Erregergruppen, Ăbertragungswege, epidemiologische Begriffe â das Fundament von Null
Was ist eine Infektionskrankheit?
Eine Infektion ist das Eindringen, die Ansiedlung und die Vermehrung von Krankheitserregern in einem Wirtsorganismus. Nicht jede Infektion macht krank â kommt es zusĂ€tzlich zu einer Abwehrreaktion mit Krankheitszeichen, spricht man von einer Infektionskrankheit. Manche Infektionen verlaufen klinisch stumm (subklinisch oder asymptomatisch), der Erreger ist trotzdem im Körper nachweisbar und unter UmstĂ€nden ĂŒbertragbar.
Die vier Erregergruppen
Bevor man sich mit einzelnen Krankheiten beschĂ€ftigt, muss man wissen, welche Erregerklasse man vor sich hat â denn davon hĂ€ngt die ganze Therapie ab (Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren!).
đŠ Bakterien
Einzellige Lebewesen ohne echten Zellkern (Prokaryoten). Vermehren sich selbststÀndig durch Zellteilung. Können mit Antibiotika behandelt werden. Beispiele: Streptokokken, Clostridien, Borrelien.
đ§Ź Viren
Keine eigenstĂ€ndigen Lebewesen â bestehen nur aus Erbgut (DNA oder RNA) und einer HĂŒlle. Brauchen zur Vermehrung zwingend eine fremde Wirtszelle, deren Stoffwechsel sie kapern. Antibiotika wirken NICHT gegen Viren! Nur wenige spezifische Virostatika verfĂŒgbar.
Leben auf oder in einem Wirt und schĂ€digen ihn. Unterteilt in Protozoen (Einzeller, z. B. Malaria-Erreger), WĂŒrmer (Helminthen) und Ektoparasiten (z. B. LĂ€use, KrĂ€tzmilben).
Viren besitzen keine eigenen Stoffwechselorgane wie Mitochondrien oder Ribosomen â sie sind auf die Maschinerie der Wirtszelle vollstĂ€ndig angewiesen. Das unterscheidet sie grundlegend von Bakterien, die als eigenstĂ€ndige Zellen funktionieren.
Ăbertragungswege â direkt vs. indirekt
Man unterscheidet grundsĂ€tzlich direkte Ăbertragung (Erreger gelangt unmittelbar von einem Wirt zum nĂ€chsten) und indirekte Ăbertragung (ĂŒber ein Zwischenmedium oder einen Vektor).
Direkte Ăbertragung
Tröpfcheninfektion: Husten, Niesen, Sprechen â z. B. Keuchhusten, Masern, Influenza
Schmierinfektion (direkter Kontakt): Hautkontakt, Sexualkontakt â z. B. Herpes, KrĂ€tze
Diaplazentar: von der Mutter ĂŒber die Plazenta auf das Ungeborene â z. B. Toxoplasmose, Röteln
FĂ€kal-oral: verunreinigtes Wasser/Lebensmittel â z. B. Hepatitis A, Salmonellen
VektorĂŒbertragen: ĂŒber ein Tier als ĂbertrĂ€ger â z. B. Malaria (MĂŒcke), Borreliose (Zecke)
Aerogen ĂŒber Wasseranlagen: Legionellen ĂŒber Aerosole aus Klimaanlagen/Duschen
Wichtige PrĂŒfungsunterscheidung: Bei der VektorĂŒbertragung (MĂŒcke, Zecke) wird der Erreger durch ein Tier ĂŒbertragen â das ist KEIN direkter Ăbertragungsweg von Mensch zu Mensch! Toxoplasmose ĂŒber die Plazenta ist hingegen eine direkte Ăbertragung, da kein Zwischenwirt beteiligt ist.
Epidemiologische Grundbegriffe
Diese Begriffe werden in der PrĂŒfung gerne durcheinandergebracht â eine klare Abgrenzung lohnt sich:
Begriff
Bedeutung
Inzidenz
Anzahl der NEU auftretenden ErkrankungsfÀlle in einem bestimmten Zeitraum in einer Population
PrÀvalenz
Anzahl ALLER (neuer + bereits bestehender) ErkrankungsfÀlle zu einem bestimmten Zeitpunkt bzw. in einem Zeitraum in einer Population
Endemie
Eine Erkrankung, die stĂ€ndig in einer bestimmten geografischen Region vorkommt â rĂ€umlich begrenzt, zeitlich nicht begrenzt
Epidemie
Zeitlich gehĂ€uftes Auftreten einer Erkrankung in einer bestimmten Region â zeitlich begrenzt, rĂ€umlich begrenzt
Pandemie
Eine Epidemie, die sich ĂŒber mehrere LĂ€nder oder Kontinente ausbreitet â zeitlich begrenzt, rĂ€umlich NICHT begrenzt (lĂ€nderĂŒbergreifend)
HĂ€ufige PrĂŒfungsfalle: Eine Pandemie ist NICHT zeitlich unbegrenzt â auch eine Pandemie endet irgendwann (z. B. Covid-19-Pandemie). Sie unterscheidet sich von der Epidemie nur durch die geografische Ausdehnung (mehrere LĂ€nder/Kontinente), nicht durch unbegrenzte Dauer.
Wichtige Begriffe rund um den Krankheitsverlauf
Begriff
Bedeutung
Inkubationszeit
Zeitspanne zwischen dem Eindringen des Erregers und dem Auftreten der ersten Krankheitssymptome
KontagiositÀt
AnsteckungsfĂ€higkeit eines Erregers â wie leicht er von Mensch zu Mensch ĂŒbertragen wird
Virulenz
Eine Eigenschaft des Erregers â beschreibt, wie stark ausgeprĂ€gt seine krankmachende (pathogene) Wirkung ist, nicht die individuelle AnfĂ€lligkeit des Wirts!
Nosokomiale Infektion
Eine Infektion, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer stationĂ€ren oder ambulanten medizinischen MaĂnahme auftritt, sofern sie vorher nicht bestand â unabhĂ€ngig davon, ob der Erreger resistent ist oder nicht
Superinfektion
Eine zusĂ€tzliche Infektion mit einem zweiten Erreger bei bereits bestehender Infektion (z. B. bakterielle Superinfektion nach einer viralen Erkrankung) â nicht zwingend durch einen "(Mikro-)Parasiten"
Dauerausscheider
Eine Person, die nach durchgemachter (oder auch unbemerkter) Infektion ĂŒber lĂ€ngere Zeit, manchmal lebenslang, Erreger ausscheidet, ohne selbst krank zu sein â wichtig bei Salmonellen und Typhus
Virulenz beschreibt eine Eigenschaft des ERREGERS (seine "AggressivitĂ€t"), nicht die individuelle AnfĂ€lligkeit eines Menschen, krank zu werden â diese persönliche AnfĂ€lligkeit nennt man Disposition oder EmpfĂ€nglichkeit (SuszeptibilitĂ€t).
Klinische Hinweiszeichen einer Infektion
Je nach Erregergruppe gibt es typische, wenn auch nicht beweisende, Muster im Krankheitsbild und im Blutbild:
Virale Infektionen: oft begleitet von einer Leukopenie (erniedrigte Anzahl weiĂer Blutkörperchen) und relativer Lymphozytose im akuten Stadium
Bakterielle Infektionen: hÀufig Leukozytose mit Neutrophilie, erhöhtes CRP, ggf. Fieber mit klarem Verlauf
Septische Aussaat: bei bakteriellen oder parasitĂ€ren Infektionen kann es im Rahmen einer Sepsis zu septischen Absiedelungen (Metastasen) in Organen kommen â also Erregerherden, die sich ĂŒber den Blutweg an entfernten Stellen festsetzen
Reiseanamnese: bei jedem Verdacht auf eine Infektionskrankheit sollte stets erfragt werden, ob eine Auslandsreise vorausgegangen ist â viele Erreger sind regional gebunden
Ein groĂflĂ€chiges, brĂ€unlich-rosafarbenes konfluierendes Exanthem ist KEIN Leitsymptom parasitĂ€rer Erkrankungen â Parasitosen Ă€uĂern sich meist durch andere Leitsymptome wie Juckreiz, Eosinophilie im Blutbild, gastrointestinale Beschwerden oder spezifische Organbefunde, je nach Parasit.
Das Infektionsschutzgesetz regelt in Deutschland die Vorbeugung, frĂŒhzeitige Erkennung und Verhinderung der Weiterverbreitung von Infektionskrankheiten. FĂŒr die Heilpraktiker-PrĂŒfung sind vor allem zwei Paragrafen entscheidend: § 6 IfSG (Meldepflicht) und § 24 IfSG (Behandlungsverbot).
§ 6 IfSG â Meldepflicht bei Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod
Bestimmte Krankheiten mĂŒssen vom behandelnden Heilpraktiker bereits bei Verdacht namentlich an das zustĂ€ndige Gesundheitsamt gemeldet werden â man muss also nicht erst auf eine laborchemische BestĂ€tigung warten! Diese Pflicht gilt unverzĂŒglich, in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach Kenntniserlangung.
Die Meldung erfolgt bereits beim begrĂŒndeten VERDACHT â das gilt z. B. ausdrĂŒcklich fĂŒr Botulismus, Masern, Diphtherie, Poliomyelitis. Man wartet NICHT auf eine laborchemische BestĂ€tigung, bevor man meldet! Das ist eine der hĂ€ufigsten PrĂŒfungsfallen.
Manche Krankheiten sind dagegen NICHT namentlich meldepflichtig, sondern unterliegen nur einer Meldepflicht des Labors bei Erregernachweis, oder sie unterliegen einer nicht-namentlichen Meldepflicht (wie HIV). Auch banale Infektionskrankheiten wie ein grippaler Infekt, Madenwurmbefall oder Kopflausbefall lösen keine Meldepflicht nach § 6 IfSG aus.
FĂŒr bestimmte, besonders gefĂ€hrliche oder leicht ĂŒbertragbare Krankheiten besteht fĂŒr Heilpraktiker mit allgemeiner Erlaubnis ein striktes Behandlungsverbot. Das bedeutet: Sobald der begrĂŒndete Verdacht auf eine dieser Krankheiten besteht, darf der Heilpraktiker den Patienten nicht eigenstĂ€ndig (mit naturheilkundlichen Methoden) therapieren, sondern muss umgehend an einen Arzt bzw. eine Klinik verweisen.
Behandlungsverbot nach § 24 IfSG besteht u. a. bei: Botulismus, Cholera, Diphtherie, akuter Virushepatitis, HIV-Erkrankung, hĂ€morrhagischen Fiebererkrankungen (z. B. Ebola), Masern, Meningokokken-Meningitis/-Sepsis, Milzbrand, Mumps, Keuchhusten, Poliomyelitis, Pest, Tollwut, Röteln (auch konnatal), Scharlach bzw. andere Streptococcus-pyogenes-Infektionen, Tuberkulose, Typhus/Paratyphus, Windpocken sowie virusbedingtem hĂ€morrhagischem Fieber â sowie zusĂ€tzlich bei den ĂŒber § 34 IfSG erfassten Krankheiten (u. a. Skabies und Impetigo contagiosa) und bei ALLEN sexuell ĂŒbertragbaren Krankheiten (z. B. Syphilis, Gonorrhö, Chlamydien, Herpes genitalis, genitale Candidose, Trichomoniasis) â letztere unabhĂ€ngig davon, ob der jeweilige Erreger ein Bakterium, Virus oder Protozoon ist.
Wichtig: Das Behandlungsverbot betrifft die eigenstĂ€ndige naturheilkundliche Therapie der jeweiligen Erkrankung â es bedeutet NICHT, dass der Heilpraktiker den Patienten gar nicht mehr sehen oder beraten darf. Er muss aber sofort auf die Notwendigkeit einer Ă€rztlichen Behandlung hinweisen und darf die spezifische Erkrankung selbst nicht behandeln.
Krankheiten OHNE Behandlungsverbot, bei denen der HP durchaus unterstĂŒtzend/symptomatisch tĂ€tig werden darf: Influenza (Grippe), banale ErkĂ€ltungskrankheiten, Ringelröteln (es sei denn es kommt zu Komplikationen), Herpes labialis (Lippenherpes, sofern keine genitale Beteiligung vorliegt), Mononukleose (Pfeiffersches DrĂŒsenfieber), Borreliose, FSME â hier besteht KEIN Behandlungsverbot, wohl aber ggf. eine Meldepflicht oder die Sinnhaftigkeit einer fachĂ€rztlichen Mitbehandlung. ACHTUNG: Skabies (KrĂ€tze) und Herpes genitalis fallen entgegen einer verbreiteten Annahme SEHR WOHL unter ein Behandlungsverbot (Skabies ĂŒber § 34 IfSG i.V.m. § 24 IfSG; Herpes genitalis als sexuell ĂŒbertragbare Krankheit ebenfalls ĂŒber § 24 IfSG) â siehe die jeweiligen Fachkapitel.
Gemeinschaftseinrichtungen und TÀtigkeitsverbote (§ 34 IfSG)
Eine weitere wichtige SĂ€ule des IfSG betrifft den Schutz von Gemeinschaftseinrichtungen wie KindergĂ€rten und Schulen. Bei bestimmten ansteckenden Krankheiten besteht ein TĂ€tigkeits- bzw. Besuchsverbot fĂŒr betroffene Kinder, LehrkrĂ€fte und Betreuungspersonal, bis die Ansteckungsgefahr nicht mehr besteht.
Auch bei Kopflausbefall greift ein solches TĂ€tigkeits- bzw. Besuchsverbot in Gemeinschaftseinrichtungen â das Kind darf erst nach einer wirksamen Behandlung wieder zurĂŒckkehren. Wichtig: Kopflausbefall selbst löst KEINE Meldepflicht nach § 6 IfSG aus, wohl aber das beschriebene Wiederzulassungsregime nach § 34 IfSG.
Sonderregelung Masernschutzgesetz
Seit dem Masernschutzgesetz mĂŒssen bestimmte Personengruppen â darunter Personal in Gemeinschaftseinrichtungen und im medizinischen Bereich, also auch Heilpraktiker, die nach 1970 geboren wurden â einen ausreichenden Immunschutz gegen Masern nachweisen (entweder durch zwei dokumentierte Impfungen oder durch eine im Labor bestĂ€tigte ImmunitĂ€t), sofern keine medizinische Kontraindikation gegen eine Impfung vorliegt.
Kapitel 3
Impfungen & STIKO
Aktive und passive Immunisierung, Impfkalender, wichtige Impfreaktionen
Aktive vs. passive Immunisierung
Es gibt zwei grundsÀtzlich verschiedene Wege, einen Impfschutz zu erreichen:
Aktive Immunisierung
Der Körper wird mit Antigenen (abgeschwÀchten oder abgetöteten Erregern bzw. Erregerbestandteilen) konfrontiert
Das Immunsystem muss SELBST Antikörper bilden
Schutz baut sich ĂŒber Tage bis Wochen auf
Schutz hÀlt meist lange an (oft jahre- bis lebenslang), oft mehrere Teilimpfungen nötig
Beispiele: die meisten Routineimpfungen (Masern, Tetanus, Influenza etc.)
Passive Immunisierung
Fertige Antikörper (Immunglobuline) werden verabreicht
Sofortiger Schutz, da der Körper nicht erst selbst Antikörper bilden muss
Schutz hÀlt nur kurzzeitig an (Wochen bis wenige Monate), da die fremden Antikörper abgebaut werden
Beispiel: Tollwut-Immunglobulin nach Tierbiss, Tetanus-Immunglobulin bei unklarem Impfstatus und Verletzung
Bei der passiven Immunisierung werden fertige Antikörper gegeben â der Organismus muss NICHT selbst Antikörper bilden. Das ist der entscheidende Unterschied zur aktiven Impfung. Die passive Immunisierung bietet KEINEN dauerhaften Schutz, sondern wirkt nur kurzfristig.
Lebend- vs. Totimpfstoffe
Typ
Eigenschaft
Beispiele
Lebendimpfstoff
EnthÀlt abgeschwÀchte (attenuierte), aber noch vermehrungsfÀhige Erreger. Löst eine krÀftige, meist lang anhaltende Immunantwort aus. Bei stark immunsupprimierten Patienten und in der Schwangerschaft in der Regel kontraindiziert!
EnthÀlt abgetötete Erreger oder nur Erregerbestandteile (z. B. Toxoide, Spaltimpfstoffe). Kann auch bei Immunsupprimierten und in der Schwangerschaft gegeben werden. HÀufig sind mehrere Auffrischungen nötig.
Lebendimpfstoffe werden auch heute noch regelmĂ€Ăig eingesetzt (z. B. die MMR-Impfung) â die Aussage, sie wĂŒrden "nicht mehr verwendet", ist falsch und eine beliebte PrĂŒfungsfalle.
Impfreaktionen vs. Impfkomplikationen
Nach einer Impfung sind leichte, vorĂŒbergehende Reaktionen normal und Ausdruck der gewĂŒnschten Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff:
Lokalreaktionen: Rötung, Schwellung, Schmerzhaftigkeit an der Einstichstelle
Allgemeinreaktionen: leichtes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, MĂŒdigkeit fĂŒr 1â3 Tage
Schwellung der regionalen Lymphknoten ist eine mögliche, harmlose Begleiterscheinung
Diese normalen Impfreaktionen sind klar von echten Impfkomplikationen abzugrenzen â also gesundheitlichen SchĂ€digungen, die ĂŒber das ĂŒbliche MaĂ einer Impfreaktion hinausgehen. Solche Komplikationen sind seltene Ereignisse und mĂŒssen vom Arzt gemeldet werden.
Auch die Injektionstechnik (Spritztiefe, Lokalisation, Hygiene) hat einen Einfluss auf HĂ€ufigkeit und AusmaĂ von Lokalreaktionen â eine unsachgemĂ€Ăe Injektion kann lokale Reaktionen begĂŒnstigen.
STIKO-Impfkalender â wichtige Eckpunkte
Die StĂ€ndige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut gibt evidenzbasierte Empfehlungen fĂŒr Impfungen in Deutschland. FĂŒr die PrĂŒfung sind vor allem folgende Kernpunkte relevant:
Die MMR-Impfung wird nach STIKO-Empfehlung zweimal im Kindesalter gegeben (erste Dosis ab 11 Monaten, zweite Dosis im zweiten Lebensjahr) â keinesfalls schon bis zum 6. Lebensmonat, da Lebendimpfstoffe bei sehr jungen SĂ€uglingen wegen der noch vorhandenen mĂŒtterlichen LeihimmunitĂ€t weniger wirksam wĂ€ren.
Schulkinder und Jugendliche (9â17 Jahre)
Auffrischimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Poliomyelitis werden im Alter zwischen 9 und 16 Jahren empfohlen. ZusĂ€tzlich wird die HPV-Impfung (gegen humane Papillomviren) fĂŒr MĂ€dchen UND Jungen ab 9 Jahren empfohlen â sie schĂŒtzt unter anderem vor dem Zervixkarzinom und Genitalwarzen (Condylomata acuminata). Idealerweise sollte die Impfung vor dem ersten Sexualkontakt erfolgen, ein bereits stattgehabter Sexualkontakt ist aber kein Grund, von der Impfung abzuraten, da meist nicht alle relevanten HPV-Typen bereits erworben wurden. VersĂ€umte HPV-Impfungen sollen gemÀà STIKO bis zum Alter von 17 Jahren nachgeholt werden.
Erwachsene ab 60 Jahren
FĂŒr Ă€ltere Menschen ab 60 Jahren werden zusĂ€tzliche Impfungen empfohlen, da das Risiko fĂŒr schwere VerlĂ€ufe bestimmter Infektionen mit dem Alter steigt:
Influenza (jĂ€hrlich)PneumokokkenHerpes Zoster (GĂŒrtelrose)RSV (je nach aktueller Empfehlung)
Die Auffrischung von Tetanus, Diphtherie und Pertussis bleibt unabhÀngig vom Alter alle 10 Jahre empfohlen.
Weitere wichtige STIKO-Standardimpfungen fĂŒr Erwachsene
Neben den altersspezifischen Empfehlungen gehören zum allgemeinen STIKO-Impfprogramm in Deutschland unter anderem Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Poliomyelitis, Masern (bei fehlender ImmunitĂ€t, insbesondere bei nach 1970 Geborenen), Hepatitis B sowie fĂŒr bestimmte Risikogruppen Hepatitis A, Meningokokken und Pneumokokken.
NICHT von der STIKO als Standardimpfung empfohlen werden: Hepatitis C (es gibt keine Impfung dagegen!), Hepatitis E (ebenfalls keine zugelassene Impfung in Deutschland), Scharlach (keine Impfung verfĂŒgbar), Ringelröteln (keine Impfung verfĂŒgbar), Borreliose (keine Impfung verfĂŒgbar â Vorsicht: zu verwechseln mit der FSME-Impfung, die einen anderen Erreger betrifft!), Malaria (keine STIKO-Impfempfehlung in Deutschland), Skabies/KrĂ€tze (keine Impfung möglich), Mononukleose (keine Impfung verfĂŒgbar).
Indikationsimpfung FSME
Die Impfung gegen die FrĂŒhsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird von der STIKO als Indikationsimpfung fĂŒr Personen empfohlen, die in FSME-Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten (insbesondere bestimmte Regionen in SĂŒddeutschland). Sie schĂŒtzt ausschlieĂlich vor dem FSME-Virus â NICHT vor einer Borreliose, da Borreliose durch Bakterien (Borrelien) verursacht wird, gegen die es keine Impfung gibt, auch wenn beide Erkrankungen durch denselben Vektor (Zecke) ĂŒbertragen werden.
Impfungen im Umfeld von Neugeborenen ("Kokon-Strategie")
Um Neugeborene, die selbst noch nicht ausreichend geimpft sein können, vor gefĂ€hrlichen Infektionen zu schĂŒtzen, empfiehlt die STIKO eine Impfung der engen Haushaltskontaktpersonen (Eltern, Geschwister, GroĂeltern) gegen Pertussis (Keuchhusten) â idealerweise bereits wĂ€hrend der Schwangerschaft fĂŒr die werdende Mutter, sowie fĂŒr andere Haushaltsmitglieder rechtzeitig vor der Geburt. Hintergrund ist, dass ein Keuchhusten fĂŒr SĂ€uglinge potenziell lebensbedrohlich verlaufen kann.
Scharlach wird durch bestimmte toxinbildende StĂ€mme von Streptococcus pyogenes (Gruppe-A-Streptokokken) verursacht â es ist also eine bakterielle, keine virale Erkrankung. Ăbertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Charakteristisch ist ein plötzlicher Krankheitsbeginn mit Halsschmerzen, Fieber und Erbrechen.
Gesicht: gerötete Wangen bei gleichzeitig periorale BlÀsse (BlÀsse um den Mund herum)
Exanthem: feinfleckiges Exanthem, das meist am 1.â2. Krankheitstag beginnt und sich zentrifugal ĂŒber den Körper ausbreitet, wobei HandinnenflĂ€chen und FuĂsohlen typischerweise ausgespart bleiben
Zunge: zunĂ€chst weiĂ belegt, ab dem 4.â5. Tag schĂ€lt sich der Belag ab und es zeigt sich die charakteristische "Himbeerzunge" (stark gerötet mit hervortretenden Papillen)
SpĂ€tfolge: nach etwa 2â4 Wochen können sich an HandinnenflĂ€chen und FuĂsohlen typische groblamellĂ€re Hautschuppungen zeigen
GefĂŒrchtete Komplikationen des Scharlach (bzw. allgemein von Streptococcus-pyogenes-Infektionen) sind das rheumatische Fieber, eine Endokarditis, Myokarditis und die Glomerulonephritis â sogenannte Streptokokken-Folgeerkrankungen, die durch eine Immunreaktion entstehen. Daher wird im Regelfall eine antibiotische Behandlung empfohlen, und es besteht fĂŒr den Heilpraktiker bei Scharlach (bzw. bei invasiven Streptococcus-pyogenes-Infektionen) ein Behandlungsverbot.
Eine wirksame antibiotische Therapie macht den Patienten in der Regel nach 24 Stunden nicht mehr ansteckend â solange die Symptomatik unter der Therapie weiter fortbesteht, bleibt jedoch von einer AnsteckungsfĂ€higkeit auszugehen, und die Wiederzulassung in Gemeinschaftseinrichtungen sollte erst nach Abklingen der Symptome erfolgen.
Im Praxisalltag muss man Streptokokken-bedingte Erkrankungen von anderen fieberhaften Halsschmerz-Erkrankungen unterscheiden können. Typisch fĂŒr eine streptokokkenbedingte Erkrankung (z. B. Scharlach) sind die periorale BlĂ€sse und die stark gerötete Zunge mit hervortretenden Papillen (Himbeerzunge) â NICHT typisch sind dagegen z. B. weiĂliche Flecken mit gerötetem Hof an der Wangenschleimhaut (das wĂ€ren Koplik-Flecken, typisch fĂŒr Masern) oder ein Hautausschlag mit BlĂ€schen und Krusten im "Sternenhimmel"-Muster (typisch fĂŒr Windpocken).
Erysipel (Wundrose)
Das Erysipel ist eine akute bakterielle Infektion der Haut, ebenfalls meist durch Streptococcus pyogenes verursacht. Die Erreger dringen hĂ€ufig ĂŒber kleine Hautverletzungen (z. B. FuĂpilz in den ZehenzwischenrĂ€umen, kleine Wunden) ein, besonders begĂŒnstigt bei Diabetikern oder Patienten mit chronisch-venöser Insuffizienz (Krampfadern).
Das Erysipel zeigt eine SCHARF begrenzte Rötung â das unterscheidet es von der Phlegmone (unscharf begrenzte, tiefere Weichteilinfektion) und von der tiefen Beinvenenthrombose (eher diffuse Schwellung und Schmerz, keine scharfe Begrenzung, kein klassisches Fieber im Vordergrund). Eintrittspforte ist oft eine FuĂpilzinfektion in den ZehenzwischenrĂ€umen!
Staphylokokken und MRSA
Staphylococcus aureus ist ein hĂ€ufig auch bei gesunden Menschen vorkommendes Bakterium, das vor allem die Haut, Nasen- und Rachenschleimhaut besiedelt. Es kann lokale Infektionen (Wundinfektionen, Abszesse) und ĂŒber toxinbildende StĂ€mme auch Lebensmittelvergiftungen verursachen, kann aber bei Eindringen in die Blutbahn auch zu einer systemischen, lebensbedrohlichen Infektion (Sepsis) fĂŒhren.
MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) ist ein gegen das Antibiotikum Methicillin und viele weitere Beta-Lactam-Antibiotika resistenter Stamm von Staphylococcus aureus. Wichtig zu verstehen:
MRSA ist NICHT gegen alle Antibiotika resistent â es gibt nach wie vor wirksame Reserveantibiotika
MRSA tritt nicht ausschlieĂlich in KrankenhĂ€usern auf â es gibt auch ambulant erworbene MRSA-StĂ€mme (cMRSA) sowie tierassoziierte Varianten (laMRSA, z. B. bei Kontakt zu Nutztieren in der Landwirtschaft) â eine Ăbertragung vom Tier auf den Menschen ist also durchaus möglich
Nicht jeder Mensch trĂ€gt MRSA im Nasenraum â gewöhnliche, nicht resistente Staphylokokken können zwar bei vielen Menschen Bestandteil der normalen Hautflora sein, MRSA hingegen nur bei einem kleineren Teil der Bevölkerung, meist nach entsprechender Exposition
MRSA kann durch normale Desinfektionsmittel, die gegen Staphylokokken wirksam sind, in der Regel ebenso zuverlĂ€ssig abgetötet werden wie nicht-resistente Staphylokokken â die Antibiotikaresistenz betrifft NICHT die Empfindlichkeit gegenĂŒber Desinfektionsmitteln!
Eine MRSA-Infektion kann sowohl endogen (durch körpereigene Besiedelung, die dann z. B. bei einer Operation oder Verletzung zur Infektion fĂŒhrt) als auch exogen (durch Ăbertragung von auĂen, z. B. von einer anderen Person) entstehen. Klinisch gesunde MRSA-TrĂ€ger sind durchaus ansteckend fĂŒr andere und können den Keim weitergeben, auch wenn sie selbst keine Krankheitszeichen zeigen.
PrĂ€disponierende Faktoren fĂŒr Staphylococcus-aureus-Infektionen sind unter anderem Diabetes mellitus, Dialysepflichtigkeit und Verletzungen der Haut â diese Faktoren erhöhen das Risiko einer Infektion, unabhĂ€ngig davon, ob es sich um einen resistenten (MRSA) oder nicht-resistenten Stamm handelt.
Eine sachgerechte HĂ€ndedesinfektion ist die wichtigste EinzelmaĂnahme zur Verhinderung der Weiterverbreitung von MRSA. Bei der Verlegung eines MRSA-besiedelten Patienten in eine andere medizinische oder pflegerische Einrichtung muss diese vorab informiert werden, damit entsprechende HygienemaĂnahmen ergriffen werden können. Wundinfektionen sind ein durchaus typisches klinisches Bild bei MRSA â nicht untypisch, wie man vielleicht vermuten könnte.
Meningokokken-Meningitis
Neisseria meningitidis (Meningokokken) sind Bakterien, die eine besonders gefĂŒrchtete, foudroyant verlaufende Form der HirnhautentzĂŒndung (Meningitis) verursachen können, in schweren FĂ€llen verbunden mit einer Sepsis (Meningokokken-Sepsis). Die Ăbertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion â eine Ansteckungsgefahr besteht also durchaus, anders als manchmal fĂ€lschlich angenommen.
Hohes FieberStarke KopfschmerzenNackensteifigkeit (Meningismus)Ăbelkeit, Erbrechen, VerwirrtheitPetechiale Hauteinblutungen (kleine punktförmige Blutungen) als Hinweis auf eine bereits bestehende Sepsis
Eine 19-jĂ€hrige Patientin entwickelt plötzlich starke Kopf- und Nackenschmerzen, Ăbelkeit und Brechreiz und ist verwirrt. An den Beinen zeigen sich petechiale Einblutungen. Dieses Bild ist hochverdĂ€chtig auf eine bakterielle Meningitis (am ehesten durch Meningokokken) mit beginnender septischer Streuung â ein absoluter Notfall mit sofortiger Klinikeinweisung!
Es existieren wirksame Impfungen gegen verschiedene Meningokokken-Serogruppen (z. B. Gruppe C als STIKO-Standardimpfung im SĂ€uglingsalter, weitere Serogruppen als Indikationsimpfung). FĂŒr den Heilpraktiker besteht bei Meningokokken-Meningitis ein klares Behandlungsverbot, und die Erkrankung ist namentlich meldepflichtig nach § 6 IfSG.
Meningitis-Verdacht ist immer ein medizinischer Notfall! Bei klinischem Verdacht (Fieber + Kopfschmerz + Nackensteifigkeit, insbesondere mit petechialen Hauteinblutungen) muss sofort eine Klinikeinweisung erfolgen â eine Lumbalpunktion mit Liquoruntersuchung ist diagnostisch wegweisend und kann zwischen viraler und bakterieller Genese unterscheiden.
Pseudomonas aeruginosa â der Hospitalismuserreger
Pseudomonas aeruginosa ist ein bekannter Erreger nosokomialer (krankenhauserworbener) Infektionen. Er gedeiht besonders gut in feuchten Umgebungen und kann auf medizinischen GerĂ€ten, in Wasserleitungen oder Whirlpools ĂŒberleben.
Kann schwere Wundinfektionen verursachen, insbesondere bei Verbrennungswunden oder geschwÀchtem Immunsystem
Kann gefĂ€hrliche Augeninfektionen verursachen, insbesondere der Hornhaut (Cornea), mit dem Risiko schwerer Ulzerationen â ein wichtiges Risiko bei KontaktlinsentrĂ€gern mit mangelhafter Hygiene
Eine typische Konstellation ist die Otitis externa nach Schwimmbadbesuch ("Schwimmerohr") â hier muss differentialdiagnostisch an Pseudomonas gedacht werden
Pseudomonas kann gefÀhrliche Multiresistenzen gegen Antibiotika entwickeln, was die Behandlung erschwert
Die Tuberkulose wird durch Mycobacterium tuberculosis verursacht und zĂ€hlt weltweit immer noch zu den hĂ€ufigsten bakteriellen Infektionserkrankungen ĂŒberhaupt. Die Ăbertragung erfolgt ĂŒberwiegend aerogen (Tröpfcheninfektion), kann aber durchaus auch andere Ausbreitungswege im Körper nehmen â die Erkrankung ist also nicht zwangslĂ€ufig auf die Lunge beschrĂ€nkt.
Die Tuberkulose ist NICHT immer auf die Lunge beschrĂ€nkt! Die Ausbreitung einer Infektion im Körper kann grundsĂ€tzlich hĂ€matogen (ĂŒber das Blut), lymphogen (ĂŒber die Lymphbahnen) oder kanalikulĂ€r (z. B. bronchogen, entlang der Atemwege) erfolgen â so können auch andere Organe wie Knochen, Nieren oder das zentrale Nervensystem betroffen sein (extrapulmonale Tuberkulose).
Die BekĂ€mpfung der Tuberkulosebakterien durch das Immunsystem erfolgt hauptsĂ€chlich ĂŒber die zellulĂ€re Immunabwehr (T-Lymphozyten, Makrophagen), nicht primĂ€r ĂŒber Antikörper â diese spielen eine untergeordnete Rolle.
Typische Symptome:
Subfebrile Temperaturen (leicht erhöht, oft ĂŒber Wochen)NachtschweiĂGewichtsverlustHusten mit oder ohne Auswurf, ĂŒber mehr als 3 Wochen bestehendAushusten von blutigem Auswurf (HĂ€moptysen) als Hinweis auf einen fortgeschritteneren VerlaufAllgemeine Abgeschlagenheit
Die klinische Symptomatik der Lungentuberkulose ist hĂ€ufig unspezifisch und kann leicht mit anderen, harmloseren Erkrankungen verwechselt werden â sie ist also gerade NICHT "immer spezifisch", wie manchmal fĂ€lschlich behauptet wird.
Verlauf und Re-Infektion
Nach einer Erstinfektion kann das Immunsystem die Erreger oft erfolgreich eindĂ€mmen, ohne dass es zu einer manifesten PrimĂ€rtuberkulose kommt â die Erreger können dann lebenslang in einem "schlafenden" (latenten) Zustand im Körper verbleiben. Bei SchwĂ€chung des Immunsystems (Jahre oder Jahrzehnte spĂ€ter) kann es zu einer Reaktivierung kommen â der sogenannten postprimĂ€ren Tuberkulose. Eine frĂŒhere ausgeheilte Tuberkulose schĂŒtzt also NICHT zuverlĂ€ssig vor einer erneuten Infektion oder Reaktivierung.
Bei Erkrankung und Tod an einer behandlungspflichtigen Tuberkulose besteht namentliche Meldepflicht nach § 6 IfSG. FĂŒr den Heilpraktiker besteht bei Tuberkulose ein klares Behandlungsverbot â eine eigenstĂ€ndige naturheilkundliche Therapie ist nicht erlaubt, der Patient muss zur Ă€rztlichen Behandlung verwiesen werden.
Der Nachweis von Tuberkulosebakterien im Sputum (Auswurf) spricht fĂŒr eine offene Tuberkulose â das heiĂt, der Patient ist ansteckend, da Erreger nach auĂen abgegeben werden. Bei einer geschlossenen Tuberkulose ohne Erregernachweis im Auswurf besteht keine relevante Ansteckungsgefahr fĂŒr die Umgebung.
Eine wirksame medikamentöse Therapie gegen Tuberkulose existiert (mehrmonatige Kombinationstherapie mit mehreren Antibiotika). Die BCG-Impfung gegen Tuberkulose wird in Deutschland aufgrund unsicherer und nicht zuverlĂ€ssig anhaltender Schutzwirkung nicht mehr von der STIKO empfohlen. Eine begonnene Tuberkulose-Therapie darf NICHT vorzeitig bei Besserung der Symptomatik beendet werden â dies fördert Resistenzentwicklungen und RĂŒckfĂ€lle und muss konsequent ĂŒber die volle vorgesehene Dauer fortgefĂŒhrt werden.
Diphtherie
Die Diphtherie wird durch Corynebacterium diphtheriae verursacht, ein Bakterium, das ein gefĂ€hrliches Exotoxin bildet. Typisch sind grauweiĂe, fest haftende Pseudomembranen, die sich hĂ€ufig im Rachen- und Tonsillenbereich bilden.
Durch Anschwellen der Pseudomembranen und der Schleimhaut kann es zu einer lebensgefÀhrlichen Atemwegsverlegung mit ErstickungsanfÀllen kommen ("echter Krupp")
Das Diphtherie-Toxin kann zu einer schweren HerzmuskelentzĂŒndung (Myokarditis) fĂŒhren â strenge Bettruhe wird empfohlen, um das ohnehin geschwĂ€chte Herz nicht zusĂ€tzlich zu belasten und einer Myokarditis bzw. ihren Folgen vorzubeugen
Auch neurologische LÀhmungserscheinungen (z. B. der GaumensegellÀhmung) können als Toxinwirkung auftreten
Eine vorbeugende Impfung gegen Diphtherie ist sehr wohl möglich und Bestandteil der STIKO-Standardimpfungen (ĂŒblicherweise als Kombinationsimpfstoff, z. B. mit Tetanus und Pertussis). Auch nach dem 18. Lebensjahr werden Auffrischimpfungen alle 10 Jahre empfohlen.
Bei Verdacht auf Diphtherie ist sofort eine Ă€rztliche Vorstellung erforderlich â Behandlungsverbot fĂŒr Heilpraktiker, namentliche Meldepflicht bereits bei Krankheitsverdacht. Die HauptĂŒbertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion, nicht durch Blut.
Tetanus (Wundstarrkrampf)
Tetanus wird durch das Bakterium Clostridium tetani verursacht. Die Sporen dieses Bakteriums kommen weit verbreitet im Erdreich vor und sind sehr widerstandsfĂ€hig â sie sterben in der Umwelt nicht rasch ab, sondern können ĂŒber lange ZeitrĂ€ume ĂŒberleben.
Die Sporen sind anaerob (vermehrungsfĂ€hig OHNE Sauerstoff) â sie keimen besonders gut in tiefen, schlecht durchbluteten, sauerstoffarmen Wunden (z. B. Stichverletzungen, verschmutzte Wunden)
Das von den Bakterien gebildete Toxin (Tetanospasmin) wirkt am Nervensystem und fĂŒhrt zu schmerzhaften, spastischen (NICHT schlaffen!) MuskelkrĂ€mpfen, beginnend oft mit einer Kiefersperre (Trismus, "Wundstarrkrampf")
Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch findet NICHT statt â Tetanus ist keine ansteckende Erkrankung im klassischen Sinn, der Erreger gelangt ausschlieĂlich ĂŒber eine Wunde aus der Umwelt in den Körper
Tetanus zeigt SPASTISCHE LĂ€hmungen (MuskelkrĂ€mpfe), keine schlaffen! Das Bewusstsein bleibt wĂ€hrend der Erkrankung meist lange erhalten â der Patient erlebt die schmerzhaften KrĂ€mpfe bei klarem Bewusstsein, was die Erkrankung besonders quĂ€lend macht. Trotz wirksamer Antibiotikatherapie kann Tetanus in Deutschland weiterhin tödlich verlaufen, da die Therapie das bereits gebildete Toxin nicht neutralisieren kann â entscheidend ist die PrĂ€vention durch Impfung!
Die aktive Tetanusimpfung sollte bereits im SĂ€uglingsalter beginnen (Bestandteil der 6-fach-Impfung) und ist auch nach einer frischen Verletzung KEINESFALLS kontraindiziert â im Gegenteil, eine Auffrischung bzw. bei unklarem Impfstatus eine Simultanimpfung (aktiv + passiv) ist nach Verletzungen oft sogar dringend angezeigt.
Botulismus
Botulismus wird durch das von Clostridium botulinum gebildete Botulinumtoxin verursacht â eines der stĂ€rksten bekannten Neurotoxine. Das Bakterium bildet das Toxin unter anaeroben Bedingungen (Sauerstoffabwesenheit), also gerade nicht unter Sauerstoffzufuhr â typischerweise in unsachgemÀà konservierten Lebensmitteln, etwa in luftdicht verschlossenen Konserven oder eingelegtem GemĂŒse.
Ein Ihnen gut bekannter Patient ohne wesentliche Grunderkrankung erscheint aufgrund einer neu aufgetretenen Symptomatik ohne Termin bei Ihnen. Er berichtet, seit dem Morgen doppelt zu sehen und sich ĂŒbergeben zu mĂŒssen. Im GesprĂ€ch fĂ€llt Ihnen eine Dysarthrie (Sprechstörung) auf. Der Patient gibt an, am Vortag eine Fleischkonserve gegessen zu haben. Dieses Bild ist hochverdĂ€chtig auf Botulismus: Sehstörungen mit Doppelbildern, Sprechstörungen und die Anamnese einer Konservennahrung passen klassisch zusammen.
Botulinumtoxin blockiert die ErregungsĂŒbertragung an der motorischen Endplatte (zwischen Nerv und Muskel) und fĂŒhrt zu einer absteigenden, schlaffen LĂ€hmung:
FrĂŒhsymptome: Sehstörungen, insbesondere Doppelbilder, weite, lichtstarre Pupillen (daher ist eine Pupillenuntersuchung diagnostisch hilfreich), Schluckstörungen, verwaschene Sprache (Dysarthrie)
Im Verlauf: absteigende MuskellÀhmungen, die sich von oben (Hirnnerven) nach unten ausbreiten
Lebensbedrohliche Komplikation: LĂ€hmung der Atemmuskulatur mit Atemstillstand â auch bei zunĂ€chst nur milder Symptomatik kann sich diese rasch entwickeln!
Bei Botulismus treten typischerweise KEINE Fieber- oder Bewusstseinsstörungen als FrĂŒhsymptome auf â das Bewusstsein bleibt zunĂ€chst erhalten, es handelt sich um eine reine, primĂ€r motorische (und vegetative) Vergiftung ohne entzĂŒndliche Allgemeinreaktion. Auch bei milder Symptomatik ist immer eine sofortige Ă€rztliche Vorstellung notwendig, da sich rasch eine AtemlĂ€hmung entwickeln kann. Die Meldung an das Gesundheitsamt erfolgt bereits bei begrĂŒndetem Verdacht â nicht erst nach laborchemischer BestĂ€tigung! Aktivkohle ist KEINE sinnvolle therapeutische ErstmaĂnahme bei bereits resorbiertem Toxin.
Botulinumtoxin selbst ist hitzeempfindlich und wird durch ausreichendes Erhitzen (z. B. mehrere Minuten bei ca. 80â100 °C) sicher inaktiviert â die Sporen des Bakteriums selbst sind allerdings hitzeresistenter. In der Ă€sthetischen Medizin wird gereinigtes Botulinumtoxin in stark verdĂŒnnter, kontrollierter Dosierung NICHT oral, sondern ausschlieĂlich durch gezielte Injektion in die Muskulatur eingesetzt.
Keuchhusten (Pertussis)
Keuchhusten wird durch das Bakterium Bordetella pertussis verursacht und zeichnet sich durch eine hohe KontagiositĂ€t (AnsteckungsfĂ€higkeit) aus â keineswegs eine geringe, wie manchmal fĂ€lschlich behauptet wird.
Typisches Bild bei Ă€lteren Kindern und Erwachsenen: stakkatoartige, anfallsweise Hustenattacken mit anschlieĂendem ziehendem, keuchendem Einatmen (inspiratorischer Stridor) â daher der Name
Bei SĂ€uglingen kann die Erkrankung untypisch, sogar weitgehend ohne den klassischen Husten verlaufen (asymptomatisch im Sinne fehlender typischer HustenanfĂ€lle) und dennoch lebensbedrohlich werden â Apnoen (Atempausen) können auftreten und in seltenen FĂ€llen zum plötzlichen Kindstod fĂŒhren
Typische Komplikationen sind eine MittelohrentzĂŒndung sowie eine (bakterielle SekundĂ€r-)Pneumonie
Eine Pertussis-Impfung fĂŒhrt NICHT zu einem lebenslangen Schutz â der Impfschutz lĂ€sst mit der Zeit nach, daher werden regelmĂ€Ăige Auffrischimpfungen empfohlen, auch im Erwachsenenalter, insbesondere fĂŒr Personen mit engem Kontakt zu SĂ€uglingen. Eine Impfung der werdenden Mutter in der Schwangerschaft ist NICHT kontraindiziert, sondern wird ausdrĂŒcklich von der STIKO empfohlen, um ĂŒber die diaplazentare AntikörperĂŒbertragung das Neugeborene in den ersten Lebensmonaten zu schĂŒtzen.
FĂŒr Keuchhusten besteht fĂŒr den Heilpraktiker ein Behandlungsverbot â eine alleinige Behandlung mit naturheilkundlichen, "stĂ€rkenden" MaĂnahmen ist nicht zulĂ€ssig, der Patient muss Ă€rztlich vorgestellt werden.
Listerien / Listeriose
Listeria monocytogenes ist ein Bakterium (KEIN Virus!) und kommt weltweit verbreitet vor, insbesondere in der Erde sowie auf Pflanzen. Die Ăbertragung auf den Menschen erfolgt hauptsĂ€chlich durch den Verzehr kontaminierter tierischer und pflanzlicher Lebensmittel â etwa Rohmilchprodukte, Rohkostsalate oder RohwĂŒrste.
Infizierte Personen können Listerien ĂŒber den Stuhl ausscheiden. Besonders gefĂ€hrlich ist eine Listeriose fĂŒr Schwangere (Risiko der diaplazentaren Ăbertragung mit Fehl- oder FrĂŒhgeburt), Neugeborene, Ă€ltere Menschen und immungeschwĂ€chte Personen. FĂŒr Heilpraktiker besteht bei Listeriose ein Behandlungsverbot.
Kapitel 6
Viren I: Kinderkrankheiten
Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Ringelröteln
Masern
Masern werden durch das Masernvirus verursacht und gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten ĂŒberhaupt â die Ăbertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion, wobei kein direkter Körperkontakt nötig ist (das Virus kann sich auch ĂŒber die Raumluft verbreiten und dort noch lĂ€ngere Zeit infektiös bleiben). Ăber 95 % der ungeschĂŒtzten Infizierten entwickeln nach Kontakt mit dem Virus tatsĂ€chlich klinische Erscheinungen.
Die AnsteckungshĂ€ufigkeit bei bloĂem Aufenthalt im selben Raum mit einem Masernkranken, auch ohne direkten Körperkontakt, ist HOCH â nicht gering, wie man fĂ€lschlich annehmen könnte. Masern zĂ€hlen zu den ansteckendsten bekannten Infektionskrankheiten.
Die Erkrankung verlÀuft typischerweise zweiphasig:
Vorstadium (katarrhalisches Stadium): Fieber, Husten, Schnupfen, BindehautentzĂŒndung (Konjunktivitis) â in dieser Phase finden sich auf der Wangenschleimhaut die charakteristischen Koplik-Flecken (kleine weiĂliche Flecken mit gerötetem Hof), ein wichtiges FrĂŒhzeichen
Exanthemstadium: nach kurzem Fieberabfall erneuter Fieberanstieg, gleichzeitig Auftreten eines groĂfleckig-konfluierenden Exanthems, das sich typischerweise von hinter den Ohren ausgehend ĂŒber Gesicht, Rumpf und ExtremitĂ€ten ausbreitet (von oben nach unten)
Die AnsteckungsfĂ€higkeit beginnt bereits VOR Auftreten des Exanthems, schon im katarrhalischen Vorstadium â nicht erst mit Beginn des Hautausschlags, wie fĂ€lschlich angenommen werden könnte. Die Inkubationszeit bis zum Ausbruch des Exanthems betrĂ€gt im Durchschnitt etwa 14 Tage (ca. 8â14 Tage bis zu den ersten Symptomen, dann nochmal einige Tage bis zum Exanthem) â also deutlich lĂ€nger als nur 2â5 Tage.
Masern haben einen keineswegs immer leichten Verlauf, sondern können schwere Komplikationen verursachen: Otitis media (MittelohrentzĂŒndung), Pneumonie, und gefĂŒrchtet die Masern-Enzephalitis (GehirnentzĂŒndung), die NICHT immer folgenlos ausheilt, sondern bleibende neurologische SchĂ€den hinterlassen oder tödlich verlaufen kann. Eine extrem seltene, aber stets tödlich verlaufende SpĂ€tkomplikation ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), die noch Jahre nach der akuten Infektion auftreten kann. Masern sind NICHT gut mit Antibiotika therapierbar, da es sich um eine Virusinfektion handelt â Antibiotika kommen allenfalls bei bakteriellen Komplikationen (SekundĂ€rinfektionen) zum Einsatz.
Die wirksamste prĂ€ventive MaĂnahme ist die Schutzimpfung (meist als Kombinationsimpfung MMR gegen Masern, Mumps und Röteln). Bei Krankheitsverdacht besteht fĂŒr den Heilpraktiker eine namentliche Meldepflicht an die zustĂ€ndige Gesundheitsbehörde. Aufgrund des Masernschutzgesetzes mĂŒssen nach 1970 geborene Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker einen ausreichenden Immunschutz gegen Masern nachweisen.
Das klinische Bild der Masern kann mit anderen exanthematischen Erkrankungen wie Röteln, Ringelröteln und Scharlach verwechselt werden â eine genaue klinische Differenzierung (Begleitsymptome, Ausbreitungsmuster, Fieberverlauf) sowie ggf. eine Labordiagnostik sind daher wichtig.
Mumps (Parotitis epidemica, "Ziegenpeter")
Mumps wird durch das Mumpsvirus verursacht und ĂŒbertragen durch Tröpfcheninfektion. Leitsymptom ist die schmerzhafte, meist beidseitige Schwellung der OhrspeicheldrĂŒsen (Parotis) â daher auch der volkstĂŒmliche Name "Ziegenpeter".
Schmerzhafte Schwellung der Parotis (ein- oder beidseitig)Fieber, Kopfschmerzen, allgemeines KrankheitsgefĂŒhlMögliche Komplikation: Orchitis (HodenentzĂŒndung) bei postpubertĂ€ren MĂ€nnern, mit dem Risiko bleibender UnfruchtbarkeitMögliche Komplikation: Meningitis oder Pankreatitis
Mumps zĂ€hlt zu den ĂŒber die STIKO empfohlenen Standardimpfungen (Bestandteil der MMR-Kombinationsimpfung) und ist gemÀà § 6 IfSG bei Krankheitsverdacht namentlich meldepflichtig. FĂŒr den Heilpraktiker besteht ein Behandlungsverbot.
Röteln
Röteln werden durch das Rötelnvirus verursacht und durch Tröpfcheninfektion ĂŒbertragen. Im Kindesalter verlaufen Röteln hĂ€ufig mild oder sogar ganz ohne wesentliche Krankheitszeichen â die eigentliche Gefahr der Erkrankung liegt in der möglichen Ăbertragung auf ein ungeborenes Kind bei einer Rötelninfektion in der Schwangerschaft (konnatales Rötelnsyndrom mit schweren Fehlbildungen, insbesondere am Herzen, Auge und Innenohr).
Schwellung der Lymphknoten, vor allem im Nacken- und Hinterkopfbereich (nuchal)
Kleinfleckiges, makulöses bis makulopapulöses Exanthem (kleinere Flecken als bei Masern!)
Ăbertragung durch Tröpfcheninfektion
Mit Rötelnviren infizierte Personen sind in der Regel bereits etwa 7 Tage vor und noch etwa 7 Tage nach Auftreten des Hautausschlags ansteckend â die AnsteckungsfĂ€higkeit beginnt also bereits deutlich vor dem sichtbaren Exanthem.
Wichtig: Bei Röteln besteht trotz oft mildem Verlauf eine namentliche Meldepflicht bei Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod (nicht erst bei Rötelnenzephalitis) sowie ein Behandlungsverbot fĂŒr den Heilpraktiker â auch eine rein symptomatische Behandlung durch den Heilpraktiker ist daher nicht zulĂ€ssig, der Patient muss Ă€rztlich vorgestellt werden. Dies gilt unabhĂ€ngig vom oft harmlosen klinischen Bild, da die Erkrankung wegen der Gefahr fĂŒr Schwangere eine besondere öffentliche Gesundheitsrelevanz hat.
Windpocken (Varizellen)
Windpocken werden durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht â dasselbe Virus, das nach Reaktivierung im spĂ€teren Leben eine GĂŒrtelrose (Herpes Zoster) auslösen kann. Die Ăbertragung erfolgt sowohl durch Tröpfcheninfektion als auch durch direkten Kontakt mit dem BlĂ€scheninhalt â Varizellen gehören zu den ansteckendsten Erkrankungen ĂŒberhaupt.
Fieber, allgemeines KrankheitsgefĂŒhlStark juckendes Exanthem mit BlĂ€schen in verschiedenen Entwicklungsstadien gleichzeitig ("Sternenhimmel")BlĂ€schen platzen, verkrusten und heilen meist narbenlos ab (auĂer bei Kratzen/SekundĂ€rinfektion)Mögliche Komplikation: Pneumonie, vor allem bei Erwachsenen und ImmungeschwĂ€chten
Eine Windpockeninfektion wĂ€hrend der Schwangerschaft kann beim Ungeborenen zu schweren Fehlbildungen fĂŒhren (kongenitales Varizellensyndrom), besonders bei einer Infektion der Mutter in den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln. Daher sollte eine schwangere, nicht immune Frau bei Kontakt mit einem Windpockenkranken bzw. bei eigener Erkrankung in der Familie dringend ihren Frauenarzt aufsuchen, um eine eigene Infektion bzw. das Risiko fĂŒr das Ungeborene abzuklĂ€ren.
Von der STIKO wird eine Varizellenimpfung bereits im SĂ€uglings- bzw. frĂŒhen Kleinkindalter empfohlen (Standardimpfung). Bei einer Windpockenerkrankung besteht fĂŒr den Heilpraktiker ein Behandlungsverbot, und die Erkrankung ist gemÀà § 6 IfSG namentlich meldepflichtig.
Windpocken sind die Erstinfektion mit dem Varizella-Zoster-Virus. Eine GĂŒrtelrose (Herpes Zoster) entsteht spĂ€ter im Leben durch eine Reaktivierung desselben, im Körper verbliebenen Virus aus den Spinalganglien â beide Erkrankungen werden also vom selben Virus verursacht, aber stellen unterschiedliche klinische Manifestationen dar (Erstinfektion vs. Reaktivierung).
Ringelröteln (Erythema infectiosum)
Ringelröteln werden durch das Parvovirus B19 verursacht â es handelt sich also um eine eigenstĂ€ndige Viruserkrankung und NICHT um eine Zweiterkrankung nach durchgemachten Röteln, trotz der Ă€hnlichen Namensgebung! Beide Erkrankungen haben nichts ErregermĂ€Ăiges miteinander zu tun.
Ringelröteln sind eine eigenstĂ€ndige, durch das Parvovirus B19 verursachte Erkrankung â keine Sonderform oder SpĂ€tfolge der "echten" Röteln (Rötelnvirus)! Diese Verwechslung ist eine klassische PrĂŒfungsfalle.
Typisches schmetterlingsförmiges, girlandenartiges Exanthem im Gesicht ("slapped cheek" / Ohrfeigengesicht) mit anschlieĂender Ausbreitung auf Arme und Beine in netzartig-girlandenförmigem Muster
Bei Erwachsenen kann zusÀtzlich eine Gelenkbeteiligung (Arthralgie) auftreten
Auch Erwachsene können erkranken â die Erkrankung ist KEINESFALLS auf Kinder beschrĂ€nkt
Die Ansteckungsgefahr ist bereits VOR dem Auftreten des sichtbaren Exanthems am gröĂten â meist in den ersten 4 bis 10 Tagen nach der Infektion (also wĂ€hrend der katarrhalischen Vorphase), wĂ€hrend die Patienten mit sichtbarem Hautausschlag in der Regel kaum noch ansteckend sind.
Eine Parvovirus-B19-Infektion wĂ€hrend der Schwangerschaft ist NICHT harmlos fĂŒr das ungeborene Kind â sie kann eine schwere fetale AnĂ€mie mit Hydrops fetalis (Wassersucht des Ungeborenen) auslösen, weshalb bei Kontakt einer Schwangeren mit Ringelröteln eine Ă€rztliche AbklĂ€rung erfolgen sollte. Ringelröteln können NICHT mit Antibiotika behandelt werden, da es sich um eine Viruserkrankung handelt â die Therapie ist rein symptomatisch. Es existiert derzeit KEINE zugelassene Impfung gegen Ringelröteln.
Ăbersichtstabelle: Differenzierung der klassischen Kinderexantheme
Erkrankung
Erreger
Leitsymptom Exanthem
Besonderheit
Masern
Masernvirus
GroĂfleckig konfluierend, von hinter den Ohren ausgehend
Koplik-Flecken im Vorstadium, hohe Komplikationsrate
Hepatitis A bis E im Vergleich â Ăbertragung, Verlauf, Chronifizierung
Was ist eine Hepatitis?
Eine Hepatitis ist eine EntzĂŒndung der Leber. Sie kann verschiedene Ursachen haben: Virusinfektionen (Hepatitis A bis E), ĂŒbermĂ€Ăigen Alkoholkonsum, Medikamente/Giftstoffe oder Autoimmunprozesse. Eine Hepatitis ist also NICHT zwangslĂ€ufig Folge einer Infektion â diese Aussage ist eine wichtige PrĂŒfungsfalle. In diesem Kapitel geht es um die infektiösen, viralen Formen.
Ăbersichtstabelle: Hepatitis A bis E im Vergleich
Ăberwiegend Blut (z. B. gemeinsam genutzte Spritzen), seltener sexuell
HĂ€ufig (bis zu 70-80%)
Nein, keine Impfung verfĂŒgbar
Hepatitis D
Blut/sexuell, NUR zusammen mit Hepatitis B möglich
Möglich
Indirekt durch Hepatitis-B-Impfung
Hepatitis E
FĂ€kal-oral, auch durch Verzehr von unzureichend gegartem (rohem) Fleisch, va. Schweine-/Wildfleisch
In der Regel nein (Ausnahme: schwer ImmungeschwÀchte)
In Deutschland nicht zugelassen
Wichtige PrĂŒfungsfallen zur Hepatitis: Hepatitis A verlĂ€uft bei Erwachsenen GERADE NICHT hĂ€ufig chronisch â sie chronifiziert nie! Hepatitis C wird NICHT ĂŒberwiegend durch Schmierinfektion, sondern ĂŒberwiegend durch Blutkontakt ĂŒbertragen. Bei Hepatitis A gibt es typischerweise KEINE Dauerausscheider im klassischen Sinn (anders als z. B. bei Salmonellen).
Hepatitis A im Detail
Die Hepatitis A wird durch das Hepatitis-A-Virus (HAV) verursacht und ist die klassische "Reisehepatitis", da sie hĂ€ufig durch kontaminierte Lebensmittel oder Trinkwasser in LĂ€ndern mit niedrigeren Hygienestandards ĂŒbertragen wird. Sie verlĂ€uft bei Kindern hĂ€ufig asymptomatisch oder sehr mild, bei Erwachsenen dagegen meist mit deutlicheren Symptomen.
In Ihrer Praxis wird ein 7-jĂ€hriges Kind vorgestellt. Die Mutter berichtet seit etwa 4 Tagen von Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen und Appetitlosigkeit. Seit gestern bestehen zusĂ€tzlich Fieber, dunkler Urin, heller Stuhl und gelbliche Skleren (Ikterus). Die Familie war vor etwa 4 Wochen im Badeurlaub in Ăgypten, wo das Kind nicht krank war. Dieses Bild â insbesondere die Kombination aus gastrointestinalen Vorboten, Ikterus, dunklem Urin (durch vermehrte Bilirubinausscheidung) und hellem Stuhl (durch fehlenden Gallefarbstoff im Darm), zusammen mit der zeitlich passenden Auslandsreise (Inkubationszeit der Hepatitis A: 2â6 Wochen) â begrĂŒndet einen dringenden Verdacht auf eine Hepatitis A. Ein Zusammenhang mit der Urlaubsreise ist somit wahrscheinlich.
Wovon geht bei Hepatitis A die gröĂte Infektionsgefahr aus? Vom Stuhl â das Virus wird in groĂen Mengen ĂŒber den Stuhl ausgeschieden, weshalb eine fĂ€kal-orale Ăbertragung (kontaminierte Lebensmittel, mangelnde HĂ€ndehygiene) der HauptĂŒbertragungsweg ist.
Eine Hepatitis A heilt praktisch immer vollstĂ€ndig und folgenlos aus â eine Chronifizierung gibt es nicht. Nach durchgemachter Infektion besteht eine lebenslange ImmunitĂ€t gegen Hepatitis A. Die Verwendung von Kondomen schĂŒtzt NICHT zuverlĂ€ssig vor einer Hepatitis-A-Ăbertragung, da diese in erster Linie fĂ€kal-oral und nicht primĂ€r ĂŒber Sexualkontakt im engeren Sinne (sondern eher ĂŒber Schmierkontakt bei bestimmten Sexualpraktiken) erfolgt.
Hepatitis A ist nach § 6 IfSG bereits bei begrĂŒndetem KRANKHEITSVERDACHT namentlich meldepflichtig â nicht erst bei gesicherter Erkrankung oder Tod. Gegen Hepatitis A gibt es eine wirksame aktive Schutzimpfung, die vor allem Reisenden in Risikogebiete empfohlen wird.
Hepatitis B im Detail
Hepatitis B wird durch das Hepatitis-B-Virus (HBV) verursacht und zĂ€hlt zu den ĂŒber die STIKO empfohlenen Standardimpfungen im SĂ€uglingsalter â sie zĂ€hlt also zu den impfprĂ€ventablen Infektionskrankheiten.
Typische Ăbertragungswege und Risikogruppen:
Intravenöser Drogenkonsum (gemeinsam benutzte Spritzen)Sexuelle KontakteTĂ€tigkeit im medizinischen Bereich (Nadelstichverletzungen)Perinatale Ăbertragung von der Mutter auf das Neugeborene wĂ€hrend der Geburt
Eine Ăbertragung ĂŒber verschmutztes Trinkwasser oder per Tröpfcheninfektion findet bei Hepatitis B NICHT statt â diese Ăbertragungswege sind typisch fĂŒr Hepatitis A bzw. E (fĂ€kal-oral) bzw. fĂŒr Atemwegserkrankungen, nicht fĂŒr Hepatitis B.
Ein 30-jĂ€hriger, wegen OpioidabhĂ€ngigkeit substituierter Patient berichtet, dass bei ihm eine Lebererkrankung festgestellt worden sei. Bei intravenösem Drogenkonsum mit Verwendung gemeinsam benutzter Spritzen sind insbesondere Hepatitis B und Hepatitis C als Folge wahrscheinlich, da beide hauptsĂ€chlich ĂŒber Blutkontakt ĂŒbertragen werden.
Bei einer akuten Hepatitis B kann es zur Chronifizierung kommen â das Risiko hĂ€ngt stark vom Infektionsalter ab: Je jĂŒnger die infizierte Person bei der Erstinfektion ist (insbesondere bei perinataler Ăbertragung), desto höher ist das Chronifizierungsrisiko. FĂŒr den Heilpraktiker besteht bei akuter Hepatitis ein Behandlungsverbot, und auch bezĂŒglich der gefĂ€hrlichsten Infektionserkrankungen wie HIV oder Hepatitis B gilt: Bei Nadelstichverletzungen besteht ein besonders hohes Infektionsrisiko, insbesondere im Vergleich zu HIV â das Ăbertragungsrisiko von Hepatitis B nach Nadelstichverletzung ist deutlich höher als bei HIV.
Hepatitis C im Detail
Hepatitis C wird durch das Hepatitis-C-Virus (HCV) verursacht und ĂŒberwiegend durch Blutkontakt ĂŒbertragen â klassischerweise bei intravenösem Drogenkonsum mit gemeinsam genutzten Spritzen, frĂŒher auch durch kontaminierte Blutprodukte. Eine sexuelle Ăbertragung ist möglich, aber deutlich seltener als bei Hepatitis B â die Aussage, Hepatitis C werde "ausschlieĂlich" ĂŒber Sexualkontakte ĂŒbertragen, ist daher falsch.
Anders als frĂŒher angenommen ist eine medikamentöse Behandlung der chronischen Hepatitis C heute sehr wohl möglich â moderne antivirale Medikamente (direkt wirkende antivirale Substanzen, DAA) erzielen heutzutage in den meisten FĂ€llen sogar eine vollstĂ€ndige Heilung (Viruselimination). Gegen Hepatitis C existiert bislang KEINE Impfung.
Hepatitis C neigt zu einer hohen Chronifizierungsrate (bis zu 70â80 % der Infizierten entwickeln einen chronischen Verlauf), was langfristig das Risiko fĂŒr eine Leberzirrhose und ein Leberzellkarzinom erhöht.
Hepatitis D im Detail
Hepatitis D wird durch das Hepatitis-D-Virus verursacht, das ein sogenanntes "Satellitenvirus" ist â es kann sich NUR in Gegenwart einer gleichzeitigen Hepatitis-B-Infektion vermehren (entweder als Koinfektion oder als Superinfektion bei bereits bestehender chronischer Hepatitis B). Die Ăbertragungswege entsprechen denen der Hepatitis B. Eine wirksame Impfung gegen Hepatitis B schĂŒtzt damit indirekt auch vor Hepatitis D, da ohne Hepatitis B keine Hepatitis-D-Infektion möglich ist.
Hepatitis E im Detail
Hepatitis E wird durch das Hepatitis-E-Virus verursacht und Ă€hnelt der Hepatitis A in ihrer Ăbertragung (fĂ€kal-oral, kontaminiertes Wasser). In IndustrielĂ€ndern wird Hepatitis E zunehmend auch als Zoonose erkannt â die Ăbertragung erfolgt unter anderem durch den Verzehr von unzureichend gegartem (rohem oder nicht durchgegartem) Fleisch, insbesondere von Schweine- oder Wildfleischprodukten.
Bei den meisten gesunden Personen verlĂ€uft die Hepatitis E akut und heilt folgenlos aus â eine Chronifizierung kommt NICHT "in den meisten FĂ€llen" vor, wie fĂ€lschlich behauptet werden könnte, sondern nur in AusnahmefĂ€llen bei stark immungeschwĂ€chten Patienten (z. B. nach Organtransplantation). Bei Schwangeren (insbesondere im dritten Trimenon) kann die Hepatitis E jedoch ungewöhnlich schwer und sogar lebensbedrohlich verlaufen.
HIV-Infektion im Vergleich
Obwohl HIV streng genommen keine Hepatitis-Erkrankung ist, gehört sie thematisch zum Bereich blutĂŒbertragener Virusinfektionen und wird daher hĂ€ufig gemeinsam mit den Hepatitiden geprĂŒft.
HIV (Human Immunodeficiency Virus) befĂ€llt gezielt bestimmte Zellen des Immunsystems (CD4-Helferzellen) und fĂŒhrt im fortgeschrittenen, unbehandelten Stadium zu AIDS (Acquired Immunodeficiency Syndrome) â einer schweren ImmunschwĂ€che mit gehĂ€uften opportunistischen Infektionen (z. B. Tuberkulose als AIDS-definierende Erkrankung) und bestimmten Tumorerkrankungen.
Ăbertragungswege fĂŒr HIV sind Geschlechtsverkehr sowie Blut und Blutprodukte (z. B. gemeinsam benutzte Spritzen, Nadelstichverletzungen, perinatal von Mutter auf Kind). Der Krankheitsverlauf wird in mehrere Stadien eingeteilt:
Akute HIV-Infektion (ca. 1â6 Wochen nach Ansteckung): Bei einem Teil der Infizierten tritt ein Mononukleose-Ă€hnliches Krankheitsbild auf â mit unspezifischen Zeichen wie SchwĂ€che, Fieber, Schwitzen, Muskelschmerzen, Appetitlosigkeit, Lymphknotenschwellungen und eventuell einem Hautausschlag
Latenzphase: klinisch weitgehend symptomfrei, kann viele Jahre andauern, dabei findet jedoch im Körper eine fortlaufende Virusvermehrung und SchÀdigung des Immunsystems statt
AIDS-Stadium: ausgeprÀgte ImmunschwÀche mit opportunistischen Infektionen und bestimmten Tumorerkrankungen
Die derzeit verwendeten Antikörper-Tests sind NICHT bereits Stunden nach einer möglichen Infektion zuverlĂ€ssig â es gibt ein sogenanntes "diagnostisches Fenster" von mehreren Wochen, in dem ein Test trotz tatsĂ€chlicher Infektion noch negativ ausfallen kann, da der Körper erst Zeit braucht, um nachweisbare Antikörper zu bilden.
Bei HIV-Erkrankung besteht fĂŒr den Heilpraktiker ein Behandlungsverbot. Es besteht eine NICHT-namentliche Meldepflicht gemÀà § 7 IfSG (Labormeldung) â anders als bei vielen anderen meldepflichtigen Erkrankungen erfolgt hier keine namentliche Meldung des Patienten, um den besonderen Schutz der Persönlichkeitsrechte bei dieser Erkrankung zu wahren. Die postexpositionelle Prophylaxe (PEP) sollte so frĂŒh wie möglich nach einer möglichen Risikoexposition begonnen werden â eine erst nach einer Woche begonnene Prophylaxe ist nicht mehr zuverlĂ€ssig wirksam, da das Zeitfenster fĂŒr eine erfolgreiche PEP eng ist (im Regelfall innerhalb von 24â48 Stunden, spĂ€testens 72 Stunden).
Die infektiöse Mononukleose wird durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) verursacht, ein Vertreter der Herpesvirus-Gruppe. Die Ăbertragung erfolgt vor allem ĂŒber Speichelkontakt â daher auch der umgangssprachliche Name "Kissing Disease".
Ein 19-jĂ€hriger Patient beklagt starke Halsschmerzen und Fieber um 38,5 °C. Sie stellen zervikale Lymphknotenschwellungen und eine vergröĂerte Milz fest. Rachen und Tonsillen sind deutlich gerötet. Das Blutbild zeigt eine Leukozytose mit 70 % lymphoiden (mononukleĂ€ren) Zellen. Diese Konstellation â junges Alter, Tonsillitis, Lymphknotenschwellung, Splenomegalie und die typische BlutbildverĂ€nderung â ist hochcharakteristisch fĂŒr ein Pfeiffer-DrĂŒsenfieber (Mononukleose).
Hohes Fieber, oft lĂ€nger anhaltendTonsillitis, hĂ€ufig mit grau-weiĂlichen BelĂ€genGeneralisierte LymphknotenschwellungenMilzschwellung (Splenomegalie)AusgeprĂ€gte Abgeschlagenheit, die wochenlang anhalten kann
Eine wichtige SicherheitsmaĂnahme bei Verdacht auf eine Mononukleose mit Milzschwellung: körperliche Schonung, da bei vergröĂerter, druckempfindlicher Milz das Risiko einer Milzruptur besteht â Sport und Kontaktsportarten sind daher fĂŒr mehrere Wochen zu meiden! Dies ist auch der Grund, warum bei einer körperlichen Untersuchung mit dem Befund einer deutlich vergröĂerten Milz neben der Mononukleose auch andere Differentialdiagnosen wie der Morbus Hodgkin (Lymphogranulomatose) in Betracht gezogen werden mĂŒssen.
Die infektiöse Mononukleose wird in der Regel rein symptomatisch behandelt â eine Therapie mit Virostatika (wie z. B. Aciclovir) ist NICHT die ĂŒbliche Vorgehensweise, da diese bei EBV nicht zuverlĂ€ssig wirksam ist. Im Falle einer bakteriellen Begleitinfektion (z. B. einer eitrigen Tonsillitis) ist eine zusĂ€tzliche antibiotische Behandlung indiziert â wichtig dabei: bestimmte Antibiotika (Aminopenicilline wie Amoxicillin) sollten bei Mononukleose vermieden werden, da sie hĂ€ufig ein charakteristisches, meist nicht-allergisches Arzneimittelexanthem auslösen.
Das Epstein-Barr-Virus zĂ€hlt, wie alle Herpesviren, zu den Erregern, bei denen man mit einer langfristigen Persistenz im Körper rechnen muss â nach der Akutinfektion verbleibt das Virus lebenslang latent im Körper (in B-Lymphozyten) und kann unter bestimmten UmstĂ€nden (z. B. starker Immunsuppression) reaktivieren.
Herpes Zoster (GĂŒrtelrose)
Der Herpes Zoster entsteht durch eine Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus (VZV) â desselben Virus, das in der Kindheit die Windpocken verursacht hat. Nach der Erstinfektion verbleibt das Virus lebenslang latent in den Spinal- bzw. Hirnnervenganglien und kann bei nachlassender Immunabwehr (z. B. im Alter, bei Stress, bei Immunsuppression) reaktivieren.
GĂŒrtelrose und Windpocken werden vom GLEICHEN Virus verursacht â dem Varizella-Zoster-Virus
Durch den Inhalt der BlĂ€schen des Hautausschlags kann man sich anstecken â allerdings entwickelt eine angesteckte, noch nicht immune Person dann typischerweise Windpocken (Erstinfektion), nicht direkt eine GĂŒrtelrose
Charakteristisch ist ein meist einseitiger, streifenförmiger, einem Dermatom (Hautsegment, das von einem bestimmten Spinalnerv versorgt wird) folgender Hautausschlag mit gruppiert stehenden BlÀschen, oft begleitet von brennenden Schmerzen
Eine gefĂŒrchtete SpĂ€tfolge ist die postzosterische Neuralgie â nach Abheilung der Hauteffloreszenzen kann eine sehr schmerzhafte Phase folgen, die Monate oder sogar Jahre anhalten kann
Bei GĂŒrtelrose besteht KEINE generelle namentliche Meldepflicht gemÀà § 6 IfSG (anders als bei Windpocken) und auch KEIN generelles Behandlungsverbot gemÀà § 24 IfSG fĂŒr den Heilpraktiker bei der unkomplizierten GĂŒrtelrose im Erwachsenenalter â wichtig ist jedoch eine sorgfĂ€ltige EinschĂ€tzung des Einzelfalls, insbesondere bei Befall im Gesichtsbereich (Gefahr der Augenbeteiligung bei Zoster ophthalmicus) oder bei ImmungeschwĂ€chten, wo eine Ă€rztliche Mitbehandlung dringend angezeigt ist.
FĂŒr Ă€ltere Menschen ab 60 Jahren wird von der STIKO eine Impfung gegen Herpes Zoster empfohlen, um sowohl das Erkrankungsrisiko als auch das Risiko der schmerzhaften postzosterischen Neuralgie zu senken.
Herpes simplex und Herpes genitalis
Herpes-simplex-Viren (HSV-1 und HSV-2) verursachen wiederkehrende BlĂ€scheninfektionen der Haut und Schleimhaut. Klassischerweise wird HSV-1 eher mit dem Lippenherpes (Herpes labialis) und HSV-2 eher mit dem Genitalherpes assoziiert â allerdings ist diese Trennung nicht absolut: Lippenherpes KANN sehr wohl durch Schmierinfektion (z. B. Oralverkehr) auf den Genitalbereich ĂŒbertragen werden, und umgekehrt!
Sexuell ĂŒbertragbare Erkrankung (Herpes genitalis)Kleine, gruppiert stehende BlĂ€schen an den Geschlechtsorganen, oft schmerzhaftVirale Erkrankung (KEIN Behandlungsverbot fĂŒr den Heilpraktiker)
Korrektur: Auch fĂŒr Herpes genitalis besteht fĂŒr den Heilpraktiker ein Behandlungsverbot! § 24 IfSG erfasst ausdrĂŒcklich ALLE sexuell ĂŒbertragbaren Krankheiten â nicht nur die "klassischen" Geschlechtskrankheiten wie Syphilis oder Gonorrhö, sondern auch virale STI wie den Herpes genitalis. AufklĂ€rung ĂŒber die Ansteckungsgefahr und mögliche Ăbertragung auf Sexualpartner bleibt wichtig, ebenso die fachĂ€rztliche Mitbehandlung â insbesondere bei Schwangeren mit aktiver genitaler Herpes-Infektion zum Geburtstermin (Gefahr der schweren Neugeboreneninfektion).
Influenza (echte Grippe)
Die Influenza wird durch Influenzaviren verursacht und zeigt eine deutliche saisonale HĂ€ufung in den Wintermonaten. Die Ăbertragung erfolgt in erster Linie ĂŒber Tröpfchen und Aerosole, in geringerem MaĂe auch ĂŒber kontaminierte OberflĂ€chen (z. B. HĂ€nde, TĂŒrklinken).
Die Erkrankung setzt typischerweise schlagartig ein, mit hohem Fieber, ausgeprĂ€gten Glieder- und Muskelschmerzen sowie starkem KrankheitsgefĂŒhl â anders als der eher schleichend beginnende grippale Infekt
Ein zweiter Fieberanstieg im Verlauf kann ein wichtiger Hinweis auf eine bakterielle SekundĂ€rinfektion sein (z. B. eine bakterielle Pneumonie) â dies sollte immer Ă€rztlich abgeklĂ€rt werden
Ein oft mehrwöchiger Krankheitsverlauf mit anhaltender SchwĂ€che und MĂŒdigkeit nach der akuten Phase ist typisch und nicht ungewöhnlich
Der Mensch kann im Laufe seines Lebens wiederholt an Influenza erkranken, da sich die Influenzaviren stĂ€ndig genetisch verĂ€ndern (Antigendrift, Antigenshift) und keine dauerhafte, ĂŒbergreifende ImmunitĂ€t entsteht
Eine nachgewiesene Influenzainfektion sollte NICHT routinemĂ€Ăig mit einem Antibiotikum behandelt werden â Antibiotika wirken nicht gegen Viren! Sie kommen nur bei nachgewiesener oder begrĂŒndet vermuteter bakterieller SekundĂ€rinfektion zum Einsatz. Die Grippeimpfung bietet KEINEN nahezu 100%igen Schutz vor einer Erkrankung â ihre Wirksamkeit schwankt je nach Saison und Ăbereinstimmung der ImpfstĂ€mme mit den zirkulierenden Viren, liegt aber meist deutlich darunter. Sie reduziert dennoch das Risiko schwerer VerlĂ€ufe erheblich, weshalb sie fĂŒr Risikogruppen, darunter auch Schwangere wĂ€hrend der Grippesaison, ausdrĂŒcklich von der STIKO empfohlen wird. Die Inkubationszeit der Influenza betrĂ€gt nur etwa 1â2 Tage (also kurz, nicht 10â14 Tage). Pandemien der Influenza treten unregelmĂ€Ăig, in deutlich gröĂeren ZeitabstĂ€nden auf (oft mehrere Jahrzehnte) â nicht etwa alle 3â5 Jahre. Bei Influenza besteht fĂŒr den Heilpraktiker grundsĂ€tzlich KEIN Behandlungsverbot.
Noroviren
Noroviren sind eine der hÀufigsten Ursachen akuter Magen-Darm-Infektionen weltweit, besonders gehÀuft in den Wintermonaten und in Gemeinschaftseinrichtungen (Altenheime, Kreuzfahrtschiffe, KindergÀrten) aufgrund ihrer extrem hohen AnsteckungsfÀhigkeit.
In einem Seniorenheim erkranken im Januar mehrere Bewohner und PflegekrĂ€fte akut kurz hintereinander an schwallartigem Erbrechen, Ăbelkeit mit leichten Bauchschmerzen und wenig wĂ€ssrigen Diarrhöen. Auch ohne Therapie klingen die Symptome nach zwei bis drei Tagen wieder ab. Dieses Bild â akuter, schwallartiger Erbrechensbeginn, kurzer selbstlimitierender Verlauf, gehĂ€uftes saisonales und gemeinschaftliches Auftreten â ist klassisch fĂŒr eine Norovirusinfektion.
Eine Erkrankung durch Noroviren ist typischerweise gekennzeichnet durch einen akuten Beginn mit Durchfall und (oft schwallartigem) Erbrechen. Hohes Fieber ist eher untypisch, ein begleitender Hautausschlag fehlt. Eine Ăbertragung ĂŒber Tröpfchen (z. B. beim Erbrechen entstehende virushaltige Aerosole) ist tatsĂ€chlich möglich â Noroviren werden also nicht nur fĂ€kal-oral, sondern auch ĂŒber kleinste Tröpfchen ĂŒbertragen, was die hohe AnsteckungsfĂ€higkeit erklĂ€rt.
Gegen Noroviren stehen KEINE spezifischen Virostatika zur VerfĂŒgung â die Behandlung ist rein symptomatisch (FlĂŒssigkeits- und Elektrolytausgleich). GrĂŒndliches HĂ€ndewaschen allein ist KEINE zuverlĂ€ssige Methode zur Virusabtötung â Noroviren sind sehr umweltresistent und widerstandsfĂ€hig gegen viele gĂ€ngige Desinfektionsmittel, weshalb spezielle viruzide Desinfektionsmittel notwendig sind. Nach Abklingen der akuten Symptome besteht weiterhin fĂŒr einige Tage eine relevante AnsteckungsfĂ€higkeit ĂŒber den Stuhl â eine AnsteckungsfĂ€higkeit endet also keineswegs sofort mit dem Symptomende.
Keratoconjunctivitis epidemica
Die Keratoconjunctivitis epidemica ("Augengrippe") ist eine hochansteckende Bindehaut-Hornhaut-EntzĂŒndung, verursacht durch bestimmte Adenoviren (NICHT durch Chlamydien â diese verursachen eine andere, in der Regel weniger akut-aggressive Form der BindehautentzĂŒndung).
Ein FremdkörpergefĂŒhl im Auge spricht FĂR die Erkrankung, nicht dagegen â es ist ein typisches Begleitsymptom
Eine mögliche Infektionsquelle ist die gemeinsame Verwendung von HandtĂŒchern, Augentropfen oder anderen GegenstĂ€nden, die mit dem infizierten Auge in Kontakt kamen
Die AnsteckungsfĂ€higkeit besteht ĂŒber einen deutlich lĂ€ngeren Zeitraum als nur 1â2 Tage â meist ĂŒber etwa 2 Wochen ab Symptombeginn
Bei Raumtemperatur sind die Viren erstaunlich widerstandsfĂ€hig und ĂŒberleben in der Umwelt vergleichsweise LANGE â sie sterben also nicht schnell ab, sondern können ĂŒber Wochen auf OberflĂ€chen infektiös bleiben
Kapitel 9
Pilze & Parasiten
Candida-Infektionen, WĂŒrmer, Toxoplasmose â von Null erklĂ€rt
Candida-Infektionen (Mykosen)
Candida albicans ist ein Hefepilz, der bei einem Teil der gesunden Bevölkerung als normaler Bestandteil der Schleimhautflora vorkommt â unter anderem im Darm (Stuhl), in der Mundhöhle und im Genitalbereich, ohne dort zwingend Krankheitssymptome zu verursachen. Erst unter bestimmten begĂŒnstigenden Bedingungen kommt es zu einer klinisch relevanten Infektion (Candidose).
Eine Candidose wird NICHT vorwiegend auf dem Blutweg ĂŒbertragen â die Ăbertragung erfolgt meist durch direkten Kontakt oder durch eine endogene Vermehrung bereits vorhandener, körpereigener Pilze, begĂŒnstigt durch ein gestörtes Gleichgewicht der normalen Flora oder eine geschwĂ€chte Immunabwehr. Eine systemische, lebensbedrohliche CandidĂ€mie ĂŒber den Blutweg ist zwar möglich, aber die typische, hĂ€ufige Form der Ăbertragung ist eine andere.
Wichtige begĂŒnstigende Faktoren fĂŒr eine Candida-Infektion sind:
Diabetes mellitusLÀngere Antibiotikatherapie (Störung der normalen Bakterienflora)ImmunschwÀche (z. B. HIV, Chemotherapie, hochdosierte Kortisontherapie)Schwangerschaft, hormonelle VerÀnderungen
Eine Candida-Infektion sollte gerade NICHT ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum mit KortisonprĂ€paraten behandelt werden â Kortison wirkt immunsuppressiv und wĂŒrde die Pilzinfektion eher begĂŒnstigen bzw. verschlimmern, statt sie zu bessern! Auch ist NICHT bei jedem bloĂen Nachweis von Candida-Pilzen automatisch eine antimykotische Behandlung angezeigt â da Candida bei vielen gesunden Menschen physiologisch vorkommt, ist die Behandlung nur bei tatsĂ€chlichen klinischen Symptomen einer Infektion (oder bei Risikopatienten als Prophylaxe) indiziert.
Bei Patienten mit ausgeprĂ€gter AbwehrschwĂ€che kann es jedoch durchaus zu einer klinisch relevanten, ernstzunehmenden Candida-Infektion kommen â bis hin zu schweren, systemischen VerlĂ€ufen (CandidĂ€mie, Organbefall) bei stark immungeschwĂ€chten Personen.
Wichtige Unterscheidung fĂŒr den Heilpraktiker: Eine Candida-Infektion der Mundschleimhaut (Mundsoor, siehe unten) oder der Haut unterliegt keinem generellen Behandlungsverbot. Eine genitale Candidose (Vaginalcandidose bzw. Genitalcandidose) gilt dagegen als sexuell ĂŒbertragbare Erkrankung im Sinne des § 24 IfSG â hierfĂŒr besteht ein Behandlungsverbot fĂŒr den Heilpraktiker, der Patient muss zur Ă€rztlichen Behandlung verwiesen werden.
Mundsoor
Mundsoor ist eine Candida-Infektion (meist durch Candida albicans) der Mundschleimhaut. Sie tritt durchaus auch bei SÀuglingen auf (deren Immunsystem und Mundschleimhautflora noch nicht vollstÀndig ausgereift ist) sowie bei Patienten mit geschwÀchter Abwehr.
Es kommt zu weiĂlichen, abwischbaren BelĂ€gen auf der Zunge und der Wangenschleimhaut
Fieber ist KEIN typisches Leitsymptom des Mundsoors â die Erkrankung verlĂ€uft meist ohne wesentliches Fieber
Die Therapie erfolgt mit Antimykotika, NICHT mit Antibiotika â Antibiotika wirken gegen Bakterien, nicht gegen Pilze, und können einen bestehenden Soor durch Störung der normalen Bakterienflora sogar noch begĂŒnstigen
Parasiten â Grundlagen
Parasiten sind Lebewesen, die auf oder in einem Wirtsorganismus leben und sich auf dessen Kosten ernÀhren. Wichtige Grundbegriffe der Parasitologie:
Endwirt: der Wirt, in dem die geschlechtliche Vermehrung des Parasiten stattfindet
Zwischenwirt: ein Wirt, in dem nur eine ungeschlechtliche Vermehrung oder Larvenentwicklung des Parasiten erfolgt
Bei unklarem, sonst nicht erklĂ€rbarem Gewichtsverlust sollte immer auch an eine Parasitose als Differentialdiagnose gedacht werden â WĂŒrmer können dem Körper auf Dauer relevant Energie und NĂ€hrstoffe entziehen.
Spulwurminfektion (Askariasis)
Der Spulwurm (Ascaris lumbricoides) wird durch verschluckte Wurmeier aufgenommen, hĂ€ufig ĂŒber kontaminiertes GemĂŒse, Salat oder Obst. Im Darm schlĂŒpfen die Larven, gelangen ĂŒber den Blutkreislauf zunĂ€chst in die Lunge, wo sie eine lokale EntzĂŒndungsreaktion mit Reizhusten auslösen können (Löffler-Syndrom), bevor sie ĂŒber die Atemwege wieder verschluckt werden und im Darm zu ausgewachsenen WĂŒrmern heranreifen.
Husten, teilweise mit blutig tingiertem Auswurf, durch die Lungenpassage der LarvenBauchschmerzen, Ăbelkeit, DurchfĂ€lle bei der ĂŒberwiegenden Mehrzahl (ca. 90%) der InfiziertenDer ausgewachsene Spulwurm im Darm wird ca. 10â40 cm lang
Eine Spulwurminfektion fĂŒhrt NICHT zu einer dauerhaften ImmunitĂ€t â eine Reinfektion ist jederzeit wieder möglich. Analer Juckreiz ist KEIN Leitsymptom der Askariasis â das ist vielmehr typisch fĂŒr den Madenwurm (Oxyuriasis), nicht fĂŒr den Spulwurm!
Madenwurminfektion (Oxyuriasis / Enterobiose)
Die Madenwurminfektion gilt in Deutschland als die hĂ€ufigste Wurmerkrankung im Kindergarten- und Grundschulalter. Verursacher ist der Madenwurm (Enterobius vermicularis), ein kleiner, weiĂlicher, fadenförmiger Wurm.
Eine Mutter berichtet, dass ihr 5-jĂ€hriger Sohn vermehrt unruhig und nervös sei und sich aufgrund dessen hĂ€ufig nachts in der Analgegend kratzt. Bei der Inspektion zeigen sich zahlreiche weiĂe, etwa 1 cm groĂe madenartige WĂŒrmer. Diese Konstellation â nĂ€chtlicher analer Juckreiz, sichtbare madenartige WĂŒrmer in der Analregion bei einem Kind â ist klassisch fĂŒr eine Oxyuriasis (Enterobiose).
Das adulte Weibchen wandert nachts zum Anus, um dort Eier abzulegen â dies fĂŒhrt zu starkem, vor allem nĂ€chtlichem, analem Juckreiz
Die Ăbertragung erfolgt vor allem durch die orale Aufnahme von Eiern nach Kratzen am Anus (Hand-Mund-Kontakt), kann aber auch durch Schmierinfektion (kontaminierte GegenstĂ€nde, BettwĂ€sche) oder durch Inhalation von Eiern aus der Luft erfolgen â die Eier sind sehr widerstandsfĂ€hig und leicht
TagesmĂŒdigkeit als Folge des nĂ€chtlichen Juckreizes mit gestörtem Schlaf ist ein typisches Begleitsymptom
Die Diagnose erfolgt hĂ€ufig durch den direkten Sichtnachweis der WĂŒrmer in der Analregion oder mittels eines speziellen Klebestreifen-Tests am Morgen (AbklatschprĂ€parat), NICHT primĂ€r durch den Nachweis in regulĂ€ren Stuhlproben, da die Eiablage auĂerhalb des Darms am Anus erfolgt und die Eier daher oft nicht zuverlĂ€ssig im Stuhl nachweisbar sind.
FĂŒr Madenwurminfektionen besteht KEIN Behandlungsverbot fĂŒr den Heilpraktiker nach dem Infektionsschutzgesetz â die Erkrankung ist weder meldepflichtig noch unterliegt sie einem besonderen Behandlungsverbot. Eine Impfung gegen Wurmbefall existiert nicht und ist auch bei Kindern nicht vorgesehen!
BandwĂŒrmer und Echinokokkose
Bandwurmeier können ĂŒber verunreinigtes GemĂŒse, Salat und Obst vom Menschen aufgenommen werden. Eine besonders bedeutsame Form ist der Hundebandwurm (Echinococcus granulosus): Der Mensch fungiert hier als Fehlzwischenwirt, in dem sich Larvenstadien (Finnen) zu flĂŒssigkeitsgefĂŒllten Zysten entwickeln können â bevorzugt in der Leber, aber auch in der Lunge oder anderen Organen.
Zystische VerĂ€nderungen in der Leber können ein wichtiger Hinweis auf eine Infektion mit dem Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) sein â eine ernstzunehmende, potenziell gefĂ€hrliche Differentialdiagnose bei zufĂ€llig entdeckten Leberzysten, insbesondere bei entsprechender Tierkontakt-Anamnese (Hunde, Schafe).
Ein möglicher Hinweis auf einen Wurmbefall im Allgemeinen ist eine Eosinophilie im Blutbild (vermehrtes Auftreten eosinophiler Granulozyten) â diese tritt als typische Immunreaktion bei vielen Parasitosen auf, da das Immunsystem auf bestimmte WĂŒrmer mit einer spezifischen Eosinophilen-Antwort reagiert. Wichtig: Ein Wurmbefall ist NICHT zwangslĂ€ufig auf den Darm beschrĂ€nkt â wie die Beispiele Spulwurm-Lungenpassage und Echinokokken-Leberbefall zeigen, können WĂŒrmer durchaus auch andere Organe betreffen.
Toxoplasmose
Die Toxoplasmose wird durch den Erreger Toxoplasma gondii verursacht â ein Parasit aus der Gruppe der Protozoen (Einzeller), KEIN Virus! Hauptwirt sind Katzen, die den Erreger ĂŒber den Kot ausscheiden; der Mensch kann sich durch Kontakt mit Katzenkot, durch den Verzehr von rohem oder ungenĂŒgend gegartem Fleisch (insbesondere von Schaf, Schwein) oder ĂŒber kontaminiertes GemĂŒse infizieren.
Bei immungesunden Personen verlÀuft die Infektion meist symptomlos oder mild mit unspezifischen Symptomen wie Lymphknotenschwellungen
Bei einer Erstinfektion in der Schwangerschaft kann der Erreger ĂŒber die Plazenta auf das ungeborene Kind ĂŒbertragen werden â das Ungeborene ist dabei KEINESFALLS durch die Plazenta zuverlĂ€ssig geschĂŒtzt, im Gegenteil: die Plazentaschranke kann den Parasiten passieren lassen, mit dem Risiko schwerer SchĂ€digungen (z. B. Hydrozephalus, AugenschĂ€den) beim Kind
Toxoplasmose ist eine Parasitose (durch Protozoen), keine Viruserkrankung! FĂŒr den Heilpraktiker besteht bei Toxoplasmose KEIN generelles Behandlungsverbot â allerdings sollte bei Verdacht auf eine Erstinfektion in der Schwangerschaft umgehend eine fachĂ€rztliche AbklĂ€rung erfolgen, da bei Bedarf eine spezifische antiparasitĂ€re Therapie notwendig sein kann, um das ungeborene Kind zu schĂŒtzen.
Die Syphilis wird durch das Bakterium Treponema pallidum verursacht â es handelt sich also um eine bakterielle, KEINE virale Erkrankung! Sie verlĂ€uft unbehandelt typischerweise in mehreren, zeitlich aufeinanderfolgenden Stadien.
PrimÀrstadium
Der sogenannte syphilitische PrimĂ€rkomplex besteht aus einem meist am Genital sitzenden, hochinfektiösen GeschwĂŒr (Ulkus, "Ulcus durum" / harter Schanker) sowie einer regionalen Lymphknotenschwellung. Die typische Lymphknotenschwellung tritt in der Regel auf der GLEICHEN Körperseite auf wie das Ulkus, NICHT auf der gegenĂŒberliegenden Seite â eine Verwechslung dieser anatomischen Zuordnung ist eine beliebte PrĂŒfungsfalle.
Beim PrimĂ€rkomplex im Genital-/Leistenbereich sind das GeschwĂŒr (Ulkus) und die Lymphknotenschwellung in der Regel SCHMERZFREI â das ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen genitalen GeschwĂŒren!
AuĂerhalb des Genital-/Leistenbereichs (z. B. an Lippen, Mundschleimhaut bei oralem Kontakt) kann das Ulkus durchaus auch schmerzhaft sein
SekundÀrstadium
Etwa 2 bis 3 Monate nach der Infektion kommt es hÀufig zu zwei charakteristischen Hautmanifestationen:
Ein generalisiertes, NICHT juckendes Exanthem (sogenannte Roseolen) am gesamten Körper
Breite, teils nÀssende, hochinfektiöse Hautknoten im Genital- und Analbereich, sogenannte Condylomata lata (nicht zu verwechseln mit den durch HPV verursachten Condylomata acuminata, den spitzen Kondylomen!)
TertiÀrstadium und SpÀtstadium
Bei unbehandelter Syphilis können nach Jahren bis Jahrzehnten schwerwiegende SpÀtmanifestationen auftreten:
Progressive Paralyse (eine schwere neurologische SpĂ€tfolge mit fortschreitendem geistigem Verfall)Aortenaneurysma (durch syphilitische SchĂ€digung der GefĂ€Ăwand der Hauptschlagader)Gummen (gummiartige Gewebeknoten in verschiedenen Organen)
Andere neurologische Erkrankungen wie die subakute sklerosierende Panenzephalitis (das ist eine Masernkomplikation!) oder die Wernicke-Enzephalopathie (das ist eine Folge von Vitamin-B1-Mangel, klassisch bei Alkoholkrankheit) haben mit der Syphilis NICHTS zu tun â diese sollten nicht verwechselt werden.
Zwischen der Infektion und dem ersten Auftreten von Krankheitszeichen (also bis zum PrimĂ€raffekt) vergehen durchschnittlich nur etwa 2 bis 4 Wochen â NICHT 4 bis 6 Monate, wie fĂ€lschlich angenommen werden könnte!
FĂŒr Heilpraktiker besteht bei Syphilis ein striktes Behandlungsverbot. Bei einem laborchemisch gesicherten Nachweis eines PrimĂ€raffektes besteht erhebliche Infektionsgefahr fĂŒr Sexualpartner â lokal antiseptische MaĂnahmen durch den Heilpraktiker sind hier NICHT ausreichend, der Patient muss zur Ă€rztlichen Behandlung verwiesen werden. Auch besteht durchaus weiterhin die Gefahr der Ausbildung schwerwiegender neurologischer Symptome im weiteren, unbehandelten Krankheitsverlauf (siehe TertiĂ€rstadium) â die Aussage, eine solche Gefahr bestehe nicht, ist falsch. Den Sexualpartner direkt zu informieren ist nicht die Aufgabe oder Pflicht des Heilpraktikers â dies obliegt dem behandelnden Arzt bzw. dem Gesundheitsamt im Rahmen der Partnerbenachrichtigung, soweit medizinisch und rechtlich vorgesehen.
Gonorrhö (Tripper)
Die Gonorrhö wird durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken) verursacht. Sie ist eine der hĂ€ufigsten sexuell ĂŒbertragbaren bakteriellen Infektionen.
Ein 32-jĂ€hriger Patient klagt ĂŒber Schmerzen beim Wasserlassen und einen schleimigen, gelbgrĂŒnlichen Ausfluss aus der Harnröhre, besonders morgens. Dieser charakteristische morgendliche, eitrige Ausfluss wird umgangssprachlich auch als "Bonjour-Tropfen" bezeichnet und ist hochtypisch fĂŒr eine Gonorrhö.
Beim mĂ€nnlichen Patienten mit Brennen beim Wasserlassen und gelb-grĂŒnem Ausfluss aus der Harnröhre sollte das Vorgehen folgendermaĂen aussehen: eine ausfĂŒhrliche körperliche Untersuchung mit gezielter Diagnostik (Erregernachweis, ggf. Blutentnahme zum Ausschluss weiterer sexuell ĂŒbertragbarer Infektionen) sowie eine umfassende AufklĂ€rung ĂŒber das mögliche Vorliegen einer sexuell ĂŒbertragbaren Krankheit und die damit verbundene Ansteckungsgefahr fĂŒr Sexualpartner.
Bei Verdacht auf Gonorrhö ist eine sofortige antibiotische Behandlung durch den Arzt notwendig â eine alleinige Verordnung von "Harn- und Blasentee" durch den Heilpraktiker ist bei dieser bakteriellen, behandlungsbedĂŒrftigen Infektion NICHT ausreichend und keine angemessene Vorgehensweise. Eine namentliche Meldung an das Gesundheitsamt mit dem Verdacht auf Gonorrhö ist nach dem IfSG nicht generell vorgeschrieben â Gonorrhö unterliegt anders als Syphilis (bzw. HIV) keiner speziellen namentlichen Meldepflicht nach § 6/§ 7 IfSG im Regelfall, dennoch sollte der Patient zur fachĂ€rztlichen (urologischen bzw. dermatologisch-venerologischen) AbklĂ€rung und Behandlung verwiesen werden.
Chlamydien-Infektionen
Chlamydia trachomatis ist ein Bakterium (gehört NICHT zu den Viren!) mit besonderen, eher virusÀhnlichen Eigenschaften (obligat intrazellulÀre Vermehrung), das verschiedene Krankheitsbilder verursachen kann: genitale Infektionen, aber auch eine bestimmte Augenerkrankung (Trachom bzw. Einschlusskörperchen-Konjunktivitis).
Chlamydien sind eine der hĂ€ufigsten Ursachen einer erworbenen SterilitĂ€t bei Frauen â durch aufsteigende, oft lange unbemerkte Infektionen können EileiterentzĂŒndungen mit Verklebungen und Vernarbungen entstehen
Ein Neugeborenes kann sich wĂ€hrend der Geburt im Geburtskanal anstecken und in der Folge an einer AugenentzĂŒndung (Konjunktivitis) oder einer LungenentzĂŒndung erkranken â entsprechende prĂ€ventive MaĂnahmen werden bei bekannter mĂŒtterlicher Chlamydieninfektion ergriffen
Chlamydien werden mit Antibiotika behandelt (NICHT mit antiseptischen ScheidenspĂŒlungen â diese sind keine wirksame Therapie!)
Um Reinfektionen zu vermeiden, sollte bei urogenitalen Infektionen unbedingt der Sexualpartner mitbehandelt werden
FĂŒr Heilpraktiker besteht bei genitalen Chlamydien-Infektionen ein Behandlungsverbot. Die Aussage, etwa 2â3 Monate nach der Infektion trĂ€te typischerweise ein generalisiertes, nicht juckendes Exanthem (Roseolen) auf, beschreibt das SekundĂ€rstadium der SYPHILIS, nicht der Chlamydien-Infektion â diese Verwechslung ist eine wichtige PrĂŒfungsfalle! Eine regelmĂ€Ăige ScheidenspĂŒlung mit jodhaltigen Lösungen ist KEINE wirksame oder empfohlene Behandlung einer Chlamydieninfektion.
Trichomoniasis
Die Trichomoniasis wird durch Trichomonas vaginalis verursacht â ein Erreger aus der Gruppe der Protozoen (Einzeller), keine Bakterie und kein Virus. Es handelt sich um eine sexuell ĂŒbertragbare Erkrankung.
Bei Frauen fĂŒhrt eine Trichomoniasis typischerweise zu einem stark riechenden, grĂŒnlich-gelben, schaumigen Vaginalausfluss, oft begleitet von Juckreiz
Bei MĂ€nnern verlĂ€uft die Infektion hĂ€ufig symptomarm oder asymptomatisch â MĂ€nner sind daher KEINESFALLS wesentlich hĂ€ufiger SYMPTOMATISCH betroffen als Frauen, eher das Gegenteil ist typisch (Frauen zeigen die deutlicheren Symptome)
Auch fĂŒr Trichomoniasis besteht fĂŒr den Heilpraktiker ein Behandlungsverbot â sie zĂ€hlt als sexuell ĂŒbertragbare Erkrankung zu den von § 24 IfSG erfassten Krankheiten ("einer sonstigen sexuell ĂŒbertragbaren Krankheit"). Eine spezifische medikamentöse Therapie (Antiparasitikum) durch den Arzt ist notwendig, und auch hier sollte der Sexualpartner zur Vermeidung einer Reinfektion mitbehandelt werden.
HPV-Infektion und Folgeerkrankungen
Humane Papillomaviren (HPV) sind eine Gruppe von Viren, von denen bestimmte Hochrisikotypen ursĂ€chlich an der Entstehung verschiedener Krebserkrankungen beteiligt sind â am bekanntesten das Zervixkarzinom (GebĂ€rmutterhalskrebs), aber auch andere anogenitale Karzinome sowie bestimmte Kopf-Hals-Tumoren. Andere, sogenannte Niedrigrisiko-HPV-Typen verursachen vor allem gutartige Genitalwarzen (Condylomata acuminata, "spitze Kondylome").
Die HPV-Impfung (siehe auch Kapitel "Impfungen & STIKO") zielt primĂ€r auf die PrĂ€vention HPV-bedingter Karzinome ab, schĂŒtzt aber je nach Impfstoff-Typ auch wirksam vor den Genitalwarzen. Eine durch zugelassene Impfstoffe prĂ€ventable Krebserkrankung ist also am ehesten das Zervixkarzinom â ein anschauliches Beispiel dafĂŒr, dass eine Impfung tatsĂ€chlich "gegen Krebs" schĂŒtzen kann, indem sie die ursĂ€chliche Virusinfektion verhindert.
Ăbersicht: Genitale GeschwĂŒre im Vergleich
Erkrankung
Erreger
Ulkus-Charakter
Syphilis (Ulcus durum)
Treponema pallidum
Hart, meist schmerzlos im Genitalbereich
Ulcus molle (weicher Schanker)
Haemophilus ducreyi
Weich, schmerzhaft, oft mit eitrigem Grund
Herpes genitalis
Herpes-simplex-Virus
Gruppierte, schmerzhafte BlÀschen, die aufplatzen
Kapitel 11
Reise- & Tropenkrankheiten
Malaria, Dengue-Fieber, Cholera, Ebola â Erkennen und richtig reagieren
Was zÀhlt zu den klassischen Tropenkrankheiten?
Zu den klassischen Tropenkrankheiten gehören unter anderem Lepra, Malaria und Gelbfieber â allesamt Erkrankungen, die in tropischen und subtropischen Regionen endemisch vorkommen und durch besondere klimatische, hygienische oder vektorbedingte Bedingungen begĂŒnstigt werden. NICHT zu den Tropenkrankheiten zĂ€hlen dagegen Erkrankungen wie die Influenza oder das Dreitagefieber (Exanthema subitum) â diese kommen weltweit, auch in gemĂ€Ăigten Klimazonen, vor und sind nicht an tropische Bedingungen gebunden.
Malaria
Malaria wird durch Plasmodien verursacht â einzellige Parasiten (Protozoen), die durch den Stich infizierter weiblicher Anopheles-MĂŒcken ĂŒbertragen werden. Es handelt sich also weder um eine bakterielle noch um eine virale Erkrankung. Wichtig: Anopheles-MĂŒcken stechen vor allem in der DĂ€mmerung und nachts, NICHT vorwiegend tagsĂŒber â dies ist wichtig fĂŒr die Beratung zu Expositionsprophylaxe-MaĂnahmen (Moskitonetze, Repellentien gerade in den Abend- und Nachtstunden).
Inkubationszeit und Symptomatik
Die Inkubationszeit der Malaria ist deutlich lĂ€nger, als man vielleicht annehmen wĂŒrde â sie betrĂ€gt typischerweise mindestens etwa 7 Tage, hĂ€ufig aber auch mehrere Wochen, je nach Plasmodienart. Eine Inkubationszeit von nur 1â5 Tagen ist daher zu kurz angesetzt. Hohes Fieber bereits am Ankunftstag in einem Malariagebiet spricht GERADE NICHT fĂŒr eine Malaria tropica, sondern eher gegen diese Diagnose, da die minimale Inkubationszeit nicht unterschritten werden kann â ein anderer Infekt ist hier wahrscheinlicher.
Die meisten (ca. 90 %) aller in Deutschland importierten FĂ€lle einer Malaria tropica (der gefĂ€hrlichsten Malariaform, verursacht durch Plasmodium falciparum) treten innerhalb des ersten Monats nach RĂŒckkehr aus den Tropen auf â daher ist die Reiseanamnese bei unklarem Fieber nach Tropenaufenthalt essenziell, auch noch Wochen nach der RĂŒckkehr!
Fieber, oft mit SchĂŒttelfrostLeber- und MilzvergröĂerung (Hepatosplenomegalie)Kopf- und Gliederschmerzen, allgemeines KrankheitsgefĂŒhlBei manchen Plasmodienarten klassischer periodischer Fieberverlauf (z. B. jeden dritten Tag bei Malaria tertiana)
Diagnostik und Chemoprophylaxe
Die Diagnose der Malaria erfolgt unter anderem durch den mikroskopischen Parasitennachweis im Blutausstrich ("dicker Tropfen" und Blutausstrich) â ein Urinstreifentest kann Malariaplasmodien NICHT nachweisen, ein solcher Test existiert fĂŒr diese Diagnostik nicht!
Eine regelrecht durchgefĂŒhrte Malariaprophylaxe (Chemoprophylaxe) schlieĂt eine Malariaerkrankung NICHT zuverlĂ€ssig aus â auch eine korrekt durchgefĂŒhrte Chemoprophylaxe, z. B. mit Atovaquon/Proguanil (MalaroneÂź), kann eine Infektion nicht hundertprozentig verhindern. Die Chemoprophylaxe verhindert in der Regel nicht die eigentliche Infektion selbst, sondern unterdrĂŒckt vielmehr den klinischen Ausbruch der Erkrankung (durch Wirkung auf die Blutphase der Erreger) â ein Restrisiko bleibt daher immer bestehen, weshalb bei Fieber nach Tropenreise IMMER an Malaria gedacht und eine sofortige Diagnostik veranlasst werden muss, selbst bei korrekter Prophylaxe!
Bei Verdacht auf Malaria ist eine Krankenhauseinweisung und unverzĂŒgliche Diagnostik anzustreben â eine Malaria tropica kann innerhalb weniger Stunden bis Tage lebensbedrohlich verlaufen. Eine Malaria-Impfung wird derzeit von der STIKO fĂŒr Reisende nicht generell vorgeschrieben oder empfohlen â es existieren zwar in bestimmten LĂ€ndern eingesetzte Impfstoffe gegen bestimmte Plasmodienarten, diese spielen fĂŒr die Reisemedizin in Deutschland aber bislang keine breite, generelle Rolle.
Dengue-Fieber
Das Dengue-Fieber wird durch das Dengue-Virus verursacht â NICHT durch Plasmodien (das wĂ€re Malaria)! Die Ăbertragung erfolgt durch StechmĂŒcken der Gattung Aedes, die tagaktiv sind â NICHT durch Zecken.
Typisch ist ein plötzlicher Krankheitsbeginn mit hohem Fieber sowie sehr starken Gelenk- und Muskelschmerzen â daher der volkstĂŒmliche Name "Knochenbrecherfieber"
HĂ€ufig begleitend Kopfschmerzen (oft retroorbital, hinter den Augen) und ein flĂŒchtiges Hautexanthem
GefĂŒrchtete Komplikation: das hĂ€morrhagische Dengue-Fieber mit Blutungsneigung und Schockzustand, vor allem bei Zweitinfektion mit einem anderen Dengue-Serotyp
Zur symptomatischen Behandlung des Dengue-Fiebers ist AcetylsalicylsĂ€ure (ASS) GERADE NICHT geeignet â aufgrund der bei Dengue erhöhten Blutungsneigung sollte ASS unbedingt vermieden werden (VerstĂ€rkung des Blutungsrisikos)! Stattdessen wird in der Regel Paracetamol zur Fiebersenkung eingesetzt. Eine Grippeimpfung bietet KEINEN Schutz vor Dengue-Fieber â beide Erreger (Influenzaviren vs. Dengue-Virus) sind völlig unterschiedlich und es besteht keinerlei KreuzimmunitĂ€t.
Cholera
Cholera wird durch das Bakterium Vibrio cholerae verursacht und ĂŒber fĂ€kal-oral kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel ĂŒbertragen. Sie kann zu schweren, massiven FlĂŒssigkeitsverlusten fĂŒhren.
ReiswasserstĂŒhle (charakteristische, sehr wĂ€ssrige, helle DurchfĂ€lle ohne typischen Stuhlgeruch)Trockene, faltige Haut (durch massive Dehydratation)Tiefliegende Augen (ebenfalls Zeichen der Austrocknung)Charakteristischerweise KEIN hohes Fieber â die Erkrankung verlĂ€uft meist afebril oder nur leicht febril
ErbsbreistĂŒhle sind NICHT typisch fĂŒr Cholera, sondern werden klassischerweise mit Typhus assoziiert. Bei Cholera fehlt typischerweise hohes Fieber â die lebensbedrohliche Gefahr liegt vielmehr im massiven FlĂŒssigkeits- und Elektrolytverlust durch die starken wĂ€ssrigen DurchfĂ€lle, der innerhalb von Stunden zu einem hypovolĂ€mischen Schock fĂŒhren kann.
Ebola-Fieber
Das Ebola-Fieber wird durch das Ebola-Virus verursacht â es handelt sich also um eine virale, NICHT um eine bakterielle oder pilzbedingte Erkrankung. Die Ăbertragung erfolgt durch direkten Körperkontakt mit Körpersekreten (Blut, Erbrochenem, Speichel, SchweiĂ) infizierter Personen.
Eine mehrtĂ€gige Behandlung mit Antibiotika fĂŒhrt beim Ebola-Fieber GERADE NICHT zur schnellen Besserung â es handelt sich um eine Virusinfektion, gegen die klassische Antibiotika wirkungslos sind! Die Behandlung erfolgt rein supportiv (intensivmedizinische UnterstĂŒtzung, FlĂŒssigkeits- und Kreislaufstabilisierung) bzw. in manchen FĂ€llen mit spezifischen, in Entwicklung befindlichen antiviralen Therapien oder AntikörperprĂ€paraten. FĂŒr den Heilpraktiker besteht bei Ebola-Fieber selbstverstĂ€ndlich ein striktes Behandlungsverbot, und die Erkrankung unterliegt einer unverzĂŒglichen namentlichen Meldepflicht bereits bei Krankheitsverdacht.
Legionellose (LegionÀrskrankheit)
Obwohl Legionellen auch in Deutschland (nicht nur in den Tropen) auftreten, gehört das Thema thematisch oft in den Bereich Reise- bzw. Hotelaufenthalte, da AusbrĂŒche hĂ€ufig mit Wasseranlagen (Klimaanlagen, Duschen, Whirlpools) in Hotels assoziiert sind. Der Erreger Legionella pneumophila ist ein Bakterium, das sich in stehendem, warmem Wasser vermehrt und ĂŒber feinste Wassertröpfchen (Aerosole) eingeatmet wird.
Ein 68-jĂ€hriger Mann stellt sich vor und klagt ĂŒber Kopf- und Muskelschmerzen, trockenen Husten, Durchfall und Fieber. Er sei vor 2 Wochen aus dem Urlaub zurĂŒckgekehrt; im Hotel, das nach lĂ€ngerer Pause erst kĂŒrzlich wieder eröffnet wurde, habe es ein Problem mit Legionellen gegeben. Dieser geschilderte Krankheitsverlauf â grippeĂ€hnliche Symptome kombiniert mit Husten UND gastrointestinalen Beschwerden (Durchfall ist ein typisches Begleitsymptom!), zusammen mit der Anamnese eines möglicherweise kontaminierten Wassersystems in einem lĂ€nger ungenutzten GebĂ€ude â ist mit einer Legionellose gut vereinbar.
Wichtig: Bei Legionellose erfolgt KEINE Ăbertragung von Mensch zu Mensch â der Erreger wird ausschlieĂlich ĂŒber kontaminierte Wassersysteme und die entstehenden Aerosole ĂŒbertragen, nicht durch zwischenmenschlichen Kontakt. Der Erreger der Legionellose ist ein Bakterium, KEIN Virus â eine antibiotische Behandlung ist daher grundsĂ€tzlich wirksam und notwendig, eine bloĂe symptomatische Behandlung mit Bettruhe, Atemgymnastik und Brustwickeln allein ist bei dieser potenziell schweren bakteriellen LungenentzĂŒndung NICHT ausreichend.
PflegebedĂŒrftige, Ă€ltere Menschen gelten als besondere Risikogruppe fĂŒr eine schwere Legionella-Pneumonie. Legionellen können auch als nosokomiale (krankenhauserworbene) Infektion auftreten, beispielsweise ĂŒber kontaminierte Wasserleitungen in Kliniken. FĂŒr den Heilpraktiker besteht bei Legionella-Pneumonie KEIN spezifisches Behandlungsverbot nach IfSG, dennoch ist aufgrund der potenziellen Schwere der Erkrankung eine Ă€rztliche Mitbehandlung dringend angezeigt.
Coxiella burnetii (Q-Fieber)
Eine wichtige Erregergruppe, bei der die Inhalation von erregerhaltigem Staub ein typischer Ăbertragungsweg ist, sind Coxiella burnetii (Erreger des Q-Fiebers) sowie Hantaviren. Coxiella burnetii kommt vor allem bei Nutztieren (Schafe, Ziegen, Rinder) vor und wird ĂŒber kontaminierten Staub von Geburtsprodukten, Kot oder Wolle eingeatmet. Hantaviren werden ĂŒber den Kontakt mit Exkrementen infizierter Nagetiere (MĂ€use, Ratten), insbesondere durch das Aufwirbeln getrockneten, kontaminierten Staubs (z. B. beim Reinigen von Schuppen, Kellern), ĂŒbertragen.
Eine nosokomiale Infektion ist eine Infektion, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer stationĂ€ren oder ambulanten medizinischen MaĂnahme steht, sofern die Infektion nicht bereits vorher bestand. Wichtig: Eine nosokomiale Infektion setzt KEINE multiresistenten Erreger voraus â auch eine Infektion mit einem ganz normalen, nicht resistenten Erreger gilt als nosokomial, solange der zeitliche und ursĂ€chliche Zusammenhang mit der medizinischen MaĂnahme besteht.
Nosokomiale Infektionen werden keineswegs nur in der Chirurgie beobachtet â sie betreffen praktisch alle medizinischen Fachbereiche und Versorgungsformen, auch ambulante Behandlungen. Zu den hĂ€ufigsten Formen nosokomialer Infektionen zĂ€hlen unter anderem Harnwegsinfektionen (z. B. durch Blasenkatheter begĂŒnstigt), Wundinfektionen, Atemwegsinfektionen (z. B. beatmungsassoziierte Pneumonien) und Blutbahninfektionen (z. B. durch GefĂ€Ăkatheter).
Harnwegsinfektionen ZĂHLEN sehr wohl zu den nosokomialen Infektionen â sie gehören sogar zu den allerhĂ€ufigsten Formen, insbesondere bei liegenden Blasenkathetern. Allgemeinzustand und Vorerkrankungen des Patienten sind wichtige begĂŒnstigende Faktoren fĂŒr die Entstehung einer nosokomialen Infektion, da ein geschwĂ€chter Patient anfĂ€lliger fĂŒr Infektionen ist.
Clostridium difficile
Clostridium difficile ist ein sporenbildendes Bakterium und einer der wichtigsten Erreger antibiotikaassoziierter Durchfallerkrankungen. Normalerweise wird das Wachstum von C. difficile durch die normale Darmflora unterdrĂŒckt â kommt es jedoch durch eine (meist lĂ€nger andauernde) Antibiotikatherapie zu einer Störung dieser schĂŒtzenden Darmflora, kann sich C. difficile ungehindert vermehren und toxinbildende StĂ€mme können eine schwere Kolitis (DarmentzĂŒndung) auslösen.
Eine 79-jĂ€hrige Patientin wurde mehrere Wochen im Krankenhaus behandelt und dabei ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum mit verschiedenen Antibiotika therapiert. Einen Tag nach der Entlassung wird der Heilpraktiker zu ihr nach Hause gerufen, weil sie mehrfach ĂŒbelriechenden, wĂ€ssrigen Stuhl abgesetzt hat. Dazu bestehen Schmerzen im Unterbauch und leichtes Fieber. Diese Konstellation â höheres Alter, lĂ€ngerer Krankenhausaufenthalt, vorausgegangene mehrwöchige Antibiotikatherapie, ĂŒbelriechender wĂ€ssriger Durchfall mit Bauchschmerzen â weist typischerweise auf eine Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhö hin.
Bei fieberhaften DurchfĂ€llen, die NACH Einnahme eines Breitbandantibiotikums auftreten (also potenziell auf eine Clostridium-difficile-Infektion hindeuten), sollte gerade NICHT dasselbe (auslösende) Antibiotikum noch lĂ€ngere Zeit weiter eingenommen werden â dies wĂŒrde die schĂ€digende Wirkung auf die Darmflora und damit das Problem nur verschlimmern! Stattdessen muss Ă€rztlich abgeklĂ€rt werden, ob das ursprĂŒngliche Antibiotikum abgesetzt und ggf. eine gezielte Therapie gegen Clostridium difficile selbst (mit speziell dafĂŒr geeigneten Antibiotika) eingeleitet werden muss.
Lebensmittelvergiftung durch Staphylococcus aureus
Bestimmte StĂ€mme von Staphylococcus aureus bilden hitzestabile Enterotoxine, die bereits vor dem Verzehr in falsch gelagerten, kontaminierten Lebensmitteln (z. B. Speisen mit Sahne, Mayonnaise, die nicht ausreichend gekĂŒhlt wurden) entstehen können. Wichtig: Hierbei handelt es sich meist nicht um eine eigentliche Infektion des Menschen mit Staphylococcus aureus, sondern um eine reine Intoxikation (Vergiftung) durch das bereits im Lebensmittel gebildete Toxin â der Mensch nimmt also das fertige Gift auf, nicht primĂ€r lebende Bakterien, die sich erst im Körper vermehren mĂŒssten.
Die von Staphylococcus aureus gebildeten Toxine sind besonders hitzestabil und werden durch ĂŒbliches Erhitzen (selbst 30-minĂŒtiges Kochen bei 100 °C) NICHT zuverlĂ€ssig zerstört â das Toxin bleibt also auch nach dem Erhitzen kontaminierter Speisen aktiv! Die Krankheitsdauer ist typischerweise kurz, meist nur etwa 1â2 Tage (NICHT etwa eine Woche), da es sich um eine reine Toxinwirkung und nicht um eine sich vermehrende Infektion handelt. Der Krankheitsbeginn ist sehr rasch (innerhalb weniger Stunden, ca. 2â6 Stunden nach Verzehr) â ein "schleichender" Beginn mit Fieber ist daher untypisch fĂŒr diese Form der Lebensmittelvergiftung. Eine Antibiotikatherapie ist hier NICHT indiziert, da es sich um eine Toxinwirkung handelt, gegen die Antibiotika nichts ausrichten können â die Behandlung erfolgt rein symptomatisch (FlĂŒssigkeitsersatz).
Antibiotikaresistenzen â Grundprinzip
Antibiotikaresistenzen entstehen durch genetische VerĂ€nderungen bei Bakterien, die ihnen ermöglichen, die Wirkung eines Antibiotikums zu ĂŒberstehen â sei es durch Abbau des Wirkstoffs, VerĂ€nderung der Zielstruktur, oder aktiven AuswĂ€rtstransport des Wirkstoffs aus der Zelle. Ein unsachgemĂ€Ăer oder zu hĂ€ufiger Einsatz von Antibiotika (z. B. bei viralen Infektionen, bei denen sie nicht wirken, oder eine zu frĂŒh abgebrochene Therapie) begĂŒnstigt die Entstehung und Ausbreitung resistenter Erreger erheblich.
Wichtige resistente Erreger neben MRSA (siehe Kapitel "Bakterien I") sind zum Beispiel multiresistente gramnegative Erreger (MRGN) sowie Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE). Allen gemeinsam ist, dass eine sorgfĂ€ltige Hygiene (insbesondere HĂ€ndedesinfektion), ein verantwortungsvoller Antibiotikaeinsatz und gezielte Isolations- bzw. HygienemaĂnahmen bei betroffenen Patienten entscheidend sind, um eine weitere Verbreitung in medizinischen Einrichtungen zu verhindern.
Kapitel 13
Lebensmittelinfektionen
Salmonellen, EHEC und HUS, Diarrhö-Differentialdiagnose
Salmonellen-Enteritis
Salmonellen (vom Enteritistyp) sind Bakterien, die hauptsĂ€chlich ĂŒber kontaminierte Lebensmittel tierischer Herkunft (rohe Eier, nicht durchgegartes GeflĂŒgel- und anderes Fleisch, rohe Milchprodukte) auf den Menschen ĂŒbertragen werden. Eine Ăbertragung von Mensch zu Mensch ist möglich, aber NICHT der typische, hĂ€ufigste Ăbertragungsweg â bei Salmonellen vom Enteritistyp steht die Aufnahme ĂŒber kontaminierte Lebensmittel eindeutig im Vordergrund.
Der Erkrankungsgipfel einer Salmonellenenteritis liegt eher in den WĂRMEREN Monaten (Sommer), nicht in den Wintermonaten â begĂŒnstigt durch unsachgemĂ€Ăe Lagerung von Lebensmitteln bei warmen Temperaturen
Nach einer Salmonellen-Enteritis besteht KEINE lebenslange ImmunitĂ€t â eine erneute Infektion ist durchaus wieder möglich
Manche Personen werden nach durchgemachter Infektion zu sogenannten Dauerausscheidern, die ĂŒber Wochen, Monate oder selten sogar Jahre Salmonellen ĂŒber den Stuhl ausscheiden, ohne selbst noch krank zu sein â dies stellt ein relevantes Problem fĂŒr die Lebensmittelhygiene dar, insbesondere wenn Betroffene im Lebensmittelbereich arbeiten
Als Folgekomplikation nach einer Salmonelleninfektion kann es zu einer reaktiven Arthritis (GelenkentzĂŒndung als immunologische Reaktion, NICHT als direkte Infektion des Gelenks) kommen
Die meisten (ĂŒber 70 %) der Durchfallerkrankungen im Kleinkindesalter werden NICHT durch Salmonellen, sondern ĂŒberwiegend durch Viren (vor allem Rotaviren und Noroviren) ausgelöst â eine wichtige Korrektur eines hĂ€ufigen Irrtums!
EHEC (EnterohÀmorrhagische Escherichia coli)
EHEC sind bestimmte, toxinbildende StĂ€mme des Bakteriums Escherichia coli. Sie produzieren ein gefĂ€hrliches Gift (Shiga-Toxin), das beim Menschen schwerwiegende, teils lebensbedrohliche KrankheitsverlĂ€ufe auslösen kann â insbesondere durch die mögliche Komplikation eines hĂ€molytisch-urĂ€mischen Syndroms (HUS, siehe unten).
Eine sehr GERINGE Keimzahl reicht bereits aus, um eine EHEC-Erkrankung auszulösen â anders als bei vielen anderen Erregern, bei denen eine gröĂere Erregermenge fĂŒr eine Infektion nötig wĂ€re. Dies erklĂ€rt die hohe AnsteckungsfĂ€higkeit auch bei kleinsten Mengen kontaminierter Lebensmittel oder bei direkter Schmierinfektion von Mensch zu Mensch
Die Inkubationszeit einer EHEC-Erkrankung betrĂ€gt normalerweise etwa 2 bis 10 Tage (im Mittel 3â4 Tage) â keinesfalls nur etwa 3 Stunden, das wĂ€re viel zu kurz fĂŒr diese Art der Infektion
Blutige DurchfĂ€lle sind ein typisches, GERADE NICHT untypisches Symptom einer EHEC-Erkrankung â sie sprechen FĂR und nicht gegen diese Diagnose
Eine EHEC-Infektion ist nach IfSG meldepflichtig bei Krankheitsverdacht (sofern entsprechender Hinweis besteht), Erkrankung und Tod â die Meldung erfolgt grundsĂ€tzlich namentlich (nicht anonym), gemÀà § 6 IfSG.
Ăbertragungswege fĂŒr EHEC-Erreger sind vielfĂ€ltig:
Tierkontakte (insbesondere Rinder als wichtiges Reservoir)Pflanzliche Lebensmittel (z. B. kontaminierte Sprossen, Salate)Rohes FleischRohe, nicht erhitzte MilchSchmierinfektion von Mensch zu Mensch (begĂŒnstigt durch die niedrige nötige Infektionsdosis!)
HÀmolytisch-urÀmisches Syndrom (HUS)
Das HUS ist eine gefĂŒrchtete, potenziell lebensbedrohliche Komplikation einer EHEC-Infektion, besonders bei Kindern. Es entsteht durch die toxinvermittelte SchĂ€digung kleiner BlutgefĂ€Ăe, vor allem in der Niere.
Thrombozytopenie (Mangel an BlutplĂ€ttchen, da diese im Rahmen der GefĂ€ĂschĂ€digung verbraucht werden)
HĂ€molytische AnĂ€mie (Zerstörung roter Blutkörperchen durch die GefĂ€ĂschĂ€den)
Akutes Nierenversagen mit verminderter Urinausscheidung (NICHT brennende Schmerzen beim Wasserlassen, das wÀre eher ein Hinweis auf eine klassische Harnwegsinfektion und kein HUS-Leitsymptom)
Die Trias des HUS â Thrombozytopenie + hĂ€molytische AnĂ€mie + akutes Nierenversagen â ist namensgebend (hĂ€molytisch-urĂ€misch). AusgeprĂ€gte periphere Ădeme und brennende Schmerzen beim Wasserlassen gehören NICHT zu den charakteristischen Leitsymptomen, ebensowenig eine hypochrome AnĂ€mie (die HUS-AnĂ€mie ist eine hĂ€molytische, keine durch Eisenmangel bedingte hypochrome AnĂ€mie).
Allgemeine Diarrhö-Differentialdiagnose
Bei der AbklĂ€rung einer Durchfallerkrankung sind einige Grundregeln entscheidend fĂŒr die richtige Einordnung:
Bei Tropenanamnese (vorausgegangener Reise in tropische/subtropische LĂ€nder) sollte differentialdiagnostisch immer auch an Lamblien (Giardia) und Amöben gedacht werden â typische "Reisediarrhö"-Erreger neben Bakterien und Viren
Bei einer Lebensmittelvergiftung durch oral aufgenommene Staphylokokkentoxine betrĂ€gt die Inkubationszeit nur wenige Stunden (ca. 2â6 Stunden) â siehe vorheriges Kapitel
Bei Reisediarrhöen sollten KEINE Antibiotika routinemĂ€Ăig und vorbeugend eingenommen werden â eine unkritische, unspezifische Antibiotikaeinnahme bei jeder Reisediarrhö ist nicht sinnvoll, fördert Resistenzentwicklungen und wird so nicht empfohlen. Eine gezielte Antibiotikatherapie kann in bestimmten klinischen Situationen (schwerer Verlauf, bestimmte Erreger) durchaus indiziert sein, jedoch nicht "regelmĂ€Ăig" und prophylaktisch
Bei fieberhaften DurchfĂ€llen nach Einnahme eines Breitbandantibiotikums sollte gerade NICHT dasselbe Antibiotikum weiter eingenommen werden (Gefahr einer Clostridium-difficile-Kolitis â siehe vorheriges Kapitel). Reisediarrhöen erfordern KEINE routinemĂ€Ăige Antibiotikaeinnahme. Bei Kleinkindern werden DurchfĂ€lle ĂŒberwiegend durch Viren, nicht durch Salmonellen verursacht.
Akute infektiöse Enteritis im Kindesalter
Eine akute infektiöse Enteritis (Magen-Darm-EntzĂŒndung) ist besonders im SĂ€uglings- und Kleinkindalter hĂ€ufig â das noch unreife Immunsystem und die geringeren FlĂŒssigkeitsreserven machen diese Altersgruppe anfĂ€lliger und gefĂ€hrdeter. Je dĂŒnner (untergewichtiger) ein erkranktes Kind ist, desto GRĂSSER ist sein Risiko, eine bedrohliche Dehydration (Austrocknung) zu entwickeln â schmĂ€chtige Kinder mit geringen FlĂŒssigkeitsreserven dekompensieren schneller.
Gegen Rotaviren â einen der hĂ€ufigsten Erreger einer akuten infektiösen Enteritis bei Kleinkindern â existiert sehr wohl eine wirksame Schluckimpfung, die von der STIKO als Standardimpfung im SĂ€uglingsalter empfohlen wird â die Aussage, es gĂ€be bislang keine Impfmöglichkeit, ist also falsch.
Eine ausfĂŒhrliche diagnostische Erregersuche (z. B. Stuhluntersuchung auf spezifische Erreger) ist bei erwachsenen Patienten in gutem Allgemeinzustand im Allgemeinen NICHT notwendig, da die meisten akuten Durchfallerkrankungen selbstlimitierend verlaufen und die Therapie unabhĂ€ngig vom genauen Erreger zunĂ€chst symptomatisch erfolgt. Die Therapie einer akuten infektiösen Enteritis beruht KEINESFALLS auf einer mehrtĂ€gigen Nahrungskarenz â heute wird vielmehr ein frĂŒhzeitiger Kostaufbau empfohlen, kombiniert mit ausreichendem FlĂŒssigkeits- und Elektrolytersatz, da eine lĂ€ngere Nahrungskarenz die Darmschleimhautregeneration eher verzögert.
Kapitel 14
ZeckenĂŒbertragene Erkrankungen
Lyme-Borreliose und FSME im direkten Vergleich
Lyme-Borreliose
Die Lyme-Borreliose ist die in Europa hĂ€ufigste durch Zecken ĂŒbertragene Erkrankung. Verursacher ist das Bakterium Borrelia burgdorferi (bzw. eng verwandte Borrelienarten), das durch den Stich infizierter Zecken (Gattung Ixodes, "Holzbock") ĂŒbertragen wird.
Die Lyme-Borreliose wird NICHT durch StechmĂŒcken oder Stechfliegen ĂŒbertragen, sondern ausschlieĂlich durch Zecken! Eine Ăbertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt.
Das Risiko einer Borrelieninfektion steigt mit der Saugdauer der Zecke â je lĂ€nger die Zecke unbemerkt blutsaugend an der Haut verbleibt, desto höher das Ăbertragungsrisiko, da die Borrelien erst nach einer gewissen Zeit (hĂ€ufig wird ein Zeitraum von mehreren Stunden bis zu einem Tag angegeben) aus dem Zeckendarm in den Speichel und damit in die Blutbahn des Wirts gelangen. Eine möglichst rasche und korrekte Entfernung einer gesehenen Zecke ist daher die wichtigste prĂ€ventive SofortmaĂnahme.
Stadien der Lyme-Borreliose
FrĂŒhstadium (Stadium I): Das klassische, namensgebende Zeichen ist das Erythema migrans (Wanderröte) â eine von der Stichstelle ausgehende, ringförmig wandernde Hautrötung mit zentraler Abblassung. Sie tritt typischerweise Tage bis wenige Wochen nach dem Stich auf, NICHT erst mehrere Monate spĂ€ter
Stadium II (disseminierte FrĂŒhmanifestation): mögliche neurologische Beteiligung (Neuroborreliose mit HirnnervenlĂ€hmungen, z. B. Fazialisparese), Gelenkbeschwerden, gelegentlich Herzbeteiligung
Eine 34-jĂ€hrige Patientin kommt mit einer vor 4 Tagen aufgetretenen Rötung oberhalb des rechten Sprunggelenkes. Die ringförmige Hautrötung habe sich in den letzten Tagen ausgedehnt, weitere Beschwerden bestĂŒnden nicht. Sie sei vor 2 Wochen aus einem Wanderurlaub in Ăsterreich zurĂŒckgekehrt. Bei der Untersuchung zeigt sich ein kreisrundes Erythem von ca. 6 cm Durchmesser mit zentraler Aufhellung. Die Reiseanamnese (Wanderurlaub, also potenzielle Zeckenexposition) gibt hier einen wichtigen Hinweis, und die Verdachtsdiagnose ist eine bakterielle Infektion â konkret eine Borreliose im FrĂŒhstadium mit Erythema migrans.
In der Labordiagnostik der Lyme-Borreliose steht der Nachweis spezifischer Antikörper im Serum (und bei Verdacht auf Neuroborreliose auch im Liquor) an erster Stelle. Wichtig: Im sehr frĂŒhen Stadium (insbesondere bei alleinigem, klassischem Erythema migrans) kann die Serologie noch negativ sein, da der Körper noch keine nachweisbaren Antikörper gebildet hat â die Diagnose eines Erythema migrans erfolgt daher primĂ€r KLINISCH, nicht laborgestĂŒtzt!
Die Therapie der Lyme-Borreliose mit Antibiotika ist vor allem bei frĂŒhen Erkrankungsformen wie der Wanderröte (Erythema migrans) GUT wirksam â eine frĂŒhzeitige antibiotische Behandlung kann das Fortschreiten in spĂ€tere, schwerer behandelbare Stadien meist zuverlĂ€ssig verhindern. Die Aussage, Borrelia burgdorferi lasse sich wegen Resistenzentwicklung nicht mehr antibiotisch behandeln, ist FALSCH â die antibiotische Therapie ist nach wie vor die Standardtherapie und in der Regel gut wirksam. Eine Glukokortikoid-Gabe ist KEINE sinnvolle Behandlung des Erythema migrans â Kortison wirkt hier weder kausal noch beschleunigt es die Heilung, es behandelt allenfalls Symptome, nicht die zugrundeliegende bakterielle Infektion.
Nach einer frĂŒher durchgemachten Borreliose-Infektion ist eine erneute Infektion durchaus wieder möglich â es entsteht KEINE dauerhafte, schĂŒtzende ImmunitĂ€t. Auch die Aussage, die Lyme-Borreliose gehe charakteristischerweise mit einem "Erythema nodosum" einher, ist falsch â das ist eine andere, eigenstĂ€ndige HautverĂ€nderung (entzĂŒndliche Knoten meist an den Unterschenkeln) und nicht das typische Erythema migrans der Borreliose.
Eine antibiotische Behandlung "auf Verdacht" nach jedem beliebigen Zeckenstich (ohne Anzeichen einer Infektion) wird NICHT generell empfohlen â eine prophylaktische dreiwöchige Antibiotikagabe nach jedem Zeckenbiss ist nicht der medizinische Standard. Vielmehr wird abgewartet und bei Auftreten typischer Symptome (insbesondere Erythema migrans) gezielt behandelt.
FrĂŒhsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
Die FSME wird durch das FSME-Virus verursacht â anders als die Borreliose handelt es sich also um eine VIRALE, keine bakterielle Erkrankung. Auch sie wird durch Zeckenstiche ĂŒbertragen, kommt aber, anders als die weit verbreitete Borreliose, nur regional begrenzt in bestimmten Endemiegebieten vor (in Deutschland vor allem in Teilen SĂŒddeutschlands sowie vereinzelten weiteren Regionen).
Auch in ausgewiesenen FSME-Endemiegebieten ist KEINESFALLS "fast jede" Zecke mit dem Virus infiziert â der Anteil infizierter Zecken liegt typischerweise nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich, auch in Risikogebieten. Das Risiko nach einem einzelnen Zeckenstich, tatsĂ€chlich an FSME zu erkranken, bleibt also vergleichsweise gering, auch wenn die Zecke aus einem Endemiegebiet stammt.
Der ĂŒberwiegende Anteil der FSME-Infektionen verlĂ€uft tatsĂ€chlich ohne (wesentliche) Symptome oder nur mit einer milden, grippeĂ€hnlichen Erkrankung, die spontan ausheilt â nur ein kleinerer Teil der Infizierten entwickelt die schwerere, namensgebende Verlaufsform mit Beteiligung des zentralen Nervensystems.
Klassischer zweiphasiger Verlauf der FSME
Erste Phase: grippeÀhnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, einige Tage nach dem Zeckenstich (entsprechend einer VirÀmie-Phase)
Symptomfreies Intervall von einigen Tagen
Zweite Phase: bei einem Teil der Patienten erneuter Fieberanstieg mit Zeichen einer Beteiligung des Nervensystems (Meningitis, Enzephalitis, ggf. auch Myelitis) â typische Symptome sind Nackensteifigkeit, lange anhaltende Kopfschmerzen, bei schwereren VerlĂ€ufen auch Bewusstseinsstörungen oder LĂ€hmungserscheinungen
Ein 60-jĂ€hriger Patient erkrankt zwei Wochen nach einem Zeckenstich. FĂŒr eine FSME sprechen: endemisches Vorkommen in bestimmten Landesteilen bzw. Landschaftsgebieten, Nackensteifigkeit, der zweiphasige Krankheitsverlauf sowie lange anhaltende Kopfschmerzen. Ein Erythema migrans hingegen spricht GEGEN eine FSME und FĂR eine Borreliose â diese beiden zeckenĂŒbertragenen Erkrankungen mĂŒssen klar unterschieden werden, da sie unterschiedliche Erreger, VerlĂ€ufe und Therapien haben!
Eine FSME wird durch Blutuntersuchungen (Antikörpernachweis) bestĂ€tigt, ergĂ€nzt durch Anamnese und klinisches Bild. Eine vorbeugende, mehrwöchige Antibiotikatherapie nach Zeckenstich ist zur Verhinderung einer FSME UNWIRKSAM â Antibiotika wirken gegen Bakterien, nicht gegen Viren! Die einzige wirksame VorbeugemaĂnahme gegen FSME ist die aktive Schutzimpfung, die in den betroffenen Risikogebieten von der STIKO empfohlen wird.
FSME-Ăbertragung kann sehr frĂŒh nach dem Zeckenstich erfolgen â bereits unmittelbar bzw. innerhalb kurzer Zeit nach dem Stich, da das Virus bereits im Speichel der Zecke vorhanden ist (anders als bei Borrelien, die erst im Zeckendarm "aktiviert" werden mĂŒssen). Die Aussage, eine Ăbertragung finde "erst etwa 8 Stunden nach dem Zeckenstich" statt, beschreibt eher das Ăbertragungsmuster der Borreliose und nicht das der FSME, bei der das Risiko von Beginn an besteht.
Ăbersicht: Borreliose vs. FSME im Vergleich
Lyme-Borreliose
Erreger: Bakterium (Borrelia burgdorferi)
Verbreitung: Ganz Deutschland (kein Endemiegebiet nötig)
Leitsymptom: Erythema migrans (Wanderröte)
Ăbertragungsrisiko: Steigt mit Saugdauer der Zecke
Therapie: Antibiotika, gut wirksam in FrĂŒhstadien
PrĂ€vention: KEINE Impfung verfĂŒgbar; rasche Zeckenentfernung wichtig
FSME
Erreger: Virus (FSME-Virus)
Verbreitung: Nur in Endemiegebieten (v.a. SĂŒddeutschland)
Die FSME-Impfung schĂŒtzt ausschlieĂlich gegen das FSME-Virus â sie bietet KEINEN Schutz vor einer Borreliose, da diese durch ein völlig anderes Erregerprinzip (Bakterium statt Virus) verursacht wird, gegen das es ĂŒberhaupt keine Impfung gibt. Diese Verwechslung ist eine besonders beliebte PrĂŒfungsfalle!
Kapitel 15
Hautinfektionen & Befall
Skabies, KopflÀuse, Impetigo contagiosa
Skabies (KrÀtze)
Skabies wird durch die KrĂ€tzmilbe (Sarcoptes scabiei) verursacht â ein Ektoparasit, KEINE bakterielle Hautinfektion! Die Milben sind winzig klein, nur etwa 0,3â0,5 mm lang (also fĂŒr das bloĂe Auge praktisch nicht sichtbar) â die manchmal kolportierte GröĂenangabe von 2â3 mm oder gar 3â5 mm ist deutlich zu groĂ angesetzt.
Die Ăbertragung erfolgt durch engen, lĂ€ngeren Körperkontakt (z. B. im Bett, beim Schlafen mit einer infizierten Person, intensiver Hautkontakt) â eine flĂŒchtige BerĂŒhrung reicht meist nicht aus. Eine Ăbertragung durch gemeinsam benutzte HandtĂŒcher ist möglich, aber NICHT der typische, hĂ€ufigste Ăbertragungsweg, der vielmehr im engen, lĂ€ngeren Hautkontakt liegt.
Starker, vor allem NACHTS zunehmender Juckreiz (durch die WĂ€rme im Bett werden die Milben aktiver)
Bei Erwachsenen sind die Finger- und ZehenzwischenrĂ€ume sowie Handgelenksbeugen, Achseln und der Genitalbereich hĂ€ufig betroffen â gerade NICHT selten, wie fĂ€lschlich behauptet werden könnte, sondern typische PrĂ€dilektionsstellen!
Gesicht und behaarter Kopf sind bei ERWACHSENEN typischerweise NICHT bevorzugt befallen â anders bei SĂ€uglingen und Kleinkindern, bei denen auch Kopf, Gesicht und FuĂsohlen mitbetroffen sein können
Klinisches Bild: ekzemĂ€hnliches Exanthem mit kleinen Knötchen (Papeln) und sichtbaren Kratzspuren durch den intensiven Juckreiz â keine Roseolen, keine kreisrunden Flecken mit silberweiĂen Schuppen (das wĂ€re z. B. typisch fĂŒr eine Schuppenflechte) und keine Quaddeln (das wĂ€re typisch fĂŒr eine Urtikaria)
Eine Superinfektion (zusÀtzliche bakterielle Infektion) der aufgekratzten Hautareale durch Eindringen von Bakterien ist durchaus möglich und nicht selten, da die Hautbarriere durch das Kratzen geschÀdigt wird.
Die Zeit zwischen Ansteckung und Auftreten der ersten Symptome (Inkubationszeit) betrĂ€gt bei der Erstinfektion typischerweise etwa 2â6 Wochen â NICHT etwa 3 Monate. Bei einer Reinfektion können Symptome aufgrund der bereits bestehenden Sensibilisierung des Immunsystems sogar innerhalb weniger Tage auftreten. Die Diagnose wird NICHT durch den Nachweis von "Nissen am Haarschaft" gesichert â das betrĂ€fe KopflĂ€use, nicht Skabies! Bei Skabies erfolgt die Diagnosesicherung u. a. durch den mikroskopischen Nachweis der Milben, ihrer Eier oder Kotballen aus charakteristischen HautgĂ€ngen.
Korrektur eines verbreiteten Irrtums: Skabies wird in § 34 Abs. 1 IfSG ausdrĂŒcklich als Erkrankung aufgefĂŒhrt, vor der Gemeinschaftseinrichtungen geschĂŒtzt werden mĂŒssen â und Krankheiten nach § 34 Abs. 1 IfSG fallen ĂŒber § 24 IfSG ebenfalls unter das Behandlungsverbot fĂŒr Nicht-Ărzte! FĂŒr Skabies besteht damit fĂŒr den Heilpraktiker sehr wohl ein Behandlungsverbot, auch wenn keine namentliche Meldepflicht nach § 6 IfSG besteht. Der Patient muss zur Ă€rztlichen Behandlung (spezifische antiparasitĂ€re Therapie, lokal oder systemisch) verwiesen werden; engmaschige Kontaktpersonen sollten in der Regel mitbehandelt werden, um Reinfektionen zu vermeiden.
Kopflausbefall (Pediculosis capitis)
KopflĂ€use (Pediculus humanus capitis) sind stationĂ€re Parasiten, die in der Regel permanent auf ihrem Wirt, dem Menschen, im Kopfhaar leben â sie verlassen den Wirt nur selten und nur fĂŒr sehr kurze Zeit, sind also keine Tiere, die "frei umherfliegen" oder gröĂere Distanzen ĂŒberwinden.
KopflĂ€use können sich NICHT selbststĂ€ndig gröĂere Wegstrecken ĂŒberwinden â sie sind flugunfĂ€hig und auf direkten Haar-zu-Haar-Kontakt oder kurze Strecken (z. B. ĂŒber gemeinsam benutzte KĂ€mme, MĂŒtzen, Kuscheltiere) zur Ăbertragung angewiesen. KopflĂ€use werden NICHT vor allem durch Haustiere ĂŒbertragen â der Mensch ist der einzige relevante Wirt der menschlichen Kopflaus, ein Tierkontakt spielt fĂŒr die Ăbertragung keine Rolle.
Ausgewachsene KopflĂ€use sind tatsĂ€chlich mit bloĂem Auge erkennbar â sie werden etwa 2â3,5 mm groĂ und können bei genauer Betrachtung im Haar gesichtet werden. KopflĂ€use nehmen mehrmals tĂ€glich Blut als Nahrung auf â sie sind auf regelmĂ€Ăige Blutmahlzeiten angewiesen, um zu ĂŒberleben.
Bevorzugt befallen werden Nacken, Hinterkopf und die Region hinter den Ohren â dort ist die Haut wĂ€rmer und besser zugĂ€nglich fĂŒr die Blutmahlzeit
Gelegentlich können auch andere behaarte Stellen des Oberkörpers (Bart, Augenbrauen, Achselhaar) betroffen sein, dies ist aber seltener
Die Ăbertragung erfolgt meist NICHT durch abgefallene Nissen (Eier), da diese fest an den Haarschaft angeklebt sind und sich nicht von selbst lösen â die Ăbertragung erfolgt vielmehr hauptsĂ€chlich durch direkten Haar-zu-Haar-Kontakt mit lebenden LĂ€usen
Der mit dem Stich (genauer: dem Saugakt) eingebrachte Speichel verursacht stark juckende Papeln â die allergische Reaktion auf den Speichel ist Ursache des typischen Juckreizes
Durch bakterielle Superinfektion (begĂŒnstigt durch Kratzen) kann das klinische Bild eines Ekzems entstehen, bevorzugt hinter den Ohren, am Hinterkopf und am Nacken
Es kann zu regionalen Lymphknotenschwellungen kommen, insbesondere bei einer solchen bakteriellen Superinfektion
Nissen (die Eier der Kopflaus) können bei genauer Betrachtung durchaus von Schuppen unterschieden werden â Nissen kleben fest am Haarschaft und lassen sich nicht einfach abstreifen (im Gegensatz zu losen Hautschuppen), zudem haben sie eine charakteristische ovale Form und feste Verankerung.
Bei Kopflausbefall besteht KEINE namentliche Meldepflicht nach § 6 IfSG (anders als bei vielen klassischen Infektionskrankheiten). Durch KopflĂ€use wird KEINE Hepatitis A ĂŒbertragen â KopflĂ€use sind reine Blutsauger der Kopfhaut und ĂŒbertragen keine Hepatitisviren. Allerdings besteht bei Kopflausbefall ein TĂ€tigkeits- bzw. Besuchsverbot in Gemeinschaftseinrichtungen (KindergĂ€rten, Schulen) im Sinne des § 34 IfSG, bis eine wirksame Behandlung durchgefĂŒhrt wurde.
Impetigo contagiosa (Borkenflechte)
Die Impetigo contagiosa ist eine hochansteckende, oberflÀchliche bakterielle Hautinfektion, verursacht meist durch Staphylococcus aureus und/oder Streptococcus pyogenes. Sie betrifft besonders hÀufig Kleinkinder.
Eine Mutter stellt ihr 2-jĂ€hriges Kind vor. Seit 3 Tagen hĂ€tten sich im Gesichtsbereich, ausgehend von einer wunden Stelle an der Nase, kleine gelbliche Krusten gebildet. Nun sei auch am Unterarm eine solche Kruste aufgefallen. Dieses Bild â kleine, leicht nĂ€ssende HautlĂ€sionen, die zu den typischen honiggelben, fest haftenden Krusten eintrocknen, mit Ausbreitung durch Selbstinokulation (Verschleppen durch Kratzen) â ist klassisch fĂŒr eine Impetigo contagiosa.
Ein zweites klassisches Beispiel: Ein dreijĂ€hriges MĂ€dchen zeigt im Bereich der Oberlippe BlĂ€schen, die platzen und unter Bildung honiggelber Krusten abheilen, begleitet von leichtem Fieber â auch dies entspricht dem typischen Bild einer Impetigo contagiosa (nicht zu verwechseln mit einer Herpes-simplex-Infektion, bei der die BlĂ€schen gruppiert auftreten, deutlich kleiner sind und meist nicht zu so ausgedehnten honiggelben Krusten fĂŒhren).
Charakteristisch fĂŒr die Impetigo contagiosa sind die typischen honiggelben (manchmal auch als "honigfarben" beschriebenen) Krusten, die durch eintrocknendes seröses/eitriges Sekret aus geplatzten BlĂ€schen oder Pusteln entstehen. Die Erkrankung ist hochansteckend und breitet sich durch Schmierinfektion (auch durch eigenes Kratzen) leicht auf andere Körperstellen oder andere Personen aus â strikte HygienemaĂnahmen sind daher wichtig.
Auch die Impetigo contagiosa ist in § 34 Abs. 1 IfSG als Erkrankung mit TĂ€tigkeits-/Besuchsverbot in Gemeinschaftseinrichtungen gelistet â ĂŒber § 24 IfSG besteht damit auch hier ein Behandlungsverbot fĂŒr den Heilpraktiker. Der Patient muss zur Ă€rztlichen (meist antibiotischen, lokal oder bei ausgedehntem Befall systemischen) Behandlung verwiesen werden.
Kapitel 16 · Wiederholung
Top 20 PrĂŒfungswissen
Die wichtigsten Merkpunkte kompakt zusammengefasst â zur schnellen Wiederholung kurz vor der PrĂŒfung
1Botulismus
Erreger: Clostridium botulinum (anaerobe Toxinbildung). Absteigende, schlaffe LĂ€hmung beginnend mit Augenmuskeln (Doppelbilder, weite Pupillen), Dysarthrie, Schluckstörung â Gefahr der AtemlĂ€hmung. KEIN Fieber, KEINE Bewusstseinsstörung als FrĂŒhsymptom. Meldung bereits bei Verdacht, sofort Klinik!
2Tetanus
Erreger: Clostridium tetani, Sporen im Erdreich, anaerob. SPASTISCHE (nicht schlaffe!) LĂ€hmungen, beginnend mit Kiefersperre. Keine Mensch-zu-Mensch-Ăbertragung. Bewusstsein bleibt erhalten. Impfung ab SĂ€uglingsalter, auch nach frischer Verletzung nicht kontraindiziert.
3Diphtherie
Erreger: Corynebacterium diphtheriae. Pseudomembranen im Rachen, Erstickungsgefahr, Myokarditis-Risiko (daher Bettruhe!). Behandlungsverbot + Meldepflicht bei Verdacht. Tröpfcheninfektion. Impfung als STIKO-Standard, Auffrischung alle 10 Jahre.
4Masern
Hochansteckend (>95% Erkrankungsrate bei Kontakt), Tröpfcheninfektion, Inkubationszeit ~14 Tage. Koplik-Flecken im Vorstadium, Exanthem von hinter den Ohren ausgehend. Komplikationen: Otitis media, Pneumonie, Enzephalitis (nicht immer folgenlos!), SSPE als SpÀtfolge. Meldepflicht + Behandlungsverbot.
A: fĂ€kal-oral, NIE chronisch, Impfung ja. B: Blut/sexuell, chronifiziert möglich, Impfung ja. C: ĂŒberwiegend Blut, hohe Chronifizierung, Impfung NEIN, aber heute heilbar! D: nur mit B zusammen. E: fĂ€kal-oral + rohes Fleisch (Zoonose), meist nicht chronisch.
9HIV
Ăbertragung: Sexualkontakt, Blut. Akutphase 1-6 Wochen nach Infektion: mononukleoseĂ€hnlich. Antikörpertest erst nach Wochen zuverlĂ€ssig (diagnostisches Fenster). PEP so frĂŒh wie möglich (binnen Stunden). Nicht-namentliche Meldepflicht. Behandlungsverbot.
10Infektiöse Mononukleose
Erreger: Epstein-Barr-Virus, Ăbertragung Speichel ("Kissing Disease"). Tonsillitis + LK-Schwellung + Splenomegalie + Leukozytose mit mononukleĂ€ren Zellen. Cave: Milzruptur-Risiko, kein Sport! Symptomatische Therapie, kein Aminopenicillin (Exanthem-Risiko).
11MRSA
Resistent gegen Methicillin/Beta-Lactame, NICHT gegen alle Antibiotika. Nicht nur im Krankenhaus (auch ambulant, tierassoziiert). Desinfektionsmittel wirken normal! Klinisch gesunde TrĂ€ger sind ansteckend. Wichtigste MaĂnahme: HĂ€ndedesinfektion.
12Tuberkulose
Erreger: Mycobacterium tuberculosis. Aerogene Ăbertragung, aber Ausbreitung im Körper auch hĂ€matogen/lymphogen/kanalikulĂ€r möglich â nicht nur Lunge! Symptome oft unspezifisch (subfebril, NachtschweiĂ, Gewichtsverlust, Husten >3 Wochen). Offene TB = Erregernachweis im Sputum = ansteckend. Behandlungsverbot + Meldepflicht.
13Borreliose vs. FSME
Borreliose (Bakterium): Erythema migrans, Risiko steigt mit Saugdauer, Antibiotika gut wirksam, KEINE Impfung. FSME (Virus): nur in Endemiegebieten, zweiphasiger Verlauf mit Meningoenzephalitis, KEINE spezifische Therapie, aber wirksame Impfung verfĂŒgbar. FSME-Impfung schĂŒtzt NICHT vor Borreliose!
14Malaria
Erreger: Plasmodien (Protozoen), Ăbertragung durch Anopheles-MĂŒcke (DĂ€mmerung/Nacht!). Inkubationszeit mind. 7 Tage, meist Wochen â Fieber am Ankunftstag spricht GEGEN Malaria tropica. Chemoprophylaxe schlieĂt Erkrankung NICHT aus. Diagnose: mikroskopischer Parasitennachweis. 90% der FĂ€lle innerhalb 1. Monat nach RĂŒckkehr.
Bakteriell (z.B. Meningokokken) oder viral möglich. Symptome: Fieber, Kopfschmerz, Nackensteifigkeit, bei SĂ€uglingen TrinkschwĂ€che/Schlaffheit. Petechien = Hinweis auf Sepsis = Notfall! Meningokokken: Tröpfcheninfektion, Impfung verfĂŒgbar, Behandlungsverbot + Meldepflicht.
18Keuchhusten (Pertussis)
Hohe KontagiositĂ€t (nicht gering!). Stakkatohusten mit inspiratorischem Stridor bei Ă€lteren Kindern. Bei SĂ€uglingen: kann atypisch/ohne Husten verlaufen â Apnoe-Risiko, plötzlicher Kindstod möglich! Impfung in Schwangerschaft empfohlen (Kokon-Strategie), kein lebenslanger Schutz. Behandlungsverbot.
19Skabies (KrÀtze)
Milbe (Ektoparasit), 0,3-0,5mm. Ăbertragung durch engen, lĂ€ngeren Körperkontakt. Juckreiz vor allem NACHTS. Bei Erwachsenen: Finger-/ZehenzwischenrĂ€ume betroffen, NICHT Gesicht/Kopf. Inkubationszeit 2-6 Wochen. Behandlungsverbot ĂŒber § 34 i.V.m. § 24 IfSG (keine namentliche Meldepflicht nach § 6).
20IfSG-Grundprinzip
§ 6 IfSG: Meldepflicht oft schon bei VERDACHT (z.B. Botulismus, Masern, Diphtherie, Polio) â nicht erst nach LaborbestĂ€tigung! § 24 IfSG: Behandlungsverbot fĂŒr HP gilt fĂŒr (1) alle § 6-Krankheiten, (2) alle § 34-Krankheiten (u.a. Skabies, Impetigo, Keuchhusten, Mumps, Scharlach, Windpocken), (3) § 7-Erregernachweise und (4) ALLE sexuell ĂŒbertragbaren Krankheiten â also auch Herpes genitalis, Chlamydien, genitale Candidose und Trichomoniasis, nicht nur die "klassischen" Geschlechtskrankheiten! Epidemie = zeitlich+rĂ€umlich begrenzt. Pandemie = zeitlich begrenzt, rĂ€umlich UNbegrenzt (mehrere LĂ€nder/Kontinente) â auch eine Pandemie endet irgendwann!
Diese Top-20-Liste ersetzt nicht das vollstĂ€ndige Durcharbeiten der vorherigen Kapitel â sie dient als letzte GedĂ€chtnisstĂŒtze kurz vor der PrĂŒfung. Wer die EselsbrĂŒcken und MerksĂ€tze aus den Einzelkapiteln verinnerlicht hat, sollte diese Zusammenfassung ohne Probleme abrufen können.