EinfĂŒhrung Hormonsystem
Was sind Hormone, wie wirken sie, und wie ist das endokrine System aufgebaut?
Das Wort Hormon kommt aus dem Griechischen (horman = antreiben). Hormone sind chemische Botenstoffe, die von spezialisierten DrĂŒsen direkt ins Blut abgegeben werden und so entfernte Zielorgane erreichen. Schon kleinste Konzentrationen (10â»âč bis 10â»ÂčÂČ mol/l) genĂŒgen fĂŒr weitreichende Effekte.
Hormone regulieren: Wachstum und Entwicklung, Reproduktion, Stoffwechsel, Wasser- und Salzhaushalt, Stressantwort und das innere Gleichgewicht (Homöostase).
Hormone wirken nur an Zellen mit passendem Rezeptor. Ein Hormon ohne seinen Rezeptor hat keine Wirkung â wie ein SchlĂŒssel ohne Schloss. Rezeptoren sitzen entweder auf der Zellmembran (Peptidhormone) oder im Zellinnern/Kern (Steroid- und SchilddrĂŒsenhormone). Die Bindung löst eine Signalkaskade aus, die zellulĂ€re Prozesse aktiviert oder hemmt.
| Klasse | Beispiele | Besonderheit |
|---|---|---|
| AminosĂ€ure-Abkömmlinge | SchilddrĂŒsenhormone T3/T4 (Tyrosin + Jod); Adrenalin, Noradrenalin (Tyrosin) | Membran-Rezeptor (Katecholamine) oder Kernrezeptor (T3/T4); schnell wirkend |
| Peptidhormone | Insulin, Glukagon, ADH, PTH, alle Hypophysenhormone | Wasserlöslich, Membran-Rezeptor, schnelle Wirkung; oral inaktiv (werden im Magen verdaut) |
| Steroidhormone | Kortisol, Aldosteron, Ăstrogen, Testosteron, Progesteron â alle aus Cholesterin! | Fettlöslich, Kernrezeptor, langsamere aber lang anhaltende Wirkung |
| Eikosanoide | Prostaglandine, Thromboxane, Leukotriene (aus ArachidonsĂ€ure) | Gewebshormone (parakrin), wirken lokal; Rolle bei EntzĂŒndung, Schmerz, Fieber |
Das endokrine System ist dreistufig aufgebaut â wie eine Befehlskette:
Der Hormonspiegel wird durch negativen Feedback konstant gehalten: Steigt das Effekthormon (z. B. Kortisol), hemmt es Hypothalamus und Hypophyse â weniger AusschĂŒttung â Spiegel sinkt. FĂ€llt es, wird die AusschĂŒttung stimuliert â Spiegel steigt. Das Ziel ist immer ein konstantes Niveau (Homöostase).
Hypothalamus & Hypophyse
Hormone, Regelkreise, Erkrankungen â das Steuerzentrum des Endokrinium
Der Hypothalamus liegt im Zwischenhirn und ist die Schnittstelle zwischen Nervensystem und Hormonsystem (neuroendokrine Kontrolle). Er produziert Releasing-Hormone (RH), die die Hypophyse zur AusschĂŒttung stimulieren, und Inhibiting-Hormone (IH), die sie bremsen. Zwei Hormone werden im Hypothalamus gebildet und im Hypophysen-Hinterlappen gespeichert: ADH und Oxytocin.
| Hormon | KĂŒrzel | Wirkung auf Hypophyse |
|---|---|---|
| Thyreotropin-Releasing-Hormon | TRH | â HVL schĂŒttet TSH aus â SchilddrĂŒse: T3/T4 â |
| Corticotropin-Releasing-Hormon | CRH | â HVL schĂŒttet ACTH aus â NNR: Kortisol â |
| Gonadotropin-Releasing-Hormon | GnRH | â HVL schĂŒttet FSH + LH aus â Gonaden: Sexualhormone â |
| Growth-Hormone-Releasing-Hormon | GHRH | â HVL schĂŒttet STH aus |
| Somatostatin (GH-Inhibiting-H.) | GHIH | â Hemmt STH (+ Insulin + Glukagon!) |
| Prolaktin-Inhibiting-Hormon (= Dopamin) | PIH | â Hemmt Prolaktin-AusschĂŒttung aus HVL |
| ADH (Adiuretin / Vasopressin) | ADH | â Im HHL gespeichert â Niere: WasserrĂŒckresorption â, Harnkonzentrierung |
| Oxytocin | OT | â Im HHL gespeichert â Uterus: Wehen; BrustdrĂŒse: Milchejektionsreflex |
Der HVL ist die eigentliche HormondrĂŒse. Er produziert auf Befehl des Hypothalamus 7 Hormone. Man unterscheidet glandotrope (steuern andere DrĂŒsen) und nicht-glandotrope Hormone (wirken direkt auf Gewebe):
| Hormon | KĂŒrzel | Zielorgan | Wirkung |
|---|---|---|---|
| Thyreoidea-stimulierendes Hormon | TSH | SchilddrĂŒse | T3/T4-Produktion und -Freisetzung â |
| Adrenocorticotropes Hormon | ACTH | Nebennierenrinde (Zona fasciculata + reticularis) | Kortisol und Androgene â (nicht Aldosteron!) |
| Follikelstimulierendes Hormon | FSH | Ovar / Hoden | Follikelreifung (â); Spermatogenese (â) |
| Luteinisierendes Hormon | LH | Ovar / Hoden | Ovulation + Progesteronbildung (â); Testosteron (â) |
| Somatotropes Hormon (Wachstumshormon) | STH / GH | Leber, Knochen, Muskel | Wachstum â; BZ â (Insulin-Antagonist!); Lipolyse â |
| Prolaktin | PRL | BrustdrĂŒse | Milchproduktion â; hemmt GnRH â FSH/LH â (Laktationsammenorrhoe) |
| MSH (Melanozyten-stim. Hormon) | MSH | Melanozyten | Melanin-Bildung â â Hautpigmentierung; strukturverwandt mit ACTH! |
HĂ€ufigstes hormonell aktives Hypophysenadenom. Unkontrollierte Prolaktin-Produktion â hemmt GnRH â FSH/LH â â Gonaden unteraktiv.
GroĂe Adenome können auf die Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum) drĂŒcken â bitemporale Hemianopsie. Therapie: Dopaminagonisten (Cabergolin, Bromocriptin) â Dopamin hemmt Prolaktin. In ~95 % gutes Ansprechen. OP bei Versagen oder Kompression.
STH-produzierendes Adenom. Wirkung abhÀngig vom Lebensalter:
Diagnose: erhöhtes IGF-1, STH nach Glukosegabe nicht supprimierbar (oraler Glukosetoleranztest). MRT Hypophyse. Therapie: transphÀnoidale OP (hÀufigste Wahl), dann Somatostatinanaloga.
ADH-Mangel (zentral) oder fehlende Nierenreaktion auf ADH (nephrogen). Die Nieren können Wasser nicht zurĂŒckhalten â riesige Mengen verdĂŒnnter Urin.
Therapie zentrater Form: Desmopressin (ADH-Analogon) nasal oder oral. Kausal: Tumorbehandlung.
Ausfall des HVL durch Tumor, Trauma, Sheehan-Syndrom (Hypophyseninfarkt post partum), Bestrahlung, Autoimmun. Symptome erst ab > 70 % Gewebsverlust manifest. Ausfallreihenfolge typischerweise: STH â FSH/LH â TSH â ACTH â Prolaktin.
| Ausgefallenes Hormon | Folge |
|---|---|
| STH (zuerst) | Kinder: Minderwuchs; Erwachsene: Muskelschwund, Fettumverteilung, MĂŒdigkeit, Osteoporose |
| FSH / LH | Amenorrhoe, Libidoverlust, Potenzstörung, RĂŒckgang SekundĂ€rbehaarung |
| TSH | SekundĂ€re Hypothyreose (TSH â â T3/T4 â) |
| ACTH | SekundĂ€re NNR-Insuffizienz (Kortisol â) â keine Hyperpigmentation, da ACTH fehlt! |
| MSH fehlt | Blasse, alabasterfarbene Haut |
| Prolaktin fehlt | Laktationsstörung post partum |
Die SchilddrĂŒse
Anatomie, T3/T4, Kalzitonin, Regelkreis, Jodstoffwechsel
Die SchilddrĂŒse (Glandula thyreoidea) ist schmetterlingsförmig, wiegt 18â25 g und liegt vor der Trachea unterhalb des Larynx. Zwei Lappen, verbunden durch den Isthmus. Sie ist am Schildknorpel befestigt â bewegt sich beim Schlucken mit (klinisches Zeichen!). Das Parenchym besteht aus Follikeln, gefĂŒllt mit Kolloid (Thyreoglobulin als Speicherform).
Zwei Zelltypen: Thyreozyten (Follikelzellen) â bilden T3 und T4. C-Zellen (parafollikulĂ€re Zellen) â bilden Kalzitonin.
Bildung: Tyrosin + Jod â T3 (3 Jodatome) und T4 (4 Jodatome). Im Blut zu ~99 % an Transportproteine gebunden (v. a. TBG). Biologisch aktiv ist nur der freie Anteil (fT3, fT4). T4 ist das eigentliche Hauptsekretionsprodukt, wirkt aber als Prohormon â in Zielgeweben wird T4 durch Dejodierung zu T3 aktiviert (5-fach höhere WirkstĂ€rke).
| T3 | T4 (Thyroxin) | |
|---|---|---|
| Jodatome | 3 | 4 |
| Anteil Sekretion | ca. 20 % direkt | ca. 80 % (Hauptprodukt) |
| Biologische AktivitĂ€t | StĂ€rker (3â5Ă) | SchwĂ€cher (Prohormon) |
| Halbwertszeit | ~1 Tag | ~7 Tage (lÀnger!) |
| Umwandlung | T4 â T3 durch Dejodierung in Leber, Niere, Muskel | |
SchilddrĂŒsenhormone erhöhen den Grundumsatz nahezu aller Zellen (Rezeptoren in fast allen Geweben). Das erklĂ€rt die vielfĂ€ltigen Symptome bei Ăber- und Unterfunktion:
Klassischer negativer Feedback: Hypothalamus (TRH) â HVL (TSH) â SchilddrĂŒse (T3/T4) â Hemmung von Hypothalamus und HVL. TSH ist der empfindlichste Marker fĂŒr die Funktion:
Kalzitonin wird in den C-Zellen (parafollikulĂ€ren Zellen) der SchilddrĂŒse gebildet â nicht der NebenschilddrĂŒse! Es senkt den Kalziumspiegel durch Hemmung der Osteoklasten (weniger Knochenabbau) und Förderung der renalen Kalziumausscheidung. Antagonist ist das Parathormon. Klinisch dient der Kalzitoninspiegel als Tumormarker fĂŒr das medullĂ€re SchilddrĂŒsenkarzinom (aus C-Zellen).
NebenschilddrĂŒsen & Kalziumhaushalt
PTH, Kalzitonin, Vitamin D â Regulation und Erkrankungen
Vier Glandulae parathyroideae (Epithelkörperchen), jeweils linsengroĂ, liegen paarweise an der RĂŒckflĂ€che der SchilddrĂŒse. Sie produzieren Parathormon (PTH), ein Peptidhormon. Ihre AktivitĂ€t hĂ€ngt direkt vom ionisierten Kalziumspiegel im Blut ab â kein Hypothalamus/Hypophyse-Zwischenglied.
| Hormon | Bildungsort | Wirkung auf CaÂČâș | Reiz zur AusschĂŒttung |
|---|---|---|---|
| Parathormon (PTH) | NebenschilddrĂŒsen | â erhöht CaÂČâș | Niedriger CaÂČâș-Spiegel â PTH â |
| Kalzitonin | C-Zellen der SchilddrĂŒse | â senkt CaÂČâș | Hoher CaÂČâș-Spiegel â Kalzitonin â |
| Calcitriol (aktives Vit. D) | Aktivierung in der Niere (PTH-abhĂ€ngig) | â erhöht CaÂČâș | PTH stimuliert Aktivierung |
Vitamin D ist eigentlich ein Steroidhormon. Die Bildung lÀuft in drei Stationen:
Wirkung Calcitriol: CaÂČâș-Resorption im DĂŒnndarm â, CaÂČâș-RĂŒckresorption in Niere â, Knochenaufbau â. Mangel â Rachitis (Kinder: Knochenverformungen) oder Osteomalazie (Erwachsene: weiche, schmerzende Knochen).
PrimĂ€r: Adenom der NebenschilddrĂŒse (hĂ€ufig, 85 %) â PTH autonom erhöht. SekundĂ€r: chronischer CaÂČâș-Mangel (Vitamin-D-Mangel, chron. Niereninsuffizienz) â reaktiv erhöhtes PTH. TertiĂ€r: aus sekundĂ€rem HPT verselbststĂ€ndigt (Adenom-Transformation).
Klassische Symptom-Trias: âStein, Bein, Magenpein"
HĂ€ufigste Ursache: versehentliche Entfernung aller NebenschilddrĂŒsen bei SchilddrĂŒsen-OP. Folge: CaÂČâș â â neuromuskulĂ€re Ăbererregbarkeit â Tetanie.
| Zeichen | Beschreibung |
|---|---|
| Pfötchenstellung | Adduktion Daumen, Beugung MCP-Gelenke, Streckung IP-Gelenke (Hauptzeichen) |
| Chvostek-Zeichen | Beklopfen N. facialis vor dem Ohr â Zucken der Mundwinkelmuskulatur |
| Trousseau-Zeichen | RR-Manschette 3 min aufblasen ĂŒber systolischem RR â Pfötchenstellung provoziert |
| ParÀsthesien, Laryngospasmus | Kribbeln perioral und an HÀnden; Kehlkopfkrampf (Notfall!) |
Nebennieren
Rinde und Mark â Kortisol, Aldosteron, Androgene, Katecholamine
Zwei paarige DrĂŒsen (~5 g), retroperitoneal den oberen Nierenpolen aufliegend. Bestehen aus zwei funktionell verschiedenen Anteilen: der Nebennierenrinde (NNR) (80 %) und dem Nebennierenmark (NNM) (20 %).
Alle NNR-Hormone sind Steroidhormone (aus Cholesterin). Drei Schichten von auĂen nach innen:
| Schicht (auĂen â innen) | Hormongruppe | Haupthormon | Funktion | Steuerung |
|---|---|---|---|---|
| Zona glomerulosa | Mineralokortikoide | Aldosteron | Naâș-Retention, Kâș-Ausscheidung â Blutdruck â, Volumenstatus | RAAS, Kalium (nicht ACTH!) |
| Zona fasciculata | Glukokortikoide | Kortisol | Blutzucker â, antiinflammatorisch, Stressreaktion | ACTH (Hypothalamus-Hypophyse-Achse) |
| Zona reticularis | Androgene | DHEA, Androstendion | SekundĂ€rbehaarung, anabole Effekte; bei â >50 % der Androgene! | ACTH |
Kortisol hat eine ausgeprĂ€gte Tagesrhythmik: Maximum morgens (~8 Uhr), Minimum abends (~Mitternacht). Steuerung: Hypothalamus (CRH) â HVL (ACTH) â NNR (Kortisol) mit negativem Feedback. Bei Stress (körperlich oder psychisch) â CRH â â ACTH â â Kortisol â.
| Organssystem | Wirkung von Kortisol | Klinische Konsequenz bei Ăberschuss |
|---|---|---|
| Kohlenhydrate | Glukoneogenese â, Glykogenabbau â â BZ â | Steroid-Diabetes (besonders bei vorbestehendem Typ 2!) |
| EiweiĂ | Proteinabbau (katabol) in Muskel, Haut, Knochen | Muskelschwund, dĂŒnne Haut, Osteoporose, schlechte Wundheilung |
| Fett | Lipolyse peripher â, Fettumverteilung (Stamm/Gesicht) | Vollmondgesicht, Stiernacken, Stammfettsucht + dĂŒnne ExtremitĂ€ten |
| Immunsystem | Antiinflammatorisch, immunsuppressiv, antiphlogistisch | Erhöhte InfektanfĂ€lligkeit, maskierte EntzĂŒndung |
| Herz/Kreislauf | VerstĂ€rkt Katecholamin-Wirkung â RR â | Arterielle Hypertonie |
| Psyche | Stimmungseffekte (Wohlbefinden in MaĂen) | Schlafstörungen, Depressionen, Psychosen bei Ăberschuss |
| Augen | Augeninnendruck â (bei Dauergebrauch) | Glaukom-Risiko unter Kortison-Therapie |
Aldosteron wirkt am distalen Tubulus und Sammelrohr der Niere: Naâș wird rĂŒckresorbiert (und Wasser folgt osmotisch), Kâș und Hâș werden ausgeschieden. Ergebnis: Blutvolumen â â RR â. Wichtigste SteuerungsgröĂen: RAAS (Renin â Angiotensin II â Aldosteron bei Volumenmangel/Hypotonie) und Kaliumspiegel.
Das NNM ist umgewandeltes sympathisches Nervengewebe (chromaffine Zellen). Es wird direkt durch prĂ€ganglionĂ€re Sympathikusfasern innerviert â blitzschnelle Antwort auf Stress. Produkte: Adrenalin (ca. 80 %) und Noradrenalin (ca. 20 %). Beide wirken auf α- und ÎČ-Adrenozeptoren, aber mit unterschiedlicher Gewichtung.
| Adrenalin | Noradrenalin | |
|---|---|---|
| Anteil NNM | ~80 % | ~20 % |
| Hauptrezeptor | ÎČ1, ÎČ2 (auch α) | α1 (hauptsĂ€chlich) |
| Herzfrequenz | â stark | â gering (Reflexbradykardie möglich) |
| Blutdruck | â (durch HF + KontraktilitĂ€t) | ââ (starke Vasokonstriktion) |
| Bronchien | Bronchodilatation (ÎČ2) | Kaum Wirkung |
| Blutzucker | â (Glykogenolyse, Lipolyse) | â geringer |
| Haut/Durchblutung | Vasodilatation Muskel, Konstriktion Haut/Eingeweide | Generelle Vasokonstriktion (auch Muskel) |
Pankreas & Insulin
Exo-/endokrine Funktion, Inselzellen, Blutzuckerregulation
Insulin ist ein Peptidhormon, das nach Mahlzeiten bei steigendem Blutzucker ausgeschĂŒttet wird. Es ermöglicht die Glukoseaufnahme in insulinabhĂ€ngige Zellen: Muskelzellen und Fettzellen. Gehirn, Leber, Niere und Erythrozyten nehmen Glukose insulinunabhĂ€ngig auf.
| Stoffwechselweg | Insulin-Wirkung (fördert/hemmt) | Bei Insulinmangel daher: |
|---|---|---|
| Kohlenhydrate | Glukoseaufnahme in Muskel/Fett â; Glykogenese â; Glykolyse â; Glukoneogenese â; Glykogenolyse â | HyperglykĂ€mie (keine Aufnahme); Glykogenolyse â; Glukoneogenese â |
| Fett | Lipogenese â; Lipolyse â | Lipolyse â â freie FettsĂ€uren â ÎČ-Oxidation â Acetoacetat/ÎČ-Hydroxybutyrat (Ketonkörper) â Ketoazidose! |
| EiweiĂ | AminosĂ€ureaufnahme in Zellen â; Proteinsynthese â (anabol) | Proteinabbau â â Muskelatrophie, Gewichtsverlust |
| Kalium | Kâș-Einstrom in Zellen â â Serum-Kâș â | Kâș bleibt extrazellulĂ€r (bei Azidose noch verschlimmert) |
Alle anderen Hormone, die den BZ erhöhen, sind Insulin-Gegenspieler. Es gibt 5 klassische Antagonisten:
| Befund | NĂŒchtern-Plasma-Glukose |
|---|---|
| NormoglykĂ€mie | 60â100 mg/dl (3,3â5,6 mmol/l) |
| Pathologische NĂŒchternglukose (IFG) | 100â125 mg/dl |
| Diabetes mellitus (2Ă gemessen!) | â„ 126 mg/dl (â„ 7,0 mmol/l) |
| Nierenschwelle fĂŒr Glukose | ca. 180 mg/dl â ab hier Glukosurie |
| HypoglykĂ€mie-Grenze | < 50 mg/dl â Symptome |
Stoffwechsel
Kohlenhydrat-, Fett- und EiweiĂstoffwechsel, Lipoproteine, Purine
| Begriff | Bedeutung | Hormonelle Steuerung |
|---|---|---|
| Glykolyse | Glukoseabbau zu Pyruvat â ATP (anaerob) / Acetyl-CoA â Zitratzyklus (aerob) | Immer aktiv; Insulin â |
| Glykogenese | Glukose â Glykogen (Speicher in Leber und Muskel) | Insulin â |
| Glykogenolyse | Glykogen â Glukose (Speicher wird mobilisiert) | Glukagon, Adrenalin, Kortisol |
| Glukoneogenese | Neue Glukose aus AminosÀuren, Glycerol, Laktat (Leber, Niere) | Glukagon, Kortisol, Adrenalin; durch Insulin gehemmt |
| Lipogenese | Glukose-Ăberschuss â Fettsynthese (Leber, Fettgewebe) | Insulin â |
| Lipolyse | Fette (Triglyceride) â freie FettsĂ€uren + Glycerol | Glukagon, Adrenalin, Kortisol, STH; durch Insulin gehemmt |
Fette sind wasserunlöslich und werden im Blut als Lipoproteine transportiert (Lipid + Apoprotein-HĂŒlle). Je höher der Proteinanteil, desto höher die Dichte:
| Lipoprotein | Zusammensetzung | Transportrichtung | Klinische Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Chylomikronen | Sehr viel Fett, wenig Protein | Nahrungsfett: Darm â Blut (ĂŒber Lymphe) | Postprandial erhöht; sehr hohe Werte â Pankreatitisrisiko! |
| VLDL | Viel TG, wenig Cholesterin | Leber â Gewebe (endogene TG) | VorlĂ€ufer von LDL; erhöht bei HypertriglyzeridĂ€mie |
| LDL | Viel Cholesterin, wenig TG | Leber â Zielgewebe (Cholesterin-Lieferant) | âBöses Cholesterin" â Arteriosklerose â bei Erhöhung |
| HDL | Viel Protein, wenig Cholesterin | Gewebe â Leber (reverser Transport) | âGutes Cholesterin" â Arteriosklerose-Schutz bei Erhöhung |
Proteine bestehen aus AminosĂ€uren (AS). Essentielle AS muss der Körper mit der Nahrung aufnehmen (er kann sie nicht selbst synthetisieren). Proteine haben vielfĂ€ltige Rollen: Strukturproteine (Kollagen), Enzyme, Hormone (Insulin, STH), Antikörper, Gerinnungsfaktoren, Transportproteine (HĂ€moglobin, Albumin). Abbau: AS â Harnstoff (Leber, Harnstoffzyklus) â Ausscheidung ĂŒber Niere.
Purine sind Bestandteile von DNA und RNA (Adenin, Guanin). Beim Zelluntergang und Nahrungsabbau entstehen Purine, die zur HarnsĂ€ure abgebaut werden (Xanthinoxidase â HarnsĂ€ure). HarnsĂ€ure ist schwer löslich. Normalwert: MĂ€nner < 7,0 mg/dl, Frauen < 6,0 mg/dl. Bei Ăberproduktion oder verminderter renaler Ausscheidung â HyperurikĂ€mie â Gicht.
Vitamine
Wasserlösliche und fettlösliche Vitamine â Funktion, Mangel, Klinik
Wasserlösliche Vitamine (B-Gruppe, Vitamin C) können nicht gespeichert werden â mĂŒssen tĂ€glich zugefĂŒhrt werden; Ăberdosierung meist unkritisch (renale Ausscheidung). Fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) können in Fettgewebe und Leber gespeichert werden â Ăberdosierung möglich, besonders A und D!
| Vitamin | Funktion | Mangelkrankheit / Symptome | Wichtiges Detail |
|---|---|---|---|
| B1 (Thiamin) | Coenzym im KH-Stoffwechsel (Pyruvat-Dehydrogenase), Herzfunktion, Nervenleitung | Beriberi (periph. Neuropathie, Herzinsuffizienz); Wernicke-Enzephalopathie (Ataxie, Konfusion, AugenmotilitĂ€t) bei Alkoholikern | Alkohol verhindert Resorption â hĂ€ufigste Ursache |
| B2 (Riboflavin) | Coenzym FAD/FMN im Energiestoffwechsel, Regeneration SchleimhĂ€ute/Haut | Mundwinkelrhagaden, ZungenentzĂŒndung (Glossitis), Lichtempfindlichkeit | Hitze- und lichtempfindlich |
| B3 (Niacin) | Coenzym NADâș im Energiestoffwechsel | Pellagra: Dermatitis (lichtsensibel), Diarrhoe, Demenz â die 3 D | Kann aus Tryptophan synthetisiert werden |
| B6 (Pyridoxin) | AminosĂ€urestoffwechsel, HĂ€m-Synthese, Neurotransmitterbildung | Periphere Neuropathie, Stomatitis, AnĂ€mie | INH (Tuberkulose-Mittel) verbraucht B6 â Substitution! |
| B12 (Cobalamin) | DNA-Synthese, Myelinscheiden, Blutbildung (mit FolsĂ€ure) | Perniziöse AnĂ€mie (megaloblastĂ€r), funikulĂ€re Myelose (RĂŒckenmark!) | Braucht Intrinsic Factor (aus Belegzellen Magen) zur Resorption. Bei atrophischer Gastritis â Mangel |
| B9 (FolsÀure) | DNA/RNA-Synthese, Zellteilung, Reifung Erythrozyten | MegaloblastÀre AnÀmie; Spina bifida/Neuralrohrdefekte beim Fetus | In der Schwangerschaft essentiell! 0,4 mg/Tag perikonzeptionell empfohlen |
| C (AscorbinsĂ€ure) | Kollagensynthese, Antioxidans, Eisenresorption â (reduziert FeÂłâș â FeÂČâș) | Skorbut: Zahnfleischbluten, Wundheilungsstörung, HĂ€morrhagien, Osteoporose | Hitzlabil (Kochen zerstört es), historisch: Segler |
| Vitamin | Funktion | Mangel | Ăberdosierung |
|---|---|---|---|
| A (Retinol) | Sehpigment Rhodopsin (StÀbchen), EpithelintegritÀt, Immunabwehr, Wachstum | Nachtblindheit, Xerophthalmie (Hornhautaustrocknung), Keratomalazie, InfektanfÀlligkeit | Möglich: Teratogen, Leberschaden, Pseudotumor cerebri |
| D (Calciferol) | Kalziumresorption Darm â, Knochenaufbau, Immunmodulation â eigentlich Steroidhormon! | Rachitis (Kinder: Verbiegung, Rosenkranz-Rippen, O-Beine); Osteomalazie (Erwachsene: weiche Knochen) | Schwerste VitaminĂŒberdosierung: HyperkalzĂ€mie, Organverkalkung (Niere, Lunge) |
| E (Tocopherol) | Antioxidans (schĂŒtzt Zellmembranen vor Lipidperoxidation), Thrombozytenaggregation â | Selten; SĂ€uglinge: hĂ€molytische AnĂ€mie; neurologische Störungen | Kaum toxisch; bei sehr hoher Dosis: Blutungsrisiko â |
| K (Phyllochinon) | Carboxylierung der Gerinnungsfaktoren II, VII, IX, X + Protein C, S; Knochenproteine (Osteocalcin) | Blutungsneigung, verlÀngerte PTZ/INR; bei Neugeborenen: Vitamin-K-Mangelblutung | Kaum toxisch. Achtung: Marcumar (Warfarin) ist Vitamin-K-Antagonist! |
SchilddrĂŒsenerkrankungen
Hyper-/Hypothyreose, Basedow, Hashimoto, Struma, Karzinom, thyreotoxische Krise
Autoimmun-Hyperthyreose: TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) stimulieren die SchilddrĂŒse dauerhaft â unkontrollierte T3/T4-Produktion. Frauen 5â10Ă hĂ€ufiger, Gipfel 30.â40. Lj. Rauchen verstĂ€rkt den Verlauf!
Der Exophthalmus (endokrine Orbitopathie) entsteht durch immunologisch vermittelte EntzĂŒndung im Retroorbitalgewebe â er ist vom Hormonspiegel weitgehend unabhĂ€ngig und kann persistieren!
Diagnostik: TRAK positiv (spezifisch!), TSH supprimiert, fT3/fT4 â, Sonografie (vergröĂert, hypervaskularisiert), Szintigraphie (diffus hohe Aufnahme). Therapie: Thyreostatika (Methimazol/Carbimazol) â Radiojodtherapie oder operative Strumektomie.
Lebensbedrohliche Entgleisung einer Hyperthyreose. HÀufige Auslöser: jodhaltiges Kontrastmittel, OP, Infekte, Trauma. Symptome: Tachykardie >150/min, Fieber > 40 °C, Erbrechen/Diarrhoe, Exsikkose, Bewusstseinsstörung bis Koma, Herzinsuffizienz.
HĂ€ufigste Thyreoiditis-Form und hĂ€ufigste Ursache der Hypothyreose in Jodversorgten LĂ€ndern. Autoimmunerkrankung: Antikörper gegen Thyreoperoxidase (TPO-AK, >90 % positiv) und Thyreoglobulin (TG-AK) â lymphozytĂ€re EntzĂŒndung â irreversibler Parenchymverlust â Hypothyreose. Frauen 7â10Ă hĂ€ufiger. Assoziation mit anderen Autoimmunerkrankungen (Diabetes Typ 1, M. Addison, Zöliakie).
Therapie: Keine kausale Therapie möglich. Bei Hypothyreose: L-Thyroxin (Levothyroxin / EuthyroxÂź) â Substitution, lebenslang. Ziel-TSH: 0,5â2,0 mIU/l. Jodsubstitution kontraindiziert (triggert Autoimmunreaktion)!
Eine Struma ist eine VergröĂerung der SchilddrĂŒse (> 18 ml Frau, > 25 ml Mann im Ultraschall). Sie macht allein keine Aussage ĂŒber die Funktion â sie kann euthyreot, hypo- oder hyperthyreot auftreten. HĂ€ufigste Ursache weltweit: Jodmangel.
| Einteilung (klinisch) | Befund |
|---|---|
| Grad 0 | Keine Struma (SD normal groĂ) |
| Grad 1 | Tastbar, aber nicht sichtbar (auch bei zurĂŒckgeneigtem Kopf nicht) |
| Grad 2 | Sichtbar bei normaler Kopfhaltung |
| Grad 3 | Weithin sichtbar; mögliche Kompression: Stridor (Trachea), Dysphagie (Ăsophagus), obere Einflussstauung (V. cava) |
Diagnostik: TSH basal + Sonografie. Bei Knotenstruma: Szintigraphie (heià = Autonomie, kalt = MalignitÀtsverdacht). Therapie: Jodid, L-Thyroxin; bei Karzinomverdacht oder Kompression: OP.
Selten, aber relevant: ~1 % aller Karzinome. Hauptrisikofaktoren: ionisierende Strahlung (Kindheit!), familiĂ€re Belastung. Im Szintigramm: kalter Knoten (keine Aufnahme von Radiojod) = MalignitĂ€tsverdacht â Feinnadelpunktion. Warme/heiĂe Knoten sind fast immer gutartig.
| Typ | HĂ€ufigkeit | Ursprungszelle | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| PapillĂ€res SD-CA | ~70â80 % | Thyreozyten | HĂ€ufigste Form; gute Prognose; lymphogene Metastasen |
| FollikulĂ€res SD-CA | ~10â15 % | Thyreozyten | HĂ€matogene Metastasen (Lunge, Knochen); mittlere Prognose |
| MedullĂ€res SD-CA (MTC) | ~5 % | C-Zellen â Kalzitonin â | Tumormarker: Kalzitonin! Assoziiert mit MEN 2A/2B |
| Anaplastisches SD-CA | ~1â2 % | Thyreozyten (entdiff.) | Extrem aggressiv, schlechteste Prognose; rasches Wachstum |
| Konstellation | TSH | fT3/fT4 |
|---|---|---|
| Euthyreose | Normal | Normal |
| PrimĂ€re Hyperthyreose (Basedow, Autonomie) | â supprimiert | â erhöht |
| PrimĂ€re Hypothyreose (Hashimoto, nach OP) | â erhöht | â erniedrigt |
| Latente Hypothyreose | â leicht erhöht | Normal |
| SekundĂ€re Hypothyreose (HVL-Insuffizienz) | â erniedrigt | â erniedrigt |
Nebennierenerkrankungen
Cushing, Conn, Morbus Addison, Addison-Krise, PhÀochromozytom
Dauerhaft zu viel Kortisol. Wichtigste Ursachen:
Diagnostik: 24h-Urin-Kortisol â, Kortisol-Tagesrhythmik aufgehoben (abends nicht erniedrigt), Dexamethason-Hemmtest pathologisch (kein Abfall). ACTH bestimmt ob zentral (ACTH â) oder peripher (ACTH â). MRT Hypophyse, CT Nebennieren.
HĂ€ufigste Ursache sekundĂ€rer Hypertonie endokriner Genese! Ăberwiegend Adenom der Zona glomerulosa (~60â70 %) oder bilaterale Hyperplasie (~30 %). Aldosteron autonom erhöht â Renin â (supprimiert durch Feedback).
Diagnose: Aldosteron-Renin-Quotient erhöht (Aldosteron â, Renin â). Therapie: Adenom â OP. Bilaterale Hyperplasie â Spironolacton (Aldosteron-Antagonist).
Ausfall aller 3 NNR-Hormonsysteme. HÀufigste Ursache (80 %): Autoimmun-Adrenalitis (Antikörper gegen NNR-Zellen). Weitere: Tuberkulose (klassisch!), Metastasen, Blutungen, HIV. Betrifft Kortisol + Aldosteron + Androgene.
| Hormonmangel | Symptome | ErklÀrung |
|---|---|---|
| Kortisol â | SchwĂ€che, MĂŒdigkeit, HypoglykĂ€mie, Ăbelkeit, Gewichtsverlust, Hypotonie | Keine Glukoneogenese, kein Stresscortisol, keine Katecholamin-VerstĂ€rkung |
| Aldosteron â | Hypotonie, HyponatriĂ€mie, HyperkaliĂ€mie, Exsikkose, Salzhunger | Naâș und Wasser werden nicht zurĂŒckgehalten; Kâș akkumuliert |
| Androgene â (â) | Achsel-/Schambehaarung â, Libidoverlust | NNR liefert >50 % der Androgene bei der Frau |
| ACTH â (primĂ€rer Addison!) | Hyperpigmentation (Haut, SchleimhĂ€ute, Handinnenlinien, Narben) | ACTH stimuliert MSH-Rezeptoren â Melanin â. NUR bei primĂ€rem Addison â beim sekundĂ€ren ist ACTH erniedrigt â keine Pigmentierung! |
Katecholamin-produzierender Tumor des Nebennierenmarks (seltener extraadrenal = Paragangliom). In 10 % maligne. In 25 % hereditĂ€r (MEN 2, Von-Hippel-Lindau, NF1). Leitsymptom: anfallsartige hypertensive Krisen â das Unterscheidungsmerkmal zum Conn!
Diagnose: Katecholamine/Metanephrine im 24h-Urin oder Plasma. Lokalisationsdiagnostik: MRT/CT. Therapie: Zuerst α-Blocker (Phenoxybenzamin) â erst dann ÎČ-Blocker (sonst: α-Ăberwiegen â Hypertonie-Krise!). Dann OP.
| Erkrankung | Hormon | Richtung | SchlĂŒsselsymptome |
|---|---|---|---|
| Cushing-Syndrom | Kortisol | â | Vollmondgesicht, Stammfettsucht, Striae, Steroid-Diabetes, Hypertonie, Osteoporose |
| Conn-Syndrom | Aldosteron | â | Therapieresistente Hypertonie + HypokaliĂ€mie; Renin â |
| Morbus Addison | Alle NNR | â | Hypotonie, HypoglykĂ€mie, Salzhunger, Adynamie, Hyperpigmentation (primĂ€r!) |
| PhĂ€ochromozytom | Katecholamine (NNM) | â | Anfallsartige Hypertoniekrisen, Kopfschmerz, BlĂ€sse, Schwitzen |
Diabetes mellitus
Typ 1, Typ 2, Diagnostik, Koma-Typen, SpÀtkomplikationen, Therapie
| Test | Pathologisch (= Diabetes) | PrÀ-Diabetes |
|---|---|---|
| NĂŒchtern-Plasmaglukose (2Ă gemessen) | â„ 126 mg/dl (â„ 7,0 mmol/l) | 100â125 mg/dl (IFG) |
| Gelegenheitsmessung + Symptome | â„ 200 mg/dl + Symptome reicht fĂŒr Diagnose | â |
| oGTT 2h-Wert (75 g Glukose) | â„ 200 mg/dl | 140â199 mg/dl (IGT) |
| HbA1c | â„ 6,5 % (â„ 48 mmol/mol) | 5,7â6,4 % (nach ADA) |
| Ketoazidotisches Koma (v. a. Typ 1) | Hyperosmolares Koma (v. a. Typ 2) | HypoglykÀmischer Schock | |
|---|---|---|---|
| Pathomechanismus | Absoluter Insulinmangel â Lipolyse â Ketonkörper â metabolische Azidose | Relativer Insulinmangel â extreme HyperglykĂ€mie â osmotische Diurese â schwere Exsikkose | InsulinĂŒberschuss (od. Sulfonylharnstoff) â BZ fĂ€llt unter Schwelle fĂŒr ZNS |
| Blutzucker | 300â700 mg/dl | 600â1500 mg/dl!! | < 50 mg/dl |
| Beginn | Langsam (StundenâTage) | Sehr langsam (Tage) | Schnell (Minuten!) |
| Haut | Trocken, turgorgemindert | Sehr trocken, SchleimhĂ€ute trocken | KaltschweiĂig, blass, feucht |
| Atemtyp | Kussmaul-Atmung (tief, beschleunigt) + Acetongeruch | Normal oder flach | Normal |
| Ketonkörper | Hoch (Urin + Blut) | Fehlen / gering | Negativ |
| Bewusstsein | GetrĂŒbt bis Koma | GetrĂŒbt bis Koma, fokal-neurol. AusfĂ€lle | Verwirrt, Krampf, Koma |
| Hunger/Vegetativum | Ăbelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen | Kaum vegetativ | HeiĂhunger! Zittern, Tachykardie, Angst, Schwitzen |
Entstehen nach Jahren schlecht eingestellter HyperglykÀmie durch Glykierung von Proteinen und mikrovaskulÀre SchÀden:
| Komplikation | Organe | Klinisch |
|---|---|---|
| Mikroangiopathie | Niere, Auge, Nerven | Kapillarwandverdickung, BasalmembranverÀnderungen |
| Diabetische Nephropathie | Glomeruli | Mikroalbuminurie (FrĂŒhzeichen!) â Proteinurie â chron. Niereninsuffizienz â Dialyse. DM = hĂ€ufigste Ursache der Dialysepflicht! |
| Diabetische Retinopathie | Netzhaut | Mikroaneurysmen â Einblutungen â Neovaskularisation â Ablatio retinae â Erblindung. DM = hĂ€ufigste Erblindungsursache Erwachsener! |
| Diabetische Neuropathie | Periphere + autonome Nerven | Symmetrische Polyneuropathie (Strumpf-/Handschuhmuster), Brennen nachts, ASR-Verlust; autonome: Gastroparese, erektile Dysfunktion, Blasenentleerungsstörung |
| Makroangiopathie | Herz, Hirn, Beine | KHK â Herzinfarkt; Schlaganfall; pAVK â claudicatio; Diabetischer FuĂ |
| Diabetischer FuĂ | FĂŒĂe | Neuropathie + Angiopathie + InfektanfĂ€lligkeit â kleine Verletzungen unbemerkt â Ulkus â GangrĂ€n â Amputation (DM = hĂ€ufigste Amputationsursache nicht-traumatisch) |
Stoffwechselstörungen
HyperlipidÀmie, Gicht, Adipositas, metabolisches Syndrom, GynÀkomastie
Erhöhte Blutfette sind wichtige kardiovaskulÀre Risikofaktoren. Beachte: primÀre (genetisch) vs. sekundÀre Formen (bei Hypothyreose, Diabetes, Nierenerkrankung, Alkohol, Medikamenten).
| Parameter | Zielwert | Risikoschwelle |
|---|---|---|
| Gesamt-Cholesterin | < 200 mg/dl | > 200 mg/dl |
| LDL-Cholesterin | < 130 mg/dl (Niedrigrisiko) / < 100 / < 70 mg/dl (Hochrisiko) | Je nach Risikoprofil |
| HDL-Cholesterin | > 40 mg/dl (â) / > 50 mg/dl (â) | Niedrig = Risikofaktor |
| Triglyceride | < 150 mg/dl | > 200 mg/dl; > 500 mg/dl â Pankreatitis-Risiko! |
Therapie: ErnĂ€hrungsumstellung, Gewichtsreduktion, Ausdauersport. Medikamentös: Statine (hemmen HMG-CoA-Reduktase â LDL ââ), Fibrate (Triglyceride â), Ezetimib.
Ablagerung von Natriumuratkristallen in Gelenken, Weichteilen und Nieren bei chronisch erhöhtem HarnsĂ€urespiegel (> 6,8 mg/dl, da ĂŒber dieser Konzentration fĂ€llt Urat aus).
Therapie Akutanfall: Kolchizin (hemmt Neutrophilen-Migration), NSAIDs (Ibuprofen, Indometacin), ggf. Kortison. Dauertherapie: Allopurinol (Xanthinoxidase-Hemmer â HarnsĂ€ure â), Febuxostat; DiĂ€t, Alkoholverzicht, ausreichend Trinken.
BMI = Körpergewicht (kg) / KörpergröĂeÂČ (mÂČ). Einteilung:
| BMI (kg/mÂČ) | Klassifikation | KardiovaskulĂ€res Risiko |
|---|---|---|
| < 18,5 | Untergewicht | Erhöht (andere Risiken) |
| 18,5â24,9 | Normalgewicht | Normalrisiko |
| 25â29,9 | Ăbergewicht | Leicht erhöht |
| 30â34,9 | Adipositas Grad I | MĂ€Ăig erhöht |
| 35â39,9 | Adipositas Grad II | Stark erhöht |
| ℠40 | Adipositas Grad III (morbide) | Sehr stark erhöht |
Besonders gefĂ€hrlich ist das androide (stammfette, "Apfel") Fettverteilungsmuster: Taillenumfang â > 88 cm, â > 102 cm â viszeral = metabolisch aktiv = höchstes Risiko fĂŒr KHK, Diabetes, Hypertonie.
Diagnose wenn â„ 3 von 5 Kriterien erfĂŒllt:
VergröĂerung der mĂ€nnlichen BrustdrĂŒse durch Verschiebung des Ăstrogen/Androgen-VerhĂ€ltnisses zugunsten der Ăstrogene. Muss von PseudogynĂ€komastie (reines Fettgewebe) unterschieden werden.
| Ursache | Mechanismus |
|---|---|
| Physiologisch (Neugeborene, PubertÀt) | Transitorisch, kein Handlungsbedarf |
| Leberzirrhose | Verminderte Ăstrogeninaktivierung in der Leber |
| Hodentumor (Sertoli-Zell-, Leydig-Zell-CA) | Ektope Ăstrogenproduktion |
| Klinefelter-Syndrom (47, XXY) | Hodeninsuffizienz â Testosteron â, FSH/LH â, Ăstrogen â |
| Adipositas | Aromatase im Fettgewebe wandelt Androgene â Ăstrogen um |
| Medikamente (Spironolacton, Cimetidin, Digitalis, Antiandrogene, Ăstrogene) | Antiandrogen oder östrogen-artige Wirkung |
Diagnostik & Leitsymptome
Untersuchungsgang, Labordiagnostik, Bildgebung, Provokationstests, hormonelle NotfÀlle
| Test | DurchfĂŒhrung | Interpretation |
|---|---|---|
| Dexamethason-Kurztest | 1 mg Dexamethason um 23 Uhr â Kortisol um 8 Uhr messen | Normal: Kortisol < 1,8 ”g/dl (gehemmt). Cushing: kein Abfall (autonome Sekretion) |
| ACTH-Stimulationstest (Synacthen) | 250 ”g ACTH i. v. â Kortisol 30/60 min danach | Normal: Kortisol-Anstieg â„ 500 nmol/l. Addison: kein Anstieg (NNR zerstört) |
| oGTT (Glukosetoleranztest) | 75 g Glukose nĂŒchtern trinken â BZ nach 0/60/120 min | DM: 2h-Wert â„ 200 mg/dl. IGT: 140â199. Normal: < 140 |
| TRH-Test | TRH i. v. â TSH-Anstieg nach 30 min messen | Normal: TSH steigt. Hyperthyreose: kein TSH-Anstieg (supprimiert). Heute wenig verwendet |
| SD-Szintigraphie | Radioaktives Jod oder Tc-99m, Kameraaufnahme | HeiĂer Knoten = Autonomie (Hormonproduktion ohne TSH). Kalter Knoten = kein Radiojod-Uptake â MalignitĂ€tsverdacht â Biopsie! |
| Leitsymptom | Differenzialdiagnosen (endokrin) |
|---|---|
| Struma | Jodmangel (euthyreot), M. Basedow (Hyper), Hashimoto (frĂŒh Hyper, spĂ€ter Hypo), Karzinom (kalter Knoten!), Autonomie |
| Exophthalmus | M. Basedow (hÀufigste endokrine Ursache!), Orbitatumor |
| Polydipsie + Polyurie | DM (BZ â), Diabetes insipidus (BZ normal!), HyperkalzĂ€mie, Hyperaldosteronismus |
| Hypertonie (endokrin) | Cushing (Kortisolâ), Conn (Aldosteronâ, Reninâ), PhĂ€ochromozytom (Katecholamineâ, anfallsartig!), Akromegalie (STHâ) |
| Tetanie / MuskelkrÀmpfe | HypokalzÀmie (Hypoparathyreoidismus), Hyperventilationstetanie (hÀufigste!), Magnesiummangel, Alkalose |
| Gewichtsverlust + Tachykardie | Hyperthyreose, PhÀochromozytom, DM Typ 1, Malignome |
| Gewichtszunahme + MĂŒdigkeit | Hypothyreose, Cushing, Depression, metabolisches Syndrom |
| Hyperpigmentation | PrimĂ€rer M. Addison (ACTHâ â MSH-Wirkung), HĂ€mochromatose |
| Osteoporose (endokrin) | Hyperkortisolismus, Hypogonadismus, Hyperthyreose, Hypoparathyreoidismus (selten), Akromegalie |
| Notfall | Leitsymptome | HP-ErstmaĂnahme |
|---|---|---|
| Thyreotoxische Krise | HF >150/min, Fieber â„ 40°C, Exsikkose, Erbrechen, Bewusstseinsstörung | Sofort Notarzt/Klinik! VitalzeichenĂŒberwachung, Infusion, kein Jod! |
| Myxödemkoma | Hypothermie, Bradykardie, Hypoventilation, Bewusstlosigkeit; weiches, teigiges Gesicht | Sofort Klinik! WÀrmeerhalt (keine aktive ErwÀrmung), Notarzt |
| Addison-Krise | Schock (RR ââ, HF â), HypoglykĂ€mie, Erbrechen, hohes Fieber | Notarzt! Hydrokortison 100 mg i. v. (Notarzt), Glukose, Volumen |
| HypoglykĂ€mischer Schock | KaltschweiĂig, HeiĂhunger, Zittern, Tachykardie, Bewusstlosigkeit | Wach: Traubenzucker oral. Bewusstlos: Glukagon i. m. oder Glukose 40 % i. v. (Notarzt) |
| Ketoazidose | Kussmaul-Atmung, Acetongeruch, langsam, Exsikkose | Sofort Klinik! Volumen, Insulin (i. v. nur stationÀr) |
| HyperkalzĂ€mische Krise | Erbrechen, Exsikkose, BewusstseinstrĂŒbung, Herzrhythmusstörungen (CaÂČâș > 3,5 mmol/l) | Sofort Klinik! Volumen, Furosemid (nach Rehydratation) |
| HypokalzĂ€mische Tetanie | Karpopedalspasmen, Laryngospasmus, Stridor, Pfötchenstellung | Kalzium i. v. unter EKG-Monitoring â Klinik! |