Kapitel 01 · Teil 1

Was bedeutet „Notfall“?

Ein Notfall ist zuallererst eine Ausnahmesituation – nicht nur für die betroffene Person, sondern auch für dich als Helfer. Bevor du irgendetwas tust, musst du erkennen: Liegt hier überhaupt ein Notfall vor?

Definition

Ein Notfall liegt vor, wenn bei einem Menschen eine oder mehrere lebenswichtige Funktionen (Vitalfunktionen) ausgefallen sind oder auszufallen drohen. Auslöser können Verletzungen mit Blutverlust, eine plötzliche Erkrankung (z. B. Schlaganfall, Herzinfarkt), eine Vergiftung oder die Verschlechterung einer bestehenden Krankheit sein.

Merke
Die entscheidende Leitfrage in jedem Notfall lautet: Woran wird der Patient sterben, wenn ich nicht innerhalb kürzester Zeit die lebenswichtigen Funktionen wiederherstelle? Diese Frage bestimmt, welche Maßnahme du zuerst ergreifst.

Die drei Vitalfunktionen und ihre Störungen

Notfallsymptome sind von außen sichtbar und auch für Laien erkennbar. Sie lassen sich drei Organsystemen zuordnen:

SystemMögliche StörungszeichenTypische Ursachen
Zentrales NervensystemBewusstlosigkeit, plötzliche Verwirrtheit, plötzliche Lähmung, KrampfanfallSchlaganfall, geplatztes Aneurysma, Hirnverletzung, Meningitis/Enzephalitis, Vergiftung, Stoffwechselentgleisung
Herz-Kreislauf-SystemBrustenge/-schmerz, Pulsveränderungen, abnorme Hautfarbe (weiß, grau, zyanotisch)Herzinfarkt, Herzrhythmusstörung, großer Blutverlust durch Fraktur oder innere Blutung
AtmungssystemSchwache/aussetzende Atmung, abnorme Atemgeräusche, starke AtemanstrengungVerlegte Atemwege (Fremdkörper, zurückgefallene Zunge), Insektenstich, Verletzung
HP-Grenze
Im Notfall gilt für dich als Heilpraktiker dasselbe wie für jeden Ersthelfer: Erste-Hilfe-Pflicht nach § 323c StGB. Die eigentliche notärztliche Versorgung ersetzt du nicht – deine Aufgabe ist es, die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken und Schaden abzuwenden.
Kapitel 02 · Teil 1

Vitalfunktionen prüfen

Bewusstsein, Atmung und Kreislauf werden in dieser Reihenfolge geprüft. Das Ergebnis entscheidet, ob eine Reanimation nötig ist.

1. Prüfung des Bewusstseins

Ein Mensch gilt als bewusstlos, wenn er nicht ansprechbar ist und auf keinen Reiz gezielt reagiert. Vorgehen:

  1. Laut ansprechen, ggf. mit Namen.
  2. Berühren – Wange streicheln, leicht schütteln.
  3. Leichten Schmerzreiz setzen (übliches Kneifen in den Arm).

Reagiert die Person auf keinen dieser Reize gezielt, gilt sie als bewusstlos – dann werden sofort Atmung und Kreislauf geprüft, weil eine Reanimation nötig sein kann.

2. Prüfung der Atmung

  1. Mundraum auf Fremdkörper/Erbrochenes inspizieren, ggf. entfernen.
  2. Patient in Rückenlage bringen, Kopf überstrecken (Esmarch-Handgriff) – dies hebt die Zunge an und macht die Atemwege frei. Bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung wird der Kopf nicht überstreckt, sondern der Hals nur vorsichtig gestreckt.
  3. Über dem Patienten den Atem an der eigenen Wange fühlen.
  4. Den Atem hören.
  5. Das Heben und Senken des Brustkorbs sehen.
Merke
Die Atemfunktion wird über Sehen, Hören, Fühlen geprüft. Nach Feststellung eines Atemausfalls beginnt man beim Erwachsenen heute – anders als früher gelehrt – sofort mit der Herzdruckmassage, nicht zuerst mit der Beatmung.

3. Prüfung des Kreislaufs

Für Laienhelfer entfällt die gezielte Pulskontrolle: Bei Atemstillstand ist meist auch keine Kreislauffunktion mehr vorhanden, und das sichere Tasten kostet ungeübt zu viel Zeit. Medizinisches Fachpersonal tastet zusätzlich den Karotispuls – immer nur einseitig, um die Hirndurchblutung nicht zu gefährden oder gefährliche Kreislaufreflexe auszulösen.

Als sichere Zeichen eines Kreislaufstillstands gelten:

  • Pulslosigkeit der großen Arterien (A. carotis communis oder A. femoralis)
  • Schnappatmung – tritt nach einem Herzstillstand nach ca. 20–30 Sekunden auf
  • Atemstillstand – tritt nach einem Kreislaufstillstand nach ca. 30–60 Sekunden auf
Atmung & Puls vorhanden
Notarzt verständigen, Vitalzeichen mind. alle 5 Minuten kontrollieren, Patienten beruhigen. Keine Reanimation.
Bewusstlos, Atmung vorhanden
Stabile Seitenlage bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.
Eselsbrücke
Schnappatmung → Herz steht still (20–30 s). Atemstillstand → Kreislauf steht still (30–60 s). Die Atmung „gibt zuerst auf“, wenn das Herz schon steht – deshalb kommt Schnappatmung zeitlich vor dem kompletten Atemstillstand.
Kapitel 03 · Teil 1

Die Notfallkette

Jede Notfallhilfe läuft nach demselben Schema ab – wie eine Kette aus fünf ineinandergreifenden Gliedern.

  1. Sofortmaßnahmen: Unfallstelle absichern, Rettung aus der Gefahrenzone (z. B. mit dem Rautek-Griff), Prüfung und Sicherung der Vitalfunktionen.
  2. Notruf: Über Handy, Telefonzelle, Notrufsäule, Taxi oder Linienbus absetzbar. Notrufnummern: Polizei 110, Rettungsdienst 112.
  3. Erste Hilfe: Reanimation, weitere Vitalzeichenkontrolle, Schockbekämpfung, Verletzungssuche, Blutstillung, Verbände/Ruhigstellung.
  4. Rettungsdienst: Übernimmt vor Ort die Versorgung und organisiert den Transport.
  5. Versorgung im Krankenhaus.
Merke – phone fast vs. phone first
Bei Erwachsenen gilt „phone first“: erst der Notruf, dann die Reanimation. Bei Kindern gilt „phone fast“: Wird ein Atemstillstand festgestellt, wird sofort mit der Reanimation begonnen; setzen die Vitalfunktionen nach einer Minute nicht ein, erfolgt erst dann der Notruf. Hintergrund: Kindliche Kreislaufstillstände sind meist hypoxisch bedingt (z. B. Verlegung der Atemwege) statt primär kardial – hier zählt die schnelle Sauerstoffversorgung mehr als bei Erwachsenen.

Gefahrenquellen erkennen

Bevor du handelst, prüfst du kurz die Situation auf Eigen- und Fremdgefährdung: vermeintlich gelöschte Brandherde, ungesicherte Stromkabel, Gase/Chemikalien, einsturzgefährdete Bereiche, oder ein noch anwesender Täter bei Gewalttaten.

Erstversorgung blutender Wunden

  • Wunden steril abdecken – keine Fremdkörper aus der Wunde entfernen.
  • Bei stark blutenden Extremitätenwunden einen Druckverband anlegen: sterile Wundauflage fixieren, darauf ein noch verpacktes Verbandpäckchen legen und mit der Binde fest, aber ohne die Extremität abzuschnüren, umwickeln.
  • Blutende Extremität hochlagern.
  • Nur bei lebensbedrohlicher arterieller Blutung (z. B. Amputation) wird richtig abgebunden – Uhrzeit des Abbindens unbedingt notieren.
Prüfungshinweis
Merke dir die drei Handgriffe aus diesem Kapitelblock: Rautek-Griff (Rettung aus Gefahrenzone), Esmarch-Handgriff (Kinn nach vorn schieben, Atemwege frei machen) und den umstrittenen, nicht mehr empfohlenen Heimlich-Handgriff (Fremdkörper aus den Atemwegen).
Kapitel 04 · Teil 1

Reanimation – die C-A-B-Regel

Seit den aktuellen Leitlinien gilt für die Wiederbelebung Erwachsener nicht mehr A-B-C, sondern C-A-B: Die Herzdruckmassage steht an erster Stelle – notfalls sogar als alleinige Maßnahme.

Merke
C – Chest compression (Herzdruckmassage) · A – Airway (Atemwege frei machen) · B – Breathing (Beatmung). Nicht jeder Bewusstlose muss reanimiert werden – erst eine fehlende Atmung macht die Reanimation erforderlich.
Prüfungshinweis – Warum „C vor A" trotzdem Sinn ergibt

C-A-B bedeutet nicht, dass man auf verlegten Atemwegen komprimiert und die Luftzufuhr ignoriert. Die Atemwege wurden bereits während der Atemkontrolle (Kapitel 02, Esmarch-Handgriff) kurz freigemacht – das ist Voraussetzung dafür, überhaupt festzustellen, dass keine Atmung vorliegt. C-A-B legt nur fest: Statt jetzt noch Zeit mit Beatmungsbeutel, exakter Kopflagerung und den ersten zwei Atemspenden zu verlieren, wird sofort mit Kompressionen begonnen – im Blut steckt meist noch für 1–2 Minuten Restsauerstoff, der so zirkuliert wird.

Diese Reihenfolge setzt einen primär kardialen Kreislaufstillstand voraus (z. B. Kammerflimmern), bei dem die Atemwege frei, aber das Herz steht. Bei einem primär hypoxischen/respiratorischen Stillstand – Ertrinken, Ersticken an einem Fremdkörper, Opiat-Überdosis – ist der Sauerstoffvorrat oft schon vor dem Herzstillstand aufgebraucht. Deshalb bekommt hier die Beatmung mehr Gewicht, und bei Kindern (meist hypoxischer Genese) sowie bei Ertrinkungsopfern werden frühzeitig Atemspenden empfohlen, nicht nur reine Kompressionen.

C – Herzdruckmassage

Der Druckpunkt liegt in der Mitte des Brustbeins. Ein Handballen wird dort aufgesetzt, der andere darüber, die Finger werden verschränkt, beide Ellenbogen bleiben durchgestreckt. Der Patient muss auf harter Unterlage liegen.

  • Drucktiefe: ca. 5–6 cm
  • Frequenz: 100–120 Kompressionen/Minute (Merkhilfe: Takt von „Stayin’ Alive“, ca. 103–107 bpm – liegt genau in diesem Zielbereich)
  • Der Brustkorb muss sich nach jeder Kompression vollständig entlasten, damit sich die Herzkammern wieder füllen können.
  • Verhältnis bei der Ein-Helfer-Methode: 30 Kompressionen : 2 Atemspenden, über 5 Zyklen, dann erneut kontrollieren.
Achtung
Vor jeder Beatmung müssen zuerst die Atemwege freigemacht werden! Bei einem primär kardialen Stillstand erfolgt die Beatmung immer erst nach der Herzdruckmassage. Bei Ertrinken oder Kindern gilt diese Reihenfolge nicht starr – siehe Prüfungshinweis oben.

A – Atemwege frei machen

Sichtbare Fremdkörper und Erbrochenes werden aus dem Mundraum entfernt. Der Heimlich-Handgriff zum Herausbringen von Fremdkörpern gilt heute als umstritten und wird nicht mehr empfohlen (Gefahr von Milz-/Leberriss), sollte als Begriff aber bekannt sein.

B – Beatmung

Unterschieden werden Mund-zu-Nase- und Mund-zu-Mund-Beatmung. Aus Infektionsschutzgründen wird eine Beatmung mit Maske und Beatmungsbeutel bevorzugt; bei direkter Mund-zu-Mund-Beatmung kann sicherheitshalber ein Beatmungstuch verwendet werden. Nach 30 Kompressionen erfolgen, wenn möglich, innerhalb einer Sekunde 2 Atemspenden.

Besonderheiten bei Kindern

AltersgruppeKompressionstechnikVerhältnis Kompression : Beatmung
Kleinkinder/SäuglingeZwei Finger oder beide Daumen bei umfasstem Brustkorb, Tiefe ca. 3 cm30:2 (Laien), 15:2 (professionelle Helfer)
Neugeborene–3:1

Wann wird die Reanimation beendet?

  • 30 Minuten erfolglose Reanimation bei weiterhin bestehendem Herz-Kreislauf-Stillstand (Ausnahme: Unterkühlung und Intoxikation – hier länger weiterführen!)
  • Länger als 15 Minuten dauernder Herztod im EKG
  • Zwischenzeitliches Auftreten sicherer Todeszeichen
Eselsbrücke
Bei Unterkühlung gilt: „Niemand ist tot, bevor er nicht warm und tot ist.“ Deshalb wird bei Unterkühlten deutlich länger reanimiert als üblich.

Sonderfall: präkordialer Faustschlag

Erlebst du als Ersthelfer einen einsetzenden Herzstillstand direkt mit, kann ein einziger fester Schlag aus ca. 30 cm Höhe auf die Mitte des Brustbeins versucht werden, das Herz wieder in Gang zu bringen.

Defibrillation

Bei Kammerflimmern muss sofort defibrilliert werden. Öffentlich zugängliche AED-Geräte (Automated External Defibrillator) dürfen von jedem Ersthelfer bedient werden – eine Elektrode wird parasternal rechts unterhalb des Schlüsselbeins angebracht, die zweite am äußeren Rand der Herzspitze. Das Gerät entscheidet selbst, ob und wie es einen Stromstoß abgibt.

Q1 · Welches Verhältnis von Herzdruckmassage zu Beatmung gilt für die Ein-Helfer-Reanimation Erwachsener?
Richtig ist 30:2. Nur bei Neugeborenen gilt 3:1, bei professioneller Kinderreanimation 15:2.
Kapitel 05 · Teil 1

Lagerungen im Notfall

Die richtige Lagerung entscheidet oft darüber, ob sich der Zustand eines Patienten stabilisiert oder verschlechtert. Grundsätzlich gilt: Nur ansprechbare, orientierte Patienten werden situationsgemäß gelagert – Bewusstlose mit erhaltener Eigenatmung kommen immer in die stabile Seitenlage.

SituationLagerungBegründung
Atemnot / kardiogener SchockErhöhter OberkörperErleichtert die Atmung, entlastet das Herz
BrustkorbverletzungSeitenlage auf die verletzte SeiteUnverletzte Lunge oben – ausreichender Gasaustausch
BauchverletzungRückenlage, KnierolleEntspannt die Bauchmuskulatur
WirbelsäulenverletzungGerade Rückenlage, Halsstütze, möglichst nicht bewegenVermeidung sekundärer Rückenmarksschäden
Hypovolämischer SchockBeine ca. 30° hochlagernErleichtert venösen Rückfluss zum Herzen
Bewusstlosigkeit mit EigenatmungStabile SeitenlageSchutz vor Aspiration/Ersticken

Die stabile Seitenlage – Schritt für Schritt

Da bei Bewusstseinsstörung der Würgereflex reduziert ist, die Muskulatur erschlafft und die Zunge zurückfallen kann, schützt die stabile Seitenlage vor dem Ersticken an Erbrochenem oder der eigenen Zunge.

  1. Seitlich neben den Betroffenen knien, dessen Beine strecken.
  2. Nahen Arm angewinkelt nach oben legen (Handinnenfläche nach oben), fernen Arm am Handgelenk greifen.
  3. Fernen Arm vor der Brust kreuzen, Handrücken an die Wange des Betroffenen legen und dort festhalten.
  4. Am fernen Oberschenkel greifen, das Bein beugen und den Betroffenen zu sich herüberziehen.
  5. Oben liegendes Bein im rechten Winkel zur Hüfte ausrichten, Kopf nach hinten neigen (freie Atemwege), Mund leicht öffnen.
  6. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes Atmung und Bewusstsein wiederholt kontrollieren.
Prüfungshinweis
Bei Schockpatienten wird die stabile Seitenlage in Kopftieflage durchgeführt – Ausnahme: kardiogener Schock (Oberkörper hoch) und Blutungen am Kopf/oberen Magen-Darm-Trakt (keine Kopftieflage).

Sonderfall: Vena-cava-Kompressionssyndrom in der Schwangerschaft

Liegt eine hochschwangere Frau auf dem Rücken, kann die schwere Gebärmutter die untere Hohlvene (V. cava inferior) komprimieren. Der venöse Rückstrom zum Herzen sinkt, die Mutter wird kreislaufinstabil, häufig kommt es begleitend zu einer Tachykardie des Fetus.

Merke
Die Schwangere wird bei Verdacht auf Vena-cava-Kompressionssyndrom sofort auf die linke Körperseite gelagert. Das entlastet die Hohlvene, die rechts der Wirbelsäule verläuft, und verbessert den venösen Rückfluss zum Herzen umgehend.
Q2 · Wie wird ein Patient mit Verdacht auf Bauchverletzung idealerweise gelagert?
Die Knierolle in Rückenlage entspannt die Bauchdecke und lindert den Schmerz.
Kapitel 06 · Teil 2

Schock – Grundlagen

Ein Schock ist ein lebensbedrohliches Kreislaufversagen: Die Durchblutung der Kapillaren bricht zusammen, alle lebenswichtigen Organe geraten in akuten Sauerstoffmangel.

Hauptsymptome

  • Tachykardie, zunächst schneller, dann zunehmend schwächerer Puls
  • Hypotonie
  • Fahle, blasse Gesichtsfarbe (Ausnahme: septischer Schock)
  • Kalte, feuchte Haut (Ausnahme: septischer Schock)
  • Großes Durstgefühl
  • Oligurie – vermindertes zirkulierendes Volumen und Blutdruck reichen nicht mehr für ausreichende Urinausscheidung
  • Apathie bis Bewusstlosigkeit

Der Schockindex

Der Schockindex ist der Quotient aus Pulsfrequenz und systolischem Blutdruck. Ein Wert > 1 spricht für einen Schock.

Beispiel
Puls 100/min, Blutdruck 80/60 mmHg → 100 : 80 = 1,25 → Schockindex erhöht, Schock wahrscheinlich.

Versorgung von Schockpatienten – die Grundregeln

  • Patienten beruhigen und warm zudecken
  • Bewusstlose mit Eigenatmung in stabile Seitenlage (bei Schock: Kopftieflage)
  • Mindestens einen großlumigen venösen Zugang legen, solange die Venen noch nicht kollabiert sind
  • Sauerstoffgabe, wenn verfügbar
  • Großzügige Volumensubstitution: ca. 1000–1500 ml 0,9%ige NaCl-Lösung über mehrere Zugänge mit höchstmöglicher Tropfgeschwindigkeit
Ausnahmen
Keine Volumensubstitution beim kardiogenen Schock (das ohnehin überlastete Herz würde zusätzlich belastet)! Keine Sauerstoffgabe bei bekannten chronisch-obstruktiven Lungenpatienten – deren Atemantrieb hängt vom Sauerstoffmangel ab, eine Sauerstoffgabe kann einen Atemstillstand auslösen.
Q3 · Warum darf beim kardiogenen Schock kein Volumen gegeben werden?
Ein Herz, das schon nicht ausreichend pumpt, würde durch zusätzliches Volumen noch weiter überlastet.
Kapitel 07 · Teil 2

Schockformen im Detail

Sechs Schockformen solltest du sicher unterscheiden können – jeweils mit typischen Leitsymptomen, Ursachen und der passenden Erstmaßnahme.

SchockformLeitsymptomeUrsachen
HypovolämischStarker Durst, kollabierte HalsvenenBlut-, Plasma-, Wasserverlust
KardiogenLuftnot, Lungengeräusche („Brodeln“), HalsvenenstauungHerzinfarkt, Herzinsuffizienz, Lungenembolie, Kammerflimmern
SeptischFieber, Schüttelfrost, Gerinnungsstörung, warme, trockene HautSchwere bakterielle Infektion, Abwehrschwäche
AnaphylaktischAtemnot, Urtikaria, Quincke-Ödem, Übelkeit/Erbrechen, Unterleibskrämpfe, KaltschweißigkeitInsektengift, Medikamenten-/Nahrungsmittelallergie
HypoglykämischUnruhe, Heißhunger, Zittern, feuchte Haut, Bewusstseinsstörung/Koma, KrampfanfälleAkuter Zuckermangel im Gehirn
NeurogenBewusstseinstrübung, Lähmungen, SensibilitätsstörungenSchlaganfall, Rückenmarksverletzung, Krampfanfall

Lagerung und Volumengabe je Schockform

SchockformLagerungVolumengabe
HypovolämischSchocklage (Kopftief) – nicht bei Kopf-/oberen GI-BlutungenJa
KardiogenOberkörper hochNein
SeptischSchocklageJa
AnaphylaktischSchocklage, Allergen wenn möglich entfernenJa
HypoglykämischSchocklage; bei Bewusstsein zuckerhaltiges Getränk, bei Bewusstlosigkeit verdünnte Glukoselösung i.v.Ja
NeurogenSchocklage und stabile Seitenlage bei BewusstlosigkeitJa
Eselsbrücke
Nur beim „K“ – kardiogen – gibt’s kein Volumen. Alle anderen fünf Schockformen bekommen Volumenersatz.
Merke – warme Haut ist der Ausreißer
Bei fünf der sechs Schockformen ist die Haut kalt und blass. Nur der septische Schock zeigt in der Frühphase warme, trockene, oft gerötete Haut – bedingt durch die Weitstellung der Gefäße im Rahmen der Entzündungsreaktion.
Kapitel 08 · Teil 2

Bewusstsein & akute Neurologie

Bewusstseinsstörungen sind Störungen der Gehirnfunktion und werden als Erstmaßnahme wie ein Schock behandelt.

Die vier Stufen der Bewusstseinsstörung

StufeBeschreibung
BenommenheitKlares Denken/Handeln, nur verlangsamt; Person, Ort, Zeit werden korrekt genannt
SomnolenzAbnorme Schläfrigkeit, fällt immer wieder in Schlaf, Antworten stark verlangsamt
Sopor„Tiefer Schlaf“, nur durch starke Schmerzreize weckbar, nicht mehr voll erweckbar
KomaDurch keinerlei Reize weckbar – schwerste Form. Nur bei 50 % liegt die Ursache im ZNS selbst; sonst Stoffwechsel (Diabetes, Nieren-/Schilddrüsenversagen), Vergiftung, Sepsis, Schock

Schlaganfall (Apoplex)

Symptome: Halbseitenlähmung, Sensibilitätsstörungen, Sprachstörungen, Hirnnervenausfälle.

Maßnahmen: Stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit, Notarzt, wenn möglich venöser Zugang.

Prüfungshinweis – FAST-Test
Face (Gesicht hängt herab?), Arms (ein Arm sinkt ab?), Speech (Sprache verwaschen?), Time (sofort Notruf 112 absetzen!). Bei Verdacht auf Schlaganfall werden die Vitalfunktionen kontrolliert und unverzüglich der Rettungsdienst gerufen – kein Trinken oder Bewegen des Patienten „auf eigene Faust“.

Hirnorganischer Krampfanfall (Epilepsie)

Symptome: Plötzliches Hinfallen, Zuckungen/Verkrampfungen, Bewusstlosigkeit, manchmal vorübergehende Zyanose.

  • Gegenstände in der Umgebung schnell entfernen
  • Kopf weich lagern
  • Arme/Beine nicht festhalten
  • Keinen Beißkeil zwischen die Zähne schieben (eigene Verletzungsgefahr, Verlegung der Atemwege)
  • Nach dem Anfall: stabile Seitenlage

Weitere neurologische Notfälle

BildSymptomeMaßnahmen
BandscheibenvorfallAkute, ausstrahlende Schmerzen im Lendenbereich, ggf. Lähmung/SensibilitätsstörungStufenbettlagerung (90°/90°); bei Blasen-/Mastdarmstörung sofort Klinik
QuerschnittslähmungKeine Bewegung/Sensibilität unterhalb der Verletzung, evtl. AtemlähmungNicht bewegen! Liegen lassen wie vorgefunden, vorsichtig Atemwege sichern, Notarzt
Intrakranielle BlutungVernichtungskopfschmerz (v. a. Subarachnoidalblutung), Pupillenstörung, Erbrechen, KrämpfeOberkörper 30° hoch, Reanimationsbereitschaft, Notarzt, i.v. Zugang
Q4 · Was ist bei einem Krampfanfall die richtige Erstmaßnahme?
Weder Festhalten noch ein Beißkeil sind erlaubt – beides erhöht das Verletzungsrisiko.
Kapitel 09 · Teil 2

Akute Brustschmerzen & Atemnot

Brustschmerz und Atemnot können harmlos sein – oder Vorboten eines tödlichen Verlaufs. Diese Bilder solltest du sicher unterscheiden können.

Lungenembolie

Symptome: Plötzliche Atemnot mit blutigem Husten und Zyanose, atemabhängiger Brustschmerz, gestaute Halsvenen, schneller unregelmäßiger Puls, evtl. Thrombosezeichen am Bein (nach langem Sitzen, z. B. Flugreise).

Maßnahmen: Oberkörper hoch, Notarzt, Reanimationsbereitschaft, i.v. Zugang, wenn möglich Sauerstoff (6 l/min).

Asthma bronchiale / Status asthmaticus

Symptome: Erschwerte, verlängerte Ausatmung, Erstickungsangst, überblähter Brustkorb mit hochgezogenen Schultern, Giemen, verminderte Ansprechbarkeit.

Maßnahmen: Sofort Notarzt, sitzende Haltung mit Abstützmöglichkeit, beruhigen, Sauerstoff (2–4 l/min), i.v. Zugang.

Fremdkörperaspiration

Symptome: Stridor, Husten, Atemnot, Zyanose, ggf. Atemstillstand.

Maßnahmen: Manuelle Ausräumung versuchen, mehrere Schläge zwischen die Schulterblätter, bei Atemnot Notarzt; der Heimlich-Handgriff ist nur ausgebildeten Personen und nur bei akuter Erstickungsgefahr vorbehalten.

Psychogen bedingte Hyperventilation

Bei Stress atmet die Person reflektorisch extrem schnell, wodurch CO₂ „abgeatmet“ wird – es entsteht ein CO₂-Mangel mit Kribbeln der Lippen bis zur Pfötchenstellung der Hände.

Maßnahmen: Beruhigen, CO₂-Rückatmung in eine Tüte vor Mund und Nase; Notarzt nur bei Erfolglosigkeit.

Akute Epiglottitis

Kehldeckelentzündung, betrifft meist Kinder von 3–5 Jahren. Inspiratorischer Stridor, Schluckbeschwerden, Speichelfluss, hohes Fieber, kloßige Sprache.

Achtung
Bei Verdacht auf Epiglottitis keinesfalls eine Racheninspektion durchführen – die Reizung kann einen akuten Verschluss der Atemwege auslösen!

Aortenaneurysmaruptur

Akut einsetzender, stechender Brust-/Schulterschmerz, rasch einsetzende Schocksymptome, ggf. peripher fehlende Pulse. Notarzt, venöse Zugänge, Schockmaßnahmen.

Merke – Angina pectoris & Herzinfarkt
Diese beiden Bilder werden wie ein kardiogener Schock behandelt: Oberkörper hoch lagern, Notarzt, keine Volumengabe, wenn möglich Sauerstoff.
Q5 · Was ist bei Verdacht auf akute Epiglottitis bei einem Kind unbedingt zu unterlassen?
Eine Racheninspektion kann bei Epiglottitis einen lebensgefährlichen Atemwegsverschluss auslösen.
Kapitel 10 · Teil 2

Akutes Abdomen

Akute Bauchschmerzen können viele Ursachen haben – innerhalb und außerhalb des Bauchraums. Eine gemeinsame Grundregel: Patienten nichts essen oder trinken lassen.

Akute Bauchschmerzen gehen oft einher mit schlechtem Allgemeinzustand, bretthartem Abdomen, Abwehrspannung sowie Stuhl- und Windverhaltung.

BildLeitsymptome
Perforiertes Magen-/DuodenalgeschwürBluterbrechen, Teerstuhl, brettharter Bauch, Schockzeichen
Akute PankreatitisGürtelförmiger Oberbauchschmerz in den Rücken ausstrahlend, Fieber, Ikterus, Erbrechen
Leber-/MilzrissDruckschmerz im jeweiligen Oberbauch, Schockzeichen; Milzriss oft mit Schmerzausstrahlung in die linke Schulter
PeritonitisBretthartes Abdomen, später paralytischer Ileus, Erbrechen, Schockzeichen
Ileus (Darmverschluss)Wind-/Stuhlverhalt; paralytisch: keine Darmgeräusche („Totenstille“); mechanisch: verstärkte, metallische Darmgeräusche, krampfartige Schmerzen
MesenterialinfarktErst heftiger Schmerz, dann schmerzfreies Intervall, dann diffuser Schmerz, Schockzeichen (hohe Sterblichkeit)
AppendizitisSchmerzbeginn periumbilikal, Wanderung in den rechten Unterbauch, Loslassschmerz, lokale Abwehrspannung
Eselsbrücke – Ileus
Paralytisch = Pause (Totenstille, keine Geräusche) · Mechanisch = Metallisch (verstärkte, klingende Darmgeräusche).
HP-Grenze
Ein akutes Abdomen mit Verdacht auf Appendizitis, Perforation, Ileus oder Mesenterialinfarkt gehört sofort ins Krankenhaus – bei Schockzeichen zusätzlich den Notarzt rufen. Dies ist keine Situation für konservatives, abwartendes Vorgehen in der Praxis.
Q6 · Woran erkennt man einen paralytischen Ileus am ehesten?
Der paralytische Ileus zeigt eine „Totenstille“ des Darms; der mechanische Ileus dagegen verstärkte, metallische Geräusche.
Kapitel 11 · Teil 2

Unfälle & Verletzungen

Von der Augenverletzung bis zum Polytrauma – hier findest du die wichtigsten Erstmaßnahmen für konkrete Verletzungsbilder im Überblick.

Augenverletzung

  • Keine Salben ins Auge
  • Bei Fremdkörper oder Verätzung: mit 0,9%iger NaCl-Lösung mindestens 20 Minuten spülen
  • Bei Verätzung: von nasal nach lateral spülen. Bei Fremdkörpern: von lateral nach nasal wischen und spülen
  • Oberkörper hoch lagern, Auge locker mit sterilem Verband abdecken

Tierbisse

Mit Seifenlauge auswaschen (Tollwutprophylaxe). Trotz kleiner äußerer Wunde können Bisse (z. B. Katzenzähne) sehr tief eindringen und Keime tief einschleppen – deshalb Hausarzt/Chirurg aufsuchen lassen.

Insektenstiche im Mund-/Rachenbereich

Besonders gefährlich wegen möglicher Schwellung der Atemwege. Bei allergischer Reaktion sofort Notarzt und Schockmaßnahmen. Sonst: Oberkörper hoch, i.v. Zugang, äußerlich kühlen, vorhandenes Anaphylaxie-Set nutzen, Sauerstoff wenn verfügbar.

Frakturen & Luxationen

  • Notarzt benachrichtigen, großlumigen i.v. Zugang
  • Keine Einrenkungsversuche
  • Verletzten möglichst nicht bewegen, betroffene Region ruhigstellen
  • Bequeme Lagerung, bei großen/multiplen Frakturen Schocktherapie

Schädelbasisbruch

Symptome: Ein- oder beidseitiger Bluterguss um die Augen (Brillenhämatom), Blut/Liquor aus Nase oder Ohr, Schwindel, Hirnnervenlähmung.

Lagerung: Kopf hoch, wenn Patient bei Bewusstsein; bei Flüssigkeitsaustritt Kopf zur betroffenen Seite neigen; stabile Seitenlage beim Bewusstlosen.

Stumpfes Bauchtrauma & Polytrauma

Häufig durch Verkehrsunfälle. Innere Organverletzungen (Milz-/Leberriss, Mesenterialgefäß) können unbemerkt zu massivem Blutverlust führen. Oberkörper leicht erhöht lagern, bei Polytrauma zusätzlich Kopf in Mittelstellung bringen und schnellstmöglich den Notarzt rufen.

Amputate

Nicht zu kleine, komplett abgetrennte Körperteile können oft replantiert werden. Das Amputat wird in ein steriles Tuch gewickelt, in eine wasserdichte Tüte gelegt und diese wiederum in eine mit Eiswasser/Eiswürfeln gefüllte Tüte gehängt – nie direkter Kontakt mit Eis.

Merke
Ein Brillenhämatom ist ein wichtiges Zeichen für einen Schädelbasisbruch – nicht mit einer harmlosen Prellung verwechseln!
Q7 · Wie wird ein amputiertes Körperteil korrekt transportiert?
Direkter Eiskontakt würde das Gewebe schädigen – deshalb die Doppelverpackung mit Eiswasser.
Kapitel 12 · Teil 2

Vergiftungen

Gifte gelangen über drei Wege in den Körper: Verschlucken, Atemwege oder Haut. Am Ende erreichen sie stets die Blutbahn und schädigen den gesamten Organismus.

AuslöserTypische Symptome
AlkoholAlkoholgeruch, motorische/kognitive Störungen, Bewusstseinstrübung, Wärmeverlust durch Gefäßweitstellung
BenzodiazepineBenommenheit, erschlaffte Muskulatur, ataktischer Gang, Atemdepression, Blutdruckabfall
Opiate (Morphium, Heroin)Miosis (enge Pupillen), Hypotonie, Atemdepression, Koma
KokainErregung, Hypertonie, Tachykardie, Mydriasis (weite Pupillen), Krampfanfälle
AmphetaminePsychose, Halluzinationen, Hypertonie, Tachyarrhythmie, Tachypnoe, Mydriasis
KohlenmonoxidKopfschmerz, Atemnot, Schwindel, rosige Haut, Bewusstlosigkeit, Herzversagen
InsektizideMagen-Darm-Krämpfe, Muskellähmung, Krampfanfälle, Miosis, Atemlähmung
Eselsbrücke – Pupillen bei Drogen
„Opiate machen ohnmächtig eng“ (Miosis) – „Kokain macht munter und weit“ (Mydriasis). Enge Pupillen + Atemdepression → an Opiate denken.

Pilzvergiftung (Knollenblätterpilz) – die tückische Zeitachse

Die drei Phasen erklären, warum diese Vergiftung so gefährlich ist:

  1. 0–8/12 h: Zunächst keine Symptome – der Betroffene fühlt sich gesund.
  2. 8–12 h: Massive kolikartige Krämpfe, Übelkeit, wässrige Durchfälle, drohender Volumenmangelschock.
  3. 12–24 h: Symptomfreies Intervall – trügerische „Scheinbesserung“.
  4. 2–4 Tage: Leberzerfall mit Anstieg der Leberenzyme, Gerinnungsstörung, hepatischer Enzephalopathie, Nierenversagen – das eigentlich lebensgefährliche Stadium.
HP-Grenze
Wird die Pilzvergiftung wegen des symptomfreien mittleren Intervalls nicht erkannt, drohen irreversible Organschäden. Bei jedem Verdacht auf Pilzvergiftung: sofort Klinikeinweisung, unabhängig vom aktuellen Wohlbefinden des Patienten.

Allgemeine Vergiftungszeichen & Stadien

Neben den spezifischen Symptomen weisen zentrale, psychische und gastrointestinale Störungen sowie Atem-/Kreislaufstörungen auf eine Vergiftung hin. Der Schweregrad wird in vier Stadien eingeteilt:

  • I: Schläfrig, aber ansprechbar
  • II: Nicht ansprechbar, reagiert auf leichte Schmerzreize
  • III: Nicht ansprechbar, reagiert nur noch gering auf starke Schmerzreize
  • IV: Vollkommen reaktionslos, ohne Reflexe

Erstmaßnahmen bei Vergiftungen

  • Kein Erbrechen auslösen – unbekannt, ob ätzende Substanzen geschluckt wurden
  • Erbrochenes, Giftreste, Medikamentenverpackungen, Urin für die Labordiagnostik aufbewahren
  • Patienten warm halten
Q8 · Welche Pupillenveränderung ist typisch für eine Opiatvergiftung?
Opiate verengen die Pupillen (Miosis), im Gegensatz zu Kokain/Amphetaminen, die sie weiten (Mydriasis).
Kapitel 13 · Teil 2

Verätzungen

Verätzungen entstehen durch Laugen (hoher pH-Wert) oder Säuren (niedriger pH-Wert) und betreffen Haut, Schleimhäute oder Augen.

Erstmaßnahmen

  • Zum Eigenschutz Gummihandschuhe und möglichst Schutzbrille tragen
  • Bei innerer Verätzung: ca. 200 ml Wasser oder Tee zur Verdünnung trinken lassen
  • Bei äußerer Verätzung: benässte Kleidung entfernen, Haut ausgiebig mit fließendem Wasser spülen (ohne Wasser: trocken abtupfen)
Achtung
Kein Erbrechen auslösen! Dies würde die Verätzung von Speiseröhre und Mund beim erneuten Passieren nur verschlimmern.

Verätzungen des Auges

Mindestens 20 Minuten spülen, das Auge dabei offen halten. Der Kopf wird zur Seite des verletzten Auges geneigt, die Spülflüssigkeit läuft aus ca. 10 cm Höhe in den inneren Augenwinkel und über den Augapfel nach außen ab – so bleibt das gesunde Auge unbeeinträchtigt (dieses trotzdem zum Schutz abdecken). Danach beide Augen mit sterilem Tuch verbinden.

Kapitel 14 · Teil 2

Verbrennungen

Wie gefährlich eine Verbrennung ist, hängt von zwei Faktoren ab: der verbrannten Körperfläche und der Verbrennungstiefe. Verbrennungen sehen anfangs oft harmloser aus, als sie tatsächlich sind – die Gewebsschädigung entwickelt sich erst im Verlauf.

Die Neunerregel – verbrannte Körperfläche einschätzen

Beim Erwachsenen sind die Körperflächen jeweils durch neun teilbar. Faustregel: die Handfläche eines Menschen entspricht etwa 1 % seiner Körperoberfläche.

KörperteilErwachsener
Kopf9 %
Rumpf vorn18 %
Rumpf hinten18 %
Je Arm9 %
Je Bein18 %
Genitalregion1 %

Verbrennungsgrade

GradBefundSchmerz
1. GradesRötung wie Sonnenbrand, keine Blasen, keine NarbenbildungJa
2. GradesBrandblasen, feuchter Untergrund, evtl. NarbenbildungStarke Schmerzen
3. GradesKomplette Zerstörung aller Hautschichten inkl. Nerven, Verkohlung, starke NarbenbildungKeine – Schmerzrezeptoren zerstört
4. GradesZusätzlich Knochen, Sehnen, Muskulatur betroffenKeine
Eselsbrücke
Beim Verbrennungsgrad 3 fehlt der Schmerz nicht, weil die Verletzung harmlos wäre – im Gegenteil: keine Nerven mehr da, die schmerzen könnten. Das täuscht über den Schweregrad hinweg!

Erstmaßnahmen

  1. Rettung aus der Gefahrenzone – Brandlöschung der Person/Kleidung (mit Wasser überschütten, Flammen mit Decke ersticken oder Verletzten auf dem Boden wälzen)
  2. Notarzt rufen
  3. Verbrennung maximal 10 Minuten kühlen – nur bei Flächen unter 30 %, sonst droht ein zu großer Wärmeverlust
  4. Brandwunden keimfrei abdecken oder frei lassen
  5. Keine Salben auftragen, keine eingebrannten Materialien entfernen
Klinikeinweisung – Merkzahlen
Ab einer verbrannten Fläche von > 9 % bei Erwachsenen bzw. > 5 % bei Kindern ist eine sofortige Klinikeinweisung erforderlich – ebenso bei jeder Verbrennung 2.–3. Grades, unabhängig von der Fläche. Ab 10–15 % Hautoberfläche droht ein Volumenmangelschock, Verbrennungen über 50 % verlaufen häufig tödlich (Verbrennungskrankheit).
Q9 · Wie viel Prozent der Körperoberfläche sind bei einem Erwachsenen verbrannt, dessen rechter Arm und rechtes Bein betroffen sind?
Arm 9 % + Bein 18 % = 27 %.
Kapitel 15 · Teil 2

Hitze & Kälte

Sonnenstich, Hitzschlag, Erfrierung und Unterkühlung sind Temperaturnotfälle mit sehr unterschiedlichem Gefährdungsgrad.

Sonnenstich

Reizung der Gehirnhäute durch zu lange Sonneneinstrahlung auf den ungeschützten Kopf.

Symptome: Kopfschmerz, Nackensteifigkeit, Übelkeit, hochroter Kopf, Schwindel; bei Kleinkindern manchmal hohes Fieber, Krämpfe, Bewusstlosigkeit.

Maßnahmen: In den Schatten, Kopf mit feuchten Tüchern kühlen; bei Kleinkindern mit hohem Fieber unbedingt Arzt aufsuchen (Meningitisgefahr); bei Bewusstlosigkeit/Krämpfen Notarzt.

Hitzschlag

Entsteht durch längere Hitzeexposition kombiniert mit unzureichender Wärmeableitung und Flüssigkeitsmangel.

Symptome: Wie Sonnenstich, zusätzlich Tachykardie bei niedrigem Blutdruck, verstärkte Atmung, Fieber über 40 °C, heiße trockene rote Haut.

Maßnahmen: Notarzt, an kühlen Ort bringen, kühle Umschläge, Kleidung öffnen, i.v. Zugang, Sauerstoff wenn möglich.

Erfrierung – lokale Kälteschädigung

GradBefund
1. GradesWeiße Verfärbung, Gefühllosigkeit, später blaurot und schmerzhaft
2. GradesAusgeprägte Schwellung („Frostbeulen“), starker Schmerz
3. GradesMinderdurchblutung führt nach ca. einer Woche zum Absterben des Gewebes (nekrotische Blau-Schwarz-Färbung)

Erstmaßnahme: Langsame Erwärmung, am besten im lauwarmen Wasserbad – keine schnelle Wärmeapplikation.

Unterkühlung – der Gesamtorganismus kühlt aus

Körperkerntemperatur unter 35 °C. Akute Lebensgefahr besteht ab < 27–30 °C.

  1. Stoffwechsel verlangsamt sich, der Mensch wird müde, schläfrig – im Schlaf kann nichts mehr gegen die fortschreitende Unterkühlung unternommen werden.
  2. Bradykardie, Stoffwechsel verlangsamt sich weiter.
  3. Kammerflimmern, dann Herzstillstand.
  4. Ab ca. 27 °C: Scheintod – keine Lebenszeichen mehr, aber nach Erwärmung evtl. reanimierbar.
Eselsbrücke
„Niemand ist tot, bevor er nicht warm und tot ist.“ Bei Unterkühlten wird die Reanimation nicht nach 30 Minuten abgebrochen – erst nach Wiedererwärmung entscheidet sich, ob wirklich keine Rettung mehr möglich ist.
Achtung – Bergungstod
Keine aktiven Wärmemaßnahmen bei starker Unterkühlung und keine isolierte Erwärmung der Extremitäten! Dies würde die peripheren Gefäße erweitern, kaltes, saures Blut aus der Peripherie strömt zum Herzen zurück und kann einen tödlichen Herzstillstand auslösen (Bergungstod). Aktive Wärmemaßnahmen (heiße Getränke, warme Packungen an Nacken/Achseln/Leisten) erst ab einer Körpertemperatur > 32 °C.
Q10 · Warum ist eine isolierte Erwärmung der Extremitäten bei starker Unterkühlung gefährlich?
Dieses Phänomen wird als „Bergungstod“ bezeichnet – deshalb erst ab > 32 °C aktiv von innen erwärmen.
Kapitel 16 · Teil 2

Stromunfälle & Beinaheertrinken

Stromunfälle

Durchfließender Strom kann Herzrhythmusstörungen bis zum Herzstillstand (Hauptgefahr!), Muskelverkrampfungen (die Stromquelle kann nicht losgelassen werden), Atemmuskelverkrampfung, Gehirnschädigung und Verbrennungen verursachen.

Achtung – Eigenschutz zuerst
Den Verletzten nie berühren, solange er noch mit der Stromquelle in Verbindung steht! Zuerst die Stromzufuhr abschalten. Gelingt das nicht: mit isolierenden Gegenständen (Kleidung, Decke) den Betroffenen von der Stromquelle trennen – niemals mit bloßen Händen. Bei Hochspannungsunfällen kann der Lichtbogen bis zu 10 m überspringen – Abstand halten und sofort Notarzt und Feuerwehr/Elektrizitätswerk rufen.

Weitere Maßnahmen: Reanimation bei Herzstillstand, Verbrennungen keimfrei abdecken. Da Herzrhythmusstörungen noch Tage später auftreten können, muss jeder Stromunfallpatient stationär beobachtet werden. Bei Blitzschlag gelten dieselben Maßnahmen.

Beinaheertrinken

Beim Ertrinken füllt sich die Lunge mit Wasser, eine Versorgung mit Atemluft ist ausgeschlossen.

Symptome: Weißlich-blutiger Schaum vor dem Mund, Zyanose, Bewusstlosigkeit, selten Schnappatmung, evtl. Krampfanfälle, häufig Erbrechen.

  • Opfer flach hinlegen (Rest-Hirndurchblutung sichern)
  • An Wirbelsäulenverletzung denken (z. B. nach Kopfsprung)
  • Atemwege frei machen, Mund-zu-Mund-Beatmung, Notarzt
  • Vitalfunktionen überwachen, Reanimation nach C-A-B
  • Opfer wärmen
Achtung
Es darf nicht versucht werden, Wasser aus der Lunge zu drücken oder zu schütteln – solche Maßnahmen sind wirkungslos und verzögern nur die eigentliche Reanimation.
Kapitel 17 · Teil 3

Injektionen – Grundlagen & Recht

Heilpraktikern sind im Prinzip alle Injektions- und Punktionsarten erlaubt. Ob du sie in deiner Praxis anwendest, hängt davon ab, welche Therapieform du erlernt hast – deine Sorgfaltspflicht gebietet dir aber klare Grenzen.

HP-Grenze
Injektionen dürfen nur durchgeführt werden, wenn du (1) durch praktische Erfahrung unter Anleitung erfahrenen Personals ausreichende Kenntnisse besitzt, (2) das Risiko in einem vertretbaren Verhältnis zum Nutzen steht, und (3) du mit möglichen Komplikationen fachgerecht umgehen kannst. Ohne Patienteneinwilligung ist eine Injektion rechtlich eine Körperverletzung!

Allgemeine Regeln vor jeder Injektion

  • Aufklärung über Injektionsart, Nebenwirkungen, mögliche Komplikationen
  • Einwilligung des Patienten (mündlich ausreichend) – gilt auch für Kinder. Bei Bewusstlosigkeit: Handeln „im mutmaßlichen Einverständnis“ (Geschäftsführung ohne Auftrag, § 680 BGB)
  • Abklärung bekannter Unverträglichkeiten/Allergien
  • Dokumentation von Aufklärung, Einwilligung, Medikament und Injektionsart in der Patientenkartei
  • Hygienevorschriften: Hände- und Hautdesinfektion mit Einwirkzeit, Tupfer, Abwurfbehälter für Kanülen und sonstige Abfälle bereithalten
  • Patient sitzt oder liegt in entspannter Atmosphäre

Begriffe

BegriffBedeutung
InjektionSterile Flüssigkeit wird mit einer Hohlnadel dem Körper zugeführt
PunktionEinstich in Hohlorgan, Körperhöhle, Organgewebe (Parenchym), Gefäß oder Tumor – dient der Entnahme von Gewebe/Flüssigkeit oder ebenfalls der Medikamentengabe
InfusionLänger andauernde Injektion größerer Flüssigkeitsmengen über eine Venenverweilkanüle
BlutentnahmeGenauer bezeichnete Punktion – kapillar (Ohrläppchen/Fingerkuppe) oder venös

Vorteile der Injektion gegenüber oraler Gabe

  • Schnellere Wirkzeit – intrakutan/intravenös: Sekunden, intramuskulär: 10–15 Min, subkutan: 20–30 Min
  • Umgehung des Magen-Darm-Trakts (daher „parenteral“) – kein Wirkungsverlust durch Resorptionsstörungen/Verdauungsenzyme
  • Besonders wichtig in der Notfalltherapie: einem Bewusstlosen wird niemals oral ein Medikament gegeben (Aspirationsgefahr)

Mögliche Komplikationen

  • Allergien/Unverträglichkeiten – bis zum anaphylaktischen Schock
  • Synkopen/Ohnmacht als psychische Reaktion
  • Hämatome bei Durchstechen einer Gefäßwand
  • Nervenschädigung bei fehlerhafter i.m. Injektion
  • Spritzenabszess
  • Gewebsschädigung bei falscher Applikationsart (z. B. versehentlich intramuskulär statt intravenös)
Kapitel 18 · Teil 3

Die vier Injektionsarten

Prüfungsrelevant sind vier Injektionsarten: intrakutan, subkutan, intramuskulär und intravenös. Weitere Arten (intraarteriell, intraartikulär, intrakardial, intrathekal, intratracheal) sind wegen des hohen Risikos dem Arzt bzw. einer Zusatzausbildung vorbehalten.

Intrakutane Injektion (i.c.)

Injektion in die Lederhaut (Korium). Menge: nur 0,1–0,3 ml, es bildet sich eine Quaddel. Einstich flach, 2–3 mm parallel zur Haut.

Anwendung: Neuraltherapie (Lokal-, Störfeld- oder Segmenttherapie), Narbenentstörung, Allergentestung, Injektionsakupunktur.

Kontraindikationen
Ödeme, Hauterkrankungen, Gewebsnekrosen und Durchblutungsstörungen im Injektionsgebiet, sowie Patient im Schockzustand (schlechte Durchblutung → keine vollständige Resorption möglich). Vorsicht bei Mistelpräparaten: nicht zu tief spritzen (subkutan), sonst drohen Gewebsnekrosen.

Subkutane Injektion (s.c.)

Injektion in die Unterhautfettschicht. Hautfalte mit Daumen und Zeigefinger anheben, im 45°-Winkel einstechen (bei 25-mm-Kanüle); 12-mm-Kanülen können senkrecht gestochen werden.

Anwendung: Insulin, Heparin, Neuraltherapie tiefer Narben. Injektionsorte 1. Wahl: Bauchdecke um den Nabel, seitliche/vordere Oberschenkel.

Intramuskuläre Injektion (i.m.)

Wird überwiegend in den M. glutaeus medius (mittlerer Gesäßmuskel) verabreicht – in der Nähe verläuft der N. ischiadicus, weshalb korrekte Technik entscheidend ist. Weitere, seltenere Orte: M. deltoideus (hohe Nerven-/Gefäßgefahr) und M. vastus lateralis.

Prüfungshinweis – Injektion nach von Hochstetter

Die sicherste Methode zum Auffinden des M. glutaeus medius (Patient liegt auf der Seite):

  1. Zeigefinger der flachen Hand ertastet den vorderen oberen Darmbeinstachel (Spina iliaca anterior superior).
  2. Mittelfinger gleitet ca. 7 cm entlang des Darmbeinkamms nach hinten.
  3. Zeige- und Mittelfinger breit gespreizt lassen, Hand gegen den Uhrzeigersinn drehen, Handteller liegt auf dem großen Rollhügel (Trochanter major).
  4. Der Injektionspunkt liegt in der Spitze des Dreiecks zwischen Zeige- und Mittelfinger.
  5. Einstich senkrecht zur Hautoberfläche.

Bei der alternativen Crista-Methode erfolgt der Einstich dagegen tief, schräg in Richtung Bauchnabel – der Unterschied liegt also in der Nadelhaltung beim Einstechen.

  • Kanülenlänge: 40 mm (schlank) bis 120 mm (adipös)
  • Zügig einstechen, aber langsam injizieren (ca. 2 ml/min)
  • Aspiration Pflicht: Wird Blut angesaugt, liegt die Kanüle in einem Gefäß – dann mit neuer Kanüle an anderer Stelle neu einstechen

Anwendungsgebiete i.m.

  • Medikamente, die nicht i.v. gespritzt werden dürfen (ölige Lösungen, manche Vitaminpräparate)
  • Verdacht, dass das Medikament oral/enteral nicht aufgenommen wird (z. B. Durchfallerkrankung)
  • Gewünschte Depotwirkung – langsame, verzögerte Freisetzung

Komplikationen der i.m. Injektion

KomplikationBeschreibung
SpritzenabszessTief eingeschleppte Keime (häufig Staphylokokken) führen nach Tagen zu Schmerz, Rötung, Schwellung – meist chirurgische Behandlung nötig, sonst droht lebensgefährliche Sepsis. Über dieses Risiko muss auch bei sachgemäßer Durchführung aufgeklärt werden.
SpritzenlähmungEin Nerv wurde getroffen – spürt der Patient beim Einstich einen „elektrischen Schlag“, darf keinesfalls injiziert werden.
KanülenbruchDurch reflexartige Muskelverkrampfung; deshalb Kanüle nie komplett einstechen. Bricht sie doch: Patient ruhig halten, Notarzt für chirurgische Entfernung.
Zusätzliche Kontraindikationen
Entzündungen, Ödeme, Durchblutungsstörungen, Schockzustand – sowie Bluter/Patienten unter Gerinnungshemmung (Gefahr massiver Einblutung in den Muskel bis zum hypovolämischen Schock) und gelähmte Muskulatur (unzureichende Durchblutung/Resorption).

Intravenöse Injektion (i.v.)

Wird direkt in eine Vene gegeben – meist die Armvenen der Ellenbogenbeuge, alternativ Unterarm oder Handrücken.

Indikation: Schnelle Wirkung nötig, Medikament nicht anders applizierbar, sichere Aufnahme unter Umgehung des Verdauungstrakts erforderlich.

Komplikationen
Venenreizung (z. B. bei unverdünnter Glukose), Überempfindlichkeit bis Anaphylaxie, Infektion, Venenentzündung mit Thrombose, Hämatom, Synkope. Bei Dialysepatienten mit Shunt: nicht am selben Arm injizieren.

Durchführung (Kernschritte): Blutdruck messen · Hände desinfizieren · Staubinde anlegen · Einstichstelle desinfizieren · schräg einstechen · aspirieren (dunkles venöses Blut muss sichtbar sein) · Staubinde lösen · langsam injizieren · Kanüle unter Tupferdruck zurückziehen und mind. 5 Minuten komprimieren.

Q11 · In welchen Muskel wird die intramuskuläre Injektion nach von Hochstetter am häufigsten gegeben?
Der M. glutaeus medius ist der Standardort; die von-Hochstetter-Methode dient seiner sicheren Lokalisation, um den nahegelegenen N. ischiadicus zu schonen.
Kapitel 19 · Teil 3

Infusion, venöser Zugang & Blutentnahme

Periphervenöse vs. zentralvenöse Infusion

Für Heilpraktiker sind nur Kurzzeitinfusionen über einen periphervenösen Zugang relevant – isotonische Lösungen, Dauer im Schnitt 15–30 Minuten, höchstens 3 Stunden. Dafür eignen sich dünnwandige Butterfly-Kanülen für feine Venen.

HP-Grenze
Zentralvenöse Infusionen (über V. subclavia, V. jugularis oder Ellenbogenvenen bis vor das rechte Herz) sind ausschließlich der Klinik unter sterilen Bedingungen vorbehalten. Als Heilpraktiker legst du eine Venenverweilkanüle im Notfall höchstens als Vorbereitung für den eintreffenden Notarzt.

Infusionslösungen

LösungZusammensetzungEinsatz
Isotone Kochsalzlösung9 g NaCl / 1 l Wasser = 0,9 %Schnelle Volumensubstitution, z. B. hypovolämischer Schock
Ringer-LösungNaCl, KCl, CaCl₂ – isotonischElektrolytersatz, Volumenersatz, Trägerlösung, Dehydratation

Isoton bedeutet: Die gelöste Teilchenmenge pro Liter entspricht der des Blutplasmas.

Blutentnahme

Intravenöse Punktion

Indikation: Labordiagnostik, Aderlass, Eigenbluttherapie. Gleiche Punktionsstellen wie bei der i.v. Injektion; bei schlechten Venenverhältnissen helfen warme Kompressen und mehrfaches Faustschließen.

Kapillarblutentnahme

Aus Ohrläppchen oder Fingerbeere mittels steriler Einmallanzette (Hämostilette/Stechhilfe) – sehr risikoarm.

Indikation: Hb-Wert, Blutgase, Blutzuckerbestimmung.

Achtung
Ohrläppchen und Fingerkuppe beim Einmassieren oder bei der Entnahme nicht quetschen – zerquetschte Blutzellen verfälschen das Messergebnis.

Vorgehen: erste Blutstropfen mit Tupfer abwischen, erst den zweiten Tropfen zur Untersuchung verwenden.

Q12 · Welche Infusion ist für den Heilpraktiker relevant?
Zentralvenöse Zugänge sind ausschließlich der Klinik vorbehalten.
Kapitel 20 · Abschluss

Prüfungstest

20 Fragen im Stil der amtsärztlichen Prüfung, die die besonders häufig geprüften Inhalte dieses Themenblocks abdecken. Jede Frage hat genau eine richtige Antwort.

1 · Welche zwei Maßnahmen zählen zu den Basismaßnahmen der kardiopulmonalen Reanimation?
Radialispuls tasten und Blutdruck messen kosten in der akuten Situation zu viel Zeit und sind für Laienhelfer nicht sicher durchführbar.
2 · Welche Kombination gehört zu den sicheren Todeszeichen?
Fehlende Atmung und Blässe sind unsichere Zeichen. Sicher sind Totenflecken, Totenstarre und Abkühlung.
3 · Bei einem Krampfanfall in der Praxis: Welches Vorgehen ist vollständig korrekt?
Ein Beißschutz wird bei Kieferklemme nicht eingeführt – zu hohe Verletzungsgefahr und Risiko der Atemwegsverlegung.
4 · Welche Symptomkombination ist typisch für eine Opiatintoxikation?
Die klassische Opiat-Trias: enge Pupillen, gedämpfte Atmung, niedriger Blutdruck.
5 · Welche Symptomkombination spricht für einen anaphylaktischen Schock?
Anaphylaxie zeigt Hautreaktionen (Quaddeln), Tachykardie (nicht Bradykardie!) und Atemnot.
6 · Welche Lagerung ist beim kardiogenen Schock korrekt?
Die erhöhte Oberkörperlage entlastet das Herz und erleichtert die Atmung.
7 · Welche Aussage zum Hitzschlag trifft zu?
Der klassische Hitzschlag zeigt heiße, trockene Haut und erfordert rasches Kühlen als Erstmaßnahme.
8 · Bei einer großflächigen Handverbrennung mit Rötung und Blasenbildung: Wie groß ist die Handfläche inklusive Finger als Anteil der Körperoberfläche?
Die Handfläche mit Fingern entspricht der Faustregel nach etwa 1 % der Körperoberfläche – nützlich zur schnellen Flächenschätzung.
9 · Ein Kollaps im Wartezimmer: Welches Vorgehen ist korrekt?
Die korrekte Reihenfolge: Ansprechen → Atemwege freimachen/Atmung prüfen → bei fehlender Atmung sofort Notruf und Reanimation beginnen.
10 · Welche Aussagen zur Reanimation auf einem U-Bahnsteig treffen zu: „Ein Helfer, der sich eine Beatmung nicht zutraut, sollte …“ und „Vor Beginn der Reanimation sollte …“?
Reine Herzdruckmassage ohne Beatmung ist eine anerkannte Alternative; ein Hilferuf steht vor Beginn der eigentlichen Reanimationsmaßnahmen. Ein AED darf von jedem Ersthelfer bedient werden.
11 · Welche Aussage zu Notfällen ist korrekt?
Ohne bekannten Wert überwiegt der Nutzen von Glukose das Risiko: eine Hypoglykämie ist akut gefährlicher als eine kurzzeitige Hyperglykämie.
12 · Welches Verhältnis gilt für Herz-Druck-Massage zu Beatmung bei der Reanimation Erwachsener?
30:2 gilt für Erwachsene und für Kinder ab dem 1. Lebensjahr bei Laienreanimation; 3:1 nur bei Neugeborenen.
13 · Symptome bei Kurzatmigkeit, atemabhängigem Schmerz, gestauten Halsvenen und Zyanose nach Langstreckenflug – welche Aussage trifft nicht zu?
Bei diesem Bild (V. a. Lungenembolie) ist die zeitnahe ärztliche Abklärung entscheidend – nicht in jeder milden Ausprägung ist zwingend ein Notarzteinsatz die einzig richtige Antwort; korrekt ist in erster Linie die zeitnahe Vorstellung beim Arzt.
14 · Ein Patient wird leblos aufgefunden. Welche zwei Befunde sind sichere Todeszeichen?
Fehlender Puls/Atmung, Unterkühlung und enge Pupillen sind unsichere Zeichen. Sicher sind Totenflecken und Totenstarre.
15 · Bei psychogener Hyperventilationstetanie sind welche Maßnahmen angezeigt?
Beruhigung und kontrollierte CO₂-Rückatmung genügen in aller Regel; Notarzt nur bei Erfolglosigkeit.
16 · Was ist das Ziel der stabilen Seitenlage?
Die stabile Seitenlage schützt die Atemwege vor Verlegung durch Erbrochenes oder die zurückfallende Zunge.
17 · Welche Kombination ist typisch für einen (Volumenmangel-)Schock im Vitalwerte-Muster?
Niedriger systolischer Blutdruck kombiniert mit deutlicher Tachykardie ist das klassische Schockmuster.
18 · Welche Aussagen zum Schock treffen zu: warme Haut kann auf welche Ursache hinweisen, und wie verläuft ein Schock meist?
Der septische Schock ist die Ausnahme mit warmer Haut; Schockzustände können sich zunächst unauffällig entwickeln – deshalb sind wiederholte Vitalzeichenkontrollen so wichtig.
19 · Bei Verdacht auf ein Vena-cava-Kompressionssyndrom in der Schwangerschaft – welche Lagerung ist korrekt?
Die linke Seitenlage entlastet die V. cava inferior, die in Rückenlage durch die schwangere Gebärmutter komprimiert werden kann.
20 · Welche der folgenden Ursachen zählt zu den potenziell reversiblen Ursachen eines Herz-Kreislauf-Stillstands?
Zu den reversiblen Ursachen zählen u. a. Hypoxie, Hypothermie, Hypo-/Hyperkaliämie, Spannungspneumothorax und Herzbeuteltamponade.
Geschafft!
Damit hast du alle drei Teile dieses Skripts durchgearbeitet: Notfall & Erste Hilfe, besondere Notfallbilder sowie Injektionstechniken. Wiederhole besonders die C-A-B-Regel, die Schockformen-Tabelle und die von-Hochstetter-Injektion – das sind die mit Abstand am häufigsten geprüften Inhalte dieses Themenblocks.