterdruck im Thorax zieht venöses Blut an
Herzsog: Systole erzeugt Sog auf den rechten Vorhof
Welche Aussage zur Vena portae ist richtig?
A
V. hepatica mĂŒndet in die Pfortader
B
Die Pfortader fĂŒhrt sauerstoffreiches Blut zur Leber
C
V. mesenterica superior + V. mesenterica inferior + V. lienalis mĂŒnden in die V. portae
D
V. cava superior ist der wichtigste Zufluss der Pfortader
C ist korrekt. In die Pfortader mĂŒnden: V. mesenterica superior + inferior + V. lienalis. Das Blut ist sauerstoffarm aber nĂ€hrstoffreich. V. hepatica ist der Ausfluss der Leber â V. cava inferior (nicht in Pfortader!).
Kapitel 7 · Blutdruck
Blutdruck & Regulation
Normwerte, Messfehler und RAAS-System â PrĂŒfungsdauerbrenner.
Blutdruck-Normwerte
Kategorie
Systolisch
Diastolisch
Optimal
< 120 mmHg
< 80 mmHg
Normal
120â129
80â84
Hochnormal
130â139
85â89
Hypertonie Grad 1
140â159
90â99
Hypertonie Grad 2
160â179
100â109
Hypertonie Grad 3
> 180
> 110
Einheit: mmHg â nicht cmHg! HĂ€ufiger PrĂŒfungsfehler.
Blutdruckmessung nach Riva-Rocci â Fehlerquellen
Manschette anlegen â aufpumpen bis Radialispuls weg + 30 mmHg â langsam ablassen (2â3 mmHg/s) â erstes Korotkow-GerĂ€usch = systolisch, letztes = diastolisch. Bei Erstuntersuchung: beide Arme!
Falsch zu HOCH
Manschette zu klein (dicker Arm)
Manschette zu locker
Luft zu langsam abgelassen
Auskultatorische LĂŒcke ĂŒbersehen
Falsch zu NIEDRIG
Manschette zu groĂ
Arm ĂŒber Herzhöhe
Luft zu schnell abgelassen
Armmuskulatur angespannt
Zu kleine Manschette bei dickem Arm = falsch HOHE Werte! Breitere Manschette (~18 cm) verwenden. HĂ€ufigste PrĂŒfungsfrage zur Blutdruckmessung!
Blutdruckregulation: RAAS
Kurzfristig: Barorezeptoren im Aortenbogen und Karotissinus messen Wanddehnung. Druckanstieg â Parasympathikus â â HF â, Vasodilatation â RR sinkt. Der Karotissinus liegt an der Bifurkation der A. carotis communis in die A. carotis interna (dort sitzen die Barorezeptoren).
RAAS: Renin â Angiotensin I â (ACE!) â Angiotensin II (vasokonstriktiv!) â Aldosteron (Wasserretention). ACE-Hemmer (Ramipril, Enalapril) blockieren diesen Schritt â RR sinkt.
Patient mit 45 cm Oberarmumfang, Standardmanschette. Was ist korrekt?
A
Wert zu niedrig; schmalere Manschette
B
Wert zu hoch; breitere Manschette (~18 cm) verwenden
C
Armumfang hat keinen Einfluss auf die Messung
D
Am Unterarm messen
Zu kleine/kurze Manschette: Mehr Druck nötig um das GefÀà abzudrĂŒcken â gemessener Wert zu HOCH. Lösung: breitere Manschette (~18 cm statt Standard 14 cm). Sehr hĂ€ufige HP-PrĂŒfungsfrage!
Stabile Angina pectoris: Druck/Enge hinter Brustbein bei Belastung, Besserung in Ruhe oder durch Nitro. Normales EKG schlieĂt KHK NICHT aus!
Herzinfarkt (Myokardinfarkt)
VollstĂ€ndiger Koronarverschluss (Plaque-Ruptur + Thrombose) â Myokardnekrose ab ~20 min. GehĂ€uft in den frĂŒhen Morgenstunden (Gerinnung aktiver, Katecholaminanstieg).
Vernichtungsschmerz
Hinter dem Brustbein, >20 min, kein Ansprechen auf Nitro
Nur Oberbauchschmerz. Bei Diabetikern oft SCHMERZLOS (autonome Neuropathie)! Frauen: hÀufiger atypisch.
Diabetiker: oft schmerzloser Infarkt! Normales EKG schlieĂt Infarkt NICHT aus. Wichtigster Laborwert: Troponin T/I. Infarkte hĂ€ufen sich MORGENS. HĂ€ufigste Todesursache im akuten Infarkt: Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern).
Herzinfarkt = absoluter Notfall! Sofort Notarzt. Oberkörper hochlagern (wenn bewusst). KEINE Schocklagerung! Venöser Zugang legen. Nitro nur wenn RR bekannt und ausreichend hoch.
Troponin = wichtigster Infarktmarker. Aber: Troponin steigt erst nach 3â6 h! Bei negativem Troponin in der ersten Stunde: zweite Messung nach 3 h nötig. Normales Troponin schlieĂt frischen Infarkt in der FrĂŒhphase NICHT aus!
Interventionelle Therapie bei KHK und Infarkt
Koronarangiografie (Herzkatheter)
Invasive Darstellung der KoronargefĂ€Ăe mit Kontrastmittel
Goldstandard der KHK-Diagnostik
Zugang: meist A. femoralis (Leiste) oder A. radialis (Handgelenk)
PCI/PTCA: Ballondilatation + Stentimplantation. Methode der Wahl beim STEMI!
Bypass-OP: Umleitung des Blutflusses an verengter Stelle. Bei MehrgefĂ€Ăerkrankung oder KHK + Diabetes
Thrombolyse: Auflösung des Thrombus medikamentös. Wenn PCI nicht innerhalb 120 min möglich
STEMI: sofortige PCI (Katheter) innerhalb von 90â120 min (Door-to-Balloon-Zeit). Wenn PCI nicht erreichbar: Lysetherapie. Stent-Thrombose-Prophylaxe: duale PlĂ€ttchenhemmung (ASS + P2Y12-Hemmer, z.B. Clopidogrel) fĂŒr mindestens 12 Monate!
Herzinfarkte treten immer nach vorherigen Angina-Episoden auf
B
Bei Diabetikern sind Infarkte besonders schmerzhaft
C
Infarkte hĂ€ufen sich frĂŒh morgens; Troponin T/I ist der wichtigste Laborwert
D
Normales EKG schlieĂt akuten Infarkt sicher aus
C ist korrekt. Herzinfarkte hĂ€ufen sich morgens (Gerinnung aktiver, Katecholamine). Troponin T und I sind herzspezifische Biomarker. Diabetiker: autonome Neuropathie â oft schmerzlos! Normales EKG schlieĂt Infarkt nicht aus (besonders in FrĂŒhphase).
Kapitel 9 · Herzinsuffizienz
Herzinsuffizienz
Links vs. Rechts, NYHA-Stadien, Globalinsuffizienz â Dauerbrenner!
Herzneurose = KEINE organische Ursache der Herzinsuffizienz! Somatoforme Erkrankung. Klassischer PrĂŒfungstrick!
NYHA-Stadien
I
Keine EinschrÀnkung
Herzerkrankung, aber keine Symptome im Alltag!
II
Leichte EinschrÀnkung
Beschwerden bei stÀrkerer Belastung (Bergsteigen, schnelles Gehen). Ruhe: symptomfrei.
III
Deutliche EinschrÀnkung
Beschwerden bei leichter Belastung (Treppen, langsames Gehen).
IV
Beschwerden in Ruhe
Symptome in Ruhe. Weitgehend bettlÀgerig.
NYHA I = KEINE Beschwerden (nicht "bei geringer Belastung"!) â hĂ€ufigster PrĂŒfungsfehler! NYHA II = starke Belastung. III = leichte Belastung. IV = Ruhe.
Links- vs. Rechtsherzinsuffizienz
Linksherzinsuffizienz
RĂŒckstau in die Lunge
Dyspnoe â Leitsymptom!
Asthma cardiale (nÀchtliche Dyspnoe)
Lungenödem (feuchte RasselgerÀusche)
Zyanose
KEINE peripheren Ădeme!
Rechtsherzinsuffizienz
RĂŒckstau im Körperkreislauf
Beinödeme (teigig, eindrĂŒckbar)
Stauungsleber (Hepatomegalie)
Gestaute Halsvenen (V. jugularis externa)
Aszites
Rasche Gewichtszunahme
Kompensationsmechanismen bei Herzinsuffizienz
Frank-Starling-Mechanismus: Mehr Vordehnung der Herzmuskelzellen â stĂ€rkere Kontraktion. Kurzfristig hilfreich, bei chronischer Insuffizienz erschöpft.
BNP / NT-proBNP (Brain Natriuretic Peptide): wird bei erhöhtem FĂŒllungsdruck der Kammern freigesetzt. Wichtiger Laborwert zur Diagnose und Verlaufskontrolle der Herzinsuffizienz. Erhöhte Werte sprechen fĂŒr Herzinsuffizienz als Ursache von Dyspnoe (DD: Lungenerkrankung).
L = Links = Lunge (Dyspnoe, Lungenödem). R = Rechts = Rest des Körpers (Beinödeme, Leber, Halsvenen). Obere Einflussstauung: V. jugularis EXTERNA bei erhöhtem Oberkörper (45°)!
HKMP = hÀufigste Ursache des plötzlichen Herztodes bei jungen Sportlern! Vor Aufnahme in Leistungssport: EKG-Screening. Alkohol-KMP: bei Abstinenz teilweise reversibel!
Welche Befunde weisen auf Rechtsherzinsuffizienz hin?
Aortenstenose: hĂ€ufig degenerativ-kalzifizierend im Alter. Lange asymptomatisch! Klinische Trias: Angina pectoris · Synkopen · Herzinsuffizienz. Nach Symptombeginn: mittlere Ăberlebensdauer ohne OP nur 1â2 Jahre. Plötzlicher Herztod möglich.
Mitralklappenprolaps: Mitralklappensegel wölbt sich systolisch in linken Vorhof. HÀufiger bei jungen Frauen. Diagnose: Echokardiographie. Meist keine schwerwiegenden Komplikationen.
AORTENklappe hat nur 2 statt normal 3 Taschen (Fehlbildung!)
â
HĂ€ufigste angeborene Herzfehlbildung des Erwachsenen (1â2%)! FĂŒhrt zu frĂŒhzeitiger Aortenstenose/-insuffizienz. Nicht verwechseln mit der Bikuspidalklappe = normaler Name der Mitralklappe (2 Segel)!
78-jÀhrige Patientin: Systolikum 2. ICR rechts parasternal, Fortleitung Karotiden, kleine Amplitude. Was zuerst?
A
Aorteninsuffizienz
B
Aortenstenose
C
Mitralstenose
D
Mitralinsuffizienz
Aortenstenose: Systolikum mit Maximum 2. ICR rechts parasternal, Fortleitung in Karotiden, kleine Blutdruckamplitude (Pulsus parvus et tardus). Im Alter hÀufig degenerativ-kalzifizierend. Trias: Angina pectoris, Synkopen, Herzinsuffizienz. Plötzlicher Herztod möglich!
Kapitel 11 · HerzwandentzĂŒndungen
Endo-, Myo- & Perikarditis
Rheumatisches Fieber als Streptokokken-Folge ist besonders prĂŒfungsrelevant.
Infektiöse Endokarditis
Leitsymptom
Fieber (anhaltend) + NEU aufgetretenes HerzgerÀusch!
Fieber + HerzgerÀusch + HÀmaturie + Osler-Knötchen = Endokarditis bis Beweis des Gegenteils! Nicht verwechseln mit Urosepsis (kein HerzgerÀusch) oder Lungenembolie.
Rheumatisches Fieber â PrĂŒfungsfavorit!
Reaktive Systemerkrankung nach beta-hĂ€molysierenden Streptokokken Gruppe A (Angina, Scharlach). OrganschĂ€den entstehen durch Immunreaktion (Antikörper-Kreuzreaktion mit Herzgewebe) â NICHT durch direkte Bakterienbesiedlung!
Merkmal
Details
Latenz
1â3 Wochen nach Streptokokkeninfektion â nicht 50â60 Tage!
Gelenke
GroĂe Gelenke, wandernd (Knie, Ellenbogen) â keine bleibenden SchĂ€den!
Rascher FlĂŒssigkeitsanstieg im Perikardraum â Behinderung der HerzfĂŒllung â Schock. Klassische Trias (Beck-Trias): 1. Hypotonie + 2. gestaute Halsvenen + 3. leise Herztöne. Typisch: Pulsus paradoxus â inspiratorisch fĂ€llt der Blutdruck um >10 mmHg ab (durch Kompression des Herzens in der Inspiration). Sofortige Perikardpunktion (Perikardiozentese) = Ă€rztliche NotfallmaĂnahme!
Cor pulmonale
Cor pulmonale = Rechtsherzhypertrophie und/oder Rechtsherzinsuffizienz als Folge einer Lungenerkrankung (pulmonale Druckerhöhung). Ursachen: COPD (hĂ€ufigste!), Lungenemphysem, wiederkehrende Lungenembolien, Lungenfibrose, Schlafapnoe. Pathomechanismus: Hypoxie â Vasokonstriktion der LungengefĂ€Ăe â pulmonale Hypertonie â erhöhte Rechtsherzbelastung â Hypertrophie â Insuffizienz.
Cor pulmonale: Rechtsherzinsuffizienz durch Lungenerkrankung â NICHT durch Linksherzinsuffizienz! Zeichen: Zyanose, Polyglobulie (Gegenregulation auf Oâ-Mangel), periphere Ădeme. COPD ist in Deutschland hĂ€ufigste Ursache des Cor pulmonale.
Beim rheumatischen Fieber: welche Aussage ist FALSCH?
A
Es tritt 1â3 Wochen nach Streptokokkeninfektion auf
B
GelenkentzĂŒndung hinterlĂ€sst keine bleibenden SchĂ€den
C
OrganentzĂŒndungen werden direkt durch Streptokokken im Gewebe verursacht
D
GroĂe Gelenke wie Knie und Ellenbogen sind bevorzugt betroffen
C ist FALSCH. OrganschĂ€den entstehen durch Immunreaktion (Autoantikörper, Kreuzreaktion), NICHT durch direkte Streptokokkenbesiedlung. Das erklĂ€rt auch die Latenzzeit von 1â3 Wochen nach der Infektion.
Kapitel 12 · Rhythmusstörungen
Herzrhythmusstörungen
Pulsdefizit, Vorhofflimmern, Kammerflimmern â was HP wissen muss.
Extrasystolen
SVES (supraventrikulÀr)
Aus Vorhöfen · werden ĂŒber AV-Knoten auf Kammer ĂŒbergeleitet
Subjektiv: "Herzstolpern", kurze Pause
Meist harmlos bei Herzgesunden
VES (ventrikulÀr)
Aus Kammern · breiter QRS im EKG
Bei Salven: Pumpleistung beeintrÀchtigt
Ursachen: KHK, Kaliummangel, Myokarditis
AV-Block â Einteilung
Grad
EKG
Symptome
HP-Relevanz
AV-Block I°
PQ-Zeit verlĂ€ngert (>0,2 s), alle P-Wellen ĂŒberleitet
Keine
Meist keine Therapie nötig
AV-Block II° Typ Wenckebach
PQ-Zeit wird immer lÀnger, bis QRS ausfÀllt (dann wieder kurz)
Gelegentlich Schwindel
Zunehmende Verzögerung bis Ausfall
AV-Block II° Typ Mobitz
Plötzlicher QRS-Ausfall ohne Vorwarnung, konstante PQ-Zeit
Synkopen möglich
Schrittmacher oft nötig
AV-Block III°
Keine Beziehung P-QRS; Vorhöfe und Kammern unabhÀngig
Synkopen, Adams-Stokes-AnfÀlle
Schrittmacher notwendig!
AV-Block III° = vollstĂ€ndige AV-Dissoziation. Kammern schlagen mit Eigenfrequenz 20â40/min. Synkopen durch Adams-Stokes-AnfĂ€lle (kurze Bewusstlosigkeit). Schrittmacher-Indikation. HP-Grenze: Schrittmacher ist Ă€rztliche MaĂnahme!
Vorhofflimmern
Chaotische Vorhoferregung 350â600/min. AV-Knoten lĂ€sst unregelmĂ€Ăig durch â absolut arrhythmischer Puls. HĂ€ufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Hauptgefahr: Thrombenbildung im linken Herzohr â Embolie â Schlaganfall! Therapie: Antikoagulation (Marcumar/NOAK), Frequenz- oder Rhythmuskontrolle.
Pulsdefizit â Definition
Pulsdefizit = Differenz zwischen der auskultatorisch bestimmten Herzfrequenz und der peripher getasteten Pulsfrequenz (z.B. A. radialis). Entsteht, wenn einzelne HerzschlĂ€ge zu schwach sind, um peripher tastbar zu sein â typisch bei Vorhofflimmern.
Pulsdefizit = Herzfrequenz (auskultiert) minus periphere Pulsfrequenz (getastet). Nicht verwechseln mit: Blutdruckamplitude, Seitendifferenz der Radialpulse, oder zusÀtzlicher Leitungsbahn (WPW)!
Kammerflimmern
Chaotische Kammererregung â kein Herzzeitvolumen â Kreislaufstillstand. Einzige wirksame ErstmaĂnahme: Defibrillation. HP darf nicht selbst defibrillieren â sofort Notarzt + CPR.
Torsade de Pointes
Sonderform der Kammertachykardie mit charakteristisch wechselnder QRS-Achse im EKG ("Torsade" = Drehung). Entsteht bei verlĂ€ngertem QT-Intervall. Ursachen: Kaliummangel (HypokaliĂ€mie!), Magnesiummangel, Medikamente (Antiarrhythmika, Antibiotika). Therapie: Magnesium i.v. (Ă€rztliche MaĂnahme). Kann in Kammerflimmern ĂŒbergehen!
Kammerflimmern = absoluter Notfall â sofort CPR + Notarzt! KEIN Karotissinusmassage, KEIN Belastungs-EKG als ErstmaĂnahme. Defibrillation = Ă€rztliche MaĂnahme.
Adams-Stokes-AnfÀlle. Kein Prodromus! Sofortige Bewusstlosigkeit. LebensgefÀhrlich!
Karotissinussynkope
Hypersensitiver Karotissinus
Beim Kopfdrehen, enger Kragen. Bradykardie + Hypotonie.
Kardiale Synkope ohne Prodromus = gefĂ€hrlich â sofortige AbklĂ€rung (EKG, Holter, Echo)! Vasovagale Synkope: fast immer Prodromi vorhanden. Epilepsie-DD: Zungenbiss, Verletzungen, Nachschlafphase, Harnabgang.
Was ist ein Pulsdefizit?
A
Differenz zwischen rechtem und linkem Radialispuls
B
GroĂe Blutdruckamplitude bei Aorteninsuffizienz
C
Differenz zwischen auskultierter Herzfrequenz und peripher getastetem Puls
D
ZusÀtzliche elektrische Leitungsbahn zwischen Vorhof und Kammer
C ist korrekt. Pulsdefizit = Herzfrequenz (auskultiert) minus periphere Pulsfrequenz (getastet). Entsteht wenn Herzaktionen zu schwach sind um periphere Pulswelle zu erzeugen â typisch bei Vorhofflimmern. Messung: gleichzeitig Herzauskultation + Radialispalpation.
Alternative bei ACE-Hemmer-Husten. KI: Schwangerschaft
Betablocker
Bisoprolol, Metoprolol
KI: Asthma bronchiale, AV-Block II/III°!
Kalziumantagonisten
Amlodipin, Nifedipin, Verapamil
Dihydropyridine (Amlodipin): vaskulÀr. Verapamil: kardial, KI bei HI
Diuretika
Hydrochlorothiazid, Furosemid
HypokaliĂ€mie-Risiko! (auĂer Spironolacton)
Betablocker: kontraindiziert bei Asthma bronchiale und AV-Block II/III°! ACE-Hemmer in Schwangerschaft kontraindiziert (TeratogenitĂ€t). Verapamil + Betablocker: gefĂ€hrliche Kombination â totaler AV-Block möglich!
Welche Aussage zur arteriellen Hypertonie ist richtig?
A
In ĂŒber 90% der FĂ€lle ist die Hypertonie endokrin bedingt
B
Mikroalbuminurie ist ein Hinweis auf hypertone NierenschÀdigung
C
Hoher Kochsalzkonsum senkt den Blutdruck
D
Beinvenenthrombosen sind eine hÀufige Gefahr der hypertensiven Krise
B ist korrekt. Mikroalbuminurie zeigt eine beginnende hypertone NierenschÀdigung an (glomerulÀre Schutzfilterfunktion gestört). 90% der Hypertonien sind primÀr/essenziell. Kochsalz erhöht Blutdruck. Beinvenenthrombosen sind keine direkte Gefahr der hypertensiven Krise.
Kapitel 14 · Hypotonie & Schock
Hypotonie & Schock
Schockindex, Schockformen und richtige Lagerung â wichtiges Notfallthema.
Hypotonie
Chronisch erniedrigter Blutdruck: MĂ€nner <105/60, Frauen <100/60 mmHg. Meist primĂ€r (essenziell). Orthostatische Hypotonie: Schwindel beim Aufstehen. Test: Schellong-Test â RR-Abfall >20 mmHg systolisch beim Aufstehen = positiv. Normale Gegenregulation: Sympathikus â â Tachykardie (NICHT Bradykardie!).
Diabetes insipidus ist KEIN Arteriosklerose-Risikofaktor! Pfortaderhochdruck ist KEIN Risikofaktor! HĂ€ufige PrĂŒfungsablenkungen.
Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
Arterielle Verengungen der ExtremitĂ€ten (90% Beine). Ursache: Arteriosklerose. Leitsymptom: Claudicatio intermittens ("Schaufensterkrankheit") â Wadenschmerzen beim Gehen, die in der Pause nachlassen.
I
Keine Beschwerden; fehlende Pulse nachweisbar
IIa
Schmerzfreie Gehstrecke >200 m
IIb
Schmerzfreie Gehstrecke <200 m
III
Ruheschmerz (im Liegen, besser beim HerabhÀngen)
IV
Nekrose, GangrÀn, Ulzera
Knöchel-Arm-Index (ABI) â Ankle-Brachial Index
Wichtigstes nicht-invasives Diagnoseinstrument der pAVK. ABI = Knöchelblutdruck / Armblutdruck (systolisch). Gemessen mit Doppler-Stethoskop.
ABI-Wert
Interpretation
> 1,3
Medial-Sklerose (fÀlschlich hohe Werte, Diabetiker!)
Stadium I+II: wichtigste Therapie = Gehtraining (Kollateralbildung!). Stadium III: kein Gehtraining mehr. KompressionsstrĂŒmpfe bei pAVK kontraindiziert! Keine WĂ€rme, keine KĂ€lte lokal. Ratschow-Probe = pAVK-Diagnostik.
Akuter Arterienverschluss â Die 6 Ps
Meist Embolus aus dem linken Herzen (Vorhofflimmern â Thrombus im linken Herzohr). Muskelnekrose ab 6â8 h. Sofort Notarzt!
Pain
Plötzlicher, vernichtender Schmerz
Paleness
BlÀsse der ExtremitÀt
Paraesthesia
Taubheit, Kribbeln
Pulselessness
Kein Puls tastbar distal
Paralysis
BewegungsunfÀhigkeit
Prostration
Schock
Akuter Arterienverschluss â HP-ErstmaĂnahmen: 1) Notarzt sofort! 2) Bein TIEF lagern (nicht hochlagern!). 3) Lockerer Watteverband. 4) Einengende Kleidung entfernen. 5) i.v. Zugang. KEINE Massage, KEINE KĂŒhlung, KEINE WĂ€rme!
Raynaud-Syndrom und Bauchaortenaneurysma
Raynaud-Syndrom: anfallsartige Minderdurchblutung Finger 2â5 (Daumen meist frei) durch Arterienspasmen. HĂ€ufig bei jungen Frauen. Auslöser: KĂ€lte, Stress. Trikolore-PhĂ€nomen: weiĂ â blau â rot.
Bauchaortenaneurysma: Erweiterung >3 cm. Risikofaktoren: Rauchen, Hypertonie, Arteriosklerose, mĂ€nnliches Geschlecht. Screening: MĂ€nner >65 J. Oft asymptomatisch! UnauffĂ€llige Untersuchung schlieĂt Aneurysma NICHT aus.
Karotisstenose und TIA
TIA (Transitorische IschĂ€mische Attacke): vorĂŒbergehende (meist <24 h) neurologische AusfĂ€lle durch embolischen Verschluss (meist aus Karotisplaques). Symptome: HalbseitenlĂ€hmung, Aphasie, Gesichtsfeldausfall, Amaurosis fugax (vorĂŒbergehende Erblindung). TIA = Warnsignal vor Schlaganfall! Sofort Notarzt!
Karotisstenose: arteriosklerotische Verengung der A. carotis interna. Diagnostik: Doppler/Duplexsonografie. Ab >70% symptomatische Stenose â Operation (TEA) oder Stenting. PrĂŒfungsrelevant: StrömungsgerĂ€usch ĂŒber Karotis auskultierbar!
Leriche-Syndrom
Bilateraler Aortenverschluss im Bereich der Bifurkation (Aortenbifurkation, ~L4). Klinische Trias: 1. Claudicatio beider Beine + 2. erektile Dysfunktion + 3. fehlende Leistenpulse beidseits. Ursache: Arteriosklerose. Notfall bei akutem Verschluss!
Subclavian-Steal-Syndrom
Stenose der A. subclavia proximal des Abgangs der A. vertebralis â bei Armbewegung wird Blut retrograd aus dem vertebrobasilĂ€ren Kreislauf in den Arm gesaugt â Symptome: Schwindel, Synkopen, Armclaudicatio, Sehstörungen (besonders bei Armbewegung!). Diagnose: Blutdruckdifferenz >15â20 mmHg zwischen beiden Armen.
Emboliegefahr: hoch! Kurze Bettruhe bis Heparin wirkt
Varikose & CVI
Varikose = Erweiterung oberflÀchlicher Venen (meist V. saphena magna). Ursache: Venenklappeninsuffizienz. HÀufiger bei Frauen (4:1). S-L-Regel: Stehen & Sitzen = schlecht. Laufen & Liegen = lobenswert.
KompressionsstrĂŒmpfe bei hochgradiger pAVK kontraindiziert! Ulcus cruris venosum: am Innenknöchel. Ulcus cruris arteriosum: am AuĂenknöchel, Zehen, Ferse.
Was ist KEINE geeignete MaĂnahme bei Verdacht auf TVT?
A
Notarzt verstÀndigen
B
Venösen Zugang legen
C
Bein massieren und wÀrmen
D
Antikoagulation (Heparin) einleiten lassen
C ist kontraindiziert! Massieren und WĂ€rme bei TVT erhöhen Emboliegefahr â Thrombus kann sich lösen â Lungenembolie. Richtig: Notarzt, venöser Zugang, Antikoagulation, keine Massage/WĂ€rme.
Kapitel 17 · PrĂŒfungs-Schwerpunkt
Von der Beinvenenthrombose zur Lungenembolie
Eines der allerwichtigsten PrĂŒfungsthemen! Hier verfolgen wir Schritt fĂŒr Schritt, wie aus einem Blutgerinnsel im Bein eine lebensbedrohliche Lungenembolie wird â und warum man genau diesen Weg kennen muss.
Die Grundidee in einem Satz
Ein Blutgerinnsel (Thrombus) entsteht in einer tiefen Beinvene, löst sich, wird mit dem Blutstrom durch die rechte HerzhĂ€lfte geschwemmt und bleibt schlieĂlich in einer Lungenarterie stecken â das ist die Lungenembolie.
Stell dir den Thrombus wie einen Korken vor, der in einem Fluss schwimmt. Der Fluss (das venöse Blut) wird immer breiter (Beinvene â Hohlvene â Herz), und der Korken treibt mit. Erst wenn der Fluss sich wieder in immer engere KanĂ€le aufteilt (die Lungenarterien), bleibt der Korken in einer Engstelle stecken. Deshalb landet er IMMER in der Lunge â das ist die erste Engstelle nach dem Bein.
Schritt 1: Wo und warum entsteht der Thrombus? (Virchow-Trias)
Eine tiefe Beinvenenthrombose (TVT, Phlebothrombose) entsteht nie zufÀllig. Immer sind ein oder mehrere Faktoren der Virchow-Trias beteiligt:
1. Verlangsamter Blutfluss (Stase)
Langes Sitzen (Flug, Bus), BettlĂ€gerigkeit, Gips, LĂ€hmung, Herzinsuffizienz. Vergleich: Stehendes Wasser in einem TĂŒmpel wird trĂŒb und faulig â flieĂendes Wasser bleibt klar.
2. GefĂ€Ăwandschaden
OP, Verletzung, EntzĂŒndung, Venenkatheter. Eine raue Innenwand ist wie eine raue Stelle im Rohr, an der sich Ablagerungen sammeln.
3. Erhöhte Gerinnungsneigung
"Pille", Schwangerschaft, Rauchen, Tumor, FlĂŒssigkeitsmangel (Exsikkose), angeborene Gerinnungsstörungen. Das Blut ist sozusagen "klebriger".
Die gefĂ€hrliche Kombination aus der PrĂŒfung: Junge Frau + Rauchen + Antibabypille + Langstreckenflug = alle drei Virchow-Faktoren auf einmal! (Pille + Rauchen = Gerinnung â, Flug = Stase). Das ist ein klassisches Fallbeispiel.
Schritt 2: Warum meist das LINKE Bein?
60% aller TVT betreffen das linke Bein. Grund ist das May-Thurner-Syndrom: Die rechte Beckenarterie kreuzt ĂŒber die linke Beckenvene und drĂŒckt sie gegen die WirbelsĂ€ule. Diese Engstelle bremst den Blutfluss links â mehr Stase â mehr Thrombosen. Merke: links liegt die Vene "in der Klemme".
Schritt 3: Symptome der TVT â woran erkennt man sie?
Typische Zeichen am Bein
Schwellung (Umfangsvermehrung â immer im Seitenvergleich messen!)
ĂberwĂ€rmung â das Bein fĂŒhlt sich warm an
Zyanose â blĂ€ulich-livide VerfĂ€rbung
Schmerz und SpannungsgefĂŒhl, SchweregefĂŒhl
GlÀnzende, gespannte Haut
Klinische Tests
Homans-Zeichen: Wadenschmerz beim Hochziehen des FuĂes (Dorsalflexion)
Payr-Zeichen: Druckschmerz an der FuĂsohle (innen)
Meyer-Zeichen: Druckschmerz entlang der Wadeninnenseite
Labor: D-Dimer erhöht
EselsbrĂŒcke fĂŒr die TVT-Erkennung: das betroffene Bein ist "warm, dick und blau" â im Gegensatz zur arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK), wo das Bein "kalt, dĂŒnn und blass" ist. Venöses Problem = Stau = WĂ€rme. Arterielles Problem = Mangelversorgung = KĂ€lte.
AllergröĂte HP-Grenze und wichtigste Regel: bei Verdacht auf TVT NIEMALS das Bein massieren, kneten oder wickeln und KEINE WĂ€rme anwenden! Jede mechanische Manipulation kann den Thrombus lösen â Lungenembolie. Stattdessen: Patient ruhigstellen, Notarzt rufen, beruhigen.
Schritt 4: Der Weg des Thrombus â Station fĂŒr Station
Jetzt kommt das KernstĂŒck. Wenn sich der Thrombus löst (=Embolus), nimmt er IMMER denselben Weg. Lerne diese Reihenfolge auswendig:
Tiefe Beinvene (z.B. V. poplitea / V. femoralis) â hier sitzt der Thrombus
â Thrombus löst sich = wird zum Embolus
V. iliaca (Beckenvene)
â das GefÀà wird breiter, der Embolus treibt frei mit
V. cava inferior (untere Hohlvene)
â mĂŒndet in das Herz
Rechter Vorhof
â durch die Trikuspidalklappe
Rechte Herzkammer
â durch die Pulmonalklappe â Herz pumpt den Embolus aktiv weiter!
Truncus pulmonalis (Lungenstamm)
â teilt sich auf und wird immer enger
A. pulmonalis â kleinere Lungenarterien â HIER bleibt der Embolus stecken!
â
= LUNGENEMBOLIE: Der Embolus verstopft die Lungenstrombahn
PrĂ€ge dir ein: Der Embolus durchlĂ€uft NUR die RECHTE HerzhĂ€lfte (rechter Vorhof â rechte Kammer) und landet dann in der Lunge. Er erreicht die linke HerzhĂ€lfte und den Körperkreislauf gar nicht erst, weil die Lunge wie ein Sieb davorgeschaltet ist. Deshalb ist die Lunge das "Filter" fĂŒr venöse Thromben.
Merksatz fĂŒr den Weg: "Bein â Becken â Bauch (Hohlvene) â Brust (rechtes Herz) â Bronchialkreislauf (Lunge)" â fĂŒnfmal B in der richtigen Reihenfolge von unten nach oben.
Schritt 5: Warum ist die Lungenembolie so gefÀhrlich?
Der verstopfte Lungenabschnitt kann kein Blut mehr durchlassen. Zwei Probleme entstehen gleichzeitig:
Gasaustausch gestört: Das Blut kommt nicht mehr an die LungenblĂ€schen â akute Atemnot (Dyspnoe), Sauerstoffmangel.
Rechtsherzbelastung: Das rechte Herz muss plötzlich gegen den verstopften Lungenkreislauf anpumpen â akute Druckbelastung â Rechtsherzversagen (akutes Cor pulmonale).
Ganz wichtig fĂŒr die PrĂŒfung: Bei der Lungenembolie wird das RECHTE Herz ĂŒberlastet â NICHT das linke! Das ist logisch, denn der Stau liegt ja direkt hinter der rechten Kammer. Eine hĂ€ufige Falschantwort in PrĂŒfungen ist "Linksherzversagen".
Schritt 6: Symptome der Lungenembolie
Plötzliche Atemnot
Leitsymptom! Tritt oft schlagartig auf, z.B. beim Aufstehen nach langem Liegen
Typisches PrĂŒfungsbild: Ein Patient, der nach einer Operation, langer Bettruhe oder einem Langstreckenflug plötzlich beim ersten Aufstehen Luftnot bekommt und kollabiert â sofort an Lungenembolie denken! Das "erste Aufstehen nach Immobilisierung" ist DAS SchlĂŒsselwort.
Schritt 7: SofortmaĂnahmen (HP-Grenze)
Sofort Notarzt rufen! Die Lungenembolie ist ein lebensbedrohlicher Notfall.
Oberkörper hoch lagern (erleichtert die Atmung) â NICHT flach hinlegen, NICHT Beine hoch.
Absolute Ruhe â jede Anstrengung kann weitere Thromben lösen.
Beruhigen, beengende Kleidung öffnen, Patienten nicht allein lassen.
Falls Reanimationspflicht eintritt: CPR beginnen.
Ărztliche MaĂnahmen (nicht HP!): Sauerstoffgabe, Heparin (Antikoagulation), Thrombolyse ("Auflösen" des Gerinnsels), bei massiver LE chirurgische Embolektomie. Diagnostisch: CT-Pulmonalisangiografie (Goldstandard), D-Dimer, Echokardiografie (Rechtsherzbelastung), EKG (S1Q3-Typ).
Schritt 8: Wie beugt man vor? (Thromboseprophylaxe)
FrĂŒhmobilisation nach OPKompressionsstrĂŒmpfe (MTPS)Heparin (Thromboseprophylaxe-Spritze)Viel trinken (gegen Exsikkose)BeinĂŒbungen auf LangstreckenflĂŒgenAuf langem Flug: aufstehen, umhergehen
Auf Reisen gilt die einfache Regel: "Bewegen, trinken, nicht die Beine ĂŒberschlagen." Bewegung aktiviert die Muskelpumpe der Wade, die das Blut zum Herzen zurĂŒckdrĂŒckt â das beste natĂŒrliche Mittel gegen Stase.
Ein Thrombus aus der tiefen Beinvene löst sich. Welchen Weg nimmt er zur Lunge?
Der Embolus lĂ€uft: tiefe Beinvene â V. iliaca â V. cava inferior â rechter Vorhof â (Trikuspidalklappe) â rechte Kammer â (Pulmonalklappe) â Truncus pulmonalis â A. pulmonalis â bleibt in der Lunge stecken. Er durchlĂ€uft nur die RECHTE HerzhĂ€lfte. Die linke HerzhĂ€lfte und die Aorta werden NICHT passiert, weil die Lunge wie ein Filter davorgeschaltet ist.
Welches Herz wird bei einer akuten Lungenembolie ĂŒberlastet?
A
Das linke Herz, weil es gegen die Aorta pumpen muss
B
Das rechte Herz, weil es gegen den verstopften Lungenkreislauf anpumpen muss
C
Beide HerzhĂ€lften gleichermaĂen
D
Keine, da die Embolie nur die Lunge betrifft
Das RECHTE Herz wird ĂŒberlastet (akutes Cor pulmonale). Der Embolus verstopft die Lungenarterien â das liegt direkt hinter der rechten Kammer. Diese muss plötzlich gegen den erhöhten Widerstand anpumpen und kann versagen. Eine hĂ€ufige Falschantwort ist "Linksherzversagen".
Was ist bei Verdacht auf tiefe Beinvenenthrombose KONTRAINDIZIERT?
A
Den Patienten ruhigstellen
B
Den Notarzt verstÀndigen
C
Das Bein massieren und mit WĂ€rme behandeln
D
Den Oberkörper bei Atemnot hochlagern
Massieren und WĂ€rme sind absolut kontraindiziert! Jede mechanische Manipulation kann den Thrombus lösen â er wird zum Embolus â Lungenembolie. Bei TVT-Verdacht gilt: ruhigstellen, nicht manipulieren, Notarzt. Das ist eine zentrale HP-Sicherheitsregel.
Schmerzen <2 min beim Kreisen · Rötungsverzögerung >5 sek nach HerabhÀngen
Gehtest
Schmerzfreie Gehstrecke pAVK
<200 m = Stadium IIb
Allen-Test
A. radialis / A. ulnaris
Abblassung der Hand = stenosiertes GefĂ€Ă
Trendelenburg-Test
Venenklappenfunktion V. saphena magna
Vene fĂŒllt sich schnell von oben nach Lösen der Staubinde = Klappeninsuffizienz
Perthes-Test
Tiefe Beinvenen durchgÀngig?
Varizen leeren sich beim Gehen NICHT = tiefe Venen oder Perforansvenen insuffizient
Homans-Zeichen
TVT-Hinweis
Wadenschmerz bei Dorsalflexion des FuĂes
Payr-Zeichen
TVT-Hinweis
Druckschmerz mediale FuĂsohle
Pulspalpation â Tastpunkte
Immer im Seitenvergleich tasten! Wichtigste Punkte: A. carotis communis (Hals), A. radialis (Handgelenk), A. brachialis (Ellenbeuge), A. femoralis (Leiste), A. poplitea (Kniekehle), A. tibialis posterior (innen vor Achillessehne), A. dorsalis pedis (FuĂrĂŒcken).
Erhöhter Druck im Lungenkreislauf: Mittlerer pulmonal-arterieller Druck (mPAP) >25 mmHg in Ruhe. Ursachen: idiopathisch (primÀr, selten) oder sekundÀr bei COPD, Linksherzinsuffizienz, LE, Bindegewebserkrankungen. Symptome: Dyspnoe, Belastungsintoleranz, Rechtsherzinsuffizienz. Typisch: zunehmende Dyspnoe ohne kardiale Ursache bei jungen Frauen (idiopathisch). Diagnose: Rechtsherzkatheter (Goldstandard).
Lokalisation von Leitungsbahnen (z.B. WPW-BĂŒndel), Ablation
Tachykardien, WPW, Vorhofflimmern
Belastungs-EKG: kontraindiziert bei frischem Herzinfarkt, instabiler Angina pectoris, schwerer Aortenstenose, unkontrollierter Hypertonie! ST-Senkung von >2 mm bei Belastung = signifikante KHK. Ergometrie ist KEINE ErstmaĂnahme bei Verdacht auf akuten Infarkt!
Wozu dient der Schellong-Test?
A
Diagnostik der pAVK der Beine
B
PrĂŒfung der Venenklappenfunktion der V. saphena magna
C
Erkennung orthostatischer Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen)
D
Bestimmung der Emboliegefahr bei TVT
C ist korrekt. Beim Schellong-Test: Blutdruck + Puls im Liegen messen, dann nach Aufstehen ĂŒber 10 min kontrollieren. Positiv = RR-Abfall >20 mmHg systolisch = orthostatische Hypotonie. Ratschow-Test dagegen prĂŒft pAVK der Beine.
Kapitel 18 · PrĂŒfungsquiz
Abschluss-Quiz
Klassische HP-PrĂŒfungsfragen zu Herz & Kreislauf.
1. Welche Aussage zum Herzaufbau ist korrekt?
A
Das Herzgewicht betrÀgt beim gesunden Erwachsenen ca. 800 g
B
In der Anspannungsphase der Kammern sind alle 4 Herzklappen geschlossen
C
Die Mitralklappe trennt den rechten Vorhof von der rechten Kammer
D
Exokard ist die Ă€uĂerste Schicht des Herzens
B ist korrekt. In der Anspannungsphase (isovolumische Kontraktion) sind alle 4 Klappen geschlossen. Herzgewicht: ~250â300 g. Mitralklappe: trennt LINKEN Vorhof von linker Kammer. Exokard gibt es nicht.
2. Anfallsartig weiĂgewordene Finger IIâV bei KĂ€lte, dann blau, dann rot. Diagnose?
A
pAVK Stadium II
B
Rechtsherzinsuffizienz
C
Raynaud-Syndrom
D
Venöse Stauung
Raynaud-Syndrom: Trikolore-PhĂ€nomen (weiĂ â blau â rot), anfallsartig, kĂ€lteausgelöst. HĂ€ufig bei jungen Frauen. Finger IIâV betroffen, Daumen meist frei.
3. Was ist die hÀufigste Ursache einer AKUTEN Rechtsherzinsuffizienz?
A
Mitralstenose
B
Lungenembolie
C
COPD
D
Perikarditis
Lungenembolie verursacht plötzliche Druckbelastung des rechten Herzens durch Obstruktion der PulmonalgefĂ€Ăe â akute Rechtsherzinsuffizienz. Chronische Rechtsinsuffizienz: hĂ€ufigste Ursache ist Linksherzinsuffizienz.
5. Obere Einflussstauung bei Rechtsherzinsuffizienz â wo und wie prĂŒfen?
A
A. carotis interna in Kopftieflage
B
V. jugularis externa bei erhöhtem Oberkörper (45°)
C
A. radialis beidseits
D
V. cava inferior im Ultraschall
Obere Einflussstauung: V. jugularis EXTERNA bei 45° erhöhtem Oberkörper prĂŒfen. Wenn Halsvenen trotzdem prall gefĂŒllt = erhöhter zentraler Venendruck â Rechtsherzinsuffizienz.
6. Was ist KEIN Risikofaktor der Arteriosklerose?
A
Diabetes mellitus
B
Arterielle Hypertonie
C
Pfortaderhochdruck
D
Nikotinabusus
Pfortaderhochdruck (portale Hypertonie) ist kein Arteriosklerose-Risikofaktor. Echte Risikofaktoren: Hypertonie, Diabetes mellitus, Rauchen, LDLâ/HDLâ, Ăbergewicht, Bewegungsmangel, Alter, familiĂ€re Belastung.
7. NYHA-Stadium: Beschwerden nur bei stÀrkerer Belastung, in Ruhe symptomfrei?
A
NYHA I
B
NYHA II
C
NYHA III
D
NYHA IV
NYHA II: Beschwerden bei stÀrkerer Belastung (Bergsteigen, schnelles Gehen). In Ruhe symptomfrei. NYHA I: keine Beschwerden. NYHA III: leichte Belastung. NYHA IV: in Ruhe.
8. Patient nach Herzoperation: INR erhöht, Quick erniedrigt. Was nimmt er ein?
A
AcetylsalicylsÀure (ASS)
B
Cumarin-Derivat (z.B. Marcumar)
C
Heparin
D
Statin
Cumarin-Derivate (Marcumar/Warfarin) hemmen Vitamin-K-abhĂ€ngige Gerinnungsfaktoren â Quick sinkt, INR steigt. ASS beeinflusst Quick/INR nicht. Heparin verlĂ€ngert PTT, nicht Quick. HĂ€ufig nach Herzklappen-OPs.
9. Welche Kombination sind ausschlieĂlich Segelklappen?
A
Trikuspidal- und Aortenklappe
B
Pulmonal- und Aortenklappe
C
Trikuspidal- und Mitralklappe
D
Pulmonal- und Mitralklappe
Segelklappen: Trikuspidal (rechts, 3 Segel) und Mitral (links, 2 Segel) â zwischen Vorhöfen und Kammern. Taschenklappen: Pulmonal und Aorta â am Ausfluss der Kammern.
10. Welches Symptom findet sich bei isolierter Linksherzinsuffizienz NICHT?
A
Dyspnoe
B
Lungenödem
C
Gestaute Halsvenen und Beinödeme
D
Asthma cardiale
Gestaute Halsvenen und Beinödeme entstehen durch Rechtsherzinsuffizienz (RĂŒckstau im Körperkreislauf). Bei isolierter Linksherzinsuffizienz: RĂŒckstau in die Lunge â Dyspnoe, Lungenödem, Asthma cardiale, Zyanose. Beinödeme erst bei Globalinsuffizienz.
Weitere PrĂŒfungsfragen
11. Welche der folgenden Aussagen zu Herzklappenstenosen ist korrekt?
A
Bei der Mitralstenose kommt es typischerweise zu einem Systolikum
B
Die Aortenstenose verursacht ein Systolikum, das in die Karotiden fortgeleitet wird
C
Bei der Aortenstenose ist die Blutdruckamplitude groĂ (Wasserhammer-Puls)
D
Die Mitralstenose ist hÀufigste Folge einer viralen Myokarditis
Aortenstenose: Systolikum 2. ICR rechts parasternal mit Fortleitung in die Karotiden + kleine Amplitude (Pulsus parvus et tardus). Mitralstenose: Diastolikum, hĂ€ufig nach rheumatischem Fieber (nicht Myokarditis!). GroĂer Wasserhammer-Puls ist typisch fĂŒr Aorteninsuffizienz.
12. Was versteht man unter einem Pulsus paradoxus?
A
Ein Puls mit wechselnder StÀrke bei Vorhofflimmern
B
Inspiratorischer Blutdruckabfall >10 mmHg
C
Ein Puls mit verlÀngerter Anstiegszeit bei Aortenstenose
D
Die Differenz zwischen auskultierter Herzfrequenz und Radialispuls
Pulsus paradoxus = inspiratorischer Blutdruckabfall >10 mmHg. Typisch bei Herzbeuteltamponade (durch inspiratorische Kompression des Herzens) und schwerem Asthmaanfall. Beck-Trias der Tamponade: Hypotonie + gestaute Halsvenen + leise Herztöne.
13. Welche Aussage zu Antihypertensiva ist FALSCH?
Betablocker sind bei Asthma bronchiale kontraindiziert
C
Verapamil kann problemlos mit Betablockern kombiniert werden
D
AT1-Blocker (Sartane) sind eine Alternative wenn ACE-Hemmer nicht vertragen werden
Verapamil + Betablocker ist eine gefĂ€hrliche Kombination! Beide hemmen die AV-Ăberleitung und die Herzfrequenz â droht totaler AV-Block. ACE-Hemmer Reizhusten durch Bradykinin-Akkumulation; auf Sartan wechseln. Betablocker bei Asthma: kontraindiziert (Bronchospasmusgefahr).
14. Welches EKG-Zeichen ist am charakteristischsten fĂŒr einen STEMI?
A
VerlÀngertes PQ-Intervall
B
Breiter QRS-Komplex
C
ST-Streckenhebung in der zugehörigen Ableitungsgruppe
15. Ein Patient hat seit Jahren Bluthochdruck. Labordiagnostisch fÀllt eine Mikroalbuminurie auf. Welches Organ ist betroffen?
A
Leber (hypertensive Hepatopathie)
B
Herz (Linksherzhypertrophie)
C
Niere (hypertensive Nephropathie)
D
Gehirn (hypertensive Enzephalopathie)
Mikroalbuminurie (Albuminausscheidung 30â300 mg/Tag) ist das FrĂŒhzeichen einer hypertensiven Nephropathie â die glomerulĂ€re Filtrationsmembran ist durch den erhöhten Druck geschĂ€digt. Folge: Schrumpfniere, Niereninsuffizienz. Auch FrĂŒhzeichen einer diabetischen Nephropathie!