Sinnesorgane · HP-Intensivskript
Kapitel 1 · Grundlagen
Das Auge — Aufbau & Schichten
Von null: wie das Auge wie eine Kamera aufgebaut ist — die Grundlage für alle späteren Augenerkrankungen
Das Auge ist ein komplexes, empfindliches Sinnesorgan zur optischen Wahrnehmung der Umgebung. Der Augapfel lässt sich gut mit einer Kamera vergleichen: Gehäuse, Linse und „Film" entsprechen den drei Hauptschichten des Auges. Von außen nach innen betrachtet besteht der Augapfel aus drei funktionellen Schichten: Lederhaut und Hornhaut (äußere Schicht, Gehäuse + Lichteintritt), mittlere Augenhaut (Aderhaut, Ziliarkörper, Iris — das optische System) und Netzhaut (innerste Schicht, der „Film").
Merke die Kamera-Analogie: Lederhaut = Gehäuse · Hornhaut + Linse = Objektiv/Optik · Iris = Blende · Netzhaut = Film/Sensor. Wichtige Einschränkung: Die Hornhaut ist NICHT nur Schutz — sie trägt sogar MEHR zur Lichtbrechung bei als die Linse selbst!
Die äußere Augenhaut: Lederhaut & Hornhaut
StrukturAufbau & Funktion
Lederhaut (Sklera)Festes, derbes Bindegewebe, „das Weiße" des Auges. Umschließt die empfindlichen optischen Bestandteile, Ansatzstelle der Augenmuskeln.
Hornhaut (Cornea)Durchsichtiger, kuppelförmiger vorderer Anteil. Stärker gewölbt als die Sklera und trägt mehr zur Lichtbrechung bei als die Linse. Sehr schmerz- und temperaturempfindlich — schon ein Staubkorn tut weh.
Bindehaut (Konjunktiva)Zweischichtige Schleimhaut auf der Innenseite der Lider und dem sichtbaren „Weißen" des Auges. Grenzt an die Hornhaut an, verbindet Augapfel und Lider.
Die mittlere Augenhaut: Aderhaut, Ziliarkörper, Iris
Aderhaut (Chorioidea): stark durchblutet, versorgt die äußeren Netzhautschichten, enthält Nerven zu Hornhaut, Ziliarkörper und Iris
Ziliarkörper (Corpus ciliare): enthält die Ziliarmuskeln, die über die Zonulafasern den Krümmungszustand der Linse steuern; produziert außerdem das Kammerwasser
Regenbogenhaut (Iris): wirkt wie die Kamerablende. Kreisförmige Muskelfasern verengen die Pupille bei hellem Licht, sternförmige Fasern (gesteuert vom Sympathikus) erweitern sie bei Dunkelheit/Angst
Die Augenkammern & das Kammerwasser
Der Bereich vor der Linse wird durch die Iris in eine vordere und hintere Augenkammer unterteilt. Da Blutgefäße die Durchsichtigkeit von Linse und Hornhaut stören würden, werden diese ausschließlich über eine Flüssigkeit ernährt: das Kammerwasser. Der Ziliarkörper produziert es in die hintere Augenkammer, von dort gelangt es durch die Pupille in die Vorderkammer. Im äußeren Kammerwinkel wird es über den Schlemm-Kanal ins venöse System abgeleitet.
Prüfungshinweis: Der Augeninnendruck hängt vom Gleichgewicht zwischen Kammerwasser-Produktion (Ziliarkörper) und -Abfluss (Schlemm-Kanal) ab. Ist dieser Abfluss gestört, steigt der Augeninnendruck — die Grundlage des Glaukoms (Kapitel 9). Der Schlemm-Kanal transportiert Kammerwasser ins venöse System — nicht in den Konjunktivalraum und nicht in die vordere Augenkammer hinein (er leitet daraus ab)!
Glaskörper
Die Höhle hinter Linse und Ziliarkörper ist mit einem viskos-elastischen Gel gefüllt, dem Glaskörper (Corpus vitreum). Im Alter können sich darin kleine Partikel bilden, die als bewegliche Punkte im Gesichtsfeld sichtbar werden (Mouches volantes, „fliegende Mücken") — meist harmlos, können aber auch ein Hinweis auf eine beginnende Netzhautablösung sein (siehe Kapitel 10).
Übungsquiz
Welche Aussage zur Anatomie des Auges trifft zu?
A
Die Hornhaut liegt im hinteren Abschnitt des Augapfels und enthält die bildaufnehmenden Sinneszellen
B
Die Regenbogenhaut liegt im hinteren Abschnitt und enthält die bildaufnehmenden Sinneszellen
C
Die Netzhaut liegt im hinteren Abschnitt des Augapfels und enthält die bildaufnehmenden Sinneszellen
D
Die Bindehaut liegt im hinteren Abschnitt und enthält die bildaufnehmenden Sinneszellen
Die Netzhaut (Retina) ist die innerste, lichtempfindliche Schicht im hinteren Augenabschnitt und enthält die Fotorezeptoren (Stäbchen und Zapfen) — die eigentlichen „bildaufnehmenden" Sinneszellen. Hornhaut und Bindehaut liegen vorn, die Iris ist die mittlere Augenhaut ohne Fotorezeptoren.
Kapitel 1 · Grundlagen
Lichtbrechung & Akkommodation
Wie das Auge scharfstellt — und was bei Kurz- und Weitsichtigkeit schiefläuft
Damit ein Gegenstand scharf gesehen wird, müssen die Lichtstrahlen exakt auf der Netzhaut gebündelt werden. Das Licht wird zunächst an der Hornhaut gebrochen (der stärkste Brechungsanteil!), dann zusätzlich fein von der Linse fokussiert.
Akkommodation — das Scharfstellen
Die Linse eines gesunden Auges verändert bei jedem Blickwechsel ihre Form: Beim Blick in die Ferne wird sie durch den Zug der Ziliarmuskeln flacher, beim Blick auf nahe Objekte (Lesen) wird sie dicker/runder. Diese Anpassung heißt Akkommodation.
Der Mechanismus: Kontrahieren sich die Ziliarmuskeln, bewegt sich der Ziliarkörper nach innen, wodurch die Spannung auf den Aufhängeapparat der Linse (Zonulafasern) nachlässt. Die elastische Linse zieht sich dann von selbst zusammen, wird dicker und runder — das Bild eines nahen Objekts entsteht so exakt auf der Netzhaut statt dahinter.
Eselsbrücke: „Ziliarmuskel an = Linse rund = Nahsehen." Mit zunehmendem Alter verliert die Linse an Elastizität — sie kann sich trotz nachlassender Zonula-Spannung nicht mehr ausreichend rundstellen. Ergebnis: Altersweitsichtigkeit (Presbyopie).
Refraktionsfehler im Überblick
FehlsichtigkeitUrsacheBild entsteht ...Korrektur
Kurzsichtigkeit (Myopie)Augapfel zu lang oder Linse zu stark gekrümmtvor der NetzhautKonkave (zerstreuende) Gläser
Weitsichtigkeit (Hyperopie)Augapfel zu kurz oder Linse bricht zu schwachhinter der NetzhautKonvexe (sammelnde) Gläser
Alterssichtigkeit (Presbyopie)Nachlassende Linsenelastizität — keine Verdickung mehr möglichSonderform der Weitsichtigkeit, nur beim NahsehenLesebrille (konvex)
Stabsichtigkeit (Astigmatismus)Asymmetrisch gekrümmte Hornhaut/LinseEin Punkt wird als „Stab" (verzerrt in einer Achse) abgebildetZylindrische Korrekturlinsen
Prüfungshinweis: Bei Kurzsichtigkeit können Betroffene in der Ferne schlecht, in der Nähe gut sehen (nicht umgekehrt!). Bei Weitsichtigkeit ist es genau umgekehrt: in der Ferne gut, in der Nähe schlecht. Die Presbyopie beruht NICHT auf einem Längenwachstum des Augapfels, sondern auf dem Elastizitätsverlust der Linse selbst.
Pupille: Miosis & Mydriasis
Bei Tageslicht misst die Pupille ca. 3 mm, im Dunkeln erweitert sie sich auf ca. 7 mm. Die Pupillenverengung (Miosis) erfolgt über den Parasympathikus, die Pupillenerweiterung (Mydriasis) über den Sympathikus — z. B. bei Angst oder Schreck („schreckensweite Pupillen").
Übungsquiz
Welche Aussagen zu Refraktionsanomalien treffen zu? 1. Bei Kurzsichtigkeit sehen Betroffene in der Ferne scharf, in der Nähe nicht 2. Bei Weitsichtigkeit sehen Betroffene in der Ferne scharf, in der Nähe nicht 3. Bei Kurzsichtigkeit liegt das scharfe Bild vor der Netzhautebene, der Augapfel ist zu lang 4. Bei Weitsichtigkeit liegt das scharfe Bild vor der Netzhautebene 5. Alterssichtigkeit beruht auf einem Längenwachstum des Augapfels
A
Nur 1 und 3
B
Nur 2 und 3
C
Nur 2 und 4
D
Nur 1, 4 und 5
Bei Weitsichtigkeit sehen Betroffene in der Ferne scharf, in der Nähe nicht (Aussage 2 richtig). Bei Kurzsichtigkeit liegt das scharfe Bild vor der Netzhautebene, weil der Augapfel zu lang ist (Aussage 3 richtig). Aussage 1 ist falsch (Kurzsichtige sehen in der Ferne UNscharf), Aussage 4 falsch (bei Weitsichtigkeit liegt das Bild HINTER der Netzhaut), Aussage 5 falsch (Presbyopie = Elastizitätsverlust der Linse, kein Längenwachstum).
Kapitel 1 · Grundlagen
Netzhaut — Stäbchen & Zapfen
Wie Licht zu einem Nervensignal wird, und warum der „blinde Fleck" existiert
Die Netzhaut (Retina) ist die lichtempfindliche innerste Schicht des Auges. Auf ihr sitzen die Fotorezeptoren — spezialisierte Sinneszellen, die Licht in Nervenimpulse umwandeln. Es gibt zwei Typen, die du unbedingt unterscheiden können musst:
Zapfen
Funktion: Farbensehen (3 Typen für Rot, Grün, Blau)
Lichtempfindlichkeit: geringer als Stäbchen
Verteilung: höchste Dichte im gelben Fleck (Ort des schärfsten Sehens)
Jeder Zapfen einzeln mit dem Gehirn verschaltet → hohe Detailschärfe
Stäbchen
Funktion: Schwarz-Weiß-Sehen, Bewegungssehen
Lichtempfindlichkeit: hoch — zuständig fürs Dämmerungssehen
Verteilung: in den Randzonen der Netzhaut, kaum im Zentrum
Mehrere Stäbchen sind zusammengeschaltet → weniger Detailschärfe, aber gute Bewegungswahrnehmung „aus dem Augenwinkel"
Merksatz: „Zapfen = Farbe, Stäbchen = Schwarz-Weiß." Manche Menschen (überwiegend Männer) haben eine genetisch bedingte Farbenblindheit — eine vollständige Farbenblindheit ist dabei sehr selten, meist handelt es sich um abgeschwächte Rot-Grün-Schwächen.
Der gelbe Fleck (Macula lutea)
Um die optische Achse der Netzhaut herum liegt der gelbe Fleck mit der höchsten Zapfendichte — hier ist die Sehschärfe am größten. Die altersbedingte Makuladegeneration betrifft genau diese Stelle (siehe Kapitel 12) und ist die häufigste Ursache einer Sehbehinderung im Alter.
Der blinde Fleck
Dort, wo die Nervenfasern der Netzhaut zur Sehnervenpapille zusammenlaufen und als Sehnerv (Nervus opticus) austreten, gibt es keinen Platz für Fotorezeptoren — der „blinde Fleck". Bei beidäugigem Sehen fällt dies nicht auf, da kein Objekt in beiden Augen gleichzeitig auf den blinden Fleck fällt.
Der Sehweg: von der Netzhaut zum Gehirn
Der Sehnerv (2. Hirnnerv) enthält ca. eine Million Axone pro Auge. Er verläuft zur Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum), wo sich die Nervenfasern beider Augen teilweise kreuzen: Der linke Anteil des linken Sehfeldes und der rechte Anteil des rechten Sehfeldes kreuzen zur jeweils anderen Seite — das ermöglicht das räumliche Sehen im Sehzentrum des Okzipitallappens (Hinterhauptslappen).
Prüfungshinweis: Eine Entzündung des Sehnervs hinter dem Augapfel (Retrobulbärneuritis, z. B. bei Multipler Sklerose) führt zu hochgradiger Sehverschlechterung, während der Augenhintergrund bei der Spiegelung dabei zunächst NORMAL erscheint — ein wichtiger Unterschied zur Stauungspapille, bei der die Papille durch erhöhten Hirndruck sichtbar vorgewölbt ist.
Übungsquiz
Welche Aussage zum Farbensehen trifft NICHT zu?
A
Farbensehen ist hauptsächlich auf die Stelle des schärfsten Sehens beschränkt
B
Für das Farbensehen sind drei Zapfenarten verantwortlich
C
Störungen des Farbensehens findet man vorwiegend bei Frauen
D
Die totale Farbenblindheit ist sehr selten
Genetisch bedingte Farbsehstörungen betreffen überwiegend Männer, nicht Frauen — das X-chromosomal vererbte Merkmal manifestiert sich bei Männern häufiger. Die übrigen Aussagen sind korrekt.
Kapitel 1 · Grundlagen
Das Ohr — Aufbau
Außenohr, Mittelohr, Innenohr — der Weg des Schalls von der Ohrmuschel bis zum Gehirn
Das Ohr enthält zwei völlig unterschiedliche Sinnesorgane: das Hörorgan und das Gleichgewichtsorgan (Kapitel 4). Anatomisch gliedert man das Ohr in drei Abschnitte: Außenohr, Mittelohr, Innenohr.
Außenohr
Besteht aus Ohrmuschel, dem etwa 3 cm langen äußeren Gehörgang (Meatus acusticus externus) und dem Trommelfell als Grenze zum Mittelohr. Der Gehörgang verläuft in einer s-förmigen Krümmung vom knorpeligen Anfangsteil zum knöchernen Teil. Zahlreiche Drüsen sondern Ohrenschmalz (Cerumen) zum Schutz und zur Reinigung ab.
Prüfungshinweis: Der äußere Gehörgang ist ca. 3 cm lang — NICHT V-förmig, sondern s-förmig gekrümmt. Er dient der Schallleitung aus der Umwelt zum Trommelfell. Das ovale Fenster gehört NICHT zum äußeren Ohr, sondern zur Grenze zwischen Mittel- und Innenohr!
Mittelohr
Das annähernd runde Trommelfell (Ø ca. 1 cm) bildet die äußere Wand des Mittelohrs. Das Mittelohr selbst besteht aus der luftgefüllten Paukenhöhle mit den drei Gehörknöchelchen und der Ohrtrompete (Tuba auditiva Eustachii), die zum Druckausgleich eine Verbindung zum Nasenrachenraum herstellt.
GehörknöchelchenLateinischer NameFunktion
HammerMalleusAm Trommelfell befestigt, leitet Schwingung weiter
AmbossIncusMittleres Verbindungsglied
SteigbügelStapesSitzt im ovalen Fenster, überträgt Schwingung ins Innenohr
Die drei Gehörknöchelchen bilden mit dem Trommelfell den Schallleitungsapparat: Sie verstärken die schallbedingten Vibrationen und leiten sie zum ovalen Fenster weiter.
Innenohr
Im Felsenbein (Teil des Schläfenbeins) eingebettet liegt die spiralförmige Gehörschnecke (Cochlea), gefüllt mit Flüssigkeit (Perilymphe/Endolymphe) und ausgestattet mit Haarzellen als Schallsensoren. Die Schnecke wird der Länge nach in zwei Gänge geteilt: Scala vestibuli (Vorhoftreppe, Perilymphe) und Scala tympani (Paukentreppe). Getrennt werden Peri- und Endolymphe durch die Reissner-Membran.
Die Schwingungen wandern vom ovalen Fenster über die Scala vestibuli zur Schneckenspitze und über die Scala tympani zurück zum runden Fenster. Je nach Frequenz „brechen" sich die Wellen an einer bestimmten Stelle der Schnecke (ähnlich der Brandung am Strand) — genau dort werden die Haarzellen des Corti-Organs stimuliert und geben elektrische Impulse an das Gehirn ab.
Der Hör- und Gleichgewichtsnerv heißt Nervus vestibulocochlearis (8. Hirnnerv) — er trägt sowohl Höreindrücke (cochlea = Schnecke) als auch Gleichgewichtsinformationen (vestibulum = Vorhof) zum Gehirn.
Übungsquiz
Welche der folgenden Aussagen treffen zum Mittelohr zu? Wählen Sie zwei Antworten!
A
Die Bogengänge
B
Die Paukenhöhle
C
Die Schnecke
D
Der Nervus vestibulocochlearis
E
Der Amboss
Paukenhöhle und Amboss (eines der drei Gehörknöchelchen) gehören zum Mittelohr. Bogengänge und Schnecke gehören zum Innenohr, der Nervus vestibulocochlearis ist der Hirnnerv, der Innenohrinformationen zum Gehirn leitet.
Kapitel 1 · Grundlagen
Gleichgewichtsorgan
Vorhofsäckchen und Bogengänge — wie der Körper Lage, Beschleunigung und Drehung erkennt
Das Gleichgewichtsorgan liegt, wie die Hörschnecke, im Innenohr und besteht aus zwei funktionell unterschiedlichen Systemen: dem Vorhof (Vestibulum) mit den Vorhofsäckchen und den drei Bogengängen. Beide senden Information über den Gleichgewichtsnerv (Teil des N. vestibulocochlearis) ans Gehirn, das diese mit Informationen der Augen und der Propriozeption (Muskel-/Gelenkrezeptoren) abgleicht, um die Balance zu halten.
Vorhofsäckchen (Utriculus & Sacculus)
Reagieren auf Beschleunigung und Schwerkraft (lineare Bewegung, Kopfneigung)
Haarzellen in einer Gallertmasse (Makula) mit aufgelagerten Kalziumkarbonatkristallen
Bei Kopfneigung verlagern sich die Kristalle nach unten → Reflexauslösung zur Korrektur der Kopf-/Körperlage
Bogengänge (3 Stück, senkrecht zueinander)
Reagieren auf Drehbewegungen des Kopfes
Mit Endolymphe gefüllt; Trägheit der Flüssigkeit lenkt die gallertige Cupula ab
Jeder der 3 Bogengänge erfasst eine andere Raumrichtung
Eselsbrücke: Vorhofsäckchen = „geradeaus/gerade Linie" (Beschleunigung, Schwerkraft), Bogengänge = „Drehung/Karussell". Nach anhaltendem Drehen (z. B. Karussell) und abruptem Stopp wird uns schwindelig — Drehschwindel — weil die Endolymphe in den Bogengängen aus Trägheit noch weiterströmt, obwohl der Kopf schon stillsteht.
Zusammenspiel mit anderen Sinnen
Das Gehirn gleicht die Signale des Gleichgewichtsorgans ständig mit den Informationen der Augen und der Tiefensensibilität (Propriozeption, Muskel-/Gelenk-/Sehnenrezeptoren) ab. Widersprechen sich diese Informationen (z. B. beim Lesen im fahrenden Auto: Augen sehen „ruhig", Gleichgewichtsorgan meldet Bewegung), kann Reisekrankheit (Kinetose) entstehen.
Übungsquiz
Welche Aussage zu den Bogengängen des Ohres trifft zu?
A
Sie leiten den Schall zum Trommelfell
B
Sie münden in die Ohrtrompete
C
Sie leiten ihre Information über den Nervus accessorius zum Gehirn
D
Sie dienen vor allem der Schallwahrnehmung
E
Sie erfassen Rotationsbewegungen
Die drei Bogengänge sind speziell auf die Erfassung von Rotations-/Drehbewegungen des Kopfes ausgelegt. Sie leiten ihre Information nicht über den N. accessorius (11. Hirnnerv, motorisch für Hals-/Schultermuskulatur), sondern über den N. vestibulocochlearis (8. Hirnnerv).
Kapitel 1 · Grundlagen
Geruchs- & Geschmackssinn
Die beiden chemischen Sinne — und warum Geschmack eigentlich meist Geruch ist
Geruchssinn
Gerüche werden von spezialisierten Nervenzellen der Riechschleimhaut (Teil der oberen Nasenschleimhaut, ca. 5 cm² Fläche) wahrgenommen. Die ca. 100 Millionen Riechzellen sind Nervenzellen, deren Fortsätze in Riechbläschen an der Oberfläche enden. Die Axone verlaufen als ca. 20 Geruchsnerven durch die Löcher der Siebbeinplatte und enden im Bulbus olfactorius (Riechkolben) — von dort bestehen enge Verknüpfungen zu emotionalen Hirnregionen (Freude, Angst, Sexualtrieb) — Gerüche lösen deshalb oft besonders starke Gefühle und Erinnerungen aus.
Geschmackssinn
Geschmacksknospen sitzen vor allem im Rand- und Rückenbereich der Zunge, im Gaumendach und am Rachenein­gang. Jeder Mensch hat 2000–5000 Geschmacksknospen (Frauen etwas mehr als Männer). Es gibt vier Grundqualitäten: süß, sauer, salzig, bitter. Die alte Vorstellung einer strikten „Zungenlandkarte" mit exklusiven Arealen ist überholt — heute weiß man, dass jede Geschmacksknospe mehrere Qualitäten erkennen kann, wenn auch mit regionalen Schwerpunkten (hinten: bitter, seitlich: sauer, Spitze: süß, vorderer Rand: salzig).
Drei Hirnnerven sind an der Geschmacksübertragung beteiligt: Nervus facialis (VII), Nervus glossopharyngeus (Zungen-Rachen-Nerv, IX) und Nervus vagus (X). Die Signale gelangen über Hirnstamm und Thalamus zum Geschmackszentrum im Scheitellappen.
Prüfungshinweis: Etwa 80 % der subjektiv empfundenen „Geschmackserlebnisse" gehen tatsächlich auf den Geruchssinn zurück — deshalb schmeckt bei Schnupfen (verstopfter Nase) praktisch alles fade, obwohl die Zunge selbst intakt ist!
Geruchs- und Geschmacksstörungen — die wichtigsten Begriffe
BegriffBedeutung
HyposmieVerminderte Geruchswahrnehmung (z. B. bei Schnupfen)
AnosmieVollständiger Verlust des Riechvermögens
ParosmieFehlwahrnehmung — normale Gerüche werden verändert/übel riechend wahrgenommen
Ursachen von Geruchsstörungen reichen von banalen Erkältungen und allergischer Rhinitis über eine schiefe Nasenscheidewand (Septumdeviation) und Nasenpolypen bis zu neurologischen Erkrankungen (M. Parkinson, M. Alzheimer) oder Schädelhirntraumata. Geschmacksstörungen können durch Schädigung der Geschmacksnerven (Hirntumore, Unfälle, Medikamente), Zinkmangel, Zungenentzündung (Glossitis) oder — bei perniziöser Anämie — durch eine atrophische Glossitis entstehen.
Übungsquiz
Etwa wie viel Prozent der subjektiven Geschmackserlebnisse gehen tatsächlich auf den Geruchssinn zurück?
A
Etwa 20 %
B
Etwa 50 %
C
Etwa 80 %
D
Praktisch 0 %, Geschmack und Geruch sind unabhängig
Etwa 80 % dessen, was wir subjektiv als „Geschmack" erleben, wird tatsächlich über den Geruchssinn vermittelt — nur die vier bis fünf Grundqualitäten (süß, sauer, salzig, bitter, umami) werden rein über die Zunge wahrgenommen.
Kapitel 2 · Augenerkrankungen
Gerstenkorn & Hagelkorn
Zwei Lidknötchen, die ständig verwechselt werden — schmerzhaft vs. schmerzlos
Beide Erkrankungen betreffen die Drüsen des Augenlids, unterscheiden sich aber grundlegend in Ursache und Symptomatik — die Unterscheidung ist eine Standard-Prüfungsfrage.
Gerstenkorn (Hordeolum)
Ursache: bakterielle (meist Staphylokokken-)Entzündung der Talgdrüsen/Wimpernfollikel
Symptome: schmerzhaftes rotes Knötchen, Schwellung, tränende Augen
Verlauf: kleiner Abszess bildet sich innerhalb weniger Tage
Therapie: Antibiotikasalbe, feuchtwarme Kompressen
Hagelkorn (Chalazion)
Ursache: Verstopfung des Ausführungsgangs einer Talgdrüse (Meibom-Drüse) — KEINE Infektion
Symptome: derber, verschieblicher, schmerzloser Knoten
Verlauf: chronischer Sekretstau, harmlos
Therapie: ggf. operative Entfernung unter Lokalanästhesie
Eselsbrücke: „Hordeolum hurts" — das Gerstenkorn (Hordeolum) tut weh, das Hagelkorn (Chalazion) nicht. Merke außerdem: Staphylokokken verursachen typischerweise eitrige, schmerzhafte Entzündungen (Abszesse) — dieses Muster begegnet dir bei vielen anderen Erkrankungen wieder.
HP-Grenze: Bei wiederholten Gerstenkörnern sollte an eine erhöhte Infektanfälligkeit, z. B. durch Diabetes mellitus, gedacht werden — eine internistische Abklärung ist sinnvoll. Bei tiefliegenden Abszessen droht eine örtliche Ausbreitung der Infektion.
Übungsquiz
Gerstenkorn (Hordeolum) ist eine Infektion von Augenliddrüsen. Womit ist diese Infektion am häufigsten verbunden?
A
Chlamydien
B
Hämophilus-Bakterien
C
Proteus-Bakterien
D
Staphylokokken
Das Gerstenkorn ist typischerweise eine Staphylokokkeninfektion der Talgdrüsen oder Wimpernfollikel — Staphylokokken sind die klassischen Erreger eitriger, schmerzhafter Entzündungen.
Kapitel 2 · Augenerkrankungen
Bindehaut- & Hornhautentzündung
Konjunktivitis ist meist harmlos — Keratitis ist immer ernst zu nehmen
Bindehautentzündung (Konjunktivitis)
Verschiedene Ursachen sind möglich: infektiös (bakteriell/viral), nichtinfektiös (Staub, Kosmetika, UV-Licht, trockenes Auge), allergisch (saisonal, v. a. Frühling/Sommer) oder im Rahmen von Darmerkrankungen (M. Crohn, Colitis ulcerosa). Das Trachom (Chlamydia trachomatis) ist die weltweit häufigste Ursache für Erblindung — v. a. in Entwicklungsländern mit schlechter Wasserversorgung.
ArtTypisches SekretBegleitsymptome
BakteriellEitrig, Augen morgens „verklebt"—
ViralWässrigErkältungsähnliche Symptome
AllergischWässrigNiesen, laufende Nase, Juckreiz, geschwollene Bindehaut
Konjunktivitis sicca—Trockenes Auge als Ursache
Gemeinsame Symptome: gerötetes, brennendes, tränendes Auge, evtl. Lichtscheu und krampfhafter Lidschluss (Blepharospasmus). Bakterielle Konjunktivitis ist ansteckend und kann sich in Kindergärten/Schulen rasch ausbreiten.
Hornhautentzündung (Keratitis)
Ursachen: Chemikalien (Säuren/Laugen), UV-Strahlung (Schneeblindheit, Elektroschweißen), Bakterien, Viren (v. a. Herpes zoster) oder Pilze. Symptome: gerötetes Auge, starke Schmerzen, Fremdkörpergefühl, Lichtempfindlichkeit.
HP-Grenze: Die Keratitis ist deutlich gefährlicher als die Konjunktivitis — unbehandelt drohen Hornhautgeschwür, Narbenbildung und dauerhafter Sehverlust bis hin zur nötigen Hornhautverpflanzung. Kortisonhaltige Augentropfen sind bei Keratitis NICHT geeignet — sie können die Erkrankung verschlimmern! Bei geringstem Verdacht sofort zum Augenarzt überweisen.
Prüfungshinweis: Doppeltsehen ist KEIN Hinweis auf eine Konjunktivitis — es deutet eher auf eine neurologische Störung der Augenmuskulatur hin. Bei einer Iridozyklitis (Iritis) fällt KEINE flächenhafte Bindehautblutung auf — das wäre ein Hyposphagma (Kapitel 12), ein ganz anderes, meist harmloses Krankheitsbild.
Übungsquiz
Welche der folgenden Aussagen zu Augenerkrankungen treffen zu? Wählen Sie zwei Antworten!
A
Ein plötzlicher einseitiger Sehverlust kann auf eine Entzündung des Sehnervs hinweisen
B
Bei unvollständigem Lidschluss besteht die Gefahr einer Hornhautentzündung
C
Doppeltsehen ist ein Hinweis auf Konjunktivitis
D
Bei einer Iridozyklitis fällt eine flächenhafte Blutung unter die Augenbindehaut auf
Eine akute Sehnerventzündung (Retrobulbärneuritis) kann plötzlichen einseitigen Sehverlust verursachen, und unvollständiger Lidschluss (Lagophthalmus) führt durch Austrocknung zur Hornhautentzündungsgefahr. Doppeltsehen ist ein neurologisches, kein Konjunktivitis-Symptom, und die flächenhafte Bindehautblutung beschreibt das Hyposphagma, nicht die Iritis.
Kapitel 2 · Augenerkrankungen
Grauer Star (Katarakt)
Die Linsentrübung — häufigste Alterserkrankung des Auges
Der graue Star (Katarakt) ist eine Eintrübung der Linse — meist als Alterserscheinung (Cataracta senilis). Etwa 20 % aller Menschen über 60 Jahre sind betroffen!
Angeborene Linsentrübungen können erblich sein oder durch eine mütterliche Infektion in der Schwangerschaft (z. B. Röteln) entstehen. Erworbene Trübungen treten außerdem bei Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz, Kortisontherapie oder nach Verletzungen/Röntgenbestrahlung auf.
Symptome
Zunehmend verschwommene Sicht, Lichthöfe um helle Objekte, Blendungsempfindlichkeit (schlechteres Sehen bei hellem Licht). Unbehandelt führt der graue Star zu zunehmendem Sehverlust bis zur Erblindung.
Diagnostik & Behandlung
Der Augenarzt diagnostiziert die Linsentrübung mit der Spaltlampe; fortgeschrittene Trübungen sind bereits mit bloßem Auge sichtbar. Die Behandlung erfolgt operativ unter örtlicher Betäubung: Die getrübte Linse wird entfernt und durch ein Kunstlinsenimplantat (Plastik/Silikon) ersetzt.
Risikofaktoren, die den grauen Star begünstigen
Zu den wichtigsten begünstigenden Faktoren zählen Kortisontherapie und Diabetes mellitus — beide erhöhen deutlich das Risiko einer Linsentrübung. Vegetarische Kost oder Vollwertkost haben keinen belegten Zusammenhang mit der Kataraktentstehung.
Übungsquiz
Welche Faktoren begünstigen am ehesten das Auftreten eines grauen Stars? Wählen Sie zwei Antworten!
A
Kortisontherapie
B
Vollwertkost
C
Vegetarische Kost
D
Heuschnupfen
E
Diabetes mellitus
Kortisontherapie und Diabetes mellitus sind die beiden am besten belegten, in der Prüfung relevanten Risikofaktoren für den grauen Star. Ernährungsformen wie Vollwertkost oder vegetarische Kost sowie Heuschnupfen haben keinen direkten Zusammenhang mit der Kataraktentstehung.
Kapitel 2 · Augenerkrankungen
Grüner Star (Glaukom)
Der wichtigste Augennotfall der Prüfung — akuter Druckanstieg mit Erblindungsgefahr
Das Glaukom ist eine Erhöhung des Augeninnendrucks, die unbehandelt zur Schädigung des Sehnervs und schließlich zur Erblindung führt.
Zwei Hauptformen
Weitwinkelglaukom (Glaucoma simplex)
Häufigste Form. Kammerwinkel bleibt offen, aber Abfluss durch den Schlemm-Kanal altersbedingt unzureichend
Druckanstieg schleichend, im Frühstadium kaum Symptome
Erst Gesichtsfeldausfälle, dann Erblindung
Konservative Therapie (z. B. Betablocker-Augentropfen)
Engwinkelglaukom (Winkelblockglaukom)
Kammerwinkel zu eng — Abfluss durch zu flache Vorderkammer verlegt
Druckanstieg kann sehr schnell auftreten → akuter Glaukomanfall
Notfall mit starken Schmerzen!
Der akute Glaukomanfall — Notfallsymptome
Kann ausgelöst werden durch pupillenerweiternde Mittel (Anticholinergika wie Atropin) oder starke Angstreaktionen (Sympathikusaktivierung → Pupillenerweiterung → letzte Abflusswege verlegt).
Augen
Stärkste Schmerzen, gerötetes Auge, steinharter Augapfel, entrundete/erweiterte/lichtstarre Pupille
Sehen
Deutlich herabgesetztes Sehvermögen, Nebelsehen, farbige Ringe um Lichtquellen (Newton-Ringe)
Vegetativ
Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Herzrhythmusstörungen
HP-Grenze: Der akute Glaukomanfall ist ein absoluter Notfall! Bei Verdacht (hartem Augapfel bei Palpation, entrundeter lichtstarrer Pupille, Farbringen, vegetativen Symptomen) sofort notfallmäßig in die Augenklinik überweisen — niemals selbst behandeln, keine Augenmassage, keine Entspannungstechniken als alleinige Maßnahme!
Diagnostik & Prävention
Palpation (steinharter Bulbus im Seitenvergleich), Pupillenreaktion (lichtstarr) und vor allem die Tonometrie (Messung des Augeninnendrucks) sichern die Diagnose. Ab 40 Jahren, besonders bei familiärer Vorbelastung, werden regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen (Tonometrie, Gesichtsfeldbestimmung, Augenhintergrunduntersuchung) empfohlen.
Übungsquiz
Zu Ihnen kommt ein Patient mit Farbringen-Sehen, Augenschmerzen, Erbrechen, Übelkeit, starken Kopfschmerzen und Herzrhythmusstörungen. Der Augapfel ist extrem hart, die Pupillenreflexe nur verzögert auslösbar. Was tun Sie?
A
Eine Augenmassage verordnen, um den Druck zu senken
B
Einen Termin beim Augenarzt in den nächsten Tagen empfehlen
C
Die Verdachtsdiagnose Glaukomanfall stellen und umgehend behandeln lassen
D
Entspannungstechniken zur Drucksenkung durchgehen
Diese Konstellation (harter Bulbus, verzögerte Pupillenreaktion, Farbringe, vegetative Symptome) ist hochcharakteristisch für einen akuten Glaukomanfall — ein augenärztlicher Notfall, der sofortige Behandlung benötigt, um eine irreversible Erblindung zu verhindern.
Kapitel 2 · Augenerkrankungen
Netzhautablösung & Gefäßverschlüsse
Plötzlicher, schmerzloser Sehverlust — die wichtigste Notfall-Trias am Auge
Netzhautablösung (Ablatio retinae)
Die Netzhaut löst sich partiell oder vollständig von der Aderhaut ab — die abgetrennten Nervenzellen sterben ohne Blutversorgung bald ab. Risikofaktoren: Trauma, starke Kurzsichtigkeit (zu langer Augapfel), Hypertonie, diabetische Retinopathie. Meist beginnt es mit einem Netzhauteinriss, durch den Flüssigkeit eindringt und die Netzhaut abhebt.
Die drei klassischen Warnsymptome der Netzhautablösung: „Lichtblitze, Schleiersehen, Schattensehen" — oft beschrieben als „ein Vorhang schließt sich" oder „eine Mauer steigt von unten auf". KEINE Schmerzen, KEINE Augenrötung! Bei diesen Symptomen: sofort (Taxi!) zum Augenarzt oder in die Augenklinik.
Prüfungshinweis: Eine einseitige heftige Augenrötung und starke Schmerzen sprechen GEGEN eine Netzhautablösung — diese verläuft klassischerweise schmerzlos und ohne äußerlich sichtbare Rötung! Diese Unterscheidung wird regelmäßig als Verneinungsfrage geprüft: „Welche der 5 genannten Symptome stützen den Verdacht" — Lichtblitze, Schatten und Schleiersehen ja, Augenrötung und Schmerzen NEIN.
Zentralarterienverschluss vs. Zentralvenenverschluss
Zentralarterienverschluss
Embolie (Thrombus) verschließt die Netzhaut-Hauptarterie
Schlagartige, schmerzlose Erblindung des betroffenen Auges
Absoluter Notfall — Minuten entscheiden!
Zentralvenenverschluss
Blutgerinnsel verlegt die Netzhaut-Hauptvene, Blutabtransport gestört
Risikofaktoren: Bluthochdruck, Blutveränderungen, „Pille" bei Raucherinnen
Kann ebenfalls bis zur Erblindung führen
Fallbeispiel: die 70-Jährige mit plötzlicher schmerzloser Blindheit
Eine 70-Jährige berichtet, seit 3 Stunden auf einem Auge nichts mehr zu sehen — keine Schmerzen. Äußere Untersuchung und Druckprüfung des Bulbus sind unauffällig (kein harter Bulbus, also KEIN Glaukomanfall). Dieses Bild spricht am ehesten für eine Embolie der A. centralis retinae (Zentralarterienverschluss): Bei Ausbleiben zeitnaher Therapie droht irreversible Blindheit, eine Herzauskultation kann Hinweise auf die embolische Quelle geben (z. B. Vorhofflimmern).
HP-Grenze: Bei plötzlichem, schmerzlosem, einseitigem Sehverlust IMMER sofort augenärztlich/notfallmäßig abklären lassen — die Ursache kann sowohl ein Zentralarterienverschluss als auch eine Netzhautablösung oder ein Glaukomanfall sein, und nur eine körperliche Untersuchung (harter/weicher Bulbus, Schmerzen ja/nein) kann differenzieren.
Übungsquiz
Welche Symptome stützen den Verdacht auf eine Netzhautablösung? 1. Lichtblitze 2. Schatten 3. Schleiersehen 4. Einseitige heftige Augenrötung 5. Starke Schmerzen des betroffenen Auges
A
Nur 3 und 5
B
Nur 4 und 5
C
Nur 1, 2 und 3
D
Nur 1, 2, 3 und 4
Lichtblitze, Schatten und Schleiersehen sind die klassischen Warnsymptome der Netzhautablösung. Augenrötung und starke Schmerzen sprechen dagegen — die Netzhautablösung verläuft typischerweise schmerzlos und ohne äußerlich sichtbare Rötung.
Kapitel 2 · Augenerkrankungen
Brechungsfehler & Schielen
Wiederholung der Refraktionsfehler im Kontext, plus das Schielen bei Kindern — Achtung Amblyopiegefahr
Die Refraktionsfehler (Myopie, Hyperopie, Presbyopie, Astigmatismus) wurden bereits in Kapitel 2 im physiologischen Kontext erklärt — sie sind streng genommen keine „Erkrankungen", sondern physikalische Eigenheiten des optischen Apparats, werden aber im HP-Kontext meist zusammen mit den Augenerkrankungen abgefragt. Nutze die Tabelle aus Kapitel 2 zur Wiederholung.
Schielen (Strabismus)
Beim Schielen stehen die optischen Achsen beider Augen aufgrund einer Stellungsanomalie nicht parallel. An jedem Auge steuern 6 Muskeln paarweise die Bewegung; ist die Koordination (Muskelschwäche, Nervenstörung) gestört, zeigen die Augen in verschiedene Richtungen. Man unterscheidet Einwärtsschielen (nach innen) und Auswärtsschielen (nach außen).
Das vorübergehende Schielen bei Säuglingen ist normal — Augenkoordination und Sehrinde müssen erst „eingeübt" werden. Bei älteren Kindern ist Schielen dagegen immer abklärungsbedürftig!
HP-Grenze: Unbehandeltes Schielen führt dazu, dass das Gehirn zunehmend ein Auge bevorzugt und das Bild des anderen (schielenden) Auges unterdrückt — die Tiefenwahrnehmung leidet, und das benachteiligte Auge kann irreversibel erblinden (Amblyopie/„Schwachsichtigkeit"). Da geringes Schielen bei Kleinkindern leicht übersehen wird, ist eine frühzeitige augenärztliche Abklärung entscheidend — Zeitfenster für die Behandlung!
Weitsichtigkeit begünstigt das Auftreten von Schielen. Behandlungsmöglichkeiten: Übungen zur Stärkung der Augenmuskulatur, in schweren Fällen operative Versetzung einzelner Muskeln.
Übungsquiz
Welche Aussage zur Presbyopie (Alterssichtigkeit) trifft zu?
A
Die Linse ist getrübt
B
Der Augapfel ist zu lang
C
Der Augeninnendruck ist erhöht
D
Die Hornhaut ist kegelförmig vorgewölbt
E
Die Akkommodationsfähigkeit der Linse nimmt ab
Presbyopie beruht auf der nachlassenden Elastizität und damit Akkommodationsfähigkeit der Linse im Alter — sie kann sich beim Nahsehen nicht mehr ausreichend verdicken. Trübung der Linse wäre der graue Star, erhöhter Augeninnendruck das Glaukom, kegelförmige Hornhautvorwölbung der Keratokonus.
Kapitel 2 · Augenerkrankungen
Uveitis & weitere Augenerkrankungen
Iritis/Uveitis, Hyposphagma, Makuladegeneration und der Rest, den die Prüfung gerne abfragt
Uveitis (Iritis / Iridozyklitis)
Die Uveitis ist eine Entzündung der mittleren Augenhaut (Uvea = Aderhaut, Ziliarkörper, Iris). Eine infektiöse Uveitis kann bakteriell bedingt sein, eine nichtinfektiöse Uveitis tritt häufig assoziiert mit Autoimmunerkrankungen auf (z. B. M. Bechterew, rheumatoide Arthritis, Sarkoidose). Sie kann in schmerzhafter und nicht-schmerzhafter Form auftreten und im Rahmen der Diagnostik sollte der Heilpraktiker eine orientierende Visusprüfung vornehmen. Als Folge kann eine Erblindung eintreten.
Symptome: gerötetes, lichtscheues Auge, Pupillen reagieren nur träge auf Licht (Miosis, Pupillotonie), Schmerzen v. a. bei Augenbewegungen.
HP-Grenze: Die Uveitis gehört immer in augenärztliche Behandlung — insbesondere wegen des Erblindungsrisikos und der oft zugrunde liegenden systemischen Erkrankung, die selbst abklärungsbedürftig ist.
Hyposphagma — der harmlose Gegenspieler
Ein Hyposphagma ist eine flächige Unterblutung der Bindehaut — meist durch Platzen eines kleinen Blutgefäßes beim starken Pressen, Husten oder Niesen, auch bei Bluthochdruck oder vorgeschädigten Gefäßen. Wichtig: keine Schmerzen, die Sehschärfe ist NICHT beeinträchtigt, eine spezifische Therapie ist in der Regel nicht erforderlich — das Blut wird von selbst resorbiert.
Prüfungshinweis: Hyposphagma vs. Uveitis vs. Konjunktivitis — alle drei können mit gerötetem Auge einhergehen, aber nur beim Hyposphagma ist das Auge schmerzlos UND die Sehschärfe ungestört. Ursachen können Niesen und Bluthochdruck sein — starke Schmerzen und Augentränen gehören NICHT zum typischen Bild.
Altersbedingte Makuladegeneration
Der gelbe Fleck (Zentrum des schärfsten Sehens) verändert sich degenerativ — die Netzhautperipherie bleibt sehfähig. Häufigste Ursache einer Sehbehinderung im Alter. Symptome: verschwommenes, verzerrtes Sehen, verblassende Farben. Diagnose mittels Augenhintergrundspiegelung und Rastertest; der Verlauf kann durch Vitamine (C, E, Betacarotin) verlangsamt werden.
Weitere wichtige Augenerkrankungen — Kurzüberblick
ErkrankungKernmerkmal
EktropiumLid nach außen gekehrt (Vernarbung) → chronische Bindehautreizung
EntropiumLid nach innen gekehrt → Wimpern scheuern auf der Hornhaut, Gefahr von Hornhautgeschwüren
Fundus hypertonicusNetzhaut-/Gefäßveränderungen durch Bluthochdruck — Erblindungsgefahr bei Gefäßverschluss
PterygiumGutartige Bindehautwucherung („Flügelfell") — OP bei Wachstum Richtung Hornhaut
Retinopathia diabeticaHäufigste Erblindungsursache in Industrienationen; Mikroaneurysmen, Cotton-Wool-Herde
RetrobulbärneuritisSehnerventzündung HINTER dem Auge, Augenhintergrund bei Spiegelung unauffällig (z. B. bei MS)
StauungspapilleVorwölbung der Sehnervenpapille bei erhöhtem Hirndruck
Übungsquiz
Welche Aussagen zum Hyposphagma (Unterblutung der Bindehaut) treffen zu? Wählen Sie zwei Antworten!
A
Die Sehschärfe ist deutlich eingeschränkt
B
Eine Therapie ist in der Regel nicht erforderlich
C
Typisch sind starke Schmerzen
D
Ursachen können Niesen und Bluthochdruck sein
E
Starkes Augentränen ist die Folge
Das Hyposphagma ist harmlos und heilt meist ohne spezifische Therapie ab; Auslöser sind u. a. Niesen, Husten, Pressen oder Bluthochdruck. Die Sehschärfe ist normal, Schmerzen und starkes Tränen sind untypisch.
Kapitel 3 · Ohrenerkrankungen
Gehörgang, Cerumen & Fremdkörper
Die häufigste Ohrenerkrankung überhaupt — plus die Gefahren von Wattestäbchen
Gehörgangsentzündung (Otitis externa)
Meist eine Infektion mit Bakterien oder Pilzen, oft ausgelöst durch Schwimmen in verschmutztem Wasser („Schwimmbadinfektion"), Kratzen am Ohr, Wattestäbchen oder starkes Schwitzen. Auch als Folge eines Ekzems oder bei Diabetes mellitus möglich.
Symptome: Juckreiz, Ohrenschmerzen, evtl. leichte Sekretion; bei vollständiger Gehörgangsverlegung erschwertes Hören. Typisch: Tragusdruckschmerz und Schmerzverstärkung beim Zug am Ohrläppchen — Trommelfell selbst meist unauffällig (o. B.).
Prüfungshinweis: Die tägliche Reinigung mit Wattestäbchen ist KEINE sinnvolle Prophylaxe — im Gegenteil, sie schädigt die Flimmerhärchen und schiebt Cerumen tiefer in den Gehörgang. Als Folgeschaden bleibt in der Regel KEIN Cholesteatom zurück (das entsteht anders, siehe Kapitel 15). Typisch bei Otitis externa sind Tragusdruckschmerz und der Zusammenhang mit Wasserexposition (Schwimmbad).
Bei einer nach Schwimmbadbesuch aufgetretenen Otitis externa: Sie kann durch einen Erreger im Badewasser ausgelöst worden sein und ist eine Entzündung des äußeren Gehörgangs — sie ist NICHT meldepflichtig und führt NICHT zu einem Kindergartenverbot.
Behandlung: antibiotika-/antimykotikahaltige Ohrentropfen oder -salben, Kortison gegen Entzündung/Ekzem, bei schweren Infektionen orale Antibiotika.
Ohrenschmalzpfropf (Ceruminalpfropf)
Bei manchen Menschen sammelt und verhärtet sich Cerumen im Gehörgang und führt zu Hörminderung. Wattestäbchen oder Finger sind zur Entfernung ungeeignet — das Cerumen wird dadurch nur tiefer geschoben und die Flimmerhärchen (die Cerumen normalerweise selbst nach außen transportieren) werden geschädigt.
HP-Grenze: Vor jeder Ohrspülung MUSS das Trommelfell mittels Otoskop kontrolliert werden — bei Trommelfellperforation darf NICHT gespült werden (Gefahr von Wasser im Mittelohr → Otitis media)! Zudem muss körperwarmes Wasser verwendet werden — zu kaltes oder zu warmes Wasser reizt das Gleichgewichtsorgan und kann Schwindel auslösen (klingt aber bald wieder ab).
Fremdkörper im Ohr
Murmeln, Erbsen, Perlen oder Insekten im äußeren Gehörgang gehören in ärztliche Hand — selbstständige Entfernungsversuche können zu Verletzungen und tieferem Eindringen bis hin zur Trommelfellperforation führen.
Übungsquiz
Welche Aussagen treffen auf die Otitis externa zu? Wählen Sie zwei Antworten!
A
Sie kann zu Tragusdruckschmerzen führen
B
Die tägliche Reinigung mit Wattestäbchen wird als Prophylaxe empfohlen
C
Oft bleibt als Folgeschaden ein Cholesteatom zurück
D
Das Krankheitsbild findet sich häufig im Zusammenhang mit einer Wasserexposition
E
Typisch ist, dass zahlreiche kleine Bläschen auf gerötetem Grund im Gehörgang sichtbar sind
Otitis externa geht typisch mit Tragusdruckschmerz einher und tritt häufig nach Wasserexposition (Schwimmen) auf. Wattestäbchen-Reinigung ist KEINE sinnvolle Prophylaxe (schadet eher), ein Cholesteatom ist keine typische Folge, und Bläschen auf gerötetem Grund wären eher ein Hinweis auf Herpes zoster oticus.
Kapitel 3 · Ohrenerkrankungen
Tubenkatarrh & Mittelohrentzündung
Die häufigste Kinderkrankheit des Ohrs — mit einer wichtigen Ausnahme bei Säuglingen
Tubenkatarrh
Die Ohrtrompete (Tuba auditiva) sorgt für Druckausgleich zwischen Mittelohr und Rachen. Ist sie durch Erkältung oder Heuschnupfen verlegt, entsteht ein Unterdruck im Mittelohr mit Flüssigkeitsansammlung. Bei Kindern kann eine vergrößerte Rachenmandel (Adenoide) den Tubenausgang dauerhaft verlegen → chronischer Tubenkatarrh mit Risiko für bleibende Hörminderung und verzögerte Sprachentwicklung.
Symptome: stechende Ohrenschmerzen, Druckgefühl, Hörminderung, gelegentlich glucksende Geräusche beim Gähnen/Schnäuzen. Otoskopisch: zurückgezogenes (retrahiertes) Trommelfell, evtl. Sekretspiegel sichtbar.
Prüfungshinweis: Beim chronischen Tubenkatarrh KEIN Fieber und KEINE heftigen Schmerzen — das wäre für die akute Mittelohrentzündung typisch! Die Verwechslung von Tubenkatarrh und Otitis media ist ein häufiger Prüfungsfallstrick.
Therapie: abschwellende Nasentropfen (im Liegen einträufeln, damit sie zur Tubenmündung im Rachen gelangen), bei Kindern mit adenoider Vegetation ggf. Adenektomie; ein Trommelfellschnitt mit Paukenröhrchen kann das Sekret ableiten.
Akute Mittelohrentzündung (Otitis media)
Die häufigste Ursache ist die Ausbreitung von Bakterien (seltener Viren) aus dem Rachen über die Ohrtrompete — meist im Rahmen eines Infekts (Schnupfen, Mandelentzündung). Es kommt zu Eiteransammlung im Mittelohr, die bis zur Trommelfellruptur führen kann; danach fließt der Eiter ab, was paradoxerweise die Schmerzen schlagartig bessert!
Bei Säuglingen und Kleinkindern stehen häufig NICHT die Ohrenschmerzen im Vordergrund, sondern uncharakteristische Allgemeinsymptome: Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen und Unruhe. An eine Otitis media denken, auch wenn das Kind sich nicht ans Ohr fasst!
MerkmalBefund
OtoskopieGerötetes, vorgewölbtes Trommelfell, evtl. Sekretspiegel
BehandlungSchmerzmittel, Antibiotika; bei Druckaufbau ggf. Trommelfellschnitt (Parazentese)
HäufigkeitEine der häufigsten Erkrankungen im Kleinkindalter
Komplikationen der Otitis media
Eine Otitis media ist meist Folge eines Infekts im Nasen-Rachen-Raum, gehört zu den häufigsten Erkrankungen bei Kleinkindern, kann Zahnschmerzen verursachen (Nachbarschaft der Zahnwurzeln) und — unbehandelt oder verschleppt — zu einer Meningitis führen. Sie kann NICHT nur symptomatisch behandelt werden; eine kausale (antibiotische) Therapie ist häufig notwendig.
HP-Grenze: Eine Ausbreitung der Infektion zum Warzenfortsatz (Mastoiditis, Kapitel 15) oder ins Innenohr sowie eine Meningitis sind ernste Komplikationen — bei Verdacht auf eine akute Otitis media, besonders bei Kindern mit Fieber, unverzüglich ärztlich/HNO-ärztlich abklären lassen.
Übungsquiz
Eine Otitis media: 1. ist meist Folge eines Infekts im Nasen-Rachen-Raum 2. kann Ursache von Zahnschmerzen sein 3. gehört zu den häufigsten Erkrankungen bei Kleinkindern 4. kann nur symptomatisch behandelt werden 5. kann zu einer Meningitis führen
A
Nur 1, 2 und 3
B
Nur 1, 2, 3 und 5
C
Nur 3, 4 und 5
D
1–5, alle sind richtig
Richtig sind 1, 2, 3 und 5 — die Otitis media entsteht meist über einen Rachen-Infekt, kann Zahnschmerzen verursachen, ist bei Kleinkindern häufig und kann zur Meningitis führen. Aussage 4 ist falsch: Eine rein symptomatische Behandlung reicht oft nicht aus, häufig ist eine antibiotische Therapie notwendig.
Kapitel 3 · Ohrenerkrankungen
Mastoiditis & Cholesteatom
Zwei ernste Komplikationen chronischer Ohrenentzündungen
Mastoiditis (Warzenfortsatzentzündung)
Die häufigste Komplikation einer akuten Mittelohrentzündung: Die Infektion breitet sich in die lufthaltigen Hohlräume des Warzenfortsatzes (Mastoid, Processus mastoideus — der tastbare Knochenvorsprung hinter dem Ohr) aus.
Kardinalsymptome: Schwellung und Druckschmerz hinter dem Ohr, dabei steht das Ohr sichtbar ab — innerhalb weniger Stunden, begleitet von Fieber und Schmerzen.
HP-Grenze: Die Mastoiditis muss mit hochdosierten Antibiotika, manchmal chirurgisch behandelt werden, um eine Ausbreitung zum Gehirn zu verhindern — mögliche gefürchtete Komplikationen sind Meningitis (Hirnhautentzündung) und Sinusvenenthrombose sowie Hirnabszess. Sofortige ärztliche/HNO-ärztliche Vorstellung bei Verdacht!
Cholesteatom
Ein Cholesteatom ist keine bösartige Erkrankung (kein Krebs, keine Metastasierung!), sondern eine gutartige, aber lokal destruktiv wachsende Ansammlung von verhorntem Plattenepithel im Mittelohr — oft als Folge chronischer/wiederholter Mittelohrentzündungen. Durch den fortgesetzten Entzündungsreiz kann ein fortschreitender Knochenabbau entstehen, der die Gehörknöchelchen und angrenzende Strukturen zerstören kann.
Fallbeispiel: Ein 60-Jähriger mit einseitigen Ohrenschmerzen und herabgesetztem Hörvermögen — Verdacht auf Cholesteatom. Wichtige Fakten: Es handelt sich NICHT um eine bösartige Erkrankung, es kann jedoch nach Mittelohrentzündungen auftreten, und durch den fortgesetzten Entzündungsreiz kann fortschreitender Knochenabbau entstehen.
Prüfungshinweis: Ein Cholesteatom metastasiert NICHT — das ist ein häufiger Fallstrick, da „bösartig klingende" Antwortoptionen zur Metastasierung in Halslymphknoten als Falschantworten eingebaut werden. Die Behandlung besteht NICHT in Spülungen mit lauwarmem Wasser (das wäre die Cerumen-Entfernung) — ein Cholesteatom muss in der Regel operativ entfernt werden, um den fortschreitenden Knochenabbau zu stoppen.
Übungsquiz
Welche Aussagen zum Cholesteatom treffen zu? Wählen Sie zwei Antworten!
A
Es handelt sich um eine bösartige Erkrankung
B
Die Behandlung besteht in Spülungen mit lauwarmem Wasser
C
Ein Cholesteatom kann nach Mittelohrentzündungen auftreten
D
Die Metastasierung erfolgt in die regionalen Halslymphknoten
E
Durch den fortgesetzten Entzündungsreiz kann ein fortschreitender Knochenabbau entstehen
Ein Cholesteatom kann als Folge von (wiederholten) Mittelohrentzündungen entstehen und führt durch den chronischen Entzündungsreiz zu fortschreitendem Knochenabbau. Es ist jedoch keine bösartige, metastasierende Erkrankung und wird nicht durch einfache Wasserspülung behandelt.
Kapitel 3 · Ohrenerkrankungen
Otosklerose, Hörsturz & Morbus Menière
Drei Innenohr-Klassiker, die man in der Prüfung sauber unterscheiden muss
Diese drei Erkrankungen werden ständig gegeneinander abgefragt. Der Schlüssel zur Unterscheidung: Schwindel ja/nein und Verlauf akut vs. anfallsartig vs. langsam progredient.
MerkmalOtoskleroseHörsturzMorbus Menière
UrsacheVerkalkung des Steigbügels am ovalen FensterVermutete Innenohr-Durchblutungsstörung (Stress)Endolymphstau (Endolymphhydrops)
VerlaufLangsam progredientPlötzlich, akutAnfallsartig, wiederkehrend (Minuten bis Stunden)
SchwindelNeinNeinJa — Leitsymptom!
HörminderungJa, SchallleitungsschwerhörigkeitJa, meist einseitig, SchallempfindungsstörungJa, v. a. Tieftonbereich
BetroffeneV. a. Frauen, 15.–30. Lj., oft in der SchwangerschaftJedes AlterMeist Erwachsene
TherapieStapedektomie (Prothese) oder HörgerätDurchblutungsfördernde Infusionen (Pentoxifyllin, HAES) — schnell!Antiemetika, Reizmeidung (Alkohol, Nikotin, Salz)
Eselsbrücke: „Menière macht Meer(-schwindel)" — nur der Morbus Menière hat Drehschwindel als Kernsymptom. Otosklerose und Hörsturz betreffen isoliert das Hörvermögen, OHNE Schwindel.
Hörsturz im Detail
Plötzlicher, meist einseitiger Hörverlust mit Ohrgeräuschen (Tinnitus), OHNE Schwindel — das unterscheidet ihn vom Morbus Menière. Es handelt sich um eine Schallempfindungsstörung (Innenohr betroffen, nicht Mittelohr!).
HP-Grenze: Je länger mit der Behandlung gewartet wird, desto schlechter die Prognose — bei Hörsturz-Verdacht sofort notfallmäßig zum HNO-Arzt/in die HNO-Klinik überweisen!
Morbus Menière im Detail
Charakteristische Trias: Drehschwindelattacken (mit Übelkeit/Erbrechen), einseitige Hörminderung (v. a. Tieftonbereich) und Tinnitus/Ohrdruck. Der Morbus Menière ist eine Erkrankung des Innenohrs, kann in Schüben verlaufen und geht bei Vollausprägung mit Hörminderung und Tinnitus einher — Schluckstörungen gehören NICHT zum typischen Bild!
Prüfungshinweis: Beim Morbus Menière ist es KEIN Dauerdrehschwindel und KEINE beidseitige Hörminderung (Falschantworten!) — es handelt sich um anfallsartige Attacken mit einseitiger Hörminderung. Ein horizontaler Spontannystagmus zur gesunden Seite bei einseitiger Kopfschmerzsymptomatik beschreibt eher andere Störungsbilder, nicht das typische Menière-Muster.
Übungsquiz
Welche Diagnose ist bei Übelkeit, heftigem Drehschwindel und einseitigen Ohrgeräuschen am wahrscheinlichsten?
A
Otitis media
B
Hypotone Kreislaufdysregulation
C
Morbus Menière
D
Otosklerose
Die Kombination aus Übelkeit, heftigem Drehschwindel und einseitigen Ohrgeräuschen ist die klassische Trias des Morbus Menière. Otosklerose verursacht keinen Schwindel, Otitis media keinen Drehschwindel, und eine Kreislaufdysregulation erklärt nicht die Ohrgeräusche.
Kapitel 3 · Ohrenerkrankungen
Schwindel & Lagerungsschwindel
Der häufigste Schwindel überhaupt — kurz, aber heftig, und gut behandelbar
Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel (BPLS) ist die mit Abstand häufigste Erkrankung des Gleichgewichtsorgans! Ursache: kleine, losgelöste Kalziumkarbonatkristalle (Otokonien) aus den Vorhofsäckchen geraten in die Bogengänge und lösen bei bestimmten Kopfbewegungen einen falschen Bewegungsreiz aus.
Symptome
Drehschwindelattacken, ausgelöst durch Veränderung der Körperposition — typisch beim Aufsitzen aus der liegenden Position, Hinlegen oder Kopfdrehen im Bett
Die Attacken sind kurz — dauern typischerweise weniger als eine Minute an, klingen dann spontan ab
Können mit oder ohne Übelkeit einhergehen
KEINE Hörminderung, KEIN Tinnitus — das unterscheidet den BPLS vom Morbus Menière!
Prüfungshinweis: Der BPLS ist NICHT durch eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs bedingt (das wäre eine Neuritis vestibularis, ein anderes Krankheitsbild) und wird NICHT mit Cortison behandelt — Cortison ist bei der Neuritis vestibularis indiziert, nicht beim BPLS!
Diagnostik & Behandlung
Differentialdiagnostisch muss ein Schlaganfall (v. a. bei zusätzlichen neurologischen Ausfällen) ausgeschlossen werden. Der BPLS ist einer physiotherapeutischen Behandlung (Lagerungsmanöver, z. B. nach Epley) gut zugänglich — die meisten Patienten sind nach wenigen Sitzungen beschwerdefrei. Ein Halskragen zur Bewegungsminimierung ist KEINE sinnvolle Therapie, und es besteht KEIN exklusives Behandlungsvorbehalt nur für HNO-Fachärzte — auch Physiotherapeuten und geschulte andere Berufsgruppen führen die Lagerungsmanöver durch.
Nystagmus als Begleitbefund
Beim BPLS und anderen vestibulären Störungen zeigt sich häufig ein Nystagmus (unwillkürliches, rhythmisches Augenzittern) — er tritt physiologisch z. B. beim Blick aus dem Autofenster auf, beim Kranken aber auch in Ruhe. Ursachen für pathologischen Nystagmus: Kleinhirnerkrankungen, Innenohrstörungen, angeborene/toxische ZNS-Schädigung, Multiple Sklerose. Neu aufgetretener Nystagmus muss immer neurologisch abgeklärt werden.
Unterberger-Tretversuch — die Gleichgewichtsprüfung in der Praxis
Ein einfacher Test zur orientierenden Prüfung von Koordination und Gleichgewicht: Der Patient tritt mit geschlossenen Augen ca. 50-mal (ca. ½ bis 1 Minute) auf der Stelle. Eine Seitenabweichung von mehr als ca. 30–45° gilt als auffällig und kann auf eine einseitige Vestibularisstörung hinweisen — eine Abweichung nach links deutet dabei auf ein Problem auf der linken Seite hin (nicht auf einen „Fersensporn" — das ist ein orthopädisches, kein neurologisches Krankheitsbild und hat mit dem Test nichts zu tun).
Übungsquiz
Häufigste Erkrankung des Gleichgewichtsorgans ist der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel. Welche Aussage trifft zu?
A
Die Erkrankung geht mit einer einseitigen Schwerhörigkeit einher
B
Der Schwindel wird durch Veränderungen der Körperposition ausgelöst, z. B. beim Aufsitzen aus der liegenden Position
C
Typisches Symptom ist ein anhaltender Drehschwindel, der nicht nach einiger Zeit abklingt
D
Die Therapie besteht aus dem Tragen eines Halskragens
Der BPLS ist definitionsgemäß durch Lageänderungen ausgelöst (z. B. Aufsitzen aus dem Liegen) und die Attacken sind kurz (unter einer Minute), nicht anhaltend. Er geht nicht mit Hörminderung einher, und ein Halskragen ist keine wirksame Therapie — Lagerungsmanöver sind die Methode der Wahl.
Kapitel 4 · Diagnostik & Leitsymptome
Pupillenstörungen & Augensymptome
Anisokorie, Miosis, Mydriasis — wann eine Pupillenveränderung ein Notfall ist
Grundbegriffe
BegriffBedeutung
MiosisPupillenverengung (Parasympathikus)
MydriasisPupillenerweiterung (Sympathikus)
AnisokorieUngleich große Pupillen
PupillenstarreKeine Reaktion der Pupille auf Licht
PupillotonieTräge Pupillenreaktion
Miosis — wann ist sie zu erwarten?
Eine Miosis tritt auf bei: Reaktion auf Parasympathikomimetika (z. B. Pilocarpin-Augentropfen), binokularer Fixation eines nahegelegenen Gegenstandes (Konvergenzreaktion beim Nahsehen), sowie bei Opioidwirkung (z. B. Heroin/Morphin). NICHT bei Sympathikomimetika (die erweitern die Pupille!) und NICHT beim hypovolämischen Schock (dort eher Mydriasis durch Sympathikusaktivierung).
Anisokorie — die wichtigste Notfall-Pupillenstörung
Eine einseitige Pupillenerweiterung bei einem unbekannten, bewusstseinsgetrübten Patienten ist ein Alarmsignal! Die wahrscheinlichste Ursache ist eine subdurale Blutung (Hirnblutung mit Hirndruckanstieg, der den N. oculomotorius komprimiert) — nicht Drogenkonsum, nicht Vergiftung, nicht eine harmlose Augenerkrankung.
HP-Grenze: Anisokorie und Pupillenstarre sind Alarmsignale, die auf eine Hirnschädigung hinweisen können — bei unklarer Ursache sofort notfallmäßig ärztlich/neurologisch abklären lassen!
Konsensuelle Lichtreaktion — ein Prüfungsklassiker
Die konsensuelle Reaktion beschreibt die Pupillenverengung des NICHT beleuchteten Auges bei Beleuchtung des anderen Auges (durch kreuzende Reflexwege bedingt). Bei der Untersuchung: das nicht beleuchtete Auge muss vollständig von der Lichtquelle abgeschirmt werden.
Fehlt bei einem Auge die direkte Lichtreaktion (bei Beleuchtung dieses Auges), zeigt sich aber eine Miosis bei der konsensuellen Reaktion (Beleuchtung des ANDEREN Auges) — das ist ein Alarmzeichen und muss ärztlich sehr zeitnah abgeklärt werden! Dieses Muster spricht für eine afferente Störung des betroffenen Auges (z. B. Sehnervschädigung) bei intakter efferenter Bahn.
Weitere wichtige Augen-Leitsymptome
SymptomBedeutung
ExophthalmusHervortreten des Augapfels — pathognomonisch für Morbus Basedow (Schilddrüsenüberfunktion)
EnophthalmusEinsinken des Augapfels — bei Orbitafraktur oder als Teil des Horner-Syndroms
Horner-SyndromTrias: Enophthalmus + Miosis + Ptosis (hängendes Lid) — durch Sympathikusschädigung, z. B. Pancoast-Tumor
NystagmusUnwillkürliches Augenzittern — siehe Kapitel 17
LagophthalmusUnvollständiger Lidschluss („Hasenauge") — Gefahr der Hornhautaustrocknung
Untersuchung des Gesichtsfeldes und weitere Befunde
Bei der Augenuntersuchung müssen bestimmte Zufallsbefunde sofort ärztlich abgeklärt werden — etwa eine neu aufgetretene Heterochromie (unterschiedliche Irisfarbe rechts/links, kann auf eine Horner-Syndrom-Ursache oder andere Pathologie hinweisen), während ein normaler Visusunterschied zwischen beiden Augen (z. B. 1,0 vs. 1,2) oder rarefizierte Augenbrauen meist keine akute Alarmsignale darstellen.
Übungsquiz
Als Ursache einer einseitigen Pupillenerweiterung bei einem Ihnen unbekannten, bewusstseinsgetrübten Patienten kommt am ehesten infrage:
A
Einnahme von Drogen
B
Vergiftung durch Pflanzenschutzmittel
C
Verschluss des Tränenganges
D
Bindehautentzündung
E
Subdurale Blutung
Eine einseitige Pupillenerweiterung (Anisokorie) bei einem unbekannten Patienten spricht am ehesten für eine subdurale Blutung mit Hirndruckanstieg und Kompression des N. oculomotorius — ein neurologischer Notfall. Die anderen Optionen erklären dieses spezifische, einseitige Symptommuster nicht.
Kapitel 4 · Diagnostik & Leitsymptome
Schwerhörigkeit & Tinnitus
Schallleitung vs. Schallempfindung — der wichtigste Unterschied im ganzen Ohrenkapitel
Die wichtigste Unterscheidung bei Schwerhörigkeit: Liegt die Störung im Außen-/Mittelohr (Schallleitung) oder im Innenohr/Hörnerv (Schallempfindung)?
Schallleitungsschwerhörigkeit
Ort: Außenohr oder Mittelohr
Ursachen: Cerumen, Otitis media, chronischer Paukenerguss, Trommelfellperforation, Gehörknöchelchen-Luxation, Otosklerose
Hörhilfe: hilft in der Regel gut
Schallempfindungsschwerhörigkeit
Ort: Innenohr (Cochlea) oder Hörnerv
Ursachen: Lärmschäden, Hörsturz, Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis), Akustikusneurinom, Multiple Sklerose, Menière
Hörhilfe: hilft oft nicht ausreichend
Prüfungshinweis: Verletzungsbedingte Luxation der Gehörknöchelchenkette, Mittelohrentzündung und chronischer Paukenerguss sind Schallleitungsstörungen (Ort: Mittelohr). Ein Akustikusneurinom (Tumor des N. vestibulocochlearis) und eine Schwerhörigkeit bei Multipler Sklerose betreffen dagegen den Nerv/das Innenohr — Schallempfindungsstörungen!
Weber- und Rinne-Versuch — die Stimmgabeltests
TestDurchführungNormalbefund
Weber-VersuchStimmgabel auf Schädelmitte aufsetzenTon wird mittig, gleich laut auf beiden Seiten gehört
Rinne-VersuchKnochenleitung (Warzenfortsatz) vs. Luftleitung (vor dem Ohr) vergleichenLuftleitung wird länger/besser gehört als Knochenleitung
Bei Schallleitungsschwerhörigkeit: Weber lateralisiert zum kranken Ohr (dort lauter gehört, da der „Störschall" von außen fehlt und die Knochenleitung ungestört durchdringt); Rinne negativ (Knochenleitung wird länger gehört als Luftleitung). Bei Schallempfindungsschwerhörigkeit: Weber lateralisiert zum gesunden Ohr; Rinne bleibt positiv (Luftleitung weiterhin besser, nur insgesamt leiser).
Tinnitus (Ohrgeräusche)
Ursachen für Ohrgeräusche sind sehr vielfältig — nicht nur „lokale" Ohrenerkrankungen: Anämie, Otosklerose, Hypotonie, Hypertonie und Hirntumore können alle Tinnitus verursachen. Zusätzlich: Lärmschäden, Medikamente (Antibiotika, Zytostatika), Kiefergelenkserkrankungen, Kopf-/Halsverletzungen, Morbus Menière.
Merke: Tinnitus geht NICHT zwingend mit Gehörverlust einher, und es handelt sich NICHT einfach um ein „Geräusch auf akustischen Reiz" — Tinnitus wird per Definition OHNE äußeren Schallreiz wahrgenommen. Für Betroffene ist absolute Stille oft KEINE Wohltat, sondern verstärkt die Tinnitus-Wahrnehmung (deshalb hilft „Zudecken" mit angenehmen Hintergrundgeräuschen).
Ohrenschmerzen — die wichtigsten Differentialdiagnosen
Otitis media (starke, pochende Schmerzen + Trommelfellrötung/-vorwölbung), Tubenkatarrh (drückende Schmerzen + zurückgezogenes Trommelfell), Otitis externa (Tragusdruckschmerz + Trommelfell o. B.), Mastoiditis (Schwellung/Druckschmerz hinter dem Ohr) sowie Zoster oticus (Herpes zoster mit schmerzhaften Bläschen um das Ohr, oft begleitet von Hörminderung und Gleichgewichtsstörungen) und die Trommelfellperforation nach Barotrauma (Knall, Ohrfeige, Druckveränderungen).
Übungsquiz
Ursachen von Ohrgeräuschen (Tinnitus aurium) können sein: 1. Anämie 2. Otosklerose 3. Hypotonie 4. Hypertonie 5. Hirntumor
A
Nur 1 und 2
B
Nur 3 und 4
C
Nur 1, 2, 3 und 5
D
Nur 1, 2, 4 und 5
E
1–5, alle sind richtig
Alle fünf genannten Faktoren — Anämie, Otosklerose, Hypotonie, Hypertonie und Hirntumor — können Tinnitus verursachen. Das zeigt, wie vielfältig die möglichen Ursachen von Ohrgeräuschen sind und warum bei neu aufgetretenem Tinnitus eine gründliche Abklärung wichtig ist.
Bonus
Altprüfungs-Hits & häufige Fehlerquellen
Die Verwechslungen, die bei Auge und Ohr am öftesten geprüft werden — als finale Wiederholung
Dieses Kapitel bündelt die häufigsten Fallen aus den Altprüfungen zum Thema Sinnesorgane. Nutze es zur letzten Wiederholung vor der Prüfung.
Die 15 häufigsten Verwechslungen
Die Netzhaut (nicht Hornhaut, nicht Iris) enthält die bildaufnehmenden Sinneszellen — sie liegt im hinteren Augenabschnitt.
Die Hornhaut trägt MEHR zur Lichtbrechung bei als die Linse — nicht umgekehrt!
Kurzsichtigkeit: Ferne unscharf, Nähe scharf. Weitsichtigkeit: genau umgekehrt.
Presbyopie beruht auf Elastizitätsverlust der Linse — nicht auf einem Längenwachstum des Augapfels.
Netzhautablösung = schmerzlos, keine Rötung, Lichtblitze/Schatten/Schleier. Glaukomanfall = schmerzhaft, hart, rot.
Einseitige Pupillenerweiterung bei unbekanntem, bewusstseinsgetrübtem Patienten → an subdurale Blutung denken.
Gerstenkorn = schmerzhaft (Infektion). Hagelkorn = schmerzlos (Sekretstau).
Cholesteatom ist NICHT bösartig und metastasiert nicht — führt aber zu Knochenabbau.
Otosklerose, Hörsturz = KEIN Schwindel. Morbus Menière = Schwindel ist Kernsymptom.
BPLS: Attacken dauern unter einer Minute, ausgelöst durch Lageänderung, KEINE Hörminderung.
Wattestäbchen sind KEINE sinnvolle Ohrenpflege — sie schädigen Flimmerhärchen und schieben Cerumen tiefer.
Vor jeder Ohrspülung: Trommelfell otoskopisch kontrollieren — bei Perforation nicht spülen!
Schallleitungsschwerhörigkeit = Außen-/Mittelohr betroffen. Schallempfindungsschwerhörigkeit = Innenohr/Nerv betroffen.
Bei Säuglingen mit Otitis media stehen oft Durchfall, Erbrechen, Unruhe im Vordergrund — nicht die Ohrenschmerzen selbst.
Zapfen = Farbe & Zentrum. Stäbchen = Schwarz-Weiß, Bewegung & Peripherie.
Wichtige Zahlen zum Auswendiglernen
FaktWert
Länge des äußeren Gehörgangsca. 3 cm
Trommelfelldurchmesserca. 1 cm
Pupillendurchmesser (hell / dunkel)ca. 3 mm / ca. 7 mm
Grauer Star: Häufigkeit über 60 Jahreca. 20 %
Anteil „Geschmack", der eigentlich Geruch istca. 80 %
Geschmacksknospen pro Mensch2.000–5.000
Riechzellenca. 100 Millionen
Dauer BPLS-Attacke< 1 Minute
Unterberger-Tretversuchca. 50 Tritte, Augen geschlossen
Störungen, die typischerweise erst nach dem 50. Lebensjahr auftreten
Grauer Star (Katarakt), Prostatahyperplasie und Presbyakusis (Altersschwerhörigkeit) sind klassische Alterserkrankungen, die typischerweise erst nach dem 50. Lebensjahr auftreten. Hüftdysplasie und Scheuermann-Krankheit dagegen sind Erkrankungen, die bereits im Kindes-/Jugendalter beginnen — NICHT erst im höheren Lebensalter!
Abschlussquiz
Welche Störungen der Körperstrukturen treten in der Regel erst bei älteren Menschen (> 50 Jahre) auf? 1. Grauer Star 2. Hüftdysplasie 3. Prostatahyperplasie 4. Scheuermann-Krankheit 5. Presbyakusis
A
Nur 1 und 2
B
Nur 1, 3 und 5
C
Nur 3, 4 und 5
D
1–5, alle sind richtig
Grauer Star, Prostatahyperplasie und Presbyakusis sind klassische Alterserkrankungen (typisch nach dem 50. Lebensjahr). Hüftdysplasie ist angeboren/frühkindlich, die Scheuermann-Krankheit betrifft Jugendliche in der Wachstumsphase — beide sind keine Alterserkrankungen.
Das war's — du hast den gesamten Stoff der Sinnesorgane für die HP-Prüfung durchgearbeitet: von der Anatomie über die wichtigsten Augen- und Ohrenerkrankungen bis zu Diagnostik und Leitsymptomen. Wiederhole besonders die Notfallbilder (Glaukomanfall, Netzhautablösung, Zentralarterienverschluss, Mastoiditis) sowie die Abgrenzungstabellen (Schallleitung vs. Schallempfindung, Otosklerose/Hörsturz/Menière) — das sind die am häufigsten geprüften Bereiche. Viel Erfolg bei der Prüfung!