Psychologie & Psychiatrie · HP-Intensivskript
Einführung
Einführung in die Psychiatrie
Von null: was Psychiatrie überhaupt ist, wie sie sich von Nachbarfächern abgrenzt und wie das ganze Skript aufgebaut ist
Bevor wir in die einzelnen Krankheitsbilder einsteigen, brauchst du einen Überblick: Was ist Psychiatrie eigentlich, wer behandelt was, und mit welchem System werden psychische Störungen überhaupt beschrieben und geordnet? Dieses Kapitel ist die Landkarte für den Rest des Skripts — jedes spätere Kapitel ordnet sich in die hier vorgestellte Struktur ein.
Was ist Psychiatrie?
Die Psychiatrie ist die medizinische Fachrichtung, die sich mit der Erkennung, Behandlung und Erforschung psychischer Erkrankungen befasst. Der Begriff stammt aus dem Griechischen (psyché = Seele, iatros = Arzt) und bedeutet wörtlich „Seelenheilkunde". Anders als viele andere medizinische Fächer betrachtet die Psychiatrie den Menschen nicht nur körperlich, sondern immer im Zusammenspiel von Biologie, Psyche und sozialem Umfeld — man spricht vom bio-psycho-sozialen Modell. Dieses Modell ist einer der wichtigsten Grundgedanken des gesamten Fachs: Eine psychische Erkrankung entsteht praktisch nie durch eine einzige Ursache, sondern durch das Zusammenspiel von körperlicher Veranlagung (z. B. genetische Faktoren, Neurotransmitter-Ungleichgewichte), psychischen Faktoren (z. B. Persönlichkeit, Bewältigungsstrategien, frühe Prägungen) und sozialen Faktoren (z. B. Lebensumstände, Beziehungen, belastende Ereignisse).
Merksatz: Psychische Erkrankungen sind niemals nur „im Kopf" und niemals nur „Charakterschwäche" — sie sind echte, häufig gut behandelbare Erkrankungen mit biologischen, psychischen und sozialen Ursachenanteilen. Diese Haltung ist auch für den Umgang mit Patienten entscheidend: Entstigmatisierung beginnt mit dem richtigen Krankheitsverständnis.
Psychiatrie, Psychologie, Psychotherapie, Psychosomatik — die Begriffe sauber trennen
Diese vier Begriffe werden ständig verwechselt — auch in Prüfungsfragen. Hier die klare Abgrenzung:
BegriffWas es istWer es ausübt
PsychiatrieMedizinisches Fachgebiet zur Diagnose und Behandlung psychischer Erkrankungen, inkl. MedikationFachärztinnen/Fachärzte für Psychiatrie (und Psychotherapie)
PsychologieWissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen — ein Studienfach, keine Heilkunde per seDiplom-/M.Sc.-Psychologen (Grundberuf, keine automatische Heilerlaubnis)
PsychotherapieDie Behandlung psychischer Störungen mit psychologischen (nicht-medikamentösen) MittelnÄrztliche und Psychologische Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie
PsychosomatikLehre vom Zusammenwirken von Psyche und Körper bei der Entstehung und dem Verlauf körperlicher BeschwerdenFachärzte für Psychosomatische Medizin, interdisziplinär
Prüfungshinweis: Ein Psychologe ist NICHT automatisch approbiert oder heilkundlich tätig — das Psychologiestudium allein berechtigt nicht zur Ausübung von Psychotherapie. Für die eigenständige Ausübung von Psychotherapie braucht es entweder eine Approbation als Psychologischer Psychotherapeut (nach entsprechender Weiterbildung) oder — für Heilpraktiker — die eingeschränkte Heilerlaubnis „Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie" (kleine HP-Prüfung Psychotherapie).
Ein kurzer Blick in die Geschichte
Für das Grundverständnis reicht ein knapper Überblick: Bis weit ins 18./19. Jahrhundert wurden psychisch Kranke häufig verwahrt statt behandelt, oft unter unwürdigen Bedingungen. Pioniere wie Philippe Pinel (Frankreich) setzten sich für eine humanere Behandlung ein („Befreiung von den Ketten"). Im 20. Jahrhundert entwickelten sich parallel mehrere große Theorieschulen, die bis heute die Psychotherapie prägen: die Psychoanalyse (Sigmund Freud, unbewusste Konflikte), der Behaviorismus/Verhaltenstherapie (Lernen und Konditionierung) und die humanistische Psychologie (Carl Rogers, Wachstum und Selbstverwirklichung) — diese drei Schulen begegnen dir im Therapiekapitel wieder. Mit der Einführung wirksamer Psychopharmaka ab den 1950er-Jahren (u. a. erste Neuroleptika) begann die moderne, biologisch orientierte Psychiatrie, wie wir sie heute kennen.
Wie werden psychische Störungen klassifiziert? Das ICD-10-System
Damit Ärzte, Psychotherapeuten und Heilpraktiker weltweit einheitlich über psychische Erkrankungen sprechen können, gibt es standardisierte Klassifikationssysteme. In Deutschland (und für die HP-Prüfung) maßgeblich ist die ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, 10. Revision) der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Psychische Störungen sind dort in Kapitel V mit dem Buchstaben F zusammengefasst.
KürzelKategorieBeispiele (folgen in späteren Kapiteln)
F0Organische psychische Störungen (inkl. Demenz, Delir)Alzheimer-Demenz, Delir
F1Psychische Störungen durch psychotrope SubstanzenAlkoholabhängigkeit, Drogenkonsum
F2Schizophrenie, schizotype und wahnhafte StörungenParanoide Schizophrenie, schizoaffektive Störung
F3Affektive StörungenDepression, Manie, bipolare Störung
F4Neurotische, Belastungs- und somatoforme StörungenAngststörungen, Zwangsstörung, PTBS, Somatisierungsstörung
F5Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen StörungenEssstörungen, Schlafstörungen
F6Persönlichkeits- und VerhaltensstörungenBorderline-, histrionische, schizoide Persönlichkeitsstörung
F7IntelligenzminderungLeichte, mittelgradige, schwere Intelligenzminderung
F8EntwicklungsstörungenAutismus-Spektrum, Lese-Rechtschreibstörung
F9Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in Kindheit/JugendADHS, Ticstörungen, elektiver Mutismus
Diese F-Systematik musst du nicht auswendig mit Nummern beherrschen, aber die grobe Struktur solltest du kennen — sie ist das Ordnungsraster, in das jedes spätere Kapitel dieses Skripts fällt. Für die Prüfung wichtiger als die Nummern sind die diagnostischen Kriterien der einzelnen Krankheitsbilder selbst.
Prüfungshinweis: Neben der ICD-10 existiert international auch das DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, aktuell DSM-5, v. a. im US-amerikanischen Raum gebräuchlich). Für die deutsche Heilpraktikerprüfung ist ausschließlich die ICD-10-Systematik relevant — DSM-Begriffe können dir in weiterführender Literatur begegnen, sind aber nicht Prüfungsgegenstand.
Wie eine psychiatrische Diagnose entsteht: der psychopathologische Befund
Eine psychiatrische Diagnose wird nicht durch einen Bluttest oder ein Bildgebungsverfahren gestellt, sondern in erster Linie durch ein strukturiertes Gespräch (Anamnese) und die systematische Beobachtung und Beschreibung des psychischen Zustands — den sogenannten psychopathologischen Befund. Dieses Handwerkszeug (Bewusstsein, Orientierung, Wahrnehmung, Denken, Ich-Erleben, Affekt, Antrieb, Gedächtnis) ist der Gegenstand des nächsten Kapitels und zieht sich als gemeinsame Sprache durch das gesamte weitere Skript.
Epidemiologie — wie häufig sind psychische Erkrankungen?
Psychische Störungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt: Studien zeigen, dass etwa jeder vierte bis jeder dritte Erwachsene in Deutschland im Laufe eines Jahres die Kriterien für mindestens eine psychische Störung erfüllt (Zwölf-Monats-Prävalenz). Die häufigsten Diagnosegruppen sind Angststörungen, affektive Störungen (v. a. Depression) und Störungen durch Substanzkonsum. Diese hohe Häufigkeit ist ein wichtiges Argument dafür, warum das Thema in der HP-Prüfung inzwischen einen so großen Stellenwert einnimmt — psychische Erkrankungen begegnen dir in jeder Praxis, unabhängig vom eigentlichen Behandlungsschwerpunkt.
Die Rolle des Heilpraktikers im psychiatrischen Feld
Für die Prüfung — und für die spätere Praxis — ist die klare Kenntnis der eigenen Grenzen zentral. Ein Heilpraktiker mit der allgemeinen Erlaubnis darf grundsätzlich auf dem Gebiet der Psychotherapie tätig werden, sofern keine eigene Einschränkung vorliegt oder eine gesonderte Prüfung „Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie" abgelegt wurde (dann ausschließlich Psychotherapie, keine somatische Heilkunde). In beiden Fällen gilt:
Schwere psychiatrische Erkrankungen mit Fremd- oder Eigengefährdung, akute Psychosen, schwere Suizidalität und Notfälle (Delir, Entzugssyndrome) gehören in ärztliche/fachärztliche bzw. stationäre Behandlung.
Die Verordnung und Steuerung von Psychopharmaka ist ausschließlich Ärzten vorbehalten.
Der HP kann bei leichteren bis mittelschweren psychischen Belastungen, im Rahmen der Prävention, Begleitung und unterstützenden Gesprächsführung eine wichtige und sinnvolle Rolle einnehmen — immer mit dem Blick dafür, wann eine Grenze erreicht ist und weitervermittelt werden muss.
HP-Grenze: Diese Grenzziehung ist keine Formalie, sondern zieht sich durch das gesamte Skript — in jedem Kapitel findest du eigene HP-Grenze-Hinweise zum jeweiligen Krankheitsbild. Im Zweifel gilt immer: lieber einmal zu früh an einen Facharzt verweisen als zu spät.
Wie dieses Skript aufgebaut ist
Die folgenden Kapitel bauen aufeinander auf: Zuerst das Vokabular (psychopathologischer Befund), dann die Notfälle (Delir, Suizidalität, Unterbringungsrecht — diese Themen ziehen sich als rechtlich-praktischer Rahmen durch alles Weitere), danach die großen Krankheitsgruppen in der Reihenfolge ihrer Prüfungsrelevanz (affektive Störungen, Schizophrenie, Angst- und Zwangsstörungen, Psychosomatik/Essstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Sucht, Kinder-/Jugendpsychiatrie), gefolgt von den Therapieverfahren und ergänzenden Themen, und zum Schluss eine kompakte Wiederholung der häufigsten Prüfungsfallen. Nutze die Seitenleiste, um jederzeit gezielt zu einem Kapitel zu springen.
Kapitel 1 · Grundlagen
Der psychopathologische Befund
Von null: wie man psychische Symptome systematisch beschreibt — die Sprache, die du für die ganze Prüfung brauchst
Bevor wir einzelne Krankheitsbilder besprechen, brauchst du das Handwerkszeug: den psychopathologischen Befund (kurz: Psychopath. Befund, PB). Das ist eine standardisierte Systematik, mit der Ärzte, Psychotherapeuten und Heilpraktiker den psychischen Zustand eines Menschen beschreiben — ähnlich wie der körperliche Untersuchungsbefund bei einer somatischen Erkrankung. In der HP-Prüfung wird dieses Vokabular ständig abgefragt, oft ohne dass die Krankheit selbst genannt wird — du musst allein am Fachbegriff erkennen, was gemeint ist. Deshalb bauen wir dieses Kapitel als Fundament: Bewusstsein, Orientierung, Wahrnehmung, Denken, Ich-Erleben, Affekt, Antrieb und Gedächtnis. Jede spätere Krankheit wird mit genau diesen Bausteinen beschrieben.
Der psychopathologische Befund gliedert sich klassisch in: Bewusstsein · Orientierung · Aufmerksamkeit/Gedächtnis · Denken (formal + inhaltlich) · Wahrnehmung · Ich-Erleben · Affektivität · Antrieb/Psychomotorik · Suizidalität. Diese Reihenfolge ist auch eine gute Eselsbrücke, um in der Prüfung nichts zu vergessen.
Bewusstsein: qualitativ vs. quantitativ
Bewusstseinsstörungen werden in zwei völlig unterschiedliche Gruppen eingeteilt — das ist eine der häufigsten Prüfungsfallen. Quantitative Störungen betreffen die Wachheit (wie viel Bewusstsein ist da), qualitative Störungen betreffen den Inhalt des Bewusstseins (wie ist das Bewusstsein verändert, auch wenn der Patient wach wirkt).
Quantitative Bewusstseinsstörungen
Benommenheit: leichte Verlangsamung, Patient wirkt schläfrig, aber ansprechbar
Somnolenz: starke Schläfrigkeit, durch Ansprache/Schmerzreiz weckbar
Sopor: nur durch starke Reize kurz erweckbar
Koma: nicht erweckbar, keine Reaktion auf Reize
Qualitative Bewusstseinsstörungen
Bewusstseinstrübung: Störung von Klarheit, Zusammenhang und Ordnung des Denkens (z. B. beim Delir)
Bewusstseinseinengung: Einengung auf wenige Themen, Umwelt wird kaum wahrgenommen (z. B. Dämmerzustand)
Bewusstseinsverschiebung: Intensivierung des Erlebens, z. B. unter Drogen (Rausch, „alles ist intensiver")
Merksatz: „Quantität = wie WACH, Qualität = wie VERÄNDERT." Benommenheit–Somnolenz–Sopor–Koma sind eine Skala abnehmender Wachheit. Stupor gehört NICHT hierher — das ist eine psychomotorische Störung (siehe Kapitel 5), keine Bewusstseinsstörung! Diese Verwechslung ist ein Klassiker in Altprüfungen.
Orientierung — die vier Qualitäten
Orientierung bedeutet: Weiß der Patient, wo, wann, wer er ist und was gerade passiert? Man prüft vier Qualitäten, und sie gehen in einer typischen Reihenfolge verloren — zuerst die zeitliche, zuletzt die Orientierung zur eigenen Person:
Zeitliche Orientierung (Datum, Wochentag, Jahreszeit) — geht meist zuerst verloren
Örtliche Orientierung (wo befinde ich mich)
Situative Orientierung (was ist gerade die Situation, z. B. „ich bin beim Arzt")
Orientierung zur eigenen Person (Name, Alter, Biografie) — geht meist zuletzt verloren, ist bei schweren Demenzen aber ebenfalls betroffen
Prüfungshinweis: Die Aussage „bei Orientierungsstörungen geht meist zuerst die situative Orientierung verloren" ist FALSCH — es ist die zeitliche. Zur Prüfung der Orientierung eignen sich direkte Fragen wie „Welches Datum haben wir heute?" oder „Warum sind Sie hier?" — Uhr-Zeichnen-Test und Nachsprechen von Wörtern prüfen dagegen kognitive Leistungen (visuokonstruktiv bzw. Gedächtnis), nicht die Orientierung selbst.
Aufmerksamkeit und Konzentration
Aufmerksamkeitsstörungen zeigen sich als Ablenkbarkeit, verminderte Konzentrationsfähigkeit oder Auffassungsstörung (Schwierigkeit, neue Informationen zu erfassen). Sie treten bei fast allen psychischen Störungen als Begleitsymptom auf — bei Depression, Schizophrenie, ADHS, Delir und Demenz gleichermaßen, sind also unspezifisch und immer im Kontext der Gesamtsymptomatik zu bewerten.
Übungsquiz
Welche Aussage zu Bewusstseinsstörungen ist richtig?
A
Stupor ist eine quantitative Bewusstseinsstörung
B
Bewusstseinseinengung und Bewusstseinsverschiebung sind qualitative Bewusstseinsstörungen
C
Somnolenz ist eine qualitative Bewusstseinsstörung
D
Die zeitliche Orientierung geht in der Regel zuletzt verloren
Bewusstseinseinengung und Bewusstseinsverschiebung betreffen den Inhalt/die Qualität des Bewusstseins, nicht die Wachheit — sie sind qualitativ. Stupor ist eine psychomotorische Störung, Somnolenz eine quantitative Bewusstseinsstörung (Stufe der Wachheit), und die zeitliche Orientierung geht typischerweise zuerst verloren.
Kapitel 1 · Grundlagen
Wahrnehmungsstörungen — Halluzination & Illusion
Der wichtigste Unterschied im ganzen Fach: gibt es einen realen Reiz oder nicht?
Wahrnehmungsstörungen gehören zu den am häufigsten geprüften Themen überhaupt. Der Kern ist immer derselbe Trick: Prüft, ob ein realer äußerer Sinnesreiz vorhanden war oder nicht.
Illusion
Definition: Verkennung/Fehldeutung eines real vorhandenen Sinnesreizes
Beispiel: Ein Ast im Dunkeln wird als Schlange wahrgenommen
Merksatz: „Es ist wirklich etwas da — nur falsch erkannt"
Halluzination
Definition: Sinneswahrnehmung ohne entsprechenden äußeren Reiz
Beispiel: Stimmen hören, obwohl niemand spricht
Merksatz: „Nichts ist da — trotzdem wahrgenommen"
Halluzinationen werden nach dem betroffenen Sinnesorgan unterteilt:
ArtBeschreibungTypisches Auftreten
AkustischStimmen hören, Geräusche ohne ReizquelleHäufigste Halluzination bei Schizophrenie
OptischSehen von Personen, Tieren, Mustern ohne ReizTypisch für organische Psychosen, v. a. Alkoholdelir (z. B. kleine Tiere/Insekten)
TaktilBerührungs-/Hautwahrnehmungen ohne ReizZ. B. Dermatozoenwahn (Gefühl, von Ungeziefer befallen zu sein)
Olfaktorisch/GustatorischGeruchs-/Geschmackswahrnehmung ohne ReizBei Temporallappenepilepsie, Schizophrenie
ZönästhesienBizarre Leibgefühle, körperliche BeeinflussungserlebnisseTypisch für Schizophrenie („meine Organe werden verdreht")
HP-Grenze: Bei akustischen und optischen Halluzinationen — insbesondere in Kombination mit Verwirrtheit, vegetativen Symptomen oder plötzlichem Beginn — sofortige ärztliche/fachärztliche Abklärung! Halluzinationen können sowohl psychiatrische (Schizophrenie) als auch akut lebensbedrohliche organische Ursachen (Delir, Intoxikation, Entzug) haben.
Wichtige Prüfungsfallen zu Halluzinationen
Halluzinationen sind nicht zwingend für die Diagnose Schizophrenie erforderlich — es gibt auch Schizophrenieformen ohne Halluzinationen (z. B. hebephrene Form im Vordergrund mit formalen Denkstörungen).
Bei Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis sind akustische Halluzinationen deutlich häufiger als optische — nicht gleich häufig!
Die Feststellung einer Halluzination allein erlaubt noch keinen sicheren Rückschluss auf einen psychotischen Prozess — auch Trauernde, Menschen im Halbschlaf (hypnagoge Halluzinationen) oder Drogenkonsumenten können halluzinieren, ohne psychotisch krank zu sein.
Pseudohalluzinationen: Der Betroffene erkennt, dass die Wahrnehmung „im Kopf" stattfindet und nicht real ist (Realitätsurteil bleibt erhalten) — Abgrenzung zur echten Halluzination, bei der das Realitätsurteil fehlt.
Übungsquiz
Was beschreibt den Begriff der akustischen Halluzination korrekt?
A
Ohrgeräusche als Folge von Hörverlust
B
Illusorische Verkennung von realen externen Reizen
C
Sinneswahrnehmung ohne äußere Reizquelle
D
Unbeirrbare Überzeugung, verfolgt zu werden
Eine Halluzination ist per Definition eine Sinneswahrnehmung ohne entsprechenden äußeren Reiz. Antwort B beschreibt eine Illusion (realer Reiz wird verkannt), D beschreibt Verfolgungswahn (inhaltliche Denkstörung), A beschreibt Tinnitus (kein psychopathologisches Symptom im engeren Sinne).
Kapitel 1 · Grundlagen
Formale Denkstörungen
Wie jemand denkt — nicht, was er denkt
Formale Denkstörungen betreffen den Ablauf, das Tempo und die Struktur des Denkens — im Gegensatz zu den inhaltlichen Denkstörungen (Kapitel 3), die den Inhalt des Denkens betreffen (z. B. Wahn). Diese Unterscheidung ist eine der zentralen Prüfungsfallen: Illusionen, Wahn und Halluzinationen sind KEINE formalen Denkstörungen, obwohl sie in Prüfungsfragen oft dazwischen gemischt werden.
Eselsbrücke: Formale Denkstörung = „Wie fließt das Denken?" (Tempo, Zusammenhang, Struktur). Inhaltliche Denkstörung = „Was wird geglaubt?" (Wahn, Zwangsgedanken).
BegriffBeschreibungTypisch bei
IdeenfluchtGedankengang sehr schnell, ständig neue Assoziationen, roter Faden geht verloren, aber noch nachvollziehbarManie
GedankenabreißenGedankengang bricht plötzlich mitten im Satz abSchizophrenie
Denkhemmung/-verlangsamungDenken ist spürbar verlangsamt, mühsamDepression
Sperrung des DenkensSubjektiv erlebter abrupter Abbruch des Gedankenflusses (vom Patienten als „Entzug" erlebt)Schizophrenie
Zerfahrenheit / InkohärenzGedankengang ohne inneren Zusammenhang, für Außenstehende nicht mehr nachvollziehbarSchizophrenie
NeologismenWortneubildungen, die nur der Patient verstehtSchizophrenie
PerseverationStändiges Wiederholen derselben Worte/Gedanken, HaftenbleibenOrganische Psychosen, Demenz
GrübelnQuälendes, wiederholtes Nachdenken über meist unangenehme Themen ohne LösungDepression (zur Gruppe der Befürchtungen/Zwänge gezählt)
UmständlichkeitWichtiges und Unwichtiges wird nicht getrennt, Umweg über DetailsEpilepsie, Demenz
Eselsbrücke Manie vs. Depression: Ideenflucht = zu schnell (Manie), Denkhemmung = zu langsam (Depression) — genau gegenläufig zueinander, wie die ganze Symptomatik der beiden Pole.
Was gehört NICHT zu den formalen Denkstörungen?
Diese Abgrenzung wird ständig geprüft: Illusionen (Wahrnehmungsstörung), hypochondrischer Wahn und jeder andere Wahn (inhaltliche Denkstörung) sowie Ich-Erlebnis-Störungen wie Gedankenlautwerden, Gedankenausbreitung, Gedankenentzug und Beeinflussungserleben zählen NICHT zu den formalen Denkstörungen — sie sind eine eigene Kategorie: die Ich-Störungen (Kapitel 4). Das ist einer der häufigsten Fallen in Altprüfungen: Gedanken-Lautwerden und Beeinflussungserleben klingen wie „Denkstörungen", gehören aber zu den Ich-Störungen.
Übungsquiz
Welche der folgenden Begriffe zählen zu den formalen Denkstörungen? 1. Zerfahrenheit 2. Sperrung des Denkens 3. Illusionen 4. Neologismen 5. Hypochondrischer Wahn
A
Nur 3
B
Nur 2 und 3
C
Nur 4 und 5
D
Nur 1, 2 und 4
Zerfahrenheit, Sperrung des Denkens und Neologismen sind formale Denkstörungen — sie betreffen den Ablauf des Denkens. Illusionen sind eine Wahrnehmungsstörung, hypochondrischer Wahn ist eine inhaltliche Denkstörung. Beide gehören nicht zu den formalen Denkstörungen.
Kapitel 1 · Grundlagen
Inhaltliche Denkstörungen — der Wahn
Was Wahn eigentlich ausmacht, und welche Wahnformen du kennen musst
Wahn ist eine krankhafte, unkorrigierbare Überzeugung, die im klaren Widerspruch zur Realität steht und von der Erfahrung sowie dem soziokulturellen Umfeld des Betroffenen abweicht — mit subjektiver Gewissheit festgehalten, auch gegen jede gegenteilige Beweisführung. Drei Merkmale definieren echten Wahn: (1) die Überzeugung mit ungewöhnlicher Gewissheit vertreten, (2) Unbeeinflussbarkeit durch Widerspruch/Logik, (3) Unmöglichkeit oder Unwahrscheinlichkeit des Inhalts.
Zur Prüfung: Man unterscheidet Wahnstimmung (diffuses Gefühl, dass „etwas nicht stimmt", noch ohne konkreten Wahninhalt), Wahneinfall (der Wahninhalt „schießt" dem Patienten plötzlich in den Kopf) und Wahnwahrnehmung (einer real richtigen Wahrnehmung wird eine wahnhafte, meist auf sich selbst bezogene Bedeutung gegeben, z. B. „die Ampel ist rot — das ist ein Zeichen für mich").
Die wichtigsten Wahnthemen im Überblick
WahnformInhaltTypisch bei
VerfolgungswahnÜberzeugung, verfolgt/bedroht/ausspioniert zu werdenSchizophrenie (häufigster Wahn überhaupt)
BeziehungswahnNeutrale Ereignisse/Handlungen anderer werden auf sich selbst bezogenSchizophrenie
GrößenwahnÜberzeugung von besonderen Fähigkeiten, Macht, Reichtum, übernatürlichen KräftenManie, Schizophrenie
VerarmungswahnUnbegründete Überzeugung, völlig mittellos zu sein/zu werdenSchwere Depression mit psychotischen Symptomen
Versündigungswahn / SchuldwahnÜbersteigerte, unbegründete Schuldgefühle für reale oder eingebildete VergehenSchwere Depression
Hypochondrischer WahnUnkorrigierbare Überzeugung, schwer körperlich krank zu seinDepression, organische Psychosen
Nihilistischer Wahn (Cotard-Syndrom)Überzeugung, nicht mehr zu existieren, tot zu sein oder innerlich verfault zu seinSchwere psychotische Depression
EifersuchtswahnUnkorrigierbare Überzeugung, vom Partner betrogen zu werdenAlkoholabhängigkeit, Schizophrenie
Liebeswahn (Erotomanie)Überzeugung, von einer bestimmten (oft prominenten) Person geliebt zu werdenWahnhafte Störung
Prüfungshinweis: Verarmungswahn, Versündigungswahn und nihilistischer Wahn sind die klassische „Wahntrias der Depression" — merke sie zusammen! Größenwahn ist dagegen typisch für Manie, kann aber auch bei Schizophrenie auftreten (Fallbeispiel: der Landwirt, der plötzlich einen Industriepark managen will, spricht für Manie, nicht für Wahn allein, da hier auch Antriebssteigerung und vermindertes Schlafbedürfnis vorliegen).
Wahnhafte Störung vs. Schizophrenie
Bei der isolierten wahnhaften Störung steht ein einzelnes, oft gut systematisiertes Wahnthema (z. B. Eifersucht, Verfolgung) im Vordergrund, ohne die übrigen Symptome der Schizophrenie (keine ausgeprägten Halluzinationen, keine formalen Denkstörungen, keine Ich-Störungen). Die Persönlichkeit bleibt außerhalb des Wahnthemas weitgehend intakt — anders als bei der Schizophrenie, wo mehrere Symptombereiche gleichzeitig betroffen sind.
Übungsquiz
Welche Wahnformen gehören klassisch zur schweren depressiven Episode?
A
Größenwahn und Eifersuchtswahn
B
Verarmungswahn und Versündigungswahn
C
Verfolgungswahn und Beziehungswahn
D
Liebeswahn und Beziehungswahn
Verarmungswahn und Versündigungswahn (zusammen mit dem nihilistischen Wahn) bilden die typische Wahntrias der schweren, psychotischen Depression. Verfolgungs-, Beziehungs- und Größenwahn sind eher typisch für Schizophrenie bzw. Manie.
Kapitel 1 · Grundlagen
Ich-Störungen
Das Gefühl, Herr über die eigenen Gedanken und den eigenen Körper zu sein — und was passiert, wenn es verloren geht
Ich-Störungen sind ein eigenständiger, sehr charakteristischer Symptombereich, der fast ausschließlich bei der Schizophrenie vorkommt und daher zu den sogenannten Erstrangsymptomen nach Kurt Schneider zählt. Das Grundprinzip: Der Betroffene erlebt die Grenze zwischen dem eigenen Ich und der Außenwelt als durchlässig oder aufgehoben — eigene Gedanken oder Handlungen werden als von außen gemacht/kontrolliert/beeinflusst erlebt.
BegriffErleben des Patienten
GedankenausbreitungDie eigenen Gedanken sind für andere hörbar/spürbar, breiten sich unkontrolliert aus
GedankenentzugGedanken werden von außen „weggenommen", abgesaugt
GedankeneingebungFremde Gedanken werden von außen „eingegeben", sind nicht die eigenen
GedankenlautwerdenEigene Gedanken werden laut, als ob sie gesprochen/gehört würden
Fremdbeeinflussungserlebnisse / BeeinflussungserlebenGefühl, dass Gefühle, Impulse oder Handlungen von außen gemacht/gesteuert werden (z. B. „ferngesteuert")
DepersonalisationSich selbst, den eigenen Körper oder die eigenen Gefühle als fremd, unwirklich, „wie von außen betrachtet" erleben
DerealisationDie Umwelt wird als fremd, unwirklich, „wie im Traum" erlebt
Depersonalisation und Derealisation sind KEINE spezifischen Schizophreniesymptome — sie kommen auch bei Angststörungen, schwerer Erschöpfung, Dissoziation und im Rahmen von Panikattacken vor! Die „echten" schizophrenietypischen Ich-Störungen sind vor allem die Gedanken-Phänomene (Entzug, Eingebung, Ausbreitung, Lautwerden) und das Fremdbeeinflussungserleben.
Prüfungshinweis: Die Frage „Zu den Ich-Störungen zählen: Depersonalisation, Fremdbeeinflussungserlebnisse, Illusionen, Gedankenentzug, hypochondrischer Wahn" — richtig sind hier Depersonalisation, Fremdbeeinflussungserlebnisse und Gedankenentzug (1, 2, 4). Illusionen sind eine Wahrnehmungsstörung, hypochondrischer Wahn eine inhaltliche Denkstörung — beide gehören NICHT zu den Ich-Störungen.
Übungsquiz
Ein Patient berichtet, seine Gedanken würden „laut" und von anderen mitgehört. Um welches Symptom handelt es sich?
A
Ideenflucht
B
Wahnwahrnehmung
C
Gedankenlautwerden
D
Derealisation
Gedankenlautwerden ist eine Ich-Störung: Die eigenen Gedanken werden subjektiv „laut" erlebt, als könnten sie von anderen gehört werden. Ideenflucht ist eine formale Denkstörung, Wahnwahrnehmung eine inhaltliche Denkstörung, Derealisation betrifft das Erleben der Umwelt als fremd.
Kapitel 1 · Grundlagen
Affektivität & Antrieb
Gefühl und Energie — zwei getrennte Achsen, die man in der Prüfung sauber auseinanderhalten muss
Affektivität beschreibt die Gefühlslage und ihre Modulierbarkeit, Antrieb/Psychomotorik beschreibt die Energie und den Bewegungsdrang. Beide Achsen sind unabhängig voneinander und werden getrennt im Befund erhoben — eine Depression hat z. B. gedrückten Affekt UND verminderten Antrieb, eine Manie gehobenen Affekt UND gesteigerten Antrieb, aber es gibt auch Kombinationen, die auseinanderfallen (z. B. agitierte Depression: gedrückter Affekt, aber gesteigerte motorische Unruhe).
Störungen der Affektivität
BegriffBeschreibung
Affektarmut / AffektverarmungVermindertes Spektrum an Gefühlsäußerungen, wirkt „flach"
ParathymieDiskrepanz zwischen Gefühlsausdruck (Mimik/Gestik) und tatsächlichem Erlebnisinhalt — z. B. Lachen beim Erzählen von etwas Traurigem
AffektlabilitätSchnell wechselnde, sprunghafte Stimmung ohne erkennbaren Auslöser
AffektinkontinenzUnkontrollierbare, überschießende Gefühlsausbrüche (z. B. bei Demenz, Schlaganfall)
AmbivalenzGleichzeitiges Erleben widersprüchlicher Gefühle (z. B. Liebe und Hass zugleich) gegenüber demselben Objekt
Läppischer AffektAlberne, unpassend heitere, kindisch-distanzlose Stimmung
InsuffizienzgefühleGefühl des Nicht-Genügens, der eigenen Unzulänglichkeit
Prüfungshinweis: „Diskrepanz zwischen Gefühlsausdruck und Erlebnisinhalt" = Parathymie (nicht Ambivalenz, nicht Affektinkontinenz!). Das ist eine sehr beliebte Verwechslungsfrage.
Störungen des Antriebs und der Psychomotorik
BegriffBeschreibungTypisch bei
Antriebsarmut/-hemmungVerminderter Schwung, Initiative, EnergieDepression, schizophrenes Residuum
AntriebssteigerungÜbermäßiger Bewegungs-/TatendrangManie, agitierte Depression, hebephrene Schizophrenie, Stimulanzienkonsum
StuporRegungslosigkeit bei erhaltenem Bewusstsein — keine Bewegung, keine ReaktionSchwere Depression, Katatonie, dissoziative Störung
ManierismenBizarre, verschrobene, gekünstelte Bewegungen/GestikSchizophrenie (v. a. katatone Form)
NegativismusAktiver Widerstand gegen Aufforderungen, Gegenteil wird getanKatatone Schizophrenie
LogorrhöÜberschießender Redefluss, kaum unterbrechbarManie
MutismusSchweigen trotz erhaltener SprachfähigkeitKatatonie, elektiver Mutismus bei Kindern, schwere Depression
Verminderter Antrieb ist typisch bei: schizophrenem Residuum, Hypothyreose UND depressiver Episode. Antriebssteigerung ist typisch bei: manischer Episode, hebephrener Schizophrenie UND agitierter Depression (hier: gedrückte Stimmung + motorische Unruhe gemeinsam — eine wichtige Ausnahme, die zeigt, dass Affekt und Antrieb unabhängige Achsen sind!).
Übungsquiz
Ihnen fällt bei einem Patienten ein sonderbares, bizarres, gekünsteltes Bewegungsmuster auf. Welcher Begriff trifft am ehesten zu?
A
Parathymie
B
Logorrhö
C
Manierismen
D
Mutismus
Manierismen sind bizarre, gekünstelte, unnatürliche Bewegungen und Gestik — typisch für die (v. a. katatone) Schizophrenie. Parathymie betrifft den Affekt, Logorrhö den Redefluss, Mutismus das Schweigen.
Kapitel 1 · Grundlagen
Gedächtnisstörungen
Merkfähigkeit, Amnesien und Konfabulationen — das Fundament für Korsakow und Delir
Gedächtnisstörungen sind ein eigener Prüfungsschwerpunkt und die Basis, um später Korsakow-Syndrom, Delir und Demenz zu verstehen. Wichtig ist zunächst die Unterscheidung von Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis sowie der Begriff der Merkfähigkeit (Fähigkeit, neue Informationen kurzfristig zu speichern und wiederzugeben).
Amnesien — Verlust von Erinnerung
BegriffDefinition
Anterograde AmnesieGedächtnislücke für die Zeit nach einem Ereignis (z. B. Unfall) — neue Inhalte können nicht mehr gespeichert werden
Retrograde AmnesieGedächtnislücke für die Zeit vor einem Ereignis
Kongrade AmnesieErinnerungslücke für das Ereignis selbst (z. B. während einer Bewusstlosigkeit)
Prüfungshinweis: Retrograde Amnesie betrifft die Zeit VOR dem Ereignis — nicht danach! Diese Verwechslung wird regelmäßig geprüft.
Konfabulation und Paramnesie
Konfabulationen: Der Patient füllt Erinnerungslücken mit frei erfundenen, aber subjektiv für wahr gehaltenen Inhalten — er lügt nicht bewusst, sondern hält die „Füll-Erinnerungen" selbst für echt. Klassisch bei Korsakow-Syndrom.
Paramnesien (Wahn- oder Trugerinnerungen): Falsches Wiedererkennen von Situationen oder Personen als bereits erlebt (verwandt mit Déjà-vu, aber pathologisch fixiert).
Störungen der Merkfähigkeit treten NICHT nur bei organischen Erkrankungen auf — auch bei schweren affektiven Störungen (Depression) kann die Merkfähigkeit subjektiv und objektiv beeinträchtigt sein. Das nennt man Pseudodemenz: kognitive Defizite im Rahmen einer Depression, die eine Demenz vortäuschen, sich aber bei Besserung der Depression zurückbilden.
HP-Grenze: Störungen des Kurzzeitgedächtnisses sprechen NICHT gegen eine alkoholbedingte Korsakow-Psychose — im Gegenteil, sie sind das Kernsymptom! Das Kurzzeitgedächtnis/die Merkfähigkeit ist beim Korsakow-Syndrom schwer gestört, während ältere (lange etablierte) Erinnerungen oft erhalten bleiben.
Übungsquiz
Welche Aussage zu Gedächtnisstörungen trifft zu?
A
Eine retrograde Amnesie betrifft die Zeit nach einem Ereignis
B
Störungen der Merkfähigkeit treten bei affektiven Störungen nicht auf
C
Bei Konfabulationen füllt der Patient Erinnerungslücken mit Einfällen, die er selbst für Erinnerungen hält
D
Kurzzeitgedächtnisstörungen sprechen gegen eine Korsakow-Psychose
Konfabulationen sind frei erfundene, aber vom Patienten selbst für wahr gehaltene Erinnerungen, mit denen Gedächtnislücken gefüllt werden — typisch bei Korsakow-Syndrom. Retrograde Amnesie betrifft die Zeit VOR dem Ereignis, Merkfähigkeitsstörungen kommen auch bei Depression vor (Pseudodemenz), und Kurzzeitgedächtnisstörungen sprechen gerade FÜR ein Korsakow-Syndrom.
Kapitel 2 · Notfälle
Delir & akute Verwirrtheit
Der wichtigste psychiatrische Notfall der Prüfung — lebensbedrohlich und immer eine Ausschlussdiagnostik wert
Das Delir ist ein akutes, meist fluktuierendes organisch bedingtes Psychosyndrom mit Störung von Bewusstsein, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Denken, Gedächtnis, Psychomotorik, Emotionalität und Schlaf-Wach-Rhythmus. Es ist ein medizinischer Notfall — die zugrunde liegende Ursache muss sofort abgeklärt werden, da unbehandelt Lebensgefahr besteht.
Kernmerkmal des Delirs: akuter Beginn und fluktuierender Verlauf (die Symptomatik schwankt im Tagesverlauf, ist oft abends/nachts schlimmer — „Sundowning"). Das unterscheidet das Delir von der Demenz, die schleichend beginnt und relativ stabil verläuft.
Zwei Formen des Delirs
Hyperaktives Delir
Erhöhte psychomotorische Aktivität
Stereotype Bewegungen, Umherwandern
Leichte Erregbarkeit, mitunter Euphorie
Typisch: Alkoholentzugsdelir (Delirium tremens)
Hypoaktives Delir
Schwerfälligkeit, Lethargie
Verlangsamte, reduzierte Sprache
Reduziertes Bewusstsein, wirkt „ruhig verwirrt"
Wird häufig übersehen/fehlinterpretiert als Müdigkeit oder Depression!
Ursachen der akuten Verwirrtheit
Ein Delir kann durch praktisch jede schwere körperliche Störung ausgelöst werden. Für die Prüfung besonders relevant:
Elektrolytstörungen (v. a. Natrium)
Fieberhafte Infekte (v. a. bei alten Menschen, z. B. Harnwegsinfekt!)
Diuretikatherapie (über Elektrolytverschiebung/Exsikkose)
Hypoglykämie
Ateminsuffizienz (Hypoxie, Hyperkapnie)
Medikamenteneinnahme oder -entzug (v. a. Benzodiazepine, Alkohol, Anticholinergika)
Stoffwechselentgleisungen (z. B. Leber-, Niereninsuffizienz)
Prüfungshinweis: Alle 5 genannten Faktoren (Elektrolytstörung, fieberhafter Infekt, Diuretikatherapie, Hypoglykämie, Ateminsuffizienz) können eine akute Verwirrtheit verursachen — eine Altprüfungsfrage mit „1-5, alle sind richtig" als korrekter Antwort.
Prädisponierende Faktoren
Ein Delir entsteht meist durch das Zusammentreffen einer akuten Auslösesituation mit einer erhöhten Vulnerabilität: hohes Lebensalter, vorbestehende Demenz, Depression, Dehydration und Malnutrition erhöhen das Risiko deutlich.
Alkoholdelir (Delirium tremens) — der Prüfungsklassiker
Das Alkoholentzugsdelir tritt typischerweise am 2.–3. Tag nach dem letzten Alkoholkonsum bzw. nach abruptem Absetzen auf und ist ein lebensbedrohliches Krankheitsbild. Kombination aus psychotischer und psychovegetativer Symptomatik:
Psychotisch
Optische Halluzinationen (klassisch: kleine, bewegliche Tiere/Insekten), zeitliche/örtliche Desorientiertheit, Situationsverkennung, Nesteln
Vegetativ
Tachykardie, Hypertonie, starkes Schwitzen, Tremor, Fieber möglich
Komplikationen
Generalisierte Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit, Kreislaufversagen — potenziell tödlich ohne Behandlung!
HP-Grenze: Delirium tremens ist IMMER ein Notfall mit sofortiger Klinikeinweisung — niemals ambulante HP-Behandlung! Kardinalsymptome sind NICHT Tremor/Rigor/Akinese (das wäre eher Parkinson-typisch) — das Delirium tremens zeigt Bewusstseinstrübung, vegetative Entgleisung und meist optische Halluzinationen mit Tremor.
Wernicke-Enzephalopathie & Korsakow-Syndrom
Beide Krankheitsbilder beruhen auf einem Vitamin-B1-Mangel (Thiamin), typischerweise bei chronischem Alkoholismus (Mangelernährung + gestörte Resorption). Die Wernicke-Enzephalopathie ist die akute, potenziell lebensbedrohliche Form (Verwirrtheit, Augenmuskelstörungen, Gangunsicherheit) — unbehandelt kann sie in das chronische Korsakow-Syndrom übergehen: schwere Störung der Merkfähigkeit (v. a. Kurzzeitgedächtnis), zeitliche Desorientierung und Konfabulationen bei relativ klarem Bewusstsein (kein Delir!).
Übungsquiz
Ein Angehöriger schildert bei einem alkoholabhängigen Patienten: Bewusstseinsstörung, gestörte Orientierung, wirre Äußerungen mit Situationsverkennung, Unruhe, starkes Schwitzen, Händezittern. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?
A
Fokaler epileptischer Anfall
B
Korsakow-Syndrom
C
Delirium tremens
D
Stupor
Diese Kombination aus Bewusstseinsstörung, Desorientierung, Situationsverkennung, vegetativer Symptomatik (Schwitzen, Tremor) und Unruhe ist klassisch für das Delirium tremens. Beim Korsakow-Syndrom fehlt typischerweise die ausgeprägte Bewusstseinstrübung.
Kapitel 2 · Notfälle
Suizidalität
Wie man das Risiko einschätzt, richtig anspricht und wann eine Einweisung nötig ist
Suizidalität ist eines der prüfungsrelevantesten und gleichzeitig verantwortungsvollsten Themen der HP-Ausbildung. In Deutschland sterben mehr Menschen an Suizid als im Straßenverkehr — das ist eine wichtige Zahl, die in Prüfungen abgefragt wird.
Wer ist besonders gefährdet? Risikofaktoren
Ein erhöhtes Suizidrisiko gegenüber der Allgemeinbevölkerung besteht bei praktisch allen schweren psychischen Erkrankungen:
Depressive Störung — höchstes Einzelrisiko
Schizophrene Psychose
Alkohol-/Suchtabhängigkeit
Anorexia nervosa — höchste Mortalität aller psychischen Erkrankungen (körperliche Komplikationen + Suizid)
Persönlichkeitsstörungen (v. a. Borderline)
Ältere, alleinstehende Männer über 75 Jahre
Suizide/Suizidversuche in der Familiengeschichte
Frühere eigene Suizidversuche (stärkster Einzelprädiktor!)
Fehlende tragfähige Bindungen, sozialer Rückzug
Prüfungshinweis: Auch Angststörungen zeigen eine gegenüber der Allgemeinbevölkerung erhöhte Suizidrate — nicht nur die „klassischen" Diagnosen wie Depression und Schizophrenie!
Das präsuizidale Syndrom nach Ringel
Ein klassisches Prüfungsmodell zur Beschreibung der Entwicklung vor einem Suizid, bestehend aus drei Komponenten:
1. Einengung
Situative, dynamische, zwischenmenschliche und wertebezogene Einengung des Denkens und Erlebens
2. Aggressionsumkehr
Aggressionsphantasien richten sich zunehmend gegen die eigene Person statt nach außen
3. Suizidphantasien
Konkrete Vorstellungen und Phantasien über den eigenen Tod/Suizid
Wie man Suizidalität aktiv anspricht — richtiges Vorgehen
Die alte Angst „wenn ich danach frage, bringe ich den Patienten erst auf die Idee" ist wissenschaftlich widerlegt: Das gezielte, empathische Ansprechen von Suizidgedanken erhöht das Risiko nicht, sondern wirkt meist entlastend. Bei einer beiläufigen Todeswunsch-Äußerung während des Gesprächs (z. B. „am liebsten wäre es mir, es gäbe einen Knall und ich wäre tot") sollte der Therapeut sofort abklären, wie konkret die Todeswünsche ausgeprägt sind — nicht erst später, wenn der Patient von sich aus wieder darauf zu sprechen kommt, und nicht ausweichen, weil „schon vor 5 Sitzungen eine Non-Suizid-Vereinbarung" bestand — solche Vereinbarungen sind kein verlässlicher Schutz und ersetzen die aktuelle Einschätzung nicht.
Wichtige Fakten, die oft als Falschaussagen geprüft werden: Die meisten Menschen mit Suizidgedanken kündigen ihre Absicht vorher an (direkt oder indirekt) — Suizidankündigungen müssen immer ernst genommen werden. Ein plötzliches „ruhig und gelöst wirken" nach vorheriger Verzweiflung ist KEIN Zeichen von Besserung, sondern kann bedeuten, dass der Betroffene einen Entschluss gefasst hat — ein Alarmzeichen!
Indikation zur stationären Einweisung
Eine stationäre Einweisung sollte insbesondere erwogen werden bei: mangelnder Absprachefähigkeit (der Patient kann sich nicht glaubhaft von akuten Suizidabsichten distanzieren), fehlender tragfähiger therapeutischer Beziehung, wenn die zugrunde liegende Störung intensive psychiatrische/psychotherapeutische Behandlung benötigt, sowie bei konkreten, geplanten Suizidhandlungen.
Wenn der Patient sich weigert: das Vorgehen bei akuter, unbeirrter Suizidalität
Droht ein nicht absprachefähiger Patient unbeirrt, sich zu töten, und lehnt eine stationäre Aufnahme ab, ist die richtige Reaktion: die Polizei bzw. die zuständige Ordnungsbehörde zu informieren, damit eine Unterbringung nach dem jeweiligen Landesgesetz (PsychKG) eingeleitet werden kann — nicht selbst nach Hause fahren, nicht nur die Angehörigen informieren und selbst nichts weiter unternehmen.
HP-Grenze: Bei akuter Suizidalität mit Selbstgefährdung hat die Heilpraktikerin/der Heilpraktiker keine eigene Zwangsbefugnis — die Unterbringung erfolgt ausschließlich über Amtsarzt/Gericht/Polizei nach dem Unterbringungsrecht des jeweiligen Bundeslandes. Die eigene Rolle ist: erkennen, einschätzen, informieren, den Prozess in Gang setzen.
Übungsquiz
Welche Aussagen zur Suizidalität treffen zu? Wählen Sie zwei Antworten!
A
Fragen nach Suizidgedanken sollten vermieden werden, da sie das Risiko erhöhen
B
Suchtkranke Menschen sind in erhöhtem Maße suizidgefährdet
C
Plötzliche Ruhe nach vorheriger Verzweiflung zeigt sicher eine Besserung an
D
In Deutschland sterben mehr Menschen an Suizid als im Straßenverkehr
Suchtkranke Menschen haben ein deutlich erhöhtes Suizidrisiko, und tatsächlich sterben in Deutschland mehr Menschen durch Suizid als im Straßenverkehr. Das gezielte Ansprechen von Suizidgedanken erhöht das Risiko nicht, und plötzliche Ruhe kann auch ein Alarmzeichen sein.
Kapitel 2 · Notfälle & Recht
Unterbringung & Betreuungsrecht
Die zwei völlig unterschiedlichen Rechtswege, die in der Prüfung ständig verwechselt werden
Für die Prüfung musst du zwei unabhängige Rechtsgrundlagen sauber unterscheiden, die beide zu einer Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik führen können, aber völlig unterschiedliche Voraussetzungen haben.
Unterbringungsrecht der Länder
(z. B. PsychKG, Bayern: UnterbrG)
Öffentlich-rechtlich, Landesrecht
Voraussetzung: akute erhebliche Selbst- oder Fremdgefährdung durch eine psychische Erkrankung
Zuständig: Amtsgericht (Eilverfahren), Ordnungsbehörde/Polizei bei Gefahr im Verzug
Zeitlich befristet, richterliche Überprüfung erforderlich
Betreuungsrecht
(BGB, § 1831 ff.)
Zivilrechtlich, dient dem Wohl des Betroffenen
Voraussetzung: der Betroffene kann seine Angelegenheiten aufgrund einer Krankheit/Behinderung nicht mehr selbst besorgen
Über die Bestellung eines Betreuers entscheidet ausschließlich das Gericht
Kann auch zur Ermöglichung einer notwendigen ärztlichen Untersuchung/Heilbehandlung erfolgen — nicht nur bei Gefährdung!
Prüfungshinweis: Die Einweisung nach dem Unterbringungsrecht der Länder ist NICHT unbefristet und NICHT auf „höchstens vier Wochen" pauschal begrenzt — die genauen Fristen variieren nach Bundesland, es ist aber immer eine richterliche Überprüfung notwendig. Eine Unterbringung nach dem Betreuungsrecht erfolgt ebenfalls NICHT ohne zeitliche Befristung — auch sie ist zeitlich begrenzt und muss regelmäßig überprüft werden.
Wer kann eine Betreuung anregen?
Die Errichtung einer Betreuung kann auch gegen den (zunächst geäußerten) Willen des Betroffenen durch nahe Angehörige angeregt werden — die endgültige Entscheidung trifft aber immer das Gericht, nicht die Angehörigen und auch nicht das Gesundheitsamt. Das Gesundheitsamt selbst kann keine Betreuung „anordnen".
Merke die Zuständigkeiten: Betreuer bestellen = nur das Gericht. Eine Betreuung besteht NICHT lebenslang — sie wird regelmäßig überprüft und kann aufgehoben werden, wenn die Voraussetzungen entfallen.
HP und Menschen mit rechtlicher Betreuung
Die Behandlung von Menschen mit rechtlicher Betreuung ist Heilpraktikern grundsätzlich nicht generell untersagt — entscheidend ist, ob der jeweilige Aufgabenkreis der Betreuung (z. B. Gesundheitssorge) berührt ist; dann ist ggf. die Zustimmung des Betreuers einzuholen.
Zusammenfassung: Voraussetzung zur Unterbringung
Die zentrale, in Altprüfungen wiederholt abgefragte Kernvoraussetzung für eine Unterbringung nach dem Unterbringungsrecht der Länder ist die akute erhebliche Eigengefährdung (oder Fremdgefährdung) — NICHT fehlende Krankheitseinsicht allein, NICHT Suchtmittelgebrauch allein, NICHT eine unheilbare körperliche Erkrankung, und auch NICHT die Einschätzung durch Angehörige allein.
Übungsquiz
Welche Aussage zur Unterbringung psychisch Kranker trifft zu?
A
Die Einweisung nach dem Unterbringungsrecht der Länder ist nur bei akuter Eigengefährdung möglich, niemals bei Fremdgefährdung
B
Die Unterbringung nach dem Betreuungsrecht erfolgt ohne zeitliche Befristung
C
Eine Unterbringung nach dem Betreuungsrecht kann auch zum Zweck einer notwendigen ärztlichen Untersuchung erfolgen
D
Eine Unterbringung nach dem Unterbringungsrecht der Länder darf höchstens vier Wochen andauern
Das Betreuungsrecht erlaubt eine Unterbringung auch, um eine notwendige ärztliche Untersuchung oder Heilbehandlung zu ermöglichen — nicht nur bei akuter Gefährdung. Das Unterbringungsrecht der Länder gilt bei Eigen- UND Fremdgefährdung, ist zeitlich befristet (nicht pauschal 4 Wochen), und auch das Betreuungsrecht ist zeitlich begrenzt.
Kapitel 3 · Affektive Störungen
Depression
Die häufigste psychische Erkrankung in der Prüfung — Hauptsymptome, somatisches Syndrom, psychotische Depression
Die depressive Episode ist nach ICD-10 definiert über eine Kombination von Haupt- und Zusatzsymptomen, die mindestens zwei Wochen anhalten müssen. Merke dir die drei Hauptsymptome zuerst — sie sind der Ausgangspunkt jeder Diagnosestellung:
Gedrückte Stimmung
Anhaltend niedergeschlagen, traurig, freudlos — meist über den Tag wenig schwankend
Interessen-/Freudverlust
Anhedonie: Verlust der Fähigkeit, Freude zu empfinden, auch an früher geschätzten Aktivitäten
Verminderter Antrieb
Erhöhte Ermüdbarkeit, verminderte Aktivität, oft schon nach kleinsten Anstrengungen erschöpft
Zusatzsymptome
Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
Suizidgedanken/-handlungen — immer aktiv erfragen!
Schlafstörungen (klassisch: frühmorgendliches Erwachen)
Verminderter Appetit
Das somatische Syndrom
Zusätzlich zu Haupt- und Zusatzsymptomen kann eine depressive Episode von einem sogenannten somatischen Syndrom begleitet sein — körperlich-vegetativen Symptomen, die eine besondere biologische Schwere anzeigen:
SymptomBeschreibung
MorgentiefStimmung ist morgens am schlechtesten, bessert sich im Tagesverlauf
Frühes ErwachenMind. 2 Stunden vor der gewohnten Zeit, kann nicht mehr einschlafen
Psychomotorische Hemmung oder AgitiertheitDeutlich verlangsamte Bewegungen/Sprache oder gegenteilig: rastlose Unruhe
LibidoverlustDeutlich vermindertes sexuelles Interesse
Appetit-/GewichtsverlustDeutlicher, ungewollter Gewichtsverlust
Prüfungshinweis: Wahnvorstellungen und Schuldgefühle gehören NICHT zum somatischen Syndrom — sie sind psychotische bzw. Zusatzsymptome. Zum somatischen Syndrom zählen ausschließlich die vegetativ-körperlichen Zeichen wie Morgentief und psychomotorische Hemmung.
Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
In besonders schweren Fällen können zusätzlich psychotische Symptome auftreten — dann handelt es sich um eine Sonderform mit deutlich erhöhtem Risiko: Wahnideen (v. a. Verarmungs-, Versündigungs-, nihilistischer Wahn — siehe Kapitel 3), gelegentlich auch akustische Halluzinationen (oft anklagende oder beschimpfende Stimmen), ausgeprägte psychomotorische Hemmung bis zum depressiven Stupor.
Depression: weitere wichtige Fakten für die Prüfung
Frauen erkranken statistisch häufiger an Depression als Männer.
Depression ist eine häufige komorbide Störung bei Alkoholabhängigkeit — die beiden bedingen und verstärken sich oft gegenseitig.
Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) spielt bei schweren, therapieresistenten Depressionen durchaus eine wichtige Rolle — sie ist NICHT bedeutungslos!
Eine depressive Erkrankung kann sich im Leben mehrfach wiederholen (rezidivierende depressive Störung) — sie tritt nicht nur einmal auf.
Auch Kinder und Jugendliche können an Depressionen erkranken.
Sportaktivität kann die depressive Symptomatik nachweislich bessern und wirkt auch präventiv.
Kognitive Verhaltenstherapie ist eine anerkannte, wirksame Behandlungsmethode.
HP-Grenze: Zu Beginn einer antidepressiven Medikation (v. a. SSRI) kann die Suizidgefahr vorübergehend ANSTEIGEN, da der Antrieb oft schneller zunimmt als die Stimmung sich bessert — der Patient bekommt dann „die Energie", eine zuvor nur gedachte Suizidhandlung auch umzusetzen. Engmaschige Kontrolle in den ersten Wochen ist essenziell!
Wechselwirkung: Johanniskraut (bei Selbstmedikation neben SSRI) kann über eine Induktion von Cytochrom-P450-Enzymen und zusätzliche serotonerge Wirkung zu einem gefährlichen Serotonin-Syndrom und verminderter Wirksamkeit anderer Medikamente führen — bei Patienten unter SSRI-Therapie unbedingt nach Selbstmedikation mit Johanniskraut fragen!
Übungsquiz
Welche Symptome gehören zum somatischen Syndrom einer depressiven Episode? Wählen Sie zwei Antworten!
A
Wahnvorstellungen
B
Morgentief
C
Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
D
Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit
E
Psychomotorische Hemmung
Morgentief und psychomotorische Hemmung sind klassische Zeichen des somatischen Syndroms — sie zeigen die biologisch-vegetative Schwere der Depression an. Wahnvorstellungen sind ein psychotisches Symptom, Schuldgefühle und Konzentrationsstörungen sind Zusatzsymptome, kein Teil des somatischen Syndroms.
Kapitel 3 · Affektive Störungen
Manie & Bipolare Störung
Der Gegenpol zur Depression — und die feineren Abstufungen: Hypomanie, Dysthymia, Zyklothymia
Die Manie ist gewissermaßen das Spiegelbild der Depression: gehobene (oder gereizte) Stimmung, gesteigerter Antrieb, vermindertes Schlafbedürfnis. Typische Symptome, die du erkennen musst:
Deutlich vermehrtes Redebedürfnis (Logorrhö)
Überhöhte Selbsteinschätzung: Der Betroffene hält sich für deutlich qualifizierter und intelligenter, als er tatsächlich ist — bis hin zum Größenwahn
Vermindertes Schlafbedürfnis (nicht erhöhtes! — ein häufiger Fehler in Prüfungsfragen)
Formale Denkstörungen: Ideenflucht, zerfahrenes Denken
Enthemmtes, risikoreiches Verhalten (Geldausgaben, Sexualität, Verkehr)
Ablenkbarkeit, rasche Themenwechsel
Prüfungshinweis: Ein erhöhtes/vermehrtes Schlafbedürfnis und ein vermindertes Selbstwertgefühl gehören NICHT zur Manie — das wären eher depressive Symptome. Die Manie zeigt genau das Gegenteil: vermindertes Schlafbedürfnis und überhöhtes Selbstwertgefühl.
Fallbeispiel-Logik: der überdrehte Landwirt
Klassisches Prüfungsszenario: Ein 45-jähriger Landwirt, bisher nie psychisch auffällig, wirkt seit 2 Wochen „überdreht" und will den Betrieb aufgeben, um stattdessen einen Industriepark zu managen. Das Muster — plötzlicher Beginn, gesteigerter Antrieb, übersteigerte Selbsteinschätzung, riskante Entscheidungen ohne realistische Grundlage — spricht am ehesten für eine Manie, nicht für eine Schizophrenie (dort stünden eher Wahn, Halluzinationen und Ich-Störungen im Vordergrund) und nicht für ein Delir (kein Hinweis auf Bewusstseinstrübung oder körperliche Ursache).
Die Abstufungen: Hypomanie, Zyklothymia, Dysthymia
BegriffDefinition
HypomanieAbgeschwächte Form der Manie — gehobene Stimmung und gesteigerter Antrieb, aber ohne psychotische Symptome und ohne massive Beeinträchtigung des Alltags
ZyklothymiaChronische, mindestens 2 Jahre andauernde Instabilität der Stimmung mit zahlreichen Perioden von leichter Depression und leichter Hochstimmung (Hypomanie), aber nie in einem Ausmaß, das die Kriterien für eine manische oder depressive Episode voll erfüllt
DysthymiaChronische depressive Verstimmung eher leichter Ausprägung, die mindestens 2 Jahre anhält, ohne die Kriterien einer vollen depressiven Episode zu erfüllen
Alle drei — Hypomanie, Zyklothymia UND Dysthymia — gehören zusammen mit Manie und Depression zu den affektiven Störungen nach ICD-10. Zwangsstörungen zählen NICHT dazu, auch wenn sie in Prüfungsfragen oft gemeinsam mit affektiven Störungen aufgelistet werden — das ist eine typische Falle!
Prüfungshinweis: Dysthymia ist NICHT dasselbe wie eine „larvierte Depression" (das wäre eine Depression, die sich hauptsächlich durch körperliche Symptome zeigt) und auch nicht identisch mit „mehr als 4 Episoden pro Jahr" (das beschreibt eher das Rapid-Cycling bei bipolarer Störung). Dysthymia = chronisch, leicht, anhaltend gedrückt.
Übungsquiz
Welche der folgenden Aussagen zählen zu den typischen Symptomen einer Manie? 1. Vermehrtes Redebedürfnis 2. Überhöhte Selbsteinschätzung 3. Erhöhtes Schlafbedürfnis 4. Formale Denkstörungen 5. Vermindertes Selbstwertgefühl
A
Nur 1 und 2
B
Nur 1, 2 und 4
C
Nur 3 und 4
D
1–5, alle sind richtig
Vermehrtes Redebedürfnis, überhöhte Selbsteinschätzung und formale Denkstörungen (z. B. Ideenflucht) sind typisch für Manie. Erhöhtes Schlafbedürfnis und vermindertes Selbstwertgefühl sind FALSCH — bei Manie ist das Schlafbedürfnis vermindert und das Selbstwertgefühl gesteigert.
Kapitel 4 · Schizophrenie
Schizophrenie — Grundlagen & Symptome
Positiv- und Negativsymptome, Epidemiologie, die häufigsten Prüfungsfakten
Die Schizophrenie ist eine der prüfungsrelevantesten Erkrankungen überhaupt. Charakteristisch ist eine tiefgreifende Störung von Denken, Wahrnehmung und Ich-Erleben mit inadäquatem oder verflachtem Affekt. Um das Krankheitsbild zu verstehen, teilt man die Symptome in zwei Gruppen ein — diese Einteilung ist der wichtigste Merkrahmen des ganzen Kapitels.
Positivsymptome
„etwas kommt hinzu"
Wahn (v. a. Verfolgungswahn)
Halluzinationen (v. a. akustisch)
Ich-Störungen (Gedankeneingebung, -entzug, -ausbreitung, -lautwerden)
Formale Denkstörungen (Zerfahrenheit)
Prognostisch meist günstiger, spricht oft gut auf Neuroleptika an
Negativsymptome
„etwas fehlt"
Sprachverarmung (Alogie)
Affektverarmung / verflachter Affekt
Antriebsmangel, Apathie
Sozialer Rückzug
Vernachlässigung der Körperpflege
Prognostisch UNGÜNSTIG, spricht schlechter auf Neuroleptika an
Prüfungshinweis: Das Auftreten von Negativsymptomen gilt im Rahmen einer Schizophrenie als prognostisch UNGÜNSTIG. Halluzinationen sind KEIN zwingendes Kriterium für die Diagnose (siehe Kapitel 2) — es gibt schizophrene Verlaufsformen, die vorwiegend über Negativsymptome oder formale Denkstörungen definiert sind.
Epidemiologie — Zahlen, die geprüft werden
FaktWert / Aussage
LebenszeitrisikoCa. 1 % der Bevölkerung erkrankt im Laufe des Lebens
ErstmanifestationTypischerweise zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr
GeschlechtMänner erkranken im Schnitt früher als Frauen (nicht später!)
Familiäre HäufungDeutlich erhöhtes Risiko bei erstgradig Verwandten — genetische Komponente relevant
SuizidrateDeutlich erhöht (ca. 5–15 % versterben durch Suizid) — hohe Komorbidität mit Suchterkrankungen
LebenserwartungIm Mittel vermindert (u. a. durch Suizidrisiko, Lebensstilfaktoren, teils Medikamentennebenwirkungen)
NICHT 5 % (das wäre viel zu hoch) — das Lebenszeitrisiko liegt bei etwa 1 %. Diese Zahl wird gerne mit falschen Prozentangaben in Prüfungsfragen „getestet".
Verlauf und Prognose
Ein akuter Krankheitsbeginn ist prognostisch eher günstiger als ein schleichender (langsamer) Beginn — das ist ein häufig falsch erinnerter Punkt: viele denken intuitiv, „akut = schlimmer", aber in der Psychiatrie gilt umgekehrt: je plötzlicher und deutlicher die Episode beginnt, desto eher lässt sie sich auch gut behandeln und remittieren; ein schleichender Beginn mit primär negativer Symptomatik hat oft eine ungünstigere Prognose.
HP-Grenze: Mit „geduldiger Erklärung" lässt sich ein Patient in der Regel NICHT von seinem Wahninhalt lösen — Wahn ist per Definition unkorrigierbar durch Logik oder Gegenargumente. Der Versuch, den Wahn „wegzudiskutieren", kann die therapeutische Beziehung sogar belasten. Die Behandlung der Schizophrenie inkl. Medikation gehört grundsätzlich in ärztliche/fachärztliche Hand — der HP kann unterstützend begleiten, aber die Verantwortung für Diagnostik und medikamentöse Führung liegt beim Arzt.
Kognitive Defizite
Neben Positiv- und Negativsymptomen treten bei Schizophrenie regelhaft auch kognitive Defizite auf (Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Exekutivfunktionen) — die Aussage, es gäbe „keine kognitiven Defizite", ist falsch. Auch nach Drogenkonsum (z. B. Amphetamine, Cannabis, Halluzinogene) können Symptome auftreten, die einer Schizophrenie sehr ähnlich sind — eine wichtige Differentialdiagnose.
Übungsquiz
Welche Symptome zählen zu den Positivsymptomen der Schizophrenie? Wählen Sie zwei Antworten!
A
Halluzinationen
B
Gedankeneingebungen
C
Sprachverarmung
D
Antriebsschwäche
Halluzinationen und Gedankeneingebungen (eine Ich-Störung) sind Positivsymptome — sie kommen „zusätzlich" hinzu. Sprachverarmung und Antriebsschwäche sind Negativsymptome — hier fehlt etwas an normaler Funktion.
Kapitel 4 · Schizophrenie
Verlaufsformen, Residuum & Schizoaffektive Störung
Was passiert nach der akuten Episode, und wie grenzt man verwandte Störungsbilder ab
Das schizophrene Residuum
Das Residuum ist ein chronisches Stadium nach mindestens einer akuten schizophrenen Episode, bei dem Negativsymptome im Vordergrund stehen — es ist NICHT „die depressive Phase nach der akuten Episode" (eine beliebte Falschantwort), sondern ein eigenständiges, meist über mindestens ein Jahr bestehendes Zustandsbild.
Psychomotorische Verlangsamung
Vernachlässigung der eigenen Körperpflege
Antriebsminderung, sozialer Rückzug
Meist eher schleichender/allmählicher Beginn (nicht plötzlich)
Paranoid-halluzinatorische Phänomene stehen NICHT im Vordergrund (das wäre die akute/floride Phase, nicht das Residuum)
Prüfungshinweis: Im Rahmen der Differentialdiagnose des schizophrenen Residuums müssen eine Demenz oder eine chronische Depression ausgeschlossen werden — die Symptomatik (Antriebsmangel, sozialer Rückzug, Verlangsamung) kann leicht verwechselt werden!
Paranoide Schizophrenie
Die häufigste Verlaufsform. Charakteristisch: Wahnideen (v. a. Verfolgungswahn) und akustische Halluzinationen stehen im Vordergrund, während formale Denkstörungen, Affektverflachung und katatone Symptome weniger ausgeprägt sind. Haltungsstereotypien und gehobene Stimmung gehören NICHT zum typischen Bild der paranoiden Schizophrenie.
Schizoaffektive Störung
Bei der schizoaffektiven Störung treten affektive Symptome (manisch oder depressiv) und schizophrene Symptome gleichzeitig, in derselben Krankheitsphase auf — nicht nacheinander, nicht klar getrennt. Weder rein manische noch rein schizophrene Symptome allein reichen für diese Diagnose; entscheidend ist die zeitgleiche Ausprägung beider Symptomgruppen.
Schizoaffektive Störung ≠ „ständiger Stimmungswechsel zwischen bedrückt und euphorisch" (das wäre eher eine bipolare Beschreibung) und ≠ „kontinuierlich vorhandene Wahnvorstellungen" (das wäre eher eine wahnhafte Störung). Der Kern ist: schizophrene + affektive Symptome GLEICHZEITIG.
Übungsquiz
Welche Aussage zum schizophrenen Residuum trifft am ehesten zu?
A
Es handelt sich um die depressive Phase nach der akuten Episode
B
Paranoid-halluzinatorische Phänomene stehen im Vordergrund
C
Psychomotorische Verlangsamung und Vernachlässigung der Körperpflege sind charakteristisch
D
Der Beginn ist typischerweise plötzlich
Das schizophrene Residuum ist geprägt von Negativsymptomen wie psychomotorischer Verlangsamung und Vernachlässigung der Körperpflege — nicht von akuten paranoid-halluzinatorischen Phänomenen, nicht von Depression im engeren Sinne, und der Beginn ist meist schleichend.
Kapitel 5 · Angst & Zwang
Phobien
Agoraphobie, soziale Phobie und spezifische Phobien sauber unterscheiden
Eine Phobie ist eine situations- oder objektgebundene Angst, die als übertrieben/unvernünftig erkannt wird (Krankheitseinsicht ist meist erhalten!), aber trotzdem zu Vermeidungsverhalten führt.
Agoraphobie
Angst vor Menschenmengen, öffentlichen Plätzen, dem Verlassen des sicheren Zuhauses, öffentlichen Verkehrsmitteln
Kernangst: „ich kann im Notfall nicht entkommen/keine Hilfe bekommen"
NICHT gleichbedeutend mit Spinnenangst — das wäre eine spezifische Phobie
Soziale Phobie
Angst vor prüfender Betrachtung durch andere, im Mittelpunkt zu stehen
Furcht, sich peinlich oder erniedrigend zu verhalten
Körperliche Begleitsymptome: Erröten, Zittern, Angst zu erbrechen, Drang zum Wasserlassen
Soziale Phobie im Detail
Die soziale Phobie gehört zu den häufigsten Angststörungen überhaupt. Wichtige Prüfungsfakten:
Sie kann klar abgrenzbar/spezifisch sein (z. B. nur Angst vor Essen in der Öffentlichkeit) oder generalisiert praktisch alle sozialen Situationen betreffen.
Die Ängste werden von den Betroffenen selbst als übertrieben bzw. unvernünftig erlebt.
Direkter Augenkontakt wird häufig als besonders belastend empfunden.
Furcht vor Kritik ist ein Kernmerkmal.
Patienten mit sozialer Phobie weisen HÄUFIG ein niedriges Selbstwertgefühl auf — nicht selten!
Der Beginn liegt meist NICHT im mittleren Lebensalter, sondern typischerweise in der Kindheit/Jugend.
Symptome KÖNNEN durchaus das Ausmaß einer Panikattacke erreichen — sie sind nicht auf leichte Anspannung begrenzt.
Behandlung der sozialen Phobie
Wirksame Bausteine sind: kognitive Techniken, Expositionsübungen (schrittweise Konfrontation mit gefürchteten Situationen), Entspannungsübungen, Training sozialer Kompetenzen und Gruppentherapie — die Kombination aus diesen Elementen (typischerweise im Rahmen einer Verhaltenstherapie) gilt als besonders wirksam.
Bei der Agoraphobie ist Verhaltenstherapie (v. a. mit Exposition/Konfrontation) die Methode mit der besten Wirksamkeitsevidenz — nicht klientenzentrierte Gesprächstherapie, nicht Gestaltpsychotherapie mit Psychodrama, nicht achtsamkeitsbasierte Körpertherapie allein.
Übungsquiz
Welche Aussagen zur sozialen Phobie treffen zu? Wählen Sie zwei Antworten!
A
Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen
B
Soziale Phobien können sich auch im Drang zum Wasserlassen äußern
C
Die Symptome erreichen nie das Ausmaß einer Panikattacke
D
Soziale Phobien beginnen meist im mittleren Lebensalter
E
Soziale Phobien können klar abgegrenzt sein, z. B. nur auf Essen in der Öffentlichkeit beschränkt
Der Drang zum Wasserlassen kann eine körperliche Begleiterscheinung der sozialen Angst sein, und soziale Phobien können durchaus klar umschrieben (spezifisch) auftreten. Sie sind nicht überwiegend männlich, können sehr wohl Panikattacken-Ausmaß erreichen und beginnen meist früh, nicht im mittleren Alter.
Kapitel 5 · Angst & Zwang
Panikstörung & Generalisierte Angststörung
Der Unterschied zwischen anfallsartiger und dauerhafter Angst — plus körperliche Erkrankungen als Nachahmer
Panikattacke — plötzlich, heftig, zeitlich begrenzt
Eine Panikattacke ist eine einzelne, abrupt beginnende Episode intensiver Angst oder Unbehagens, begleitet von vegetativen Symptomen: Herzrasen, Beklemmungsgefühl, Hitzewallungen, Zittern, Atemnot, Schwindel, Angst zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren. Panikattacken sind NICHT zwingend situationsgebunden — sie können auch „aus heiterem Himmel" auftreten (das ist gerade das Charakteristische der Panikstörung im Gegensatz zu Phobien).
Körperliche Erkrankungen, die Panikattacken vortäuschen können
Ein wichtiges Prüfungsthema: mehrere körperliche Erkrankungen können mit Symptomen einer Panikattacke einhergehen und müssen differentialdiagnostisch bedacht werden:
Hyperthyreose
Herzrasen, innere Unruhe, Schwitzen
Hypoglykämie
Zittern, Schwitzen, Herzrasen, Angst
Koronare Herzkrankheit
Brustschmerz, Beklemmung — Angina pectoris
Zerebrales Anfallsleiden
Aura-Symptome können Panik ähneln
Asthma bronchiale
Atemnot löst reale Angst aus
HP-Grenze: Bei jeder neu aufgetretenen „Panikattacke" — besonders beim ersten Mal — muss eine körperliche Ursache ärztlich ausgeschlossen werden, bevor man von einer rein psychischen Panikstörung ausgeht!
Generalisierte Angststörung (GAS)
Im Gegensatz zur Panikstörung (anfallsartig) ist die generalisierte Angststörung durch eine anhaltende, frei flottierende ängstliche Erwartungshaltung gekennzeichnet — nicht auf eine bestimmte Situation begrenzt, sondern bezogen auf verschiedenste Lebensumstände (Gesundheit, Familie, Beruf, Finanzen). Typisch ist eine unrealistische oder übertriebene Besorgnis, begleitet von gesteigerter Anspannung und vegetativen Beschwerden (Muskelverspannung, Unruhe, Schlafstörungen).
Prüfungshinweis: Bei der GAS ist die Angst NICHT zielgerichtet auf bestimmte Alltagssituationen (das wäre eher eine Phobie) und die einzelnen „Angstattacken" halten NICHT nur kurz an (das beschreibt eher die Panikattacke) — die GAS ist gerade durch die Dauerhaftigkeit charakterisiert.
Für Heilpraktiker mit allgemeiner Erlaubnis besteht KEIN generelles Behandlungsverbot bei generalisierter Angststörung — anders als etwa bei bestimmten meldepflichtigen Infektionskrankheiten. Angststörungen im Allgemeinen liegen im Behandlungsspektrum des HP, sofern keine akute Selbst-/Fremdgefährdung oder Verdacht auf eine ausschlussbedürftige organische/psychiatrische Grunderkrankung besteht.
Fallbeispiel: der junge Mann mit Taubheitsgefühl und Herzrasen
Ein 26-Jähriger mit Taubheitsgefühl in der Wange, Schlafstörungen, Herzrasen ohne organischen Befund, nach Trennung und vor Prüfungsstress — die Beschwerden nehmen zu. Richtiges Vorgehen: ausführliche Anamnese inkl. psychiatrischer Vorgeschichte und Sozialanamnese, gemeinsame Erarbeitung eines Notfallplans für akute Episoden, aktives Erfragen von Selbstverletzung und Suizidgedanken, und eine verständliche Erklärung, dass es sich vermutlich um eine Angststörung mit körperlichen Begleitsymptomen handelt, die gut mit Psychotherapie behandelbar ist. Eine sofortige geschlossene Unterbringung ist hier NICHT indiziert — es besteht keine akute Fremd- oder unmittelbare Eigengefährdung.
Übungsquiz
Welche der folgenden Erkrankungen können mit Symptomen einer Panikattacke einhergehen?
A
Nur Hyperthyreose und Asthma bronchiale
B
Nur Hypoglykämie und zerebrales Anfallsleiden
C
Hyperthyreose, Hypoglykämie, koronare Herzkrankheit, zerebrales Anfallsleiden und Asthma bronchiale
D
Keine der genannten Erkrankungen
Alle fünf genannten körperlichen Erkrankungen können Symptome hervorrufen, die einer Panikattacke sehr ähnlich sind — deshalb ist bei erstmaligem Auftreten eine körperliche Abklärung so wichtig.
Kapitel 5 · Angst & Zwang
Zwangsstörung
Zwangsgedanken und Zwangshandlungen — und das Messie-Syndrom als verwandtes Störungsbild
Die Zwangsstörung ist gekennzeichnet durch wiederkehrende Zwangsgedanken (aufdringliche, als unsinnig erkannte Gedanken, Impulse oder Vorstellungen) und/oder Zwangshandlungen (wiederholte Handlungen, die zur Reduktion der durch die Zwangsgedanken ausgelösten Angst ausgeführt werden, z. B. Waschzwang, Kontrollzwang). Wichtig: Die Zwangsstörung gehört NICHT zu den affektiven Störungen (ein häufiger Fallstrick) und wird auch nicht mit Ich-Störungen verwechselt — der Patient erkennt seine Zwangsgedanken als eigene, wenn auch unsinnige Gedanken (Ich-Syntonie bleibt in Bezug auf die Urheberschaft erhalten, im Unterschied zur Gedankeneingebung bei Schizophrenie).
Messie-Syndrom (pathologisches Horten)
Ein verwandtes, in Altprüfungen vorkommendes Störungsbild: charakteristisch ist das Anhäufen und Sammeln von wertlosen oder verbrauchten Dingen in der eigenen Wohnung (nicht außerhalb!). Es geht häufig mit Symptomen einer Zwangsstörung einher, die Betroffenen reagieren häufig mit sozialem Rückzug. Betroffen sind überwiegend Erwachsene — nicht überwiegend Kinder und Jugendliche.
Behandlung
Verhaltenstherapeutische Verfahren, insbesondere Exposition mit Reaktionsverhinderung (der Patient wird der angstauslösenden Situation ausgesetzt, ohne die Zwangshandlung ausführen zu dürfen), gelten als besonders wirksam.
Übungsquiz
Welche Aussagen zum Messie-Syndrom treffen am ehesten zu? 1. Anhäufen wertloser Dinge in der eigenen Wohnung 2. Geht häufig mit Zwangssymptomen einher 3. Sozialer Rückzug ist typisch 4. Horten findet meist außerhalb der Wohnung statt 5. Überwiegend Kinder und Jugendliche betroffen
A
Nur 1 und 3
B
Nur 1, 2 und 3
C
Nur 2, 4 und 5
D
1–5, alle sind richtig
Das Horten findet in der eigenen Wohnung statt (nicht außerhalb), betroffen sind überwiegend Erwachsene — nicht Kinder/Jugendliche. Richtig sind: Anhäufen in der Wohnung, häufige Assoziation mit Zwangssymptomen und sozialer Rückzug.
Kapitel 5 · Angst & Zwang
PTBS & Belastungsstörungen
Wann aus einem belastenden Erlebnis eine posttraumatische Belastungsstörung wird
Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entsteht als verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein außergewöhnlich bedrohliches oder katastrophenartiges (lebensbedrohliches) Ereignis. Kernsymptome:
Wiedererleben (Intrusionen): sich aufdrängende Erinnerungen, Flashbacks, Albträume — das Trauma wird immer wieder „durchlebt"
Vermeidungsverhalten: Meiden von Reizen, die an das Trauma erinnern
Übererregung: Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Hypervigilanz
Die Symptomatik ist durch Erinnerung an das Trauma auslösbar (Trigger)
Prüfungshinweis: Wichtige Falschaussagen, die geprüft werden: Symptome klingen NICHT bereits nach 3 Tagen ab (das wäre eher eine akute Belastungsreaktion, keine PTBS — PTBS setzt eine längere Symptomdauer voraus, typischerweise > 1 Monat, oft mit verzögertem Beginn). Traumafokussierte Psychotherapieverfahren sind NICHT grundsätzlich kontraindiziert — im Gegenteil, sie gehören zur Standardbehandlung. Und: NICHT die meisten Betroffenen nach einem Trauma entwickeln eine PTBS — die Mehrheit verarbeitet ein traumatisches Erlebnis ohne die Störung zu entwickeln.
Häufig bestehen komorbide psychische Störungen (Depression, Angststörungen, Substanzmissbrauch). Typisch und diagnostisch stützend ist das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen oder Träumen.
Differentialdiagnostische Abgrenzung
Für die Verdachtsdiagnose PTBS sprechen: ein lebensbedrohendes auslösendes Ereignis, auftretende Flashbacks, und eine Symptomatik, die durch Erinnerung an das Trauma auslösbar ist. GEGEN eine PTBS (bzw. FÜR eine akute Belastungsreaktion) spricht: Symptombeginn innerhalb von Minuten und Rückgang innerhalb von 3 Tagen. Gleichgültigkeit gegenüber anderen und Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber können als „emotionale Taubheit" auch bei PTBS vorkommen, sind aber weniger spezifisch als Flashbacks und Trigger-Auslösbarkeit.
Fallbeispiel: der Ruheständler
Ein 65-Jähriger zieht sich nach Renteneintritt stark zurück, wird wortkarg, äußert nur noch Sorgen und Ängste. Ohne konkretes traumatisches Ereignis in der Vorgeschichte spricht dieses Bild eher für eine Anpassungsstörung (Reaktion auf eine entscheidende Lebensveränderung wie den Ruhestand) als für eine PTBS, die ein konkretes traumatisches Ereignis voraussetzt.
Übungsquiz
Welche Aussagen zur PTBS nach ICD-10 treffen zu?
A
Symptome klingen innerhalb von 3 Tagen nach dem Ereignis ab
B
Häufig bestehen komorbide psychische Störungen
C
Traumafokussierte Psychotherapieverfahren sind grundsätzlich kontraindiziert
D
Die meisten Betroffenen entwickeln nach einem Trauma eine PTBS
E
Typisch ist das wiederholte Erleben des Traumas in aufdrängenden Erinnerungen oder Träumen
Komorbide Störungen sind häufig, und das wiederholte Erleben (Intrusionen) ist ein Kernsymptom. Symptome klingen nicht in 3 Tagen ab, traumafokussierte Therapie ist NICHT kontraindiziert (sondern Standard), und die meisten Menschen entwickeln nach einem Trauma KEINE PTBS.
Kapitel 6 · Psychosomatik
Somatoforme Störungen
Körperliche Beschwerden ohne ausreichenden organischen Befund — ein Dauerthema der Prüfung
Somatoforme Störungen sind gekennzeichnet durch wiederholt geäußerte körperliche Beschwerden zusammen mit hartnäckigen Forderungen nach medizinischen Untersuchungen — trotz wiederholt negativer Ergebnisse und ärztlicher Rückversicherung, dass keine ausreichende körperliche Erklärung vorliegt.
StörungsbildCharakteristik
SomatisierungsstörungMultiple, wiederholte, wechselnde körperliche Symptome über Jahre, organisch nicht ausreichend erklärbar
KonversionsstörungPseudoneurologische Symptome (z. B. Lähmung, Sensibilitätsverlust) ohne neurologisches Korrelat
Anhaltende SchmerzstörungSchmerzen und Behinderungsgrad stehen in keinem Verhältnis zu einer objektivierbaren organischen Läsion
Hypochondrische StörungÜberwertige Krankheitsfurcht/-überzeugung, schwer krank zu sein, trotz fehlender Bestätigung
Körperdysmorphe StörungÜberwertiges Gefühl der eigenen Hässlichkeit/körperlichen Entstellung
NeurasthenieKlagen über vermehrte Ermüdbarkeit nach geringster Anstrengung, oft mit Muskelschmerzen, Schwindel, Reizbarkeit — NICHT primär überwertige Krankheitsfurcht (das wäre Hypochondrie!)
Prüfungshinweis: Achte auf die Zuordnung — Neurasthenie wird oft fälschlich mit „überwertiger Krankheitsfurcht" verknüpft (das ist die Hypochondrie). Neurasthenie = Erschöpfung/Ermüdbarkeit.
Krankheitsverlauf und Begleitphänomene
Somatoforme Störungen können zu einem primären Krankheitsgewinn führen (die Symptomatik reduziert innerpsychischen Konflikt/Angst).
Häufig assoziiert mit Missbrauch von Schmerzmitteln oder Alkohol (sekundäre Abhängigkeitsentwicklung).
Können sich auch in muskulärer Schwäche äußern.
Sind NICHT „meist Ausdruck einer körperlichen Erkrankung" — per Definition fehlt gerade eine ausreichende organische Erklärung.
Die Prognose ist bei später Diagnosestellung eher UNGÜNSTIG, nicht günstig — je länger die Fehldiagnostik/Chronifizierung dauert, desto schwerer die Behandlung.
Die Diagnose wird meist erst spät im Krankheitsverlauf gestellt, nicht früh (nach vielen erfolglosen somatischen Abklärungen).
Frauen sind häufiger betroffen als Männer — nicht umgekehrt.
Betroffene lassen sich meist NICHT schnell von der Notwendigkeit einer Psychotherapie überzeugen — genau das ist die therapeutische Herausforderung.
Behandlung
Bewährt hat sich: regelmäßige, feste (nicht symptomabhängige) Termine mit gemeinsamem Therapieplan, eine sorgfältige, aber nicht endlose wiederholte somatische Diagnostik (um Sicherheit zu geben, ohne zu fixieren), eine ausführliche, verständliche Erklärung der psychosomatischen Zusammenhänge und eine ausführliche Sozialanamnese. Ein Ausschluss der Familienangehörigen aus dem Behandlungsprozess ist NICHT sinnvoll — im Gegenteil, das familiäre Umfeld sollte einbezogen werden.
Psychosomatische Krankheitsbilder — psychische Faktoren als Mitverursacher
Bei mehreren körperlichen Erkrankungen wirken psychische Faktoren in Entstehung oder Verschlimmerung mit — ein klassisches „Alle 5 richtig"-Prüfungsthema: Colitis ulcerosa, Morbus Crohn (Enterocolitis regionalis), Asthma bronchiale, essenzielle arterielle Hypertonie und Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte) gelten alle als Erkrankungen mit relevanter psychosomatischer Komponente.
Übungsquiz
Welche Maßnahmen sollten im Rahmen der Behandlung einer Somatisierungsstörung erfolgen? 1. Regelmäßige feste Termine mit gemeinsamem Therapieplan 2. Wiederholte somatische Diagnostik 3. Ausschluss der Familienangehörigen 4. Erklärung der psychosomatischen Zusammenhänge 5. Ausführliche Sozialanamnese
A
Nur 1 und 2
B
Nur 1 und 4
C
Nur 1, 4 und 5
D
Nur 1, 2, 4 und 5
Feste Termine, angemessene (nicht überflüssig wiederholte, aber vorhandene) somatische Diagnostik, Erklärung der psychosomatischen Zusammenhänge und Sozialanamnese gehören zur Behandlung. Der Ausschluss der Familie ist NICHT sinnvoll.
Kapitel 6 · Psychosomatik
Essstörungen
Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und Binge-Eating — Symptome, Komplikationen, Notfallkriterien
HP-Grenze: Essstörungen — vor allem die Anorexia nervosa — gehören zu den psychischen Erkrankungen mit der HÖCHSTEN Mortalität überhaupt (höher als jede andere psychische Störung, inkl. Depression). Bei deutlichem Gewichtsverlust und niedrigem BMI ist umgehende ärztliche/stationäre Abklärung Pflicht — keine ambulante Alleinbehandlung bei kritischem Gewicht!
Anorexia nervosa
Kernsymptome: absichtlich herbeigeführter, aufrechterhaltener Gewichtsverlust; ausgeprägte Angst vor Gewichtszunahme trotz Untergewicht; Körperschemastörung (sich trotz Untergewicht als „zu dick" wahrnehmen); Vermeidung fett- und kohlenhydratreicher Lebensmittel; oft exzessive körperliche Aktivität; endokrine Störung mit Amenorrhö (Ausbleiben der Regelblutung) bei Frauen.
Wichtig: Anorexia nervosa betrifft überwiegend junge Frauen — nicht überwiegend junge Männer — und kann in jedem Lebensalter auftreten, nicht nur während der Pubertät.
Körperliche Folgen der Anorexia nervosa
KomplikationErklärung
Hypokaliämie mit HerzrhythmusstörungenDurch Mangelernährung, verstärkt bei zusätzlichem Erbrechen/Laxantienabusus — lebensbedrohlich!
Hypotonie & BradykardieKreislaufanpassung an den Hungerzustand
AmenorrhöHormonelle Umstellung durch niedriges Körperfett
OsteoporoseErhöhtes Frakturrisiko durch Östrogenmangel + Mangelernährung
NiereninsuffizienzDurch chronische Elektrolytentgleisung und Dehydratation möglich
Prüfungshinweis: Alle diese Komplikationen können bei Anorexie auftreten — auch als „1–5, alle sind richtig"-Frage geprüft.
Bulimia nervosa
Im Gegensatz zur Anorexie liegt bei Bulimie meist ein Normalgewicht oder nur leichtes Untergewicht vor — der BMI ist typischerweise NICHT < 17,5 kg/m² (das wäre eher anorektisch). Kernmerkmale: wiederkehrende Essanfälle mit Kontrollverlust, gefolgt von gegensteuernden Maßnahmen (selbst induziertes Erbrechen, Laxantien-/Diuretika-/Schilddrüsenpräparate-Missbrauch, strenges Fasten). In der Vorgeschichte lässt sich häufig eine frühere Episode einer Anorexia nervosa nachweisen. Frauen und Männer sind NICHT etwa gleich häufig betroffen — Frauen deutlich häufiger.
Bulimie vs. Anorexie — was unterscheidet sie?
Eher Bulimie
Sekundäre Amenorrhö (nach zuvor normaler Regelblutung)
Ausgeprägtes Krankheitsgefühl / Leidensdruck bezüglich der Symptomatik
Meist Normal- bis leichtes Untergewicht
Eher Anorexie
Übertriebenes, restriktives Hungern als Hauptstrategie
Körpergewicht mindestens 15 % unter dem Normalgewicht
Körperschemastörung im Vordergrund
Begleitphänomene der Bulimie
Durch häufiges Erbrechen typisch: Zahnschmelzdefekte (Karies-Hinweis!), Elektrolytstörungen (v. a. Hypokaliämie), Laxantien-Abusus. Zönästhesien und Negativismus gehören NICHT zum Bild der Bulimie — das sind Symptome aus dem schizophrenen Formenkreis.
Binge-Eating-Störung (BES)
Charakterisiert durch wiederkehrende Essanfälle über einen Zeitraum von mehreren Monaten, meist begleitet von Scham- und Schuldgefühlen; psychische Faktoren spielen bei der Entstehung eine wichtige Rolle. Im Unterschied zur Bulimie fehlt meist das systematische gegensteuernde Verhalten — deshalb besteht bei BES eher KEIN deutliches Untergewicht (häufig sogar Übergewicht). Die Erkrankung tritt nicht überwiegend in Verbindung mit einer psychotischen Erkrankung auf.
Notfall: rapider Gewichtsverlust bei bekannter Anorexie
Fallbeispiel-Logik: eine 22-Jährige mit stabiler Anorexie über Jahre verliert plötzlich innerhalb von 6 Monaten 30 % Körpergewicht, BMI jetzt 12,9 kg/m². Dies ist ein akuter, lebensbedrohlicher Zustand — vordringlich ist die stationäre Behandlung in einer spezialisierten psychiatrischen Fachklinik, nicht die Fortführung ambulanter halbjährlicher Kontrollen, nicht allein Ernährungsaufklärung, keine homöopathische Therapie.
Übungsquiz
Welche Eigenschaften passen eher zur Bulimia nervosa als zur Anorexia nervosa? Wählen Sie zwei Antworten!
A
Sekundäre Amenorrhoe
B
Körpergewicht mindestens 15 % unter dem Normalgewicht
C
Übertriebenes Hungern
D
Leidensdruck
Sekundäre Amenorrhoe (nach zuvor normaler Blutung) und ein ausgeprägter Leidensdruck sind eher typisch für Bulimie. Deutliches Untergewicht (>15 % unter Normalgewicht) und übertriebenes Hungern sind eher Kennzeichen der Anorexie.
Kapitel 7 · Persönlichkeit
Persönlichkeitsstörungen
Tief verwurzelte, überdauernde Muster — mit besonderem Fokus auf Borderline
Persönlichkeitsstörungen sind tief verwurzelte, andauernde Verhaltens- und Erlebnismuster, die deutlich von der Erwartung der jeweiligen Kultur abweichen, unflexibel und situationsübergreifend sind und meist schon in der Kindheit/Adoleszenz beginnen. Der Leidensdruck entsteht meist durch Probleme im sozialen und beruflichen Bereich — nicht primär durch die Persönlichkeitszüge selbst, die oft als „ich-synton" (zur eigenen Person gehörig) erlebt werden, nicht als fremd.
Prüfungshinweis: Trotz starrer Verhaltensmuster ist Psychotherapie bei vorhandenem Leidensdruck sehr wohl indiziert — die Aussage „Psychotherapie ist nicht indiziert" ist falsch. Auch die Aussage, Betroffene würden ihr Verhalten „stets als ich-dyston" (fremd) erleben, ist falsch — meist ist es gerade ich-synton.
Überblick der wichtigsten Persönlichkeitsstörungen
TypKernmerkmale
ParanoidAusgeprägtes Misstrauen, Selbstbezogenheit, streitsüchtiges Verhalten, geringe Empfindlichkeit gegenüber Ablehnung ist FALSCH — tatsächlich besteht hohe Kränkbarkeit/Empfindlichkeit
SchizoidAusgeprägte Kontaktstörung, einzelgängerisches Verhalten, eingeschränkte affektive Fähigkeiten, emotionale Kühle, Introvertiertheit
HistrionischExzentrisches, theatralisches, übertrieben selbstdarstellerisches Verhalten (Gegenteil von „still und zurückhaltend")
Anankastisch (zwanghaft)Übertriebene Gewissenhaftigkeit, Perfektionismus, Rigidität (NICHT theatralische Selbstdarstellung — das ist histrionisch!)
Emotional instabil, Borderline-TypSiehe unten — eigener Schwerpunkt
Borderline-Persönlichkeitsstörung im Detail
Die Borderline-Störung ist der mit Abstand am häufigsten geprüfte Persönlichkeitsstörungs-Typ. Prominente Merkmale: affektive Instabilität, impulsives Verhalten, selbstverletzendes und suizidales Verhalten, intensive Ärgergefühle und -ausbrüche, instabile und intensive zwischenmenschliche Beziehungen, Schwierigkeiten, allein zu sein.
Der Großteil der Betroffenen ist weiblich.
Ein Großteil berichtet von Missbrauchs- oder Gewalterfahrungen in der Vorgeschichte.
Suchtmittelmissbrauch ist NICHT selten — im Gegenteil, sehr häufig komorbide.
Die Affektregulation ist typischerweise deutlich GESTÖRT — nicht ungestört.
Die Prognose ist NICHT „günstig durch spontane Genesung nach der Pubertät" — die Störung ist chronisch, wenn auch mit spezifischer Therapie behandelbar.
Auf die Lebenszeit bezogen treten komorbide Angststörungen gehäuft auf.
Scheitern partnerschaftlicher Beziehungen ist gegenüber der Normalbevölkerung gehäuft zu beobachten.
Spezifische kognitiv-verhaltenstherapeutische Verfahren (z. B. Dialektisch-Behaviorale Therapie/DBT) sind wirksame Behandlungsverfahren.
HP-Grenze: Der Behandlungsschwerpunkt bei Borderline liegt NICHT primär auf medikamentöser Therapie — Medikamente können unterstützend bei Begleitsymptomen eingesetzt werden, der Kern der Behandlung ist spezifische Psychotherapie (z. B. DBT). Bei akuter Selbstverletzung/Suizidalität gelten dieselben Notfallregeln wie in Kapitel 8.
Fallbeispiel: die junge Frau mit Selbstverletzungen
Eine 25-Jährige nach mehreren Therapieabbrüchen, mit wiederholten notfallmäßigen Krankenhausaufenthalten wegen selbst zugefügter Schnittverletzungen in den letzten 6 Monaten — diese Vorgeschichte spricht am ehesten für eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung (Borderline-Typ), nicht für Schizophrenie, ADHS oder eine reine depressive Episode.
Übungsquiz
Welche Aussage zur Borderline-Persönlichkeitsstörung trifft NICHT zu?
A
Ein Scheitern partnerschaftlicher Beziehungen ist gehäuft zu beobachten
B
Der Schwerpunkt der Behandlung sollte auf der medikamentösen Therapie liegen
C
Komorbide Angststörungen treten gehäuft auf
D
Spezifische kognitiv-verhaltenstherapeutische Verfahren können eingesetzt werden
Die Behandlung der Borderline-Störung liegt schwerpunktmäßig bei spezifischer Psychotherapie (z. B. DBT), nicht bei Medikamenten — deshalb ist genau diese Aussage FALSCH und damit die richtige Antwort auf die Frage nach der nicht-zutreffenden Aussage.
Kapitel 8 · Sucht
Alkoholabhängigkeit & Folgeerkrankungen
Das meistgeprüfte Suchtthema — Abhängigkeitskriterien, Entzug, körperliche Folgeschäden
ICD-10-Kriterien der Abhängigkeit
Für die Diagnose einer Substanzabhängigkeit (nicht nur Alkohol) müssen typischerweise mehrere der folgenden Kriterien gleichzeitig vorliegen — diese Liste solltest du wörtlich kennen:
Starker Wunsch oder eine Art Zwang, die Substanz zu konsumieren (Craving)
Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich Beginn, Beendigung und Menge des Konsums
Körperliches Entzugssyndrom bei Reduktion/Absetzen
Toleranzentwicklung: deutlich verminderte Wirkung bei fortgesetztem Konsum derselben Menge
Fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen und Verpflichtungen zugunsten des Konsums
Anhaltender Konsum trotz Nachweis eindeutig schädlicher Folgen
Häufiges Scheitern des Versuchs, die Trinkmenge zu reduzieren
Alkoholentzugssyndrom
Nach Reduktion oder Absetzen von Alkohol bei bestehender Abhängigkeit können auftreten: Tremor, Tachykardie, Krampfanfälle, Wernicke-Enzephalopathie (Vitamin-B1-Mangel-Folge), Polyneuropathie. Das Alkoholentzugsdelir (Delirium tremens, siehe Kapitel 7) beginnt in der Regel am 2.–3. Tag nach dem Absetzen — NICHT erst nach einer Woche.
HP-Grenze: Zur Behandlung einer Alkoholintoxikation ist Naloxon (Opioid-Antagonist) UNGEEIGNET — Naloxon wirkt nur bei Opioidüberdosierung, nicht bei Alkohol! Diese Verwechslung ist ein beliebter Prüfungstest.
Körperliche Folgeschäden
BefundBedeutung
Spider naevi (Gefäßsternchen)Möglicher Hinweis auf Leberzirrhose
Alkoholische FettleberNormale Transaminasen (GOT/GPT) SCHLIESSEN eine Fettleber NICHT aus!
Wernicke-EnzephalopathieBeruht auf Vitamin-B1(Thiamin)-Mangel — akuter Notfall
Alkoholische PolyneuropathieBetrifft nicht nur Lähmungen, sondern auch Sensibilitätsstörungen (nicht auf Motorik beschränkt!)
PersönlichkeitsveränderungenTreten auch bei chronischem Alkoholabusus auf — nicht nur bei akuter Intoxikation
AlkoholhalluzinoseAnders als das Delir: akustische Halluzinationen bei meist klarem Bewusstsein, ohne die ausgeprägte vegetative Entgleisung und Orientierungsstörung des Delirs
Prüfungshinweis: Die Suizidrate ist bei Alkoholkranken deutlich HÖHER als in der Normalbevölkerung — nicht geringer! Und: Es gibt keinen sicheren „unschädlichen" täglichen Konsum von 10 g oder 100 g reinem Alkohol — jeder regelmäßige Konsum erhöht das Risiko, eine fettreiche Mahlzeit „verhindert" die Alkoholaufnahme nicht, sondern verzögert sie nur etwas.
Das fetale Alkoholsyndrom (FAS) zählt zu den häufigsten Ursachen einer geistigen Behinderung bei Kindern. Kinder alkoholkranker Mütter fallen häufig durch prä- und postnatale Wachstumsretardierung auf.
Akute Risiken bei starker Alkoholisierung
Bei einem Patienten unter Behandlung, der stark alkoholisiert, torkelnd und lallend erscheint, müssen bedacht werden: Sturzgefahr, Verlust/Abschwächung der Schutzreflexe (Aspirationsgefahr!), Unterkühlung, Korsakow-Syndrom (bei chronischer Abhängigkeit) und Bewusstlosigkeit — alle fünf Risiken sind relevant und ernst zu nehmen.
Wernicke-Korsakow — Wiederholung als Fallbeispiel
Ein älterer alkoholkranker Mann zeigt sich desorientiert, in der Merkfähigkeit gestört und konfabulierend — bei klarem Bewusstsein, ohne die ausgeprägte vegetative Entgleisung eines Delirs. Dieses Bild spricht am ehesten für ein Korsakow-Syndrom (chronische Folge des Thiaminmangels), nicht für ein akutes Entzugsdelir.
Alkoholdelir — vertiefendes Fallbeispiel
Ein bekannter Patient mit Alkoholproblemen, kürzlich aus dem Krankenhaus entlassen, halluziniert kleine bewegliche Insekten (klassisch für optische Halluzinationen beim Delir). Symptome, die den Verdacht auf Alkoholdelir erhärten: epileptische Anfälle, agitierte Psychomotorik, Schlafstörungen — NICHT Bradykardie (das Delir zeigt Tachykardie!) und NICHT Obstipation (eher unspezifisch/nicht typisch).
Übungsquiz
Was trifft auf die akute Alkoholintoxikation bzw. Alkoholabhängigkeit zu? 1. Naloxon ist zur Behandlung sinnvoll 2. Das Alkoholentzugssyndrom kann schwere Komplikationen verursachen 3. Thiaminmangel kann lebensbedrohliche Zustände auslösen 4. Die Polyneuropathie beschränkt sich auf Lähmungen 5. Persönlichkeitsveränderungen kommen nur bei akuter Intoxikation vor
A
Nur 1 und 2
B
Nur 2 und 3
C
Nur 1, 3 und 4
D
1–5, alle sind richtig
Naloxon ist bei Alkohol wirkungslos (wirkt nur bei Opioiden). Das Entzugssyndrom kann schwerwiegende Komplikationen verursachen, und Thiaminmangel (Wernicke-Enzephalopathie) ist lebensbedrohlich — richtig sind 2 und 3. Die Polyneuropathie betrifft auch Sensibilitätsstörungen, und Persönlichkeitsveränderungen kommen auch chronisch vor.
Kapitel 8 · Sucht
Andere Suchtmittel
Opioide, Benzodiazepine, Cannabis, Ecstasy, Nikotin — kompakt für die Prüfung
Man unterscheidet grundsätzlich stoffgebundene Süchte (Substanzen) von nicht stoffgebundenen Süchten (z. B. Glücksspiel, Kaufsucht). Es gibt eine Entgiftungsbehandlung (körperlicher Entzug) und eine Entwöhnungsbehandlung (psychotherapeutische Rückfallprophylaxe) — beide Phasen sind für nachhaltige Erfolge notwendig.
Opioide
Typisch für die Opiat-Intoxikation ist eine Miosis (enge Pupillen) — NICHT Mydriasis (weite Pupillen)! Cannabis ist die in Deutschland mit Abstand häufigste illegale Droge.
ZustandSymptome
OpioidintoxikationMiosis, Atemdepression, Bewusstseinstrübung, Sedierung
OpioidentzugssyndromTachykardie, Mydriasis (weite Pupillen im Entzug!), Diarrhoe, Muskelschmerzen/-krämpfe, Gänsehaut, Unruhe, ängstlich-depressive Stimmung, Schlaflosigkeit. Trockene Nasenschleimhäute gehören NICHT typischerweise dazu (eher laufende Nase/Rhinorrhoe).
Prüfungshinweis: Merke den Gegensatz — Intoxikation = enge Pupillen (Miosis), Entzug = weite Pupillen (Mydriasis)! Ein Fallbeispiel mit Schmerzpflaster-Vorgeschichte und Entzugssymptomen nach Absetzen zeigt: Tachykardie, Mydriasis, Diarrhoe, Muskelschmerzen — nicht trockene Nasenschleimhäute.
Polamidon (Methadon) wird in der Substitutionstherapie bei Heroin-(Opioid-)abhängigkeit eingesetzt — nicht bei Alkohol-, Cannabis- oder Benzodiazepinabhängigkeit. Methadon wird auch NICHT zur Substitution bei Benzodiazepinabhängigkeit eingesetzt.
Ziele der Substitutionsbehandlung Opioidabhängiger
Sicherstellung des Überlebens, Reduktion der Straffälligkeit, Abstinenz von illegal erworbenen Opioiden, Teilhabe am gesellschaftlichen und Arbeitsleben — nicht eine Reduktion der psychotherapeutischen Begleitbehandlung, die im Gegenteil integraler Bestandteil des Behandlungskonzepts bleibt.
Benzodiazepine
Abhängigkeitsentwicklungen bei Benzodiazepinen sind KEINESWEGS selten und können bereits nach wenigen Wochen regelmäßiger Einnahme entstehen — nicht erst nach 6 Monaten. Die unterschiedlichen Halbwertszeiten HABEN sehr wohl Einfluss auf den Zeitpunkt des Auftretens von Entzugserscheinungen (kurz wirksame Substanzen → früherer, oft heftigerer Entzug). Risiken des Langzeitgebrauchs: Abhängigkeit, Sturzneigung, kognitive Einbußen. Kontrollierte, zeitlich begrenzte Verschreibung senkt das Abhängigkeitsrisiko deutlich.
HP-Grenze: Abruptes Absetzen von Benzodiazepinen nach langjähriger Abhängigkeit kann zu Krampfanfällen, Wahrnehmungsstörungen, Tremor, Dysphorie führen — ein Entzug muss ärztlich begleitet und schrittweise (ausschleichend) erfolgen, niemals abrupt!
Cannabis
Symptome des akuten Cannabisrausches: gerötete Augen, Veränderung der Sinneswahrnehmung, ideenflüchtiges Denken — NICHT Konzentrationsverbesserung (im Gegenteil: Konzentrationsstörung) und NICHT Miosis (eher unverändert bis leicht erweitert, keine typische Miosis).
Ecstasy (MDMA)
Gefahren des Konsums: Angstzustände/Panikstörungen, Depressivität, drogeninduzierte Psychosen, zerebrale Krampfanfälle, Hyperthermie (potenziell lebensbedrohlich, v. a. in Kombination mit körperlicher Anstrengung/Feiern in Hitze!) — alle fünf genannten Risiken sind relevant.
Nikotin
Symptome des Nikotinentzugssyndroms nach ICD-10: Krankheitsgefühl, Konzentrationsstörungen, Ängstlichkeit — NICHT Hypertonie (eher unspezifisch/nicht Kernsymptom) und NICHT hohe Risikobereitschaft (kein typisches Entzugszeichen).
Übungsquiz
Welche der folgenden Aussagen zu Drogenkonsum treffen zu? 1. Typisch für Opiat-Intoxikation ist eine Mydriasis 2. Cannabis ist die häufigste illegale Droge in Deutschland 3. Halluzinogene führen zu starker körperlicher Abhängigkeit 4. Amphetamine führen zu starker körperlicher Abhängigkeit 5. Cannabiskonsum erhöht das Risiko für harte Drogen nicht
A
Nur die Aussage 2 ist richtig
B
Nur 2 und 5 sind richtig
C
Nur 1, 2 und 3 sind richtig
D
Nur 1, 3 und 4 sind richtig
Nur Aussage 2 ist korrekt: Cannabis ist tatsächlich die häufigste illegale Droge in Deutschland. Opiat-Intoxikation zeigt Miosis (nicht Mydriasis), Halluzinogene und Amphetamine führen eher zu psychischer als zu starker körperlicher Abhängigkeit, und Cannabiskonsum ist statistisch mit einem erhöhten (nicht unveränderten) Risiko für späteren Konsum härterer Drogen assoziiert.
Kapitel 9 · Kinder & Jugend
Autismus, ADHS, Tics & Co.
Die kinder- und jugendpsychiatrischen Störungsbilder, die regelmäßig in Fallbeispielen geprüft werden
Frühkindlicher Autismus
Fällt in der Regel bereits vor dem Schuleintritt auf (nicht erst mit Schulbeginn!) — typischerweise vor dem 3. Lebensjahr. Charakteristisch: fehlender Blickkontakt, ausbleibende oder abweichende Sprachentwicklung, repetitives und teils autoaggressives Verhalten (kommt HÄUFIG vor, nicht selten). Autistische Kinder schließen in Intelligenztests häufig in sprachlichen Sub-Tests eher SCHLECHT ab (nicht besonders gut). Zum Aufbau von Fertigkeiten wie Blickkontakt und Sprachnutzung werden häufig operante (verhaltenstherapeutische) Methoden eingesetzt. Bei autistischen Kindern beeindruckt NICHT die ausgeprägte Emotionalität, sondern gerade das Gegenteil: eine eingeschränkte emotionale Reziprozität und ein fehlender emotionaler Kontakt.
Asperger-Syndrom
Wichtigste Abgrenzung zum frühkindlichen Autismus: Beim Asperger-Syndrom ist die kognitive Entwicklung in der Regel nicht beeinträchtigt (normale bis überdurchschnittliche Intelligenz, IQ liegt NICHT typischerweise unter 70) und es besteht KEIN Entwicklungsrückstand der Sprache (die Sprachentwicklung ist meist unauffällig, oft sogar sehr differenziert/formal). Betroffen sind überwiegend Jungen.
Prüfungshinweis: Ein nachgewiesener Zusammenhang mit Nikotinkonsum in der Schwangerschaft ist NICHT belegt — diese Aussage ist eine klassische Falschantwort. Merke: Asperger = kognitiv/sprachlich meist unauffällig, männlich überwiegend betroffen.
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
Leitsymptome: Störung der Aufmerksamkeit und Impulsivität (dazu meist motorische Unruhe/Hyperaktivität). Wichtige Differentialdiagnosen: Erworbene Erkrankungen wie Schädel-Hirn-Traumata oder entzündliche Hirnerkrankungen können ähnliche Symptome hervorrufen. Tourette-Syndrom und Asperger-Autismus treten häufig gemeinsam mit ADHS-Symptomatik auf (hohe Komorbidität). Bei neuropsychologischen Testungen zeigen ADHS-Patienten im Vergleich zu Gesunden eher MEHR Auslassungsfehler und Falschantworten (nicht weniger — das wäre paradox).
ADHS im Erwachsenenalter: Affektive Störungen und Missbrauch/Abhängigkeit von psychotropen Substanzen treten gehäuft komorbide auf. Eine medikamentöse Behandlung (z. B. Stimulanzien) ist sehr wohl möglich — nicht ausgeschlossen. Männer erkranken NICHT seltener als Frauen — im Gegenteil, häufiger diagnostiziert. Bei erwachsenen ADHS-Patienten treten dissoziale Persönlichkeitsstörungen gehäuft auf, und impulsives Verhalten spricht FÜR, nicht gegen ein ADHS. Die motorische Unruhe nimmt mit dem Alter meist eher AB (nicht zu) — im Erwachsenenalter dominiert oft die innere Unruhe/Impulsivität statt der äußeren Hyperaktivität.
Ticstörungen
Tics sind rasche, wiederkehrende, unwillkürliche (NICHT willkürliche!) Muskelaktionen und Lautäußerungen. Sie beginnen typischerweise vor der Pubertät, gelten ab einer Dauer von mindestens einem Jahr als chronisch (nicht schon nach 1 Monat!), werden klinisch diagnostiziert, und können bei Kindern/Jugendlichen auch vorübergehend auftreten (transiente Tics).
Elektiver (selektiver) Mutismus
Klassisches Fallbeispiel: ein Kind mit altersentsprechender Sprachkompetenz spricht nur noch in bestimmten Situationen (z. B. mit der Mutter), in anderen Situationen (Nachbarn, Fremde) konsequent nicht — trotz erhaltener Sprachfähigkeit. Diese selektive, situationsabhängige Sprachverweigerung ist typisch für den elektiven Mutismus — nicht für Autismus (dort wäre die Sprachentwicklung selbst beeinträchtigt) und nicht für Agoraphobie oder ADHS.
Lese- und Rechtschreibstörung (LRS, nach ICD-10)
Zwei zentrale Prüfungsfakten: Die Leseleistung muss deutlich unter dem Niveau liegen, das aufgrund von Alter, allgemeiner Intelligenz und Beschulung zu erwarten wäre — die Störung ist also NICHT durch eine allgemeine Intelligenzminderung erklärbar (tritt nicht im Rahmen einer allgemeinen Intelligenzminderung auf). Eine umschriebene Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache geht der LRS häufig voraus. Soziale und emotionale Anpassungsprobleme stehen sehr wohl in Zusammenhang mit einer LRS (Frustration, Vermeidungsverhalten, Selbstwertprobleme) — ein Defizit des Leseverständnisses ist typischerweise vorhanden, nicht abwesend.
Leichte Intelligenzminderung (nach ICD-10)
Die Hauptprobleme treten typischerweise in der Schulbildung auf, insbesondere beim Lesen und Schreiben. Der IQ liegt im Bereich von etwa 50–69 (nicht 20–34, das wäre eine schwere Form). Die sprachlichen Fähigkeiten reichen in der Regel für eine verbale Kommunikation im Alltag aus. Ausgeprägte motorische Schwächen sind bei leichter Intelligenzminderung nicht die Regel.
Übungsquiz
Welche Aussagen treffen auf das Asperger-Syndrom zu? Wählen Sie zwei Antworten!
A
Es ist mit einem Entwicklungsrückstand der Sprache verbunden
B
Die Störung tritt überwiegend bei Jungen auf
C
Die kognitive Entwicklung ist in der Regel nicht beeinträchtigt
D
Der IQ liegt in der Regel unter 70
Asperger-Syndrom betrifft überwiegend Jungen, und die kognitive Entwicklung ist meist normal bis überdurchschnittlich — anders als beim frühkindlichen Autismus besteht kein Sprachentwicklungsrückstand und der IQ liegt nicht typischerweise unter 70.
Kapitel 10 · Therapie
Psychotherapieverfahren im Überblick
Welche Methode gehört zu welcher Schule — eine Zuordnungsfrage, die ständig geprüft wird
In der Prüfung wird sehr häufig gefragt: „Welche Technik gehört zu welchem Verfahren?" Diese Tabelle ist dein zentrales Werkzeug dafür.
VerfahrenZentrale Methoden/TechnikenGrundidee
Psychoanalyse
(tiefenpsychologisch)
Freie Assoziation, Traumdeutung, Bearbeitung der ÜbertragungAufdeckung und Bearbeitung unbewusster, meist in der Kindheit entstandener Konflikte
VerhaltenstherapieSystematische Desensibilisierung, Exposition/Flooding, Shaping (Verhaltensausformung), Biofeedback, kognitive Umstrukturierung, soziales KompetenztrainingSetzt am aktuellen, beobachtbaren Problemverhalten an; lernpsychologisch fundiert
Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie
(nach Rogers)
Aktives Zuhören, nicht-direktives VorgehenDer Therapeut begleitet non-direktiv, ohne zu lenken oder zu bewerten
Autogenes TrainingSelbstsuggestive ÜbungsformelnSelbstbeeinflussung zur Erreichung eines tiefen Entspannungszustands
Motivational Interviewing
(Motivierende Gesprächsführung)
Offene Fragen, Vermeidung von KonfrontationAmbivalenz gegenüber Verhaltensänderung wird respektiert und exploriert, nicht bekämpft
Prüfungshinweis zur Psychoanalyse: Shaping, kognitive Umstrukturierung, Biofeedback und Flooding gehören NICHT zur klassischen Psychoanalyse — sie sind verhaltenstherapeutische Techniken! Zur Psychoanalyse gehört klassisch nur die Bearbeitung der Übertragung (und freie Assoziation/Traumdeutung).
Die klassische Psychoanalyse — was sie NICHT ist
Die klassische Psychoanalyse arbeitet NICHT mit negativer Verstärkung (verhaltenstherapeutisches Konzept), ist NICHT primär symptomorientiert (sondern konfliktorientiert — sie will die zugrunde liegende Ursache aufdecken, nicht nur das Symptom beseitigen), wirkt NICHT über systematische Desensibilisierung (verhaltenstherapeutisch) und setzt NICHT am aktuell bestehenden Problemverhalten an (das ist gerade der Verhaltenstherapie-Ansatz). Sie strebt vielmehr die Aufdeckung und Bearbeitung alter, meist unbewusster Konflikte an.
Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie — die Therapeuteneigenschaften nach Rogers
Drei zentrale, von Carl Rogers postulierte Therapeuteneigenschaften: positive Wertschätzung (bedingungslose Akzeptanz), Empathie/emotionale Wärme und Kongruenz/Echtheit (der Therapeut tritt authentisch auf). „Aktives, direktes Verhalten" gehört NICHT dazu — die klientenzentrierte Therapie ist gerade non-direktiv.
Motivierende Gesprächsführung (Motivational Interviewing)
Zentrales Prinzip: Der Therapeut vermeidet Diskussionen und direkt konfrontatives Vorgehen — Widerstand wird nicht durch Gegenargumente „bekämpft", sondern durch empathisches Explorieren der Ambivalenz aufgelöst. Der Therapeut weist NICHT möglichst oft direkt auf Fehler des Patienten hin, geht nicht bei jedem Klienten „gleich" vor, versucht NICHT möglichst viele Argumente FÜR eine Verhaltensänderung vorzutragen (das wäre konfrontativ) und stellt keine geschlossenen oder sich wiederholenden Fragen — sondern offene Fragen, die zur Selbstreflexion anregen.
Autogenes Training
Dient der Selbstbeeinflussung (nicht Fremdsuggestion!) und zielt auf einen tiefen Entspannungszustand ab. Es ist NICHT primär eine Methode zur Muskelkräftigung und ist bei akuten schizophrenen Psychosen NICHT indiziert (Entspannungsverfahren können bei akuter Psychose kontraproduktiv oder überfordernd wirken).
Übungsquiz
Welche der folgenden Methoden/Techniken zählen zur klassischen Psychoanalyse? 1. Shaping 2. Kognitive Umstrukturierung 3. Bearbeitung der Übertragung 4. Biofeedback 5. Flooding
A
Nur 1 ist richtig
B
Nur 3 ist richtig
C
Nur 1 und 2 sind richtig
D
1–5, alle sind richtig
Nur die Bearbeitung der Übertragung gehört zur klassischen Psychoanalyse. Shaping, kognitive Umstrukturierung, Biofeedback und Flooding sind allesamt verhaltenstherapeutische Techniken.
Kapitel 11 · Weitere Themen
Sexualstörungen
Funktionsstörungen, Störungen der Geschlechtsidentität und der Sexualpräferenz sauber getrennt
Nach ICD-10 unterscheidet man drei völlig verschiedene Kategorien, die in Prüfungsfragen bewusst durcheinandergewürfelt werden:
Sexuelle Funktionsstörungen
Störungen des sexuellen Ablaufs, z. B. Erektionsstörung, Vaginismus, Dyspareunie (Schmerzen beim Verkehr). Exhibitionismus gehört NICHT hierher!
Störungen der Geschlechtsidentität
Der dauerhafte Wunsch, dem anderen Geschlecht anzugehören, wird als Transsexualismus bezeichnet
Störungen der Sexualpräferenz
Z. B. Exhibitionismus, Fetischismus, Pädophilie. Homo- und Bisexualität zählen NICHT zu den Störungen der Sexualpräferenz — sie gelten heute nicht als Störung!
Prüfungshinweis: Bei sexuellen Funktionsstörungen muss immer an eine mögliche organische Ursache gedacht werden (z. B. vaskulär, hormonell, medikamentös bedingt) — eine rein psychische Ursache darf nie vorschnell angenommen werden. Anhedonie ist KEIN Fachbegriff für schmerzhaften Geschlechtsverkehr — das wäre Dyspareunie. Anhedonie bezeichnet allgemein den Verlust der Freud-/Genussfähigkeit (z. B. bei Depression).
Kapitel 11 · Weitere Themen
Demenz vs. Depression — die Abgrenzung
Zwei Krankheitsbilder, die sich in der Klinik täuschend ähnlich zeigen können
Bei älteren Menschen mit Vergesslichkeit, Antriebsmangel und Rückzug stellt sich oft die Frage: beginnende Demenz oder Depression (Pseudodemenz, siehe Kapitel 6)? Zwei einfache Verhaltensmuster helfen bei der klinischen Unterscheidung:
Typischer depressiver Patient
Klagt AUSFÜHRLICH und oft übertreibend (aggraviert) über seine Vergesslichkeit/Leistungseinbußen
Zeigt bei Testung oft eine „Weiß nicht"-Haltung, ohne sich wirklich anzustrengen
Typischer dementer Patient (Frühstadium)
Überspielt/bagatellisiert seine Unsicherheiten, um kompetent zu wirken (Fassade wahren)
Strengt sich sichtbar an, Antworten zu finden, auch wenn sie falsch sind (Konfabulationstendenz)
Prüfungshinweis: Das ist die genaue UMKEHRUNG der intuitiven Erwartung — nicht der depressive Patient „überspielt" seine Unsicherheiten, sondern der demente! Der depressive Patient klagt eher übertrieben über seine (oft objektiv geringeren) kognitiven Einbußen.
Testverfahren
Mini-Mental-Status-Test (MMST): wird zur Diagnose und Verlaufskontrolle der Demenz eingesetzt
Uhren-Zeichen-Test: prüft visuokonstruktive und exekutive Funktionen; ein korrekt ausgeführter Test spricht GEGEN eine schwere Demenz
Bei der Depression besteht in der Regel KEINE deutliche Störung des Orientierungsvermögens (anders als bei fortgeschrittener Demenz) — die Orientierung bleibt bei Depression meist erhalten, auch wenn Konzentration und subjektive Merkfähigkeit beeinträchtigt sind.
Übungsquiz
Welche Aussagen zur Unterscheidung Demenz vs. Depression treffen zu? Wählen Sie zwei Antworten!
A
Der typische depressive Patient überspielt seine Unsicherheiten, um kompetent zu wirken
B
Ein korrekt ausgeführter Uhren-Zeichen-Test spricht gegen eine schwere Demenz
C
Ein Mini-Mental-Status-Test wird bei Diagnose und Verlaufskontrolle der Demenz verwendet
D
Bei der Depression besteht meist eine deutliche Störung von Orientierung und Gedächtnis
Der Uhren-Zeichen-Test spricht bei korrekter Ausführung gegen eine schwere Demenz, und der MMST wird standardmäßig zur Demenzdiagnostik/-verlaufskontrolle eingesetzt. Nicht der depressive, sondern der demente Patient überspielt typischerweise seine Defizite, und bei Depression ist die Orientierung meist NICHT deutlich gestört.
Bonus
Altprüfungs-Hits & häufige Fehlerquellen
Die Verwechslungen, die am öftesten geprüft werden — als kompakte Wiederholung vor der Prüfung
Dieses letzte Kapitel bündelt die Fallen, die in den Altprüfungen der Heilpraktikerprüfung im Fach Psychologie/Psychiatrie am häufigsten wiederkehren. Nutze es als finale Wiederholung.
Die 15 häufigsten Verwechslungen
Stupor ist KEINE Bewusstseinsstörung, sondern eine psychomotorische Störung.
Die zeitliche (nicht situative) Orientierung geht zuerst verloren.
Illusionen und Wahn gehören NICHT zu den formalen Denkstörungen — Illusion = Wahrnehmung, Wahn = inhaltliche Denkstörung.
Ich-Erlebnis-Störungen (Gedankenlautwerden, -entzug, -ausbreitung, Beeinflussungserleben) sind eine eigene Kategorie — keine formalen Denkstörungen.
Retrograde Amnesie = Erinnerungsverlust für die Zeit VOR dem Ereignis (nicht danach).
Kurzzeitgedächtnisstörung spricht FÜR (nicht gegen) ein Korsakow-Syndrom.
Manie: vermindertes (nicht erhöhtes) Schlafbedürfnis, überhöhtes (nicht vermindertes) Selbstwertgefühl.
Schizophrenes Residuum = Negativsymptomatik, KEINE „depressive Phase", kein Vordergrund von Halluzinationen.
Opioid-Intoxikation = Miosis; Opioid-Entzug = Mydriasis.
Naloxon wirkt bei Opioiden, NICHT bei Alkoholintoxikation.
Delirium tremens beginnt am 2.–3. Tag nach Alkoholabsetzen — nicht erst nach 1 Woche.
Unterbringungsrecht der Länder: Kernvoraussetzung ist die akute erhebliche Selbst-/Fremdgefährdung — nicht fehlende Krankheitseinsicht allein.
Betreuungsrecht kann auch zur Ermöglichung einer notwendigen ärztlichen Untersuchung genutzt werden — nicht nur bei Gefährdung.
Bei Suizidgedanken: aktiv und konkret nachfragen — Nachfragen erhöht das Risiko NICHT.
Verarmungs-, Versündigungs- und nihilistischer Wahn = Wahntrias der Depression; Größenwahn = eher Manie.
Weitere wichtige Zahlen zum Auswendiglernen
FaktWert
Lebenszeitrisiko Schizophrenieca. 1 %
Erstmanifestation Schizophrenie15.–30. Lebensjahr
Suizidrate bei Schizophrenieca. 5–15 %
Beginn Alkoholdelir nach Absetzen2.–3. Tag
Ticstörung als „chronisch"ab 1 Jahr Dauer
Mindestdauer depressive Episode (ICD-10)≥ 2 Wochen
Suizide vs. Verkehrstote in DeutschlandMehr Suizide als Verkehrstote
Abschlussquiz
Ein 55-jähriger, bisher unauffälliger Mann wird plötzlich verwirrt, schreit, verbarrikadiert die Tür, zittert und schwitzt stark und berichtet aufgeregt von Krokodilen, die eindringen wollen. Um welches Krankheitsbild handelt es sich am ehesten?
A
Agitierte Depression
B
Chronische Schizophrenie
C
Alkoholentzugsdelir
D
Akute Belastungsreaktion
Plötzlicher Beginn, Verwirrtheit, vegetative Symptome (Zittern, Schwitzen) und optische Halluzinationen (Tiere) bei bisher unauffälliger Person sind hochcharakteristisch für ein Alkoholentzugsdelir (Delirium tremens) — ein akuter, lebensbedrohlicher Notfall mit sofortiger Klinikeinweisung.
Das war's — du hast den gesamten Stoff der Psychologie/Psychiatrie für die HP-Prüfung durchgearbeitet, von den Grundbegriffen des psychopathologischen Befunds über alle wichtigen Krankheitsbilder bis zu den rechtlichen Grundlagen. Wiederhole vor allem die Kapitel zu Delir, Suizidalität, Unterbringungsrecht sowie die Symptom-Zuordnungstabellen (formale/inhaltliche Denkstörungen, Ich-Störungen) — das sind die mit Abstand am häufigsten geprüften Bereiche. Viel Erfolg bei der Prüfung!